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9. Der Energonbau des Menschen

Ehe wir uns dem bisherigen Ablauf der dritten Evolutionsphase der Energone zuwenden, muß ohne Schonung festgestellt werden, daß es unserem angestammten und eingefleischten Denken überaus schwer fällt, diese Entwicklung nüchtern zu sehen und objektiv zu bewerten. An diesem Punkt der energetischen Entfaltung, die wir Lebensstrom nennen, werden wir selbst Teil dieses Geschehens - sein essentieller Teil. Wollen wir den Standort des Menschen aus der Sicht der Energontheorie bestimmen, dann müssen wir die bisherigen Bewertungen - so einprägsam, so überzeugend,

so ehrwürdig sie uns erscheinen - geistig über Bord werfen. Dem "Erkenne Dich selbst!" zuliebe, müssen wir die Bereitschaft aufbringen, uns selbst so zu betrachten, als wären wir Besucher aus dem Weltenraum, denen die Vorgänge auf dem Planeten Erde unbekannt sind, die also mit Interesse und ohne Vorurteil auf uns schauen und unsere Position in der Evolution, die sich hier vollzieht, ermitteln wollen.

Wir gingen davon aus, daß auf dem Planeten Erde ein Prozeß stattfindet, der sich von den übrigen energetischen Manifestationen unterscheidet. Er strebt nicht Gleichgewichtszustände an - wie die Bewegung von Wind und Wellen, wie chemische Abläufe, wie die Bildung von Kristallen. Er steigert sich - seit etwa vier Milliarden Jahren - unaufhörlich in Potenz und Volumen. Ausgangspunkt unserer Untersuchung war die Grundfrage: Wie ist solches überhaupt möglich? Wie kann ein solcher Vorgang, ein solcher Prozeß, ein solches energetisches Geschehen stattfinden? Unsere Antwort lautet: Nur über materielle Strukturen mit besonderen Eigenschaften. Daraus ergibt sich als nächste Frage: Welches also sind diese notwendigen Eigenschaften, um ein solches Geschehen zu bewirken, fortzusetzen, ja zu steigern? Wir nannten jede Struktur, der diese besondere Fähigkeit zukommt, "Energon".

Wir fragten also: Über welche Fähigkeiten müssen Energone verfügen? Schon hier stießen wir auf einen grundsätzlichen Unterschied zu gewohnten Denkweisen. Wir fragten nämlich nicht, warum solche Strukturen zustande kommen - warum sie zustande kamen? Vielmehr stellten wir von allem Anbeginn an fest, daß sie nicht Ziel einer Entwicklung, sondern de-

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ren Voraussetzung sind. Die für sie notwendigen Eigenschaften und Leistungen sind somit funktionell festgelegt - determiniert durch die Grundauflage, so beschaffen zu sein, daß ein in Potenz und Volumen sich steigernder energetischer Prozeß sich über sie fortsetzen kann. Vermögen Strukturen diese Leistung zu erbringen, dann sind sie Energone, vermögen sie es nicht, dann sind sie keine Energone, sondern Energate. Das äußere Erscheinungsbild fällt somit nicht ins Gewicht, ebenso wenig das Material, aus dem sie bestehen, und der Weg, über den sie zustande kommen. Was einzig zählt, ist das Resultat.

Im ersten Teil der neuen Lehre zeigten wir, wie Energone beschaffen sein müssen - notwendigerweise. Und zwar überall im Universum, wo die uns bekannten energetischen Gesetze ihre Gültigkeit haben. Schon in diesem Teil wiesen wir darauf hin, daß alle als Pflanzen und Tiere bezeichneten Strukturen unter den Begriff Energon fallen -, außerdem vom Menschen gebildete, aus nicht fest zusammenhängenden Teilen bestehende Strukturen, die wir in Berufskörper und Erwerbsorganisationen samt Luxusstrukturen unterteilten. Wir wiesen bereits darauf hin, daß auch die als Staaten bezeichneten Strukturen ohne Ausnahme in den Kreis dieser Energone gehören. Im zweiten Teil verließen wir dann die vom funktionellen her diktierte Betrachtung und skizzierten den evolutionären Entwicklungsweg der Energone. Zuerst den Weg bis zur Zelle, dann die Entfaltung der Vielzeller bis zum Menschen, der kraft seiner Intelligenz artifizielle Funktionsträger - die künstlichen Organe - bildet und Energone höherer Ordnung, Hyperzeller, aufbaut. An diesem Punkt hielten wir inne, um zunächst das Wesen der menschlichen Intelligenz zu betrachten. Anschließend fragten wir uns, welche Auswirkungen die Bildung der artifiziellen Funktionsträger hatte - und hat. Es sind nicht weniger als zwanzig entscheidende Fortschritte, die sie ermöglichen. Schließlich fragten wir uns, wie der Mensch, als Schlüsselfigur in dieser dritten Phase der Energonentfaltung agiert? Ist sein Wille frei? Wie weit ist sein Verhalten durch angeborene Verhaltenssteuerungen festgelegt? In welchem Ausmaße vermag er überhaupt diese ihm gebotenen Möglichkeiten wahrzunehmen und welche der gebotenen Alternativen bevorzugt er?

Alle diese Betrachtungen ergeben, daß die menschliche Energonbildung - der menschliche Energonbau - als in dreifacher Hinsicht determiniert angesehen werden muß. Erstens durch die Grundgesetze, die für sämtliche Energone gelten: Sie bilden das Rahmengerüst, dem jede Struktur entsprechen muß, um den Lebensstrom weitertragen und steigern zu können.

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Zweitens werden durch die künstlichen Organe weitere Entwicklungsrichtungen eröffnet, die den menschlichen Energonbau und die Richtung für die Steigerung von Effizienz ebenfalls bestimmen. Drittens ist der Lebensträger Mensch seiner entwicklungsgeschichtlichen Vergangenheit verhaftet: Er war nicht als Energonbauer in die Welt gesetzt. Ebenso wenig wie jene Einzeller, die zur Bildung von Vielzellern übergingen. Aus der emotionsfreien Sicht der Energontheorie eröffnet der Mensch, ebenso wie die Zelle, der Energonentfaltung neue Wege - nicht mehr. Diese sind vorgezeichnet, sein Wille erweist sich als alles eher als frei. Vielmehr wird sein Verhalten durch zwölf Haupttriebe und weitere angeborene Tendenzen motiviert, wozu noch über Erziehung, Tradition, traumatische Erlebnisse und durch den Mechanismus des Denkens selbst und persönliche Gewohnheitsbildung entstehende Fixierungen und Beschränkungen kommen.

Somit ist der Mensch durchaus nicht jener Prometheus und Bezwinger der Natur, als der er sich selbst bewertet, sondern Erfüllungsgehilfe in einem Geschehen, dem Bahnen und Stoßrichtungen vorgezeichnet sind. Er kann Zielführendes gar nicht erfinden - sondern nur finden. Die Auflagen des Lebensstromes, die notwendige Beschaffenheit der Energone, die hierarchischen Zwänge und die persönlichen Interessen des ichbewußten Menschens, der von Trieben weitgehend gelenkt und auf der gezielten Suche nach Glück ist, ergeben permanente Antagonismen, schwerwiegende Konflikte.

Berufskörper und Erwerbsorganisationen

Die ersten Berufskörper entstanden, als Urmenschen Werkzeuge verwendeten. Sie setzten zunächst die tierische Erwerbsform fort, verbesserten sie bloß. Der Wurfstein verlängerte den Arm, ebenso der Wurfspeer und der mit Hilfe des Bogens abgeschossene Pfeil. Grabstock und Tragkörbe verbesserten die Hand beim Sammeln von eßbaren Wurzeln und Kleingetier. Kleider verbesserten die Haut, schützten vor Verletzung und Kälte. Der Paarungsvorgang setzte sich normal fort, doch schmückten sich Frauen und Männer mit künstlichen Funktionsträgern der Verschönerung - vielfach mit Vogelfedern, die auch bei diesen Tieren solcher Funktion dienten. Der Herd stellte eine funktionelle Erweiterung des Magens dar: durch den Vorgang des Kochens wird pflanzliches und tierisches Gewebe besser aufschließbar, die widerstandsfähigen Zellwände werden so für die Verdau-

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ungssekrete leichter durchdringbar. Die Töpfe sind Erweiterungen der Hand, die nur wenig Flüssigkeit zum Mund führen und nicht als Kochgerät benützt werden kann. Das Haus, ähnlich tierischen Bauten, ist ein zusätzlicher Panzer, der den Vorteil hat, daß er verlassen werden kann, also die Bewegung nicht behindert. Der Schornstein ist eine Hilfseinrichtung für den Herd . . . - so geht es weiter.

Der Mensch sieht sich das Haus verlassen, das Messer verwenden und wieder weglegen, aus dem Topf trinken und ihn wieder wegstellen. Da er stets derselbe bleibt, während Töpfe, Messer, Haus und Herd benützt oder wieder verlassen werden, sieht er in ihnen etwas Getrenntes, welches er Werkzeug, Kleider, Haus und Schornstein nennt. Vom Erwerb - von der Bilanz her, auf die es ankommt - sind jedoch alle diese zusätzlichen, ihm dienlichen Artefakte echte Teile von ihm, auch wenn sie nicht aus lebenden Zellen bestehen, auch wenn seine Nerven sich nicht in sie ausdehnen, auch wenn sein Blutstrom sie nicht versorgt. Im Gegenteil, gerade hier liegt ihr Vorteil. Denn weder ein Messer, noch ein Herd, noch ein Schornstein wären möglich, wenn sie aus Zellen gebildet, mit dem Nervennetz verbunden und mit Blut versorgt werden müßten.

Während es wesentlich leichter fällt, einen Betrieb als Ganzheit zu sehen und mit dem Körper eines Tieres oder einer Pflanze zu vergleichen, ist dies gerade bei den einfachsten Berufskörpern besonders schwer, weil sie überwiegend aus der zusammenhängenden Organgemeinschaft Mensch bestehen, die sich nur gelegentlich mit künstlich gebildeten Organen verbindet. Und doch ist schon durch den Speer, durch Kleider, durch den Herd und Schmuck etwas prinzipiell Neues entstanden: zu anderer Erwerbsleistung und Abwehrhandlung fähig, dem Affenvetter weit überlegen, weit eher zur positiven Energiebilanz fähig, weit besser befähigt, Junge zu schützen und aufzuziehen. Die ersten Berufskörper sind also noch vorwiegend menschliche Zellkörper mit nur wenigen zusätzlichen Einheiten - künstlichen Organen -, die sie erweitern, ihre Fähigkeiten steigern.

Auch die Familie ist ein Energon, unter die Berufskörper einzureihen. Sie ist eine vom angeborenen Erbe her diktierte Partnerschaft, zur Vermehrung und zur Brutpflege des menschlichen Zellkörpers Voraussetzung. Da der Mann zunächst - und in der Praxis bis in die jüngste Zeit - dominierender Teil ist, hat die Frau im Energon Familie den Status eines Funktionsträgers. Sie setzt Kinder in die Welt, sorgt für diese, erbringt weitere Leistungen. Da die Bindung in der Regel auf Triebverhalten beruht, ist ein ökonomischer Maßstab nur beschränkt anzulegen. Immerhin

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finden wir noch bei vielen Primitivvölkern, daß die Frau wie ein Gut, wie ein Werkzeug an den freienden Mann verkauft wird. Sie wird also in Anbetracht der Leistungen, die von ihr erwartet werden, erworben und dann im weiteren - in Gegenleistung für diese Dienste - versorgt. Leistet sie diese nicht, dann wird sie abgestoßen - verstoßen. Erst in allerjüngster Zeit löst sich die Frau bei den hochzivilisierten Völkern aus dieser Dienerrolle und Abhängigkeit, erzwingt sich partnerschaftliche Gleichberechtigung im Energon Familie. Sie wird selbst berufstätig, selbst Energon. Die Entwicklung gelangt dahin, daß manche Frau Kinder in die Welt setzt, ohne sich an den Mann zu binden - bei der artifiziellen Insemination, ohne ihn möglicherweise zu kennen. In diesem Fall ist der zur Kindeserzeugung notwendige Mann Hilfsorgan dieser Funktion. Vom Mann unabhängig kann sie Berufskörper bilden - ist dann ebenbürtiges Werkzeug des Lebensstromes. Da indessen das angeborene Triebverhalten das menschliche Leben nach wie vor bestimmt, bleibt es bei der Symbiose zwischen Mann und Frau, die mit dem Eheschluß rechtlich besiegelt wird.

Die Kinder werden innerhalb der Familie automatisch und naturgegeben zu Dienern, also Funktionsträgern in diesem Energon. Im ganz natürlichen Verlauf der Dinge - im Hinblick auf die menschliche Intelligenz - erweitert sich das Energon Familie, wird Bestandteil im Energon Horde, im Energon Verband, der zunächst als Stamm umherzieht und später seßhaft wird. Während dieser Evolutionsperiode ist Schutz der wichtigste Faktor. Nur durch künstliche Organe gewinnt der Mensch seine Übermacht über die anderen Lebewesen und gelangt zur Beherrschung von Naturgewalten - etwa des Feuers. Den künstlichen Organen haftet aber die Hypothek an, daß sie geraubt werden können, also geschützt werden müssen. Nicht als Nahrung lockt der Mensch räuberische Berufskörper an -, sondern als Besitzer von künstlichen Organen, die auch einem anderen funktionell dienen können. Wer also Macht besitzt und somit Schutz bieten kann, hat es nicht schwer, Mitmenschen zu Dienern zu gewinnen, sie zu seinen Verbündeten und Funktionsträgern zu machen und so seine Macht noch zu steigern, seinen Berufskörper noch zu erweitern. Über sie gewinnt er die Möglichkeit, sich auch gewaltsam Sklaven zu unterwerfen und sie in Funktionsfron zu binden. Über lange Strecken zeigt uns die menschliche Geschichte die Macht von Hordenführern, Stammeshäuptlingen, Fürsten, autoritären Monarchen. Sobald der Mensch seßhaft wird, wächst noch die Zahl seiner Werkzeuge und sonstigen Besitztümer - und damit auch seine Anfälligkeit.

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Schutz ist conditio sine qua non. Und bieten kann ihn nur, wer die Macht dazu in seinen Händen hat. Und wer die Macht in seinen Händen hatte, nutzte diese, wurde zum immer stärker sich erweiternden Berufskörper. In diesem Sinne sind die Stammesfürsten, Herzöge, Könige und Kaiser weitgehend Besitzer oder Nutznießer der von ihnen beschützten Ländereien und vermögen außerordentliche Luxuskörper zu bilden, also Reichtümer anzuhäufen. Ihr Berufszweig ist die Ausübung und Gewährung von Macht, die Vermittlung von Schutz. Mißlingt es, diese Funktion zu erfüllen, dann ist es um diesen Berufskörper geschehen. Ebenso anfällig ist der Verbandsführer im Inneren. Die künstlichen Organe machen es möglich, daß ein anderer Mensch sich seines Berufskörpers bemächtigt, in diesen eindringt und sich als neues steuerndes Zentrum dort einnistet. Usurpierung wird zum naheliegenden Ziel - besonders für diejenigen, denen Streitkräfte unterstehen.

Noch ein weiterer Entwicklungsverlauf der vom Menschen gebildeten Energone wurde durch das Seßhaftwerden eingeleitet. Nach wie vor betätigen sich die Berufskörper tierhaft räuberisch, indem Pflanzen und Tiere ihre Energiequellen sind, doch dieser Raub wird nun - eine der Großleistungen menschlicher Intelligenz - organisiert, rationalisiert, optimiert. Statt in der bisherigen Art durch die Gegend zu streifen, zu jagen und zu sammeln, wird der Boden gezwungen, akkurat das zu produzieren, was der Mensch sich als Nahrung wünscht. Alles übrige wird für ihn zur Wildnis, zum Unkraut - wird rücksichtslos beseitigt. Der Acker wird bestellt. Ebenso erspart sich der nun entstehende Berufskörper Landwirt die Mühe, Tiere in ihren Schlupfwinkeln aufzuspüren und in mühevoller Jagd zu erlegen. Sie werden also nicht getötet, sondern gefangen und dann gehegt. Auch dies bringt eine Saat ein, die wesentlich reicher und weit ökonomischer zu erschließen ist. Diese neue Art des Nahrungserwerbes - ganz ebenso wie jene durch Gewährung von Sicherheit über Macht - erweist sich als lukrativ, entwickelt sich weiter. Ja, jeder dieser Berufskörper benötigt den anderen - der Fürst den das Feld bestellenden Bauer, der Bauer die ihn beschützende Macht. So ergab sich eine Partnerschaft, die allerdings ähnlich ungleich ausfiel wie jene zwischen Mann und Frau. Der die Krieger befehligende Fürst hatte die Macht in seinen Händen und wußte sie zu gebrauchen.

Im Rahmen der seßhaften Verbände konnten sich auch Berufskörper entfalten, die eine weitere Energiequelle erschlossen - den Bedarf an artifiziellen Funktionsträgern. Einer der Vorteile dieser an den Zellkörper nicht

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gefesselten Organe ist es ja, daß sie nicht selbst hergestellt werden müssen. Auf eben diese Herstellung spezialisieren sich nun Menschen - erweitern ihren Zellkörper derart, daß sie zu Produzenten des Benötigten werden. Werkzeugmacher, Kleidermacher, Fleischbeschaffer, Wagenmacher ...

Zum Universaltauschmittel wird das Geld, das Werte teilbar und jeden Wert in jeden anderen umwandelbar macht. Die Nachfrage wird Grundlage und Pate des Angebots. Der Preis muß so kalkuliert sein, daß er mehr als die Eigenkosten einbringt - nur dann ist für einen Berufskörper die Existenzbasis gegeben, nur dann kommt es zu dieser Berufsart. Wer ein Monopol hat, kann gehörig mehr aufschlagen. Aber im natürlichen Verlauf der Dinge - wenn dies nicht durch irgendeine Gewalt unterbunden wird - taucht in der Regel bald ein Konkurrent auf, bildet einen Berufskörper gleicher Ausrichtung, erweitert also seinen Zellkörper zu ebensolcher Spezialfunktion, und mit großen und leichten Gewinnen ist es vorbei.

Auch spezialisierte Dienstleistungen können gegen Geld erbracht werden, auch sie sind begehrtes Tauschobjekt. Auch hier regeln sich - wenn die Tauschakte sich frei entfalten können - die Preise nach Angebot und Nachfrage. Bei diesem Erwerbszweig hat es den Anschein, als wäre er nicht an künstliche Organe gebunden - bloß an entsprechende Fähigkeiten, also an Lernakte. Aber der Schein trügt. Auch diese Berufskörper gründen sich auf die Bildung von künstlichen Organen, auf die Erweiterung der Macht des genetischen Körpers. Denn auch über Lernen geschaffene Spezialsteuerungen im Gehirn müssen künstlich gebildet werden und sind in diesem Sinne artifizielle Funktionsträger. Sie sind zwar nicht vom Körper getrennt, ja bestehen sogar aus Zellen - sind aber doch nicht Werk des Genetischen Code.

Damit ist der Begriff des artifiziellen Funktionsträgers - des künstlichen Organs - nunmehr in letzter Genauigkeit definiert. In diesem Sinne verfügen nicht nur bereits Spinne, Biber und Bienen über künstliche Organe sondern auch jedes Lerntier, das in individueller Auseinandersetzung mit der Umwelt Steuerungen im Gehirn für zielführendes Verhalten aufbaut. Diese Steuerungsstrukturen - entsprechend koordinierte Ganglienzellen - sind zwar mikroskopisch klein und unsichtbar im Gehirn verborgen, trotzdem aber künstlich gebildete Organe. Auch der Energieerwerb über Erbringung benötigter Dienstleistungen - Koch, Wundarzt, Hebamme, Astrologe - hat also die Bildung von artifiziellen Funktionsträgern zur Voraussetzung, basiert auf ihr.

Eine weitere mögliche Spezialleistung ist die des Vermittelns zwischen

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Anbieter und Nachfrager. Daraus erwuchs die Erwerbsbasis für das weit ausgedehnte Berufsfeld des Handels. Allen diesen Berufskörpern ist gemeinsam, daß sie eine doppelte Ausrichtung haben. Einerseits müssen sie an Bedarfsträger herankommen oder diese zu sich heranlocken - und andererseits müssen sie Hersteller von solchen gewünschten Produkten kennen und diese Ware verfügbar machen. Diese Art von Berufskörper - der Händler - pendelt Waren übernehmend, Waren anbietend - oder etabliert sich dort, wo möglichst viele vorbeikommen, und bietet feil, was der Warenkorb hergibt. Zu Hilfseinrichtungen des Vorgangs werden die Märkte, an bestimmten Orten lokalisiert, zu bestimmten Zeiten abgehalten. Oder später wird die Geschäftsstraße zum Markt.

Im Rahmen der seßhaften Verbände kommt es so zu einer komplizierten Arbeitsteilung, wo sich wechselseitig jeder auf die Bedürfnisse anderer ausrichtet. Der durch künstliche Organe herbeigeführte Vorteil der Wandlungsfähigkeit kommt nun voll zum Tragen. Versiegt einem Berufskörper seine Erwerbsquelle, dann bedeutet das für ihn durchaus nicht die letzte Konsequenz und Katastrophe, also den Tod. Während kein Maikäfer, wenn es für Maikäfer nichts mehr zu fressen gibt, seine Flügel verkaufen, dafür die Blätter eines Huflattichs erwerben und sich in einen solchen verwandeln kann, ist solch ein Vorgang Berufskörpern durchaus möglich. Die artifiziellen Funktionsträger können abgestoßen, ja sogar für Geld liquidiert werden. Das steuernde Zentrum Mensch kann sehr wohl andere Fähigkeiten erwerben, neue Funktionsträger an sich binden - und ist dann vom Maikäfer in den Huflattich verwandelt.

Und noch mehr. Berufskörper überleben den Tod des sie aufbauenden und steuernden Zentrums. Stirbt ein Töpfer, dann muß der Berufskörper Töpferei keineswegs zugrunde gehen - vielmehr kann der Sohn oder ein anderer geeigneter Mensch die Stelle des Toten einnehmen und der Betrieb läuft weiter. Tüchtige Menschen können auch gleichzeitig mehrere Berufskörper steuern und deren Erträge vereinnahmen. Besonders vorteilhaft wirkt es sich für den Lebensstrom aus, daß die so mühsame und kostspielige Funktion der Fortpflanzung die Berufskörper überhaupt nicht mehr belastet, sondern sich geradezu von selbst vollzieht. Jeder Vogel, jede Tanne, jedes Krokodil muß in seinem Energiebudget einen bestimmten Aufwand für Fortpflanzung ausweisen. Das ist Voraussetzung, sonst pflanzen sie sich nicht fort - sonst führen sie den Lebensstrom nicht weiter. Bei allen vom Menschen aus artifiziellen Funktionsträgern gebildeten Energonen fällt diese Auflage weg. Dank der menschlichen Intelligenz

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wird jede Erwerbschance wahrgenommen. Ist also ein Berufskörper erfolgreich, dann bilden sich alsbald weitere der gleichen Art - ohne dessen geringstes Zutun. Der Vorteil ist ein doppelter. Das Energon ist solcherart nicht mehr gezwungen, seine Überschüsse zur Herstellung von Konkurrenten zu verwenden. Und dem Lebensstrom dient es erheblich, wenn eine Art bei schlechter Erwerbslage nicht unter dem Zwang steht, mit ihren spärlichen Erträgen ausgerechnet weitere, ebenso chancenlose Nachkommen zu bilden.

Das Anwachsen der Berufskörper in den drei Sparten des Erwerbes über Tausch - durch Gütererzeugung, Dienstleistung oder Vermittlung zwischen Angebot und Nachfrage - führt zur Einbeziehung von anderen Berufskörpern in ein festes Anstellungsverhältnis. In diesem Fall wird das sie bindende Energon zu ihrer hauptsächlichen, ja meist einzigen Energiequelle. Das für die zu erbringende Leistung notwendige Inventar an künstlichen Organen wird vom Energon, das sich solcherart neue Funktionsträger anfügt, zur Verfügung gestellt. Entlohnung und Schutz werden an Stelle der freiberuflichen Tätigkeit geboten. Das über Anstellungsverhältnis erwerbende Energon hat den Vorteil verminderten Risikos und erhöhter Sicherheit - andererseits den Nachteil verminderter Erwerbschance und eingeschränkter Freiheit. Derart anwachsende Berufskörper gelangen zu erheblicher Machtstellung, vermögen umfangreiche Luxusstrukturen zu bilden. Sie lösen bei den weniger Besitzenden Neid und Unzufriedenheit aus. Ja, über diese Machtposition lassen sich auch erkennbar rechtsetzende Staatsorgane beeinflussen. Der Konflikt zwischen dem Menschen als Energonbesitzer und dem Menschen als Funktionsträger tritt universell in Erscheinung.

Dieser neue Konflikt, der die dritte Phase der Energonentwicklung wesentlich beeinflußt, erfährt durch das Einsetzen des technischen Fortschrittes eine weitere ungeahnte Steigerung. Zu den vielen Vorzügen, welche die künstlichen Organe, die artifiziellen Funktionsträger der Energonentfaltung bieten, gehört auch der, daß sie vom Baumaterial unabhängig wird. Die Herstellung künstlicher Organe aus Metall nahm bereits mit Speerspitzen und Schwertern ihren Anfang - im weiteren Verlauf entstehen nun Maschinen, entsteht technisches Instrumentarium. Die artifiziellen Funktionsträger brauchen nicht länger mit körpereigener Energie betrieben zu werden. Es wird grundsätzlich möglich, sie durch gebändigte Naturkräfte unmittelbar antreiben zu lassen. Mühlen durch Wind und Wasser, Dampfmaschinen durch die in Holz und Kohle gefesselte, arbeits-

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fähige Energie. Die Elektrizität wird zu einem ähnlichen Universalvermittler wie das Geld - sie macht Naturkräfte beliebig in gewünschte Dienstleistungen umwandelbar, macht solche Kräfte teilbar und über beträchtliche Strecken hin transportabel. Weitere Maschinen machen die im Rohöl gefesselte Energie für menschliche Energone und Luxusstrukturen nutzbar. Schließlich wird auch die Atomkraft aus ihren Ketten befreit und Energonen zugeführt.

Die Entfaltung der menschlichen Technik wiederholt einen Vorgang, der erstmals bei der Evolution der Vielzeller stattfand. Stück für Stück gingen in dieser Entwicklung Funktionen aus der Kompetenz von Zellorganen in jene von vielzelligen Organen über. Die Funktion der Fortbewegung, bei den Einzellern von Geißeln und Wimpern ausgeübt, wurden von den vielzelligen Flossen, Beinen und Flügeln übernommen. Die Funktion der Nahrungsgewinnung ging von Zellmund und pulsierender Vacuole auf die vielzelligen Organe Maul, Magen und Darm über. Die Atemfunktion, durch die Zellhaut erfolgend, verlagerte sich auf Kiemen und Lungen - und auf das Verteilungssystem des Blutkreislaufes. Ein ganz analoger Transfer vollzieht sich auch in der dritten Evolutionsphase, als sich der menschliche Zellkörper über Bildung künstlicher Organe - artifizieller Funktionsträger - erweitert, wobei die Funktionen auch wieder Stück für Stück von Zellorganen auf künstlich gebildete, technische Einheiten übergehen. Die Sinnestätigkeit der Augen wird durch Brille, Mikroskop, Fernrohr und Fernsehen immens gesteigert - beim Fotoapparat und der Filmkamera ersetzt die Emulsion des Filmes die lichtempfindlichen Stäbchen und Zäpfchen des Augenhintergrundes. Die Funktion des Rechnens verlagert sich aus dem Gehirn auf Bleistift, Papier und Rechenschieber - im weiteren Verlauf auf Rechenmaschinen und Computer, jene der Erinnerung auf Tontafeln, Notizbücher - und im weiteren Verlauf auf die wissenschaftliche Literatur. Geruch und Geschmack des Menschen wird durch die Praktiken chemischer Analyse nach außen verlagert und grandios gesteigert. Zu technischen Fortbewegungsorganen werden Fahrrad, Automobil, Schiff, Flugzeug, Rakete. Erweiterungen der Sprechorgane sind Telefon, Telegraf - sowie Informationsvermittler Briefe und Bücher. Zur Erweiterung der so bedeutungsvollen vielzelligen Hand werden Krahne und Kanonen. Total verlagert sich ihre Funktion - und jene des vielzelligen Gehirns - auf das technische Instrumentarium der Berufskörper und Erwerbsorganisationen in Gestalt von automatischen Maschinen.

Schon größere Staaten, die nicht mehr einzelne Menschen zum steuern-

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den Zentrum und Nutznießer haben, sind nicht mehr überdimensionierte Berufskörper sondern Erwerbsorganisationen. Über die industrielle Entwicklung entstehen weitere in Gestalt von Großunternehmen. Im Gefüge jeder Erwerbsorganisation wird der Mensch immer mehr vom Herren zum Diener, zum Funktionsträger. Zur austauschbaren, auch durch technische Einrichtungen ersetzbaren Einheit. Er wird zum immer kleineren Rädchen innerhalb des Lebensstromes, der ihn hervorbrachte und rücksichtslos über ihn hinwegfließt. Die größeren industriellen Betriebe - ähnlich den größeren, nicht mehr autoritär von einzelnen Monarchen oder Diktatoren gesteuerten Staaten - überwinden die Problematik individueller Unzulänglichkeit, werden ähnlich den Pflanzen und Tieren nach statistischen Werten ausgerichtete Energone. Der Hufschmied, der zum Trinker wird und seinen Berufskörper vernachlässigt, muß schließlich sein Energon liquidieren. Der Stammesfürst, der sich mit Reichtum dem Luxus hingibt, verliert eines Tages sein Energon - wird vom Feind liquidiert. Bei größeren Unternehmen - und ebenso bei Staaten, deren Willensbildung nicht mehr in einem einzelnen Menschen oder Wenigen verankert ist, wird die Entwicklung ruhiger, weniger von den Einflüssen des angeborenen Erbes abhängig. Viele Menschen sind nun an der Effizienz des Energons, seiner Konkurrenzfähigkeit, seines Überlebens und Gedeihens interessiert, gleichen die auftretenden Wogen menschlicher Emotionen und Impulse durch Mehrheitsbeschlüsse aus.

Die Entstehung der großen industriellen Unternehmen der Produktion, der Dienstleistung und der Vermittlung hat notwendigerweise folgenschwere Auswirkungen. Erstens werden sie für manche Berufskörper zu übermächtigen Konkurrenten, deren Existenzbasis sie vernichten. Zweitens bauen sie sich weitgehend auf Dienstbarmachung von Berufskörpern auf - woraus sich ebenfalls erhebliche Interessenkonflikte ergeben.

Die erste Auswirkung ist nicht schwer zu überschauen - hat bereits in der Entfaltung der Vielzeller ihre Parallele. Der riesige Bartenwal lebt ebenso von Plankton wie die Sprotte, wie die Garnele - und trotzdem bestehen beide Energonarten nebeneinander fort. Großunternehmen können benötigte Produkte, Dienstleistungen und Vermittlungen bei Massenbedarf billiger und besser anbieten als Berufskörper. In diesen Bereichen werden sie übermächtig, radieren ihre kleineren Konkurrenten aus. Überall dort dagegen, wo individuelle Wünsche in Erscheinung treten und für deren Erfüllung angemessene Energieäquivalente geboten werden, geraten die billig produzierenden Riesenenergone ins Hintertreffen. Hinzu treten die Er-

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scheinungsformen menschlichen Imponierverhaltens, welches dazu führen kann, daß teuere Ware der preiswerten vorgezogen wird. So ist der Entwicklungsweg in dieser Richtung ziemlich klar. Gleichartiger Grundbedarf, der in Massenproduktion befriedigt werden kann, wird zur Domäne der industriellen Riesenenergone. Dazwischen aber - wie die Garnelen zwischen den Bartwalen - bietet sich weiterhin für die kleineren selbständigen Berufskörper eine reelle Existenzbasis.

Die vielfach und dramatisch beschworene Einschränkung möglichen Wachstums auf unserem Planeten wird hier in Zukunft einschneidende Änderungen mit sich bringen. So lange die Menschheit von materiellen Werten hypnotisiert ist, so lange ihr glaubhaft gemacht werden kann, daß Zufriedenheit an quantitative Steigerung von Annehmlichkeit gebunden ist, werden industrielle Energone einen sicheren Markt haben. Eine sich noch steigernde Energiequelle erwächst selbst bei Sättigung der traditionellen Absatzgebiete in Regionen, denen die Industrialisierung, gekoppelt an eine Dienstleistungsgesellschaft, noch bevorsteht. Wendet sich dagegen das Blatt derart, daß qualitatives Wachstum zur Notwendigkeit und zum Ziel wird, dann werden die Berufskörper wieder den Erwerbsorganisationen ebenbürtig. Den Erbringern begehrter Einzelleistungen, besonders im Luxussektor mit Kunst, Muße und Sport erwächst dann eine sichere Erwerbsbasis - ja, erwachsen Erwerbschancen, die nur mit jenen zu vergleichen sind, die bis dahin Sicherheit, Grundbesitz, Kapital, Produktionsstätten und Know-how vermittelten.

Die zweite Auswirkung der Entstehung industrieller Erwerbsorganisationen zieht noch größere Konsequenzen nach sich. Für diese Riesenorgane ist jeder Mitarbeiter vom Generaldirektor bis zum Pförtner ein Funktionsträger und wird nach Beschaffungswert und Ersetzbarkeit kalkuliert. Sämtliche Vorteile, die Kapital und Verfügungsgewalt und damit verbundene Macht bieten, wirken sich hier besonders stark aus, indem der Mensch - wo überhaupt nur möglich - durch die emotionsfreie Maschine verdrängt wird. Dies führte sowohl auf Seiten der Energonbesitzer als auch der Funktionsträger - unabhängig von den Eigentumsverhältnissen - zur Bildung von starken Interessenverbänden, die ihre Auseinandersetzung im Ringen um Machtanteile offen oder versteckt austragen und auch die staatlichen Strukturen wesentlich beeinflussen.

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Die Staaten

In der gesamten Evolution sehen wir über Vereinigung von Energonen neue, größere Energone von höherer Macht und Leistungsfähigkeit entstehen. Sämtliche Vielzeller sind Zellstaaten. Schon aufgrund ihrer Größe sind sie Einzellern überlegen. Diese mögen sich in einzelnen Lebensräumen behaupten, können sich jedoch in Potenz und Volumen mit den Vielzellern nicht messen. Ebenso sind Verbände von Vielzellern dem Einzelindividuum überlegen. Sowohl bei der Beutesuche als auch bei der Feindabwehr ist der Verband im Vorteil. Von einem Staat kann gesprochen werden, wenn in seinem Gefüge Arbeitsteilung stattfindet. Bei den Insektenstaaten ist dies verwirklicht. Die Arbeitsteilung geht hier längst nicht so weit wie bei den Körpern der Vielzeller, ist aber doch deutlich gegeben. Einige Individuen spezialisieren sich auf Nahrungserwerb, andere auf Abwehr, wieder andere auf die Fortpflanzung. Große Gemeinschaftsorgane des Schutzes werden gebildet - etwa bei den Termiten. Jede solche Organisation setzt Verhaltensregeln voraus - eine Verfassung, welche befolgt werden muß.

Bei den vielzelligen Körpern und bei den Insektenstaaten fungiert der in jeder Zelle enthaltene Genetische Code als derartige Verfassung. Bei diesen Staaten werden die Einheiten, aus denen sie sich zusammensetzen, nicht durch Verbandsführer gelenkt - es sind keine speziellen Funktionsträger der Staatsführung ausgebildet. Das für alle maßgebende Gesetz ist sowohl bei den Vielzellern als auch bei den Insektenstaaten in jeder Einheit enthalten, weist ihr Pflichten und Rechte zu.

Erst bei den Verbänden der höheren Wirbeltiere - etwa Affenrudeln - treten Funktionsträger der Verbandsführung in Erscheinung. Es sind die stärksten, klügsten Individuen, welche die Leitung der Gruppe übernehmen. Auch Führungskollektive - ähnlich einem Rat der Alten - gibt es hier bereits. Im übrigen jedoch ist im Rahmen dieser Verbände nur geringfügige Arbeitsteilung nachweisbar. Ihre Verfassung beruht nur zum Teil auf angeborenen Weisungen des Genetischen Codes, der bestimmte Instinktsteuerungen bewirkt. Zum anderen Teil gründet er sich auf Rangordnungsverhältnisse, die über individuelle Auseinandersetzungen zwischen den Verbandsangehörigen zustande kommen und deren jeweils gültiger Status in den einzelnen Gehirnen kodiert ist. Während die instinktiven Steuerungen gleichbleiben, unterliegt die Hierarchie der Führungsstruktur einer ständigen Dynamik und entsprechendem Wandel.

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Bis zum Menschen kommt also der Bildung von Verbänden und Staaten nur die funktionelle Bedeutung einer Machtsteigerung zu. Durch die vom Menschen gebildeten künstlichen Organe, die mit dem Zellkörper nicht verwachsen sind, gewinnt die Bildung von Verbänden und Staaten eine zusätzliche Bedeutung. Über künstliche Organe - artifizielle Funktionsträger - können Energone mit total neuen Fähigkeiten entstehen. Nichtverwachsene Funktionsträger sind ablegbar, austauschbar, ermöglichen vielseitige Spezialisation. Sie müssen nicht selbst hergestellt werden, durch sie wird artungleiche Fortpflanzung möglich und vieles andere mehr. Diesen eminenten Vorteilen stehen jedoch auch schwerwiegende Auflagen und Beschränkungen gegenüber. Eben weil sie auch von anderen verwendbar sind, machen sie besondere Schutzeinrichtungen notwendig. Ihre Vorzüge können nur zum Tragen kommen, wenn sie im eigenen Besitz, in der eigenen Verfügbarkeit verbleiben - wenn sie also nicht geraubt werden. Für einen solchen Schutz gibt es jedoch praktisch nur eine funktionelle Lösung: den arbeitsteiligen Verband, nämlich den Staat. Nur innerhalb einer solchen Organisation können sich einige Individuen auf den Schutz der artifiziellen Funktionsträger spezialisieren, während die übrigen im so geschaffenen Sicherheitsraum ihren Spezialtätigkeiten nachgehen.

Alle vom Menschen gebildeten Verbände und Staaten erfüllen demnach eine doppelte Funktion. In ihrem Gefüge wird die Erwerbsfähigkeit der Individuen und der Gemeinschaft gesteigert und den Individuen wird höherer Schutz zuteil. Zweitens aber - und dies erweist sich als nicht minder bedeutsam - gewinnen die Individuen so die Möglichkeit, ihren Zellkörper durch zusätzliche, nichtverwachsene Funktionsträger zu erweitern und zu neuen Fähigkeiten zu gelangen. Jede Betrachtung der Struktur "Staat" muß im besonderen von dieser zweiten Funktion ausgehen. Die vom Menschen gebildeten artifiziellen Funktionsträger, Grundlage der dritten Phase der Energonentfaltung, machen den Staat schlechthin notwendig, determinieren seine zentralen Funktionen.

Es sind deren zwei. Die vom Menschen gebildeten Staaten müssen erstens feindliche Außenwirkungen abwehren - und zweitens die ihnen angehörenden Energone auch gegen Übergriffe seitens eigener Verbandskollegen - also gegen feindliche Wirkungen innerhalb des Staatsgebietes - abschirmen. Funktionsträger der äußeren Abwehr sind etwa Befestigungen gegenüber Nachbarstaaten sowie eine entsprechende Streitmacht - allenfalls an Land, auf den Gewässern und auch im Luftraum. Funktionsträger zum Schutz im Inneren des Staatsgebietes sind Polizei und Miliz - also eine

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Exekutive, außerdem Funktionsträger, welche die Regeln der zu schützenden Ordnung festlegen: eine Legislative, und weitere, die im Konfliktfall entscheiden und allenfalls Strafen zumessen: die Judikative. Während die Abwehr nach außen hin bloß geeignete Waffen und eine entsprechende Führungsstruktur notwendig macht, ist für den Schutz im Staatsgebiet selbst eine weit komplexere Maschinerie notwendig. Besitz und Eigentumsrechte müssen genau definiert werden - eine Gesetzgebung ist unabdingbar. Für Konfliktschlichtung sind spezialisierte Einheiten nötig, welche die Gesetze auf den gegebenen Fall anwenden: also Recht sprechen. Und weitere spezialisierte Einheiten müssen vorhanden sein, um Rechtsübertreter zu fassen, sie zur Wiedergutmachung zu zwingen, ihnen entsprechende Bußen aufzuerlegen - sei es in Gestalt von Geldstrafe, Freiheitsbeschränkung oder Lebensentzug.

So wie überall bei den Energonen, können auch hier die Funktionsträger mehrere Funktionen ausüben. In der ursprünglichen Horde sorgten die Krieger auch für den inneren Schutz, und der Hordenführer mochte in einer Person Recht setzen und aburteilen. Je mehr jedoch der Verband zum Staat wird, um so deutlicher wird jede dieser Hauptfunktionen von darauf spezialisierten Einheiten vorgenommen: Der Schutz nach außen hin, die Festlegung von Rechtsnormen innerhalb des Staatsgebietes, ihre Durchsetzung und ihre Vollstreckung.

Dazu kommen noch zwei weitere wichtige Funktionsträger, ohne welche die übrigen nicht funktionsfähig sind. Erstens: eine eindeutige Führung, welche diese diversen Tätigkeiten koordiniert und kontrolliert. Zweitens: eine Organisation, welche die für alle diese Einheiten notwendigen Mittel von den Beschützten erhebt, ihre zielführende Verwendung veranlaßt und überwacht. Sieht man die Dinge so, dann sind die künstlichen Organe - Werkzeuge, Waffen, Bauwerke, Maschinen, Institute - mit einer ganz erheblichen Hypothek belastet. Sie eröffnen der Energonentfaltung total neue Dimensionen, machen aber auch recht komplexe und aufwendige Einrichtungen notwendig. In zentraler Eigenschaft erfüllen somit alle menschlichen Staaten - wie auch immer sie im einzelnen strukturiert sein mögen - ein und dieselbe, entscheidend wichtige, nicht anders zu bewältigende Aufgabe. Sie sind unabdingbare Voraussetzung für die dritte Evolutionsphase, in der Energone über artifizielle Funktionsträger zu immensen neuen Fähigkeiten gelangen - und so den Lebensstrom in Potenz und Volumen zu einem weiteren Anschwellen verhelfen.

Sind also Staaten Energone? Die nicht eben einfache Antwort lautet: ja.

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Bereits jede Symbiose konstituiert, wie wir sahen, ein neues Energon höherer Ordnung. Der Einsiedlerkrebs, der sich die Seeanemone auf sein Schneckenhaus pflanzt, wird für diese zum Organ der Fortbewegung - während sie für ihn zum Schutzorgan wird. Ist die gemeinsame Bilanz günstiger als die Summe der getrennten Bilanzen - fördert der Zusammenschluß den Lebensstrom mehr als getrenntes Agieren -, dann ist die Gemeinschaft als Energon höherer Ordnung anzusehen. Der Einsiedlerkrebs ist weiterhin ein Energon - das bloß einen zusätzlichen Funktionsträger erwarb. Das gleiche gilt für die Seeanemone - auch sie bleibt ein Energon, erwarb ein zusätzliches Organ. Dessen ungeachtet ist jedoch die Gemeinschaft ebenfalls ein Energon. Der grundsätzlich gleiche Maßstab ist auch an vom Menschen gebildete Verbände anzulegen, besonders wenn sie seßhaft geworden sind und das von ihnen beherrschte Gebiet, ihre Zellkörper und ihre artifiziellen Funktionsträger schützen.

Wie dargelegt, ist sowohl Schutz nach außen nötig, als auch Schutz im Rahmen der inneren Ordnung. Die hierzu nötigen Funktionsträger sind Gemeinschaftsorgane, die nach diesem oder jenem Teilungsschlüssel von der Gemeinschaft finanziert werden und jedem der ihr angehörenden Menschen und den von diesen gebildeten Energonen dienen. Jedes einzelne bleibt ein Energon - das Schutzorgane hinzugewann. Trotzdem ist andererseits die Gemeinschaft als Energon nächst höherer Integrationsstufe anzusehen, wenn die Gesamtbilanz besser ist, als die Summe der Einzelbilanzen es wäre. Wenn also die Gemeinschaft dem Lebensstrom besser dient als die getrennte Aktion ihrer Glieder.

Damit wird keineswegs behauptet, daß die Staaten auf diese Weise entstanden sind. Von der Energontheorie her ist von untergeordneter Bedeutung, wie Energone entstehen, wesentlich ist bloß, was das Entstandene vermag. Das skizzierte Grundverhältnis zeigt nur den funktionellen Zusammenhang. Um es nochmals zu wiederholen: Die künstlichen Organe sind mit der Hypothek belastet, daß sie erhöhten Schutzes bedürfen - die Bildung des Gemeinschaftsorganes Staat ist die einzige praktikable Lösung dieses Problems. Seine Grundfunktion ist die, alle ihm angehörenden Energone nach außen hin und innerhalb des Staatsgebietes zu schützen. Notwendige Hilfseinrichtungen dafür sind zum einen eine zentrale Führung - die sich in zusätzlicher Funktion auch als Repräsentant beim Kontakt mit anderen Gruppen anbietet. Zum anderen ist eine Organisation zur Finanzierung und Kontrolle dieses Gemeinschaftsorganes nötig. Diese Minimalkonstruktion ist im extrem liberalen Staat des laisser faire laisser

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passer verwirklicht. Er ist bereits ein echtes Energon, jedoch minimal integriert. Die Verbandsteilnehmer - Menschen samt den von ihnen gebildeten Energonen und Luxusstrukturen - sind durch ein gemeinsames Schutzorgan aneinander gebunden. Es entlastet jedes seiner Glieder wesentlich, steigert deren Effizienz erheblich und wird von ihnen gemeinsam finanziert.

Höchst naheliegend ist, daß die Streitmacht zum Schutz nach außen hin in Doppelfunktion zum Erwerbsorgan des Verbandes wird, indem dieser in fremde Gebiete einbricht, dort herrschende Verbände beraubt, versklavt, die Reichtümer ihres Gebietes sich aneignet. In solchem Fall wird das Energon stärker integriert, erhält eine gemeinsame Erwerbsausrichtung. Der Kriegszustand erfordert verstärkte Arbeitsteilung, die Verteilung oder Nutzbarmachung der Beute wird zum funktionellen Problem. Daß in diesem Fall der Staatsführung - wie auch immer diese beschaffen sein mag - erhöhte Bedeutung zukommt, liegt auf der Hand. Da sie den Erwerbsakt, den Sieg vollbringt, ist sie dazu prädestiniert - und läßt es sich selten nehmen -, auf die Verteilung der Beute weitgehenden Einfluß zu nehmen. Menschliches Machtbedürfnis und Luxusstreben hat dann die Möglichkeit, sich besonders zu entfalten. Für die Beurteilung der Staatsstruktur ist indes nur wesentlich, daß das Gemeinschaftsorgan des äußeren Schutzes zum Gemeinschaftsorgan des Energie- und Stofferwerbs werden kann, was zu einer stärkeren Integration des Energons, zu einer Steigerung der Arbeitsteilung und zum Verlust von Freiheitsgraden der beteiligten Glieder führt. Zumindest während der Zeit des Erwerbsaktes, des Angriffskrieges, wird straffere innere Ordnung nötig. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für den Fall der Abwehr eines Angriffes von außen. Abwehr- oder Angriffshandlungen des Verbandes führen notwendigerweise zu stärkerer Zusammenarbeit und Bindung. Der Staatsführung müssen vermehrte Rechte eingeräumt und entsprechend größere Mittel zugeführt werden.

Doch auch ohne kriegerischen Anlaß kann das Energon Staat zu erhöhter innerer Integration gelangen. Denn nicht nur für den Schutz nach außen und innen erweisen sich Gemeinschaftsorgane als zweckmäßig und von ökonomischem Vorteil, sondern auch in anderen für die Verbandsmitglieder wichtigen Belangen. Beispiele sind: Straßenbau, Wasserversorgung, Schutzdämme, Kanalisation, Postverkehr, Schulwesen, Forschung, Krankenhäuser, Altersfürsorge, Auslandsvertretung, Informationsdienste und vieles andere mehr. Je mehr solche Gemeinschaftsorgane freilich entste-

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hen, um so größere Mittel müssen der staatlichen Struktur zugeführt werden. Um so größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß private Interessen sich im Rahmen dieser Gemeinschaftsstruktur etablieren - besonders, wenn diese nicht länger in der Lage ist, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Entsprechend umfangreichere Kontrollen werden nötig - gleichwohl ob eine autoritäre Staatsführung oder eine Volksvertretung sie ausübt.

Der "Vollendete Staat" - der "Moderne Staat" -, wie ihn Jellinek und Krüger in ihren Allgemeinen Staatslehren genannt haben -, ist ein sehr weitgehend integriertes Energon, das einen möglichst perfekten Kompromiß zwischen den Interessen der Staatsbürger und ihres Staates darstellen. Freilich: der Staatsapparat soll nicht mehr kosten, als er leistet. Er soll den Energonen, die ihm angehören, optimale Existenzbedingungen bieten. Seine Verfassung und seine Gesetze sollen derart gestaltet sein, daß die divergierenden Einzelinteressen möglichst gerecht und für alle Beteiligten befriedigend berücksichtigt sind.

Daß innerhalb solcher Staatsgebilde erhebliche Interessenkonflikte auftreten, liegt auf der Hand. Sie mögen ideologischer Natur sein - also vom Menschen entwickelte Weltanschauungen betreffen. Die Hauptkontraste ergeben sich indes aus den Besitzverhältnissen - also daraus, über wieviel artifizielle Funktionsträger für Energonstruktur und Luxusstruktur der einzelne Mensch verfügt - also über welche Macht.

Anders liegen die Verhältnisse in solchen Staaten, die nicht Diener der Gemeinschaft, sondern deren Herr sind. Hier wird die Staatsstruktur zur Unterjochungsstruktur - und die Unterjochten werden zur Energiequelle des Gemeinschaftsorgans. Die Erträge fließen dann einem einzelnen zu, der die absolute Macht innehat. Oder sie fließen einer Kaste zu, einer Partei - oder einem siegreichen Staat, der den Besiegten über Tribute zur Erwerbsquelle macht. Von entscheidender Bedeutung ist, daß in jedem solchen Fall das zentrale Instrumentarium doch immer dasselbe bleibt - notwendigerweise. Wie auch immer der Staat im einzelnen strukturiert ist, wie auch immer der Haushalt erfolgt: Funktionsträger des Schutzes nach Außen und zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren - wie diese auch immer aussehen mögen - sind notwendig. Eine Koordination dieser Strukturen ist unabdingbar, ebenso ein Verwaltungsapparat zu ihrer Finanzierung und Kontrolle. In der dritten Evolutionsphase, die durch artifizielle Funktionsträger gekennzeichnet ist, kann eine Höherentwicklung ohne diese Grundstrukturen nicht stattfinden.

(Originalbuchseite 305)

Den Körpern der Pflanzen und Tiere ist die Struktur des Zentralverwaltungsstaates am ähnlichsten, in dessen Rahmen größere private Energonbildung untersagt ist und bei dem der Staat selbst zum Großunternehmer wird, der alle seine Teile als Funktionsträger ansieht. Die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die sich in den marktwirtschaftlich orientierten Staaten nach Angebot und Nachfrage regelt, fällt hier unter die Aufgabe des Staates. Er muß auftretenden Bedarf ermitteln und diesen, soweit er ihn als funktionell berechtigt ansieht, befriedigen. Ebenso wie bei den Organismen der Körper alle seine Zellen versorgen muß, ebenso wie dort Größe und Beschaffenheit aller nötigen Organe von der Ausrichtung des Energons her diktiert sind - so beurteilt auch dieser Staat seine Teile als Organe. Daß hier individuelle Luxustendenzen, sofern sie nicht dem Gemeinschaftsinteresse dienen, unerwünscht sein müssen, liegt auf der Hand. So wie im pflanzlichen oder tierischen Körper funktionslose Bestandteile eine Bürde sind, wird auch hier jede Aktivität nur am Gemeinschaftsinteresse gemessen. Das größte Handicap für diesen Staat ist die dem Menschen angeborene Natur, die starke Tendenzen zur Bildung von Luxusstrukturen und zum eigenen, freien Energonbau beinhaltet. Wohl ist für den Menschen Unterwerfung unter ein Gemeinschaftsziel eine nicht zu unterschätzende Quelle für Glücksgefühle und Befriedigung. Doch durch das Einschränken individuellen Besitzstrebens wird die Eigeninitiative erheblich beeinträchtigt - zumal diese Staaten von der Funktion her einen übergewichtigen Verwaltungs- und Kontrollapparat benötigen.

Bei der Beurteilung der als Staaten bezeichneten Energone ist somit zu beachten, daß sich ihre Grundstruktur als notwendige Folge der mit den Zellkörpern nichtverwachsenen artifiziellen Funktionsträgern ergibt. Diese determinieren somit die für alle Staaten erforderliche Grundstruktur. In der weiteren Ausbildung treten dann Konflikte zwischen den Interessen des Menschen, der von ihm gebildeten Berufskörper, Erwerbsorganisationen und den Staaten, die Energone höherer Ordnung sind, in Erscheinung. Jede der zahlreichen Staatsformen stellt einen augenblicklichen Gleichgewichtszustand zwischen divergierenden Interessen dar. Durch Wahlen, Putsch, Rebellion, Revolution oder Unterjochung durch andere Staaten kann die innere Struktur dieses Energons sich ebenso schnell wie grundsätzlich verwandeln. Wesentlich ist, daß der funktionelle Kern dabei stets erhalten bleibt - da er durch die artifiziellen Funktionsträger determiniert ist. Selbst wenn es zu einer Weltregierung kommt, kann die Staatsstruktur nie überflüssig werden. Sowohl aufgrund der künstli-

(Originalbuchseite 306)

chen Organe des Menschen als auch aufgrund seiner so außerordentlich divergierenden Einzelinteressen sind Staaten Voraussetzung für alle übrigen vom Menschen gebildeten Energone.

Daraus ergibt sich folgendes Resümee:

G Indem Menschen ihrem Zellkörper künstliche Organe anfügen, entstehen Energone höherer Leistungskraft - Berufskörper und Erwerbsorganisationen, die zusätzlich Luxusstrukturen bilden. Die räuberische Form des Energieerwerbes wird zunächst beibehalten, jedoch durch künstliche Umweltveränderung - Ackerbau und Viehzucht - wesentlich gesteigert. Grundeinheit der Verbandsbildung ist die genetisch erzwungene Partnerschaft der Familie. Im Rahmen einer sich immer mehr differenzierenden Arbeitsteilung kommt es zur Erwerbsform über Tausch, wobei das Geld zum Universalvermittler wird. Es entstehen Erwerbsorganisationen, in deren Gefüge Berufskörper zu Funktionsträgern werden. Eine weitere Steigerung und Beschleunigung der Entwicklung bringt der technische Fortschritt über Dienstbarmachung von Naturkräften durch Maschinen und Verfahren. Zum Universalvermittler wird hier die Elektrizität. In Energonen, deren Potenz und Volumen sich immer mehr steigert, werden die Interessen des Menschen - durch Auswechselbarkeit und Ersetzbarkeit bedingt - nachrangig. Die artifiziellen Funktionsträger - die künstlichen Organe - determinieren die allen Staaten gemeinsame Auflage, Schutz nach Außen und Ordnung im Inneren zu gewährleisten. Wesentliche Interessenkonflikte zwischen dem Menschen, seinen Energonen und den verschiedenen Staatsformen kennzeichnen die dritte Phase der Evolution, wobei Macht, Eigentum und Verfügungsgewalt im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen.

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