12. Zusammenfassung von Lebensgesetzen und Evolutionsverlauf
1. Im Gegensatz zu allen übrigen energetischen Manifestationen, deren Fähigkeit, Arbeit zu leisten, sich bei Umwandlungen und Auseinandersetzungen vermindert, stellt der Lebensprozeß einen Vorgang dar, dessen Volumen und Potenz sich seit seinem Einsetzen vor vier Milliarden Jahren stetig steigert. Die Gesamtheit der dieses Geschehen tragenden Materie und aller sie ausmachenden energetischen Umsetzungen wird Lebensstrom genannt.
2. Ein in Potenz und Volumen anwachsender Vorgang kann nur über raumzeitliche Strukturen stattfinden, die in zentraler Eigenschaft mehr arbeitsfähige Energie aus der Umwelt gewinnen und sich dienstbar machen, als ihre Gesamttätigkeit an solcher verbraucht. Jede Struktur, die dies vermag, wird als Energon bezeichnet. Auch in aller Zukunft und allerorts im Universum kann - sofern die bestehenden Naturgesetze erhalten bleiben - ein solcher Vorgang stets nur über Energone stattfinden.
3. Die Energone umfassen Pflanzen, Tiere, Berufskörper und Erwerbsorganisationen nebst Luxusstrukturen. Der Energonbegriff ist relativ. Eine Struktur kann sich in einer Umwelt als Energon erweisen, in einer anderen dagegen nicht. Jedes Energon ist durch ein Passungsverhältnis zur Umwelt gekennzeichnet, das ihm die Fähigkeit, den Lebensstrom fortzusetzen und zu steigern, gibt.
4. Sämtliche Lebewesen einschließlich des Menschen und der von ihm künstlich gebildeten Strukturen sind funktionelle Bestandteile einer energetischen Entfaltung. Der Mensch und die übrigen Lebewesen sind nicht Ziel und Zweck dieses Vorganges, sondern dessen Voraussetzung.
I. Hauptsatz
Der Lebensprozeß, ein sich in Volumen und Potenz steigerndes energetisches Geschehen, kann sich nur über Strukturen mit positiver Energiebilanz, die Energone, fortsetzen. Diese sind nicht Ziel und Sinn des Vorganges, sondern dessen Voraussetzung - sie sind nicht Zweck, sondern Mittel und damit Ursache. Die Struktur der pflanzlichen und tierischen Körper
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setzt sich in den vom Menschen gebildeten Berufskörpern und Erwerbsorganisationen samt Luxusstrukturen fort.
5. Stehen zwei Energone - wie auch immer sie aussehen mögen - im Konkurrenzkampf und sind sie einander in allem gleich, ist jedoch das eine durch funktionslose Einheiten belastet, dann hat das andere einen Vorteil.
6. Jedes Energon ist ein Funktionsgefüge, die Funktionsträger sind Erfüllungsgehilfen benötigter Funktionen. Für jedes Energon - gleichwohl, aus wievielen Einheiten es besteht - sind somit die Funktionen das Primäre, die Funktionsträger das Sekundäre.
7. Für sämtliche Energone ist es unerheblich, ob ihre Funktionsträger fest mit ihnen verwachsen sind oder nicht. Erheblich dagegen ist, daß sie alle die von ihnen benötigten Leistungen erbringen.
8. Für Energone ist es bedeutungslos, woraus ihre Funktionsträger bestehen, vorausgesetzt, daß diese die von ihnen benötigte Leistung erbringen.
9. Für alle Energone ist Art und Weise, wie ihre Teile zustande kommen, ohne Belang. Gemessen werden diese ausschließlich am Resultat, das sich bewähren muß und das Energon konkurrenzfähig macht.
10. Im Kampf um eine aktive Energiebilanz obsiegen - bei sonstiger Leistungsgleichheit - jene Energone, denen ihre Funktionserfüllungen die geringsten Energieausgaben verursachen.
11. Präzision in der Funktionserfüllung steigert - bei sonstiger Leistungsgleichheit - die Konkurrenzfähigkeit der Energone, sofern sie nicht das Maß des Benötigten überschreitet.
12. Bei sonstiger Leistungsgleichheit obsiegt im Konkurrenzkampf jenes Energon, dessen Funktionsabläufe in der Dimension Zeit dem Wirkungsoptimum am nächsten sind. Meist ist Schnelligkeit von Vorteil, doch gibt es auch Funktionen, bei denen langsamer Ablauf am besten zum Ziel führt. Schnelligkeit kann die entscheidende Komponente im Wertgerüst darstellen - und ist andererseits jene Komponente, welche in bestimmten Fällen total vernachlässigt werden kann.
II. Hauptsatz
Die Energone stellen Funktionsgefüge dar, die durch ein ihnen gemeinsames, sinnlich nicht wahrnehmbares, doch meßbares Wertgerüst gekennzeichnet sind. Sie bestehen aus Funktionsträgern, bei denen es unerheb-
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lich ist, welche Gestalt und welches Verhalten sie aufweisen, aus welchem Material sie bestehen, ob ihre Teile fest aneinandergefügt sind und auf welche Weise diese zustande kommen. Erheblich ist dagegen, welche Kosten sie verursachen, mit welcher Präzision sie ihre Funktion ausüben und mit welcher Schnelligkeit diese erfolgt. Die Parameter von Kosten, Präzision und Schnelligkeit sind in Phasen des Aufbaues, des Erwerbes, der Ruhe und bei Stillegung von unterschiedlichem Einfluß auf Effizienz und Konkurrenzfähigkeit.
13. Die Energiequelle bestimmt darüber, wie die zu ihrer Erschließung notwendigen Funktionsträger beschaffen sein müssen. Bei Pflanzen ist es das Sonnenlicht, bei Tieren und Menschen ist es organische Struktur, bei Berufskörpern und Erwerbsorganisationen ist es der Markt als Sammelbegriff aller bestehenden Nachfrage.
14. Jedes Energon muß zur Aufrechterhaltung seiner Struktur sowie für Wachstum und Bildung weiterer Energone Stoffe aus der Umwelt gewinnen. Gestalt und Tätigkeit der dafür zuständigen Funktionsträger werden von der jeweils zu erschließenden Stoffquelle bedingt, geprägt und gesteuert.
15. Jedes Energon ist Diener des Lebensstromes, woraus ihm Auflagen erwachsen, die ihm nicht unbedingt individuell dienen. Eine solche ist, daß der Lebensstrom nur anwachsen kann, wenn die Energone anwachsen und sich artgleich oder artungleich vermehren, beziehungsweise Luxusstrukturen bilden. Die dazu notwendigen Funktionsträger sind solche der Steuerung und der Ausführung dieser Steuerung. Ihre raumzeitliche Struktur - also Gestalt und Verhalten - wird durch diese an sie gestellte Aufgabe bedingt, geprägt und gesteuert.
16. Die Energone sind mannigfach störenden und feindlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt, welche ungezielt oder gezielt ihren Bestand gefährden und ihre Tätigkeiten in Frage stellen. Zu ihrem Bestehen müssen sie über Funktionsträger verfügen, welche diese Einflüsse abwehren, abschwächen oder neutralisieren. Form und Aktionsweise dieser Einheiten sind durch die Beschaffenheit der jeweils abzuwehrenden Störungen und Feinde bedingt, geprägt und gesteuert.
17. Den Energonen bietet sich die Chance, fördernde und freundliche Umweltkräfte in Diener zu verwandeln, welche ihnen eigene Anstrengungen ersparen oder ihnen zu spezialisierten Leistungen verhelfen, die sie sonst nicht erbringen könnten. Um in den Genuß solcher Hilfsdienste zu
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gelangen, sind fast immer zusätzliche Funktionsträger nötig, deren Ausbildung von den dienstbar zu machenden Kräften bedingt, geprägt und gesteuert wird.
18. Jenen Energonen, die der Mensch bildet, gibt dieser eine weitere Umweltausrichtung, indem er sich ihrer zur Gewinnung von Glück bedient. Die dazu notwendigen Funktionsträger und Tätigkeiten stellen Luxusstrukturen dar, die den Aufwand des Energons erheblich übersteigen können. Ihre Beschaffenheit wird durch die universellen und individuellen Eigenarten des Menschen sowie durch die jeweiligen Umweltverhältnisse bedingt, geprägt und gesteuert.
III. Hauptsatz
Bei allen Energonen sind sechs Formen der Auseinandersetzung mit der Umwelt zu unterscheiden. Erstens müssen sie mehr arbeitsfähige Energie in ihren Dienst zwingen, als ihre Gesamttätigkeit an solcher verbraucht. Eine aktive Energiebilanz bildet ihre Existenzgrundlage. Zweitens müssen sie Stoffe erwerben, die zur Aufrechterhaltung und Vermehrung von Energonstruktur geeignet sind. Drittens müssen sie über Steuerungen verfügen, die so geartet sind, daß das Gesamtvolumen der Energone und damit des Lebensstromes anwächst. Viertens müssen sie störende und feindliche Umwelteinflüsse so weit neutralisieren können, daß diese ihre Tätigkeit nicht unterbinden. Fünftens ist es für sie von Vorteil, wenn sie fördernde oder freundliche Umweltkräfte in ihre Dienste bannen. Sechstens gibt es Energone, die Luxusstrukturen bilden. Die Beschaffenheit aller für diese Leistungen nötigen Funktionsträger und deren Verhalten wird durch die jeweils zu bewältigende Aufgabe und die Umweltfaktoren, gegen die sie wirken, determiniert.
19. Jedes Energon benötigt Funktionsträger, die sämtliche ihm dienenden Einheiten entweder permanent oder für die Zeit ihres Gebrauches an seine Ganzheit binden. Die Beschaffenheit dieser Bindemittel wird durch die jeweiligen Eigenschaften der zu bindenden Einheiten, durch die Energontätigkeit sowie durch Umweltkräfte, denen Widerstand geboten werden muß, bedingt, geprägt und gesteuert.
20. Zur Ausführung zielführender Abläufe benötigen die Energone Funktionsträger zur Koordination von Bewegungen und Prozessen. Die für diese Funktionsträger notwendige Ausbildung und Tätigkeit wird von
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der zu erfüllenden Aufgabe sowie durch die Beschaffenheit der zu koordinierenden Abläufe bestimmt, geprägt und gesteuert.
21. Für Effizienz und Konkurrenzfähigkeit der Energone ist entscheidend wichtig, daß ihre Funktionsträger einander möglichst wenig behindern, nach Möglichkeit einander die Tätigkeit erleichtern und daß jeder Funktionsträger hinsichtlich Kosten, Präzision und Schnelligkeit auf die Erfordernisse des Energonganzen abgestimmt ist. Auch Wertunterschiede, Präferenzen und Prioritäten müssen hinsichtlich der Lage und bei Bewegungen berücksichtigt sein. Außerdem beeinflussen die jeweils herrschenden Umweltbedingungen und neu hinzutretende Funktionsträger die erforderliche Abstimmung. Alle Maßnahmen und zusätzlichen Strukturen, welche die Abstimmung notwendig macht, werden durch das Energonganze und durch Umweltbedingungen bestimmt, geprägt und gesteuert.
22. Für jedes Energon ist es unabdingbare Auflage, die Funktionskraft seiner Funktionsträger zu erhalten. Dies zwingt ihnen eine Vielzahl von Einrichtungen der Pflege, der Zufuhr und Ableitung, der Ordnung und Sicherheit auf. Die Ausbildung dieser Funktionsträger der Erhaltung wird durch die Eigenschaften der zu erhaltenden Einheiten und der auf sie einwirkenden Kräfte bedingt, geprägt und gesteuert.
23. Energone können den Lebensstrom nur dann in Potenz und Volumen steigern, wenn möglichst viele von ihnen über Funktionsträger verfügen, die Verbesserungen von Struktur und Verhalten und damit ein Ansteigen der Effizienz und Konkurrenzfähigkeit bewirken. Die für sie notwendige Ausbildung wird durch diese zu erfüllende Aufgabe und durch den Energontyp, in dem sie wirken, bestimmt, geprägt und gesteuert.
24. Funktionslose Einheiten stellen für Energone eine Belastung dar, können sich aber trotzdem für den Lebensstrom förderlich auswirken, indem sie für Weiterentwicklung neue Ansatzpunkte bieten. Die zu ihrer Beseitigung oder Nutzbarmachung notwendigen Funktionsträger werden in ihrer Ausbildung und Tätigkeit durch die zu erfüllende Aufgabe sowie durch die Beschaffenheit der funktionslosen Strukturen bestimmt, geprägt und gesteuert.
IV. Hauptsatz
Bei allen Energonen sind sechs Formen der Auseinandersetzung im inneren Gefüge zu unterscheiden. Erstens muß jeder Funktionsträger an das
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Energonganze gebunden sein. Zweitens müssen manche Funktionsabläufe mit anderen koordiniert werden. Drittens muß jeder Funktionsträger auf die übrigen und auf das Energonganze abgestimmt sein. Viertens muß die Funktionskraft jedes Funktionsträgers aufrechterhalten werden. Fünftens sind Einrichtungen der Verbesserung erforderlich. Sechstens sollen funktionslose Teile keine Behinderung darstellen. Die Beschaffenheit aller für diese Leistungen nötigen Funktionsträger und deren Verhalten wird durch die jeweils zu bewältigende Aufgabe und durch die Eigenschaften der jeweils betroffenen Funktionsträger determiniert.
25. Als Energat wird bezeichnet, was nicht Energonen angehört oder ihnen dient. Energate können sich unmittelbar in Funktionsträger verwandeln, wenn ein Energon sie aufnimmt und zu einem solchen macht. Weitere Möglichkeiten einer Funktionsgeburt sind gegeben, wenn ein Funktionsträger durch veränderte Umstände zu einer neuen Leistungsfähigkeit gelangt oder wenn mehrere Funktionsträger in solche Kombination gelangen, daß die neue Einheit nunmehr eine bis dahin nicht vorhandene Leistung erbringt.
26. Funktionsträger können zur Übernahme weiterer, anderer Funktionen gebracht werden, indem neue Steuerungen hinzutreten. Auch durch strukturelle Modifikationen wird Mehrfunktion möglich. Nachteile der Mehrfunktion sind in der Regel Leistungseinbußen bei den Einzelfunktionen. Allzu weitgehende Hinzunahme zusätzlicher Funktionen - Funktionserweiterung - führt zu Funktionsüberbürdung, die sich für das Energon negativ auswirkt.
27. Neue Leistungen können zustande kommen, indem bei einem Funktionsträger zur ursprünglichen Funktion eine andere hinzutritt, die dann zur Hauptfunktion wird. Bei solchem Vorgang ergeben sich als ökonomischer Vorteil verminderte Entwicklungskosten, als Nachteil dagegen, daß historische Belastung oft den Weg zu technisch optimalen Lösungen erschwert.
28. Der Funktionsüberbürdung innerhalb der Energone wirkt Bildung oder Zuordnung von Hilfseinheiten entgegen, wobei hierarchische Strukturen entstehen. Eine zweite Möglichkeit der Entlastung ist die Übertragung von Einzelfunktionen auf neue Funktionsträger, was immer weitergehende Differenzierung und Spezialisierung nach sich zieht. Eine dritte Möglichkeit ist die vorübergehende oder endgültige Aufgabe nicht mehr tragbarer Funktionen.
(Originalbuchseite 332)
29. Werden an zahlreichen Punkten eines Energons gleiche Funktionsleistungen benötigt, dann wirken sich Funktionspartnerschaften oder generelle Funktionskonzentration auf ein Organ vorteilhaft aus. Möglichkeiten und Grenzen der Zentralisation ergeben sich bei den verschiedenen Funktionsarten aus der Größe des jeweiligen Funktionsraumes, der darin zu bewältigenden Entfernungen und der zur Verfügung stehenden Zeit.
30. Im Konkurrenzkampf der Energone sind Funktionsverbesserungen und Funktionserneuerungen entscheidende Waffen, um zu gesteigerter Effizienz zu gelangen, also Leistungen von höherer Präzision und Schnelligkeit bei möglichst niederen Kosten zu erzielen.
31. Im Energongefüge stellen sich der Rückbildung funktionsarm oder funktionslos gewordener Einheiten praktische Widerstände entgegen, welche die Energone und ihre individuelle Entwicklungsfähigkeit belasten. Bei Funktionsabbau oder totaler Liquidierung hierarchischer Hilfsstrukturen können verbleibende Funktionsrudimente auf andere Funktionsträger übergehen, welche dann diese in Funktionserweiterung übernehmen.
32. Zur Differenzierung und Spezialisation kommt es über Evolutionsprozesse, indem Funktionsträger zur ursprünglichen noch weitere Funktionen hinzunehmen, was zur Funktionsteilung oder zum Funktionswechsel führen kann, worauf wieder Funktionsträger mit nur einer Funktion entstehen, bei denen der gleiche Ablauf erneut einsetzt. Je mehr Funktionsträger ein Energon umfaßt, desto mehr Hilfsleistungen werden nötig, die ebenfalls zur Bündelung in neue Organe Anlaß geben. So führt die evolutionäre Entwicklung über Spiralprozesse zu immer neuen Funktionserfüllungen.
V. Hauptsatz
Funktionen können nur über geeignete materielle Strukturen erfolgen, die damit zu Funktionsträgern werden. Manche Funktionsträger können mehr als eine Funktion ausüben, manche Funktionen benötigen mehr als einen Funktionsträger zu ihrer Verwirklichung. Die Evolution der Energone und ihre Effizienzsteigerung ist durch Erweiterung, Überbürdung, Wechsel, Teilung, Streuung, Konzentration, Kooperation und Abbau von Funktionen gekennzeichnet, wobei Spiralprozesse nachweisbar sind.
33. Die Selektion der Energone, die Volumen und Potenz des Lebensstro-
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mes quantitativ und qualitativ am besten steigern, erfolgt über den Wettbewerb automatisch und wird von den Bedingungen determiniert, die sich für ein potenzierendes energetisches Geschehen stellen. Der Lebensträger Mensch ersetzt kraft seiner Intelligenz die natürliche durch eine gezielte künstliche Auslese, wodurch eine Beschleunigung in der Effizienzsteigerung der Energone erfolgt. Die Auslese kann an positiven oder negativen Merkmalen ansetzen, indem sie das Geeignete fördert und das Ungeeignete ausmerzt. Wo sie unterbunden wird, kommt es zur Stagnation in der Entwicklung.
34. In der Evolution der Energone spielen limitierende Faktoren eine wesentliche Rolle. Strukturelemente können die Möglichkeiten der Weiterentwicklung vorübergehend oder für immer einengen. Verbesserungen müssen jeweils an den funktionell schwächsten Stellen ansetzen, um für den Konkurrenzkampf ausreichende Effizienzsteigerungen, die sich in wirksamer Überlegenheit niederschlagen, zu bewirken.
35. Energone sind durch Polaritäten in der Ausrichtung gekennzeichnet, die allgemein maßgebende Entwicklungsrichtungen festlegen. Das für sie zweckmäßige Funktionsgefüge wird durch die Energongröße und den benötigten Aktionsradius wesentlich beeinflußt, ferner durch Kontinuität oder Diskontinuität zu erbringender Funktionen, durch die Zahl der Funktionsträger und das für die Tätigkeit notwendige Maß an Spezialisierung oder Vielseitigkeit.
36. Die Evolution der Energone stützt sich auf Kooperation, welche die Bildung eines hierarchischen Stufenbaues nach sich zieht. Symbiose und Verbandsbildung bewirken die Entstehung immer größerer Energone. Über Gewalt, Leistungstausch und Partnerschaft können Energone andere Energone zu ihren dienlichen Organen machen. Bei Berufskörpern und Erwerbsorganisationen nebst Luxusstrukturen ist es sogar möglich, daß Funktionsträger eines Energons mit fremden Energonen oder deren Funktionsträgern Kooperationen eingehen.
37. Die Energonentfaltung ist durch Wertkonflikte gekennzeichnet, die sich aus divergierenden Interessen zwischen Individuum, Art und Evolution sowie im hierarchischen Stufenbau ergeben. Bei den Berufskörpern und Erwerbsorganisationen setzen darüber hinaus angeborene und erworbene Verhaltensweisen des Menschen ausgeprägte Werte. Insbesondere sind dies metaphysisches Bedürfnis, ästhetisches Empfinden, Sitte, Brauchtum und Streben nach Glück.
38. Zwischen Energonen bestehen Interdependenzen, die Gleichge-
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wichtszustände anstreben. In den einzelnen Bereichen der Energone ergeben sich so Vernetzungen, die desto komplexer, intransparenter und anfälliger sind, je mehr Energone und Energontypen auf einem Areal zusammenleben.
39. Energone können ihr Machtpotential steigern, indem sie sich nicht Umweltbedingungen anpassen, sondern diese zu ihrem Vorteil künstlich verändern. Richtet sich solche Manipulation gegen Pflanzen, Tiere und vom Menschen geschaffene Energone, dann kommt es zu Umschichtungen, die neue Interdependenzen und Machtverteilungen innerhalb des Lebensprozesses schaffen.
40. Die Evolution der Energone wird durch Epiphänomene begünstigt, die neue Entwicklungen einleiten und so zu Hauptstellenwert gelangen. Zusammenschrumpfen von Populationen, Isolation, Einnischung, Merkmalskoppelung und Nichtverwachsensein artifizieller Funktionsträger führen zu Nebenauswirkungen und Rückwirkungen, welche die Evolution beeinflussen und fördern.
VI. Hauptsatz
Ökosysteme sind Gleichgewichtszustände und keine Energone.. Symbiose und Verbandsbildung mit Hierarchien sind Formen der Kooperation und schaffen Energone höherer Komplexität und Effizienz. Daraus resultierende Wertkonflikte, limitierende Faktoren, Polaritäten in der Ausrichtung, passive Abhängigkeiten und aktive Veränderungen von Umweltbedingungen stellen primäre richtungweisende Evolutionsfaktoren dar. Positive oder negative, unbewußte oder gezielte Selektion entscheidet in diesem Geschehen, welches durch günstige Umweltfaktoren, evolutionsfördernde Mechanismen und Epiphänomene der Entwicklung beschleunigt wird.
Resümees
A. Gemäß bisheriger Überzeugung sind biologische Evolution und kulturelle Evolution des Menschen etwas grundsätzlich Verschiedenes. In der Kybernetik gelangte man zu der Vorstellung, daß Information neben Materie und Energie eine dritte Grundausrichtung der Weit sei. Zunehmende Komplexität wird als Zielrichtung der Evolution angesehen, die
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über Elementarteilchen, Atome, Moleküle, Zellen und vielzellige Lebewesen Strukturen von immer höherem Informationsgehalt anstrebt. Man beschäftigt sich deshalb mit der Frage, wie Zufälle ein so hohes Maß von Zweckmäßigkeit hervorbringen können.
Die Energontheorie sieht dagegen in der Lebensentwicklung ein energetisches Phänomen besonderer Art: einen Prozeß, der nicht Gleichgewichtszustände anstrebt, sondern in Potenz und Volumen zunimmt. Eine solche Steigerung kann nur über materielle Strukturen stattfinden, die klar definierbare Merkmale und Eigenschaften haben und demnach funktionell determiniert sind. Erwerb und Speicherung von Information sind nicht Ziel des Vorganges, sondern eine seiner wichtigsten Voraussetzungen. Ob Zufälle, Intelligenz oder sonstige Wirkungen eine Struktur hervorbringen, hat keinen Einfluß auf deren über Notwendigkeit diktierte Effizienz. Sämtliche Lebenserscheinungen sind demnach vom anorganischen Bereich eindeutig abgrenzbar, und sie umfassen auch alle Bereiche der menschlichen Entfaltung. Der Lebensprozeß wird nicht ausschließlich von den Zellkörpern fortgesetzt, sondern von Strukturen, die alle dafür nötigen Funktionsträger umfassen. Diese Strukturen werden Energone genannt.
B. Die Entwicklung zur Zelle begann mit Energonen, die im Urmeer durch zufälliges Aufeinandertreffen von energiereichen Molekülen zustande kamen. Über sie setzte ein sich in Potenz und Volumen steigernder Prozeß ein. Nucleotidketten in ihrem Gefüge bildeten den Genetischen Code, der Fortpflanzung bewirkt und Information speichert. Die Verknappung der im Urmeer frei verfügbaren energiereichen Bausteine führte dazu, daß jene Energone sich durchsetzten, denen die Synthese von Proteinen gelang. Energone, die über Photosynthese Lichtenergie zu gewinnen vermochten, begründeten die autotrophen Pflanzen. Diese reicherten das Wasser mit ausgeschiedenem Sauerstoff an, was die Voraussetzung für das Entstehen räuberischer Energone schuf - der Tiere. Über Steuerkausalität determinierten Räuber und Beute jeweils die Ausbildungsrichtung der anderen. Ein weiterer bahnbrechender Fortschritt war die Zweigeschlechtlichkeit, durch welche genetisch gespeicherte Information in neue Kombinationen gelangt, was die Chance zur Entstehung neuer effizienterer Typen steigert. In der Zelle gelangte die Energonentfaltung zu einer besonders leistungsfähigen Einheit, die ihre Vorstufen in der Evolution verdrängte.
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C. Aus Einzellern entwickelten sich die Vielzeller, deren Körper fast ausnahmslos bei der Fortpflanzung von einer Einzelzelle aufgebaut wird, in den Zellen der Vielzeller werden Teile des bei allen Individuen einer Art gleichen Genetischen Codes durch Regelproteine blockiert, was Differenzierung für verschiedene Funktionen bewirkt. Diese gingen im Lauf der Höherentwicklung von zelleigenen auf vielzellige Funktionsträger über, zuletzt auch die Funktion der Bildung von Organen.
Den vielzelligen Pflanzen und Tieren gelang die Eroberung des trockenen Landes, was Gasgewinnung aus der Luft, Schutz vor Austrocknung und Auseinandersetzung mit stärker wirksamer Schwerkraft bedingte. Im Menschen gelangte die Energonentwicklung zu einer Einheit, die aufgrund besonderer geistiger Fähigkeiten vom Zellkörper getrennte Funktionsträger direkt aus anorganischer Materie aufbaut. Der Mensch bildet auf diese Weise Energone von höherer Leistungskraft, deren Aufbaurezepte nicht mehr im Genetischen Code verankert sind, sondern über Sprache und Schrift auf andere Menschen übertragen und damit vererbt werden.
D. Die Besonderheit des Menschen gründet sich auf seine höhere Intelligenz, die auf einer gesteigerten Entwicklung der Großhirnrinde beruht. Sie befähigt den Menschen, Eindrücke und Erfahrungen kausal miteinander zu verknüpfen, die räumlich und zeitlich weit getrennt sind. Sie befähigt ihn, daraus Schlußfolgerungen zu ziehen, zu planen, Zusammenhänge theoretisch zu beurteilen, Lösungsmöglichkeiten und Entscheidungen über Simulation der Praxis innerlich vorzubereiten. Darüber hinaus befähigt sie ihn, sich selbst zu objektivieren, wodurch es zum Ichbewußtsein kommt. Gesteigertes Vermögen zur Abstraktion und Begriffsbildung sowie die Fähigkeit, Begriffe mit Lautsymbolen zu verknüpfen, führten zur Sprache. Angst vor den Naturgewalten und die Problematik von Geburt, Leben und Tod bedingten metaphysische Vorstellungen, die durch die Naturwissenschaften weitgehend entkräftet wurden. Die Energontheorie sieht im Menschen nicht den derzeitigen Endpunkt und Höhepunkt der Evolution, sondern nur den talentiertesten und damit effektivsten Erfüllungsgehilfen eines physikalischen Geschehens. Aufgrund seiner Intelligenz vermag der Mensch seinen Zellkörper durch artifizielle Funktionsträger zu erweitern und größere Einheiten zu bilden, über die sich eine in Potenz und Volumen steigernde energetische Entfaltung fortsetzt.
E. Die vom Menschen geschaffenen künstlichen Organe befreiten die Evo-
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lution von der Fesselung durch die Zelle und eröffneten der Lebensentwicklung völlig neue Möglichkeiten einer Steigerung in Potenz und Volumen. Mit dem Zellkörper nichtverwachsene, artifizielle Funktionsträger führten nach der Entfaltung von Einzellern und Vielzellern zu einer dritten Entwicklungsphase, in der Energone von äußerlich total anderem Aussehen entstanden. Die künstlichen Organe bieten den Vorteil, daß sie ablegbar, auswechselbar und von mehreren Energonen verwendbar sind. Sie brauchen nicht selbst hergestellt zu sein, können aus beliebigem Material bestehen, und ihre Entwicklung muß nicht selbst finanziert werden. Sie sind durch die Geschichte ihres Zustandekommens weniger belastet. Sie müssen nicht mit körpereigener Energie betrieben werden, riesige Gemeinschaftsorgane werden möglich. Sie müssen nicht selbst gepflegt, kontrolliert und repariert werden und ermöglichen artungleiche Fortpflanzung. Fortschritte einer Energonart können durch sie der Entwicklung anderer zugute kommen, und individuelle Verwandlung findet statt. Sie erweitern die Sinnesleistungen außerordentlich, lassen alle Größenbeschränkungen der Energone fortfallen und ermöglichen einen beliebigen Transfer von Energie und Stoffen. Sie bewirken Kapitalakkumulation, den Einbau fremder Energone in das eigene Wirkungsgefüge und die Schaffung beliebiger Luxusstrukturen. Verlieren sie ihre Funktionsfähigkeit, dann sind sie abstoßbar und liquidierbar.
F. Nach der Evolution der Einzeller und der Vielzeller übernimmt der Mensch die Energonbildung durch bewußte Schaffung künstlicher Organe. In ihrem Verhalten wird die aufbauende und steuernde Keimzelle Mensch durch Triebe mit angeborenen und erworbenen Komponenten bestimmt, die, untereinander vernetzt, sich verstärkend und kollidierend in stetem Ringen mit dem Intellekt stehen. Sie wurzeln im angeborenen Erbe und lassen sich in Hauptgruppen einteilen: Nahrungstrieb, Sicherheitstrieb, Neugiertrieb, Geschlechtstrieb, Brutpflegetrieb, Gemeinschaftstrieb, Aggressionstrieb, Imponiertrieb, Schönheitstrieb, Nachahmungstrieb, Ordnungstrieb und Besitztrieb. Sie bestimmen die Pläne, Entschlüsse und Entscheidungen des Menschen und damit die Ausrichtung seines Energonbaues. Das ichbewußte Unterscheidungsvermögen von Lust und Unlust wird zum treibenden Motor. Steuerungen ähnlicher Mechanik wie die Triebe entstehen außerdem über Gewohnheiten und Tradition. Die menschliche Intelligenz, von diesen Kräften beeinflußt und dirigiert, verhilft dem Lebensstrom zu einem lawinenhaften Anwachsen in
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Potenz und Volumen. Dies legt nahe, daß dieses energetische Geschehen einer globalen Selbstzerstörung zustrebt.
G. Indem Menschen ihrem Zellkörper künstliche
Organe anfügen, entstehen Energone höherer Leistungskraft - Berufskörper
und Erwerbsorganisationen, die zusätzlich Luxusstrukturen bilden.
Die räuberische Form des Energieerwerbs wird zunächst beibehalten,
jedoch durch künstliche Umweltveränderung - Ackerbau und Viehzucht
- wesentlich gesteigert. Grundeinheit der Verbandsbildung ist die genetisch
erzwungene Partnerschaft der Familie. Im Rahmen einer sich immer mehr differenzierenden
Arbeitsteilung kommt es zur Erwerbsform über Tausch, wobei das Geld
zum Universalvermittler wird. Es entstehen Erwerbsorganisationen, in deren
Gefüge Berufskörper zu Funktionsträgern werden. Eine weitere
Steigerung und Beschleunigung der Entwicklung bringt der technische Fortschritt
über Dienstbarmachung von Naturkräften durch Maschinen und Verfahren.
Zum Universalvermittler wird hier die Elektrizität. In Energonen,
deren Potenz und Volumen sich immer mehr steigert, werden die Interessen
des Menschen - durch Auswechselbarkeit und Ersetzbarkeit bedingt - nachrangig.
Die artifiziellen Funktionsträger - die künstlichen Organe -
determinieren die allen Staaten gemeinsame Auflage, Schutz nach außen
und Ordnung im Inneren zu gewährleisten. Wesentliche Interessenkonflikte
zwischen dem Menschen, seinen Energonen und den verschiedenen Staatsformen
kennzeichnen die dritte Phase der Evolution, wobei Macht, Eigentum und
Verfügungsgewalt im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen.
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