5. Evolutionsfaktoren - Möglichkeiten und Grenzen der Energonentwicklung
Der sich in Potenz und Volumen steigernde Lebensstrom kann sich nur über Energone fortsetzen, die neue Energone hervorbringen. Diese Entwicklung wird von Faktoren bestimmt, die in allen Energongruppen maßgebend sind. Sie bewirkt Vernetzung durch mannigfache Interdependenzen und Wertkonflikte, legt Möglichkeiten und Grenzen der Energonentwicklung fest.
A. Selektion
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Durch Mechanismen der Selektion wird die Richtung dieser Entwicklung entscheidend beeinflußt.
Schiedsrichter im Wettstreit der um Energie, Stoffe und Fortpflanzungsraum rivalisierenden Energone ist ein höchst selbständiger Mechanismus, den Darwin bei den Pflanzen und Tieren die natürliche Auslese nannte. Sie erklärt sich daraus, daß nur die effizientesten Energone den Lebensstrom fortsetzen können, indem sie zur aktiven Energiebilanz und den sonst notwendigen Voraussetzungen für Energonvermehrung gelangen. Schiedsrichter ist somit der Lebensstrom selbst, der seinen Weiterträgern die am jeweiligen Raumzeitpunkt für sie günstigste Struktur aufzwingt.
Es ist zunächst zwischen positiver und negativer Auslese zu unterscheiden. Positive Auslese liegt vor, wenn eine höhere Leistung dem Energon gegenüber seinen Konkurrenten zur Überlegenheit verhilft. Negative Auslese - auch Ausmerze genannt - liegt vor, wenn aufgrund einer Schwäche Energontypen auf der Strecke bleiben. Während die Selektion im ersten Fall gleichsam höhere Leistung belohnt, bestraft sie im zweiten eine wie auch immer geartete Schwäche.
Der Mensch vermag kraft seiner Intelligenz die natürliche Auslese durch eine künstliche zu ersetzen. So züchtet er ihm dienliche Pflanzen und Tiere, indem er nur Individuen mit dafür geeigneten Eigenschaften zur Fortpflanzung verhilft. In analoger Weise verfährt er bei der Konstruktion zweckdienlicher Strukturen - also artifizieller Funktionsträger -, indem er
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über Versuche die bestgeeigneten Konstruktionen ermittelt und dann nur diese weiterhin produziert. Kraft seiner Phantasie vermag er außerdem diese bewußte Auslese des Bessergeeigneten über Versuch und Irrtum noch weiter zu vereinfachen, indem er theoretisch - also in geistiger Simulation der Praxis - Eignungswerte ermittelt und sich so die praktische Ausführung ungeeigneter Konstruktionen erspart.
Bei jeder Art von Auslese, sei es die negative oder die positive, die natürliche oder die künstliche - also bewußte und intelligente -, erhöht die Zahl verschiedener Varianten den Umfang des Auslesematerials und damit die Chancen für Erfolgstreffer. Bei den Pflanzen und Tieren ist eine möglichst große Variabilität von Individuen ebenso wichtig wie beim menschlichen Energonbau eine möglichst große Zahl praktischer Versuche und ausgetauschter Ideen.
Bei den Pflanzen und Tieren entwickelte sich die Zweigeschlechtlichkeit als ein evolutionsfördernder Mechanismus, der die Bildung von neuen Arten und damit ein Anschwellen des Lebensstromes begünstigt. Indem beim Vorgang der Paarung die Keimzellen verschiedener Individuen vereinigt werden und die Gene der beiden Partner verschmelzen, wird die Wahrscheinlichkeit, zu neuen Kombinationen von eingetretenen Mutationen zu gelangen, erheblich gesteigert.
Dies ist der Grund dafür, warum die so umständliche und aufwendige Einrichtung der regelmäßigen oder gelegentlichen Verschmelzung der Gene verschiedener Individuen bei praktisch allen Arten von Pflanzen und Tieren beibehalten wurde. Bei den höheren Wirbeltieren, insbesondere den Vögeln und Säugetieren, trat als Verbesserung dieser Mechanik noch die Fähigkeit hinzu, bei der Paarung unter den verfügbaren Geschlechtspartnern aktiv die effizientesten auszuwählen. Der menschliche Schönheitssinn, der in ursprünglicher Funktion die Auswahl des kräftigeren und harmonischeren Partners begünstigt, hat hier eine entwicklungsgeschichtliche Wurzel.
Bei den vom Menschen aus artifiziellen Funktionsträgern gebildeten Energonen - den Berufskörpern und Erwerbsorganisationen samt aller Luxusstrukturen - ist die Bildung neuer Varianten nicht mehr auf diese Mechanismen angewiesen. Hier eröffnete sich die völlig andere und weit einfachere Möglichkeit zur Kombination verschiedener Steuerungsrezepte. Durch sprachlichen Gedankenaustausch, durch geistige Auseinandersetzung mit fremder Meinung und Erfahrung, besonders aber über den Weg des Lesens schriftlicher Aussagen anderer, wird gleiches erreicht.
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Rein äußerlich erscheint die Neukombination der Gene im Rahmen des Paarungsaktes von jener der im Gehirn niedergelegten Engramme über den Weg des Dialogs äußerst verschieden, doch geht es hier wie dort um die Bildung jener Elemente der Steuerung, die dann die Bildung neuer Organe und neuer Energonstruktur lenken. Die menschliche Forschung wurde zum Zentrum bewußter Speicherung und Kombination von Information - der bewußten Suche nach dem sich in der Auslese besser Bewährenden.
In der Wirtschaft ist es der Bedarf - also der Markt -, der aus dem Angebot das ihm Dienlichste auswählt und so den Entwicklungsweg der gesamten Produktionsmaschinerie einschließlich Handel und Dienstleistung bestimmt. Für alle vom Menschen aufgebauten und über Tausch erwerbenden Berufskörper und Erwerbsorganisationen ist er die steuernde Energiequelle - ebenso wie für pflanzliche Energone das Licht und für tierische die Beute. Er hat die gleiche Naturkraft wie die natürliche Auslese.
Eine Drosselung unterbindet eine zu Verbesserungen führende automatisch wirkende Mechanik von großer Dynamik und beeinträchtigt somit eine ganz von selbst erfolgende Energonentfaltung - nicht anders, als entzöge man den Pflanzen einen Teil des Lichtes oder als drossele man bei den Tieren die für sie erreichbare Beute. Die Folge ist in allen Fällen eine entsprechende Stagnation in der Entwicklung.
Die Möglichkeit zur Beeinflussung des Marktes von Seiten der Anbieter über Information oder Manipulation menschlicher Wünsche ist über Werbung und Propaganda gegeben. Marktforschung ist ein Instrument, um möglichst nur Geeignetes, also Marktwünsche Erfüllendes zu produzieren. Werbung und Propaganda sind Werkzeuge, um den intelligenten Ausleser zu beeinflussen: ihm dienliche Information zu vermitteln oder im Interesse des Anbieters die Richtung der Nachfrage zu bündeln und so die negative Trefferquote zu reduzieren.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Durch limitierende Faktoren wird die Richtung dieser Entwicklung entscheidend beeinflußt.
In Ketten aufeinanderfolgender Energone können erreichte Konstruktionsmerkmale Einschränkungen in der weiteren Entwicklung bewirken. Derartige Einschränkungen können darin bestehen, daß die Weiterentwicklung für eine gewisse Zeit oder für immer in beschränkten Bahnen eingeengt wird. Oder sie besteht darin, daß weitere Fortschritte nur stattfinden können, wenn Veränderungen an ganz bestimmten Punkten der Energonstruktur ansetzen.
Beispiele für den erstgenannten Zusammenhang sind der Genetische Code als selbststeuerndes Fortpflanzungsrezept und die Bildung von organischer Struktur aus Proteinen bei sämtlichen Pflanzen und Tieren. Zu beiden Konstruktionsmerkmalen kam es bereits in der ersten Phase der Energonevolution und legte diese über einen Zeitraum von zirka vier Milliarden Jahren in begrenzte Bahnen fest. Nur Fortschritte, die in entsprechenden Veränderungen des Genetischen Codes ihren Niederschlag fanden, konnten mit Hilfe dieser chemischen Schrift an nächstfolgende Energone weitergegeben werden. Ebenso konnten neue Organbildungen nur im Rahmen dessen erfolgen, was die Proteine als Baustoffe und Bauträger erlaubten.
Erst als beim Menschen die Bildung von Organen in steigendem Ausmaße vom vielzelligen Zentralnervensystem übernommen wurde, fielen die Beschränkungen fort. Jetzt wurde es möglich, daß Fortschritte auch ohne Fixierung im Genetischen Code an andere Energone übermittelt werden konnten - über Sprache, Schrift und weitere künstlich geschaffene Medien. Jetzt konnte auch von den Zellen nicht verarbeitbares Material, besonders Metalle, mit in den Bildungsstrom neuer Funktionsträger einfliegen.
Als zweites wichtiges Beispiel für limitierende Faktoren ist der Mensch
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zu nennen, dessen angeborenes und erworbenes Verhalten seine Energonbildung einengt. Neben den eminenten Vorteilen, die der Mensch in Berufskörpern und Erwerbsorganisationen sowie auch in Luxusstrukturen als Funktionsträger bietet - durch seine Intelligenz, Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit -, beschränkt er die Möglichkeiten der Entwicklung durch angeborene Schwächen, die man von jeher in Philosophie und Staatslehre als Unzulänglichkeit menschlicher Natur bezeichnet.
Ein weiteres Beispiel liefern Sitten, Brauchtum, Religionen und Ideologien und Lehrmeinungen, welche die Energonentwicklung in mancher Richtung außerordentlich gefördert haben, in anderer dagegen erheblich hemmten.
Den zweiten Zusammenhang, wie limitierende Faktoren in Erscheinung treten, illustriert die Tatsache, daß im Verlauf der pflanzlichen und tierischen Evolution effizienzsteigernde Mutationen sich immer nur dann auswirken konnten, wenn sie akkurat die jeweils schwächsten Punkte im Energongefüge trafen. Anders geformte Blüten, kräftigere Muskeln oder eine stärkere Verzweigung des Blutgefäßsystems konnten nur dann zu einem effizienteren Energontyp führen, wenn gerade diese Änderungen schwache Punkte in der bisherigen Gesamtkonstruktion darstellten. Anderenfalls war der Vorzug, den sie boten - ihr Selektionswert -, zu gering, um sich im Wettbewerb durchsetzen zu können. Bei den notwendigen Anpassungen an Umweltbedingungen und Verbesserungen im inneren Gefüge treten laufend neue und andere Engpässe auf, deren Beseitigung vonnöten ist, damit eine Leistungssteigerung und Höherentwicklung erfolgen kann. Erst dem intelligent planenden und Zusammenhänge überschauenden Menschen wurde es im Rahmen seiner Energonbildungen - Berufskörper und Erwerbsorganisationen samt Luxusstrukturen - möglich, auf solche schwächste Punkte gezielt zu achten und seine Verbesserung daraufhin einzustellen.
Schließlich ist bei jedem Energon der Energieerwerb notwendigerweise die zentrale Fähigkeit und Eigenschaft, von der alle übrigen abhängen. Das aber bedeutet nicht, daß Energiemangel stets der limitierende Faktor bei Wachstum und Vermehrung sein muß. Besonders deutlich wird dies bei den Landpflanzen, die bestenfalls ein Prozent der einfallenden Lichtmenge vereinnahmen können, weil ihre Betriebskapazität dies auch bei optimaler Wasserversorgung und ansonsten günstigsten Voraussetzungen einfach nicht zuläßt.
Wenn von Seiten der Molekularbiologen die zentrale Bedeutung des
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Energieerwerbs bei allen Lebensstrukturen bisher nicht erkannt wurde, so liegt das daran, daß in der ersten Phase der Lebensentfaltung das damalige Urmeer mit energiereichen Bausteinen im Übermaß erfüllt war. Zu jenem Zeitpunkt war also nicht Energieerwerb sondern die Herausbildung eines Fortpflanzungsmechanismus für sich akkumulierende Information derjenige Engpaß, der überwunden werden mußte, um eine Weiterentwicklung in Gang zu setzen.
Daraus läßt sich folgender Satz ableiten:
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Durch Polaritäten in der Ausrichtung wird diese Entwicklung entscheidend beeinflußt.
Die Strukturen aller Energone und ihrer Funktionsträger werden durch die maßgebenden Faktoren ihrer Außen- und Innenfront determiniert. Aufgrund limitierender Faktoren können manche Konstruktionsmöglichkeiten nicht erreicht werden. Als weiteren Evolutionsfaktor erkennen wir Polaritäten der Ausrichtung, welche für Energone allgemeingültige Entwicklungsrichtungen festlegen und die für sie zweckmäßige Ausbildung mitbestimmen. Sie kanalisieren die Entwicklung und treffen die Energone mit unterschiedlicher Intensität.
Bei den Pflanzen und Tieren spielt das Körpervolumen eine wesentliche Rolle. Je größer dieses ist, desto größer wird das mit dem Kubus anwachsende Gewicht im Verhältnis zu den nur mit dem Quadrat zunehmenden Querschnitten der tragenden und fortbewegenden Einheiten. Der Vergleich zwischen dem Stamm einer jungen und einer ausgewachsenen Eiche
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oder zwischen den Gliedmaßen einer Maus und eines Elefanten zeigt dies deutlich. Bei anwachsendem Volumen wird außerdem die Oberfläche relativ kleiner, was weniger Wasser- oder Luftwiderstand, geringere Wärmeabgabe und geringeren Feuchtigkeitsverlust zur Folge haben. Bei den aus nicht verwachsenen Funktionsträgern bestehenden Berufskörpern und Erwerbsorganisationen tritt die Bedeutung dieser eben genannten Zusammenhänge zurück. Nunmehr äußert sich die durch das Volumen bedingte Polarität darin, daß bei Unternehmen, Organisationen und Luxusstrukturen größeren Zuschnittes überproportionale Kontroll- und Schutzfunktionen erforderlich sind.
Eine weitere Polarität in der Ausrichtung ergibt sich aus den Entfernungen, die zum Energie- und Stofferwerb, zur Fortpflanzung oder zur Feindabwehr durchmessen werden müssen. Energone, die am Ort festsitzend zur positiven Bilanz gelangen - etwa Landpflanzen, sessile Tiere, ein Bauerngehöft, eine zahnärztliche Praxis oder Lichtspielhäuser -, sind dieser Problematik enthoben. Je weitere Strecken zurückzulegen sind, desto größer wird der Aufwand und desto stärker wird die Anfälligkeit gegenüber störenden und feindlichen Umwelteinflüssen. Bei mobilen Tieren, bei Berufskörpern und Erwerbsorganisationen zwingt ein sich verdichtender Konkurrenzkampf - aufgrund der gegebenen Umstände - den Energonen einen immer größeren Aktionsradius auf.
Die Polarität von Kontinuität und Diskontinuität bei der Aufgabenerfüllung prägt ebenfalls die Entwicklungsrichtung in allen Bereichen der Energonentfaltung. So sind Energone, deren Energiequelle kontinuierlich erschließbar ist, notwendigerweise anders strukturiert als jene, die, um zu bestehen, seltene Erwerbschancen in vollem Einsatz wahrnehmen müssen. Bei letzteren werden Präzision und Schnelligkeit zur wichtigsten Waffe. Von größter Bedeutung werden hier auch die Zeiträume, in denen sich der mögliche Erwerb abspielt. Auffangfähigkeit in Stoßzeiten und Bewältigung der sich bietenden Chancen sind bei ihnen nicht minder wichtig als die Fähigkeit, in erwerbslosen Phasen die laufenden Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. Die überragende Bedeutung dieser Polarität tritt an allen Sektoren der Außen- und Innenfront zutage. Daher der oft krasse Unterschied zwischen Funktionsträgern, die in einem kontinuierlich gleichmäßigen Einsatz stehen, gegenüber solchen, die auf gelegentlichen und plötzlichen Einsatz zugeschnitten sind.
Auch aus der Zahl der Funktionsträger ergibt sich eine für alle Energone nachweisbare Polarität in der Ausrichtung. Großenergone, mit vielen
Funktionsträgern, können auf mannigfache Einzelleistungen spezialisiert sein, die sie gegenüber kleineren überlegen machen. Andererseits sind sie mit der Hypothek eines unproportional anwachsenden und umständlichen Versorgungs- und Kontrollapparates belastet, der sich in ihrer Bilanz negativ niederschlägt. Dies gilt für sämtliche Energongruppen und besonders auch für die vom Menschen gebildeten Luxusstrukturen. Je umfangreicher und vielseitiger ein Energon oder Luxuskörper wird, desto größer werden die zu seiner Verwaltung nötigen Hilfsstrukturen und der damit verbundene Aufwand.
Am stärksten ins Auge fallend ist die Polarität von Einseitigkeit und Vielseitigkeit - von Spezialisierung und Universalität. Ist zum Beispiel eine Energiequelle über lange Zeiträume hinweg permanent ergiebig, dann können sich Energone auf ihre Erschließung ausrichten und rationell spezialisieren. Ist sie es nicht, dann geraten Spezialisten in Bedrängnis und sind früher oder später zum Untergang verurteilt. Im Konkurrenzkampf ist dann der Universalist im Vorteil, weil er viele verschiedene Quellen anzuzapfen in der Lage ist. Zwar ist er erkennbar in jeder einzelnen Erwerbsart von geringerer Schlagkraft, erreicht jedoch eine bessere Gesamtbilanz, weil seine Universalität ihn gegen ein extrem hohes Einzelrisiko absichert. Bei Stofferwerb, Feindabwehr und allen sonstigen Funktionen an der äußeren und inneren Front trifft dies ebenso zu und gilt ohne Einschränkung für sämtliche Pflanzen, Tiere, Berufskörper und Erwerbsorganisationen samt Luxusstrukturen.
Daraus läßt sich folgender Satz ableiten:
E. Kooperation
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Durch die Möglichkeit der Kooperation wird die Richtung dieser Entwicklung entscheidend beeinflußt.
Grundlage für die Höherentwicklung der Energone und damit für das Anschwellen des Lebensstromes ist die Energonen gegebene Möglichkeit, mit anderen zu kooperieren. Es entsteht dann eine Arbeitsgemeinschaft, in der jeder Teil zum Funktionsträger des anderen wird.
Den Vorgang der Symbiose zeigen uns Pflanzen und Tiere. Bei jener zwischen Einsiedlerkrebs und Seeanemone wird der Einsiedlerkrebs zum Fortbewegungsorgan der Seeanemone und diese zu seinem Schutzorgan. Bei den Einzellern, die im Darm der Termite das von ihr gefressene Holz aufbereiten und ihr so eine Drüsenfunktion ersparen - während sie selbst mühelos an gesicherte Nahrung gelangen -, befindet sich ein Symbiont im Körper des anderen und ist um ein vielfaches kleiner als dieser. Bei Tieren mit Brutpflege stellt das Zusammenwirken der Eltern eine Symbiose zwischen Energonen der gleichen Art dar, die zur Bildung von Sippen und Verbänden überleitet. Im Geschäftsleben konstituiert jeder Vertrag eine Symbiose, und in Unternehmen kann jeder Angestellte ebensogut als dessen Organ wie auch als dessen Symbiont angesehen werden.
Für jede Kooperation gilt, daß die entstehende Gemeinschaft als neues größeres Energon anzusehen ist, sofern der Nutzen bei getrennter Tätigkeit insgesamt geringer als bei vereinter Tätigkeit ausfällt. Bei Symbiosen, in denen jeder Partner für den anderen bloß eine von diesem benötigte Leistung erbringt, liegt ein aus geringfügig integrierten Teilen bestehendes Energon vor. Je vielseitiger die funktionelle Verflechtung zwischen den Kooperationspartnern wird, desto mehr steigert sich die Integration des von ihnen gebildeten Energons.
Erzwungene Kooperation ist dann gegeben, wenn ein Energon ein anderes gewaltsam in ein ihm dienliches Organ verwandelt, was Mechanismen der Fesselung und erhöhter Kontrolle notwendig macht. Bei den Zellen im Körper der Vielzeller hat es den Anschein, daß die Partnerschaft eine freiwillige ist, da sie die Lebenschancen aller Beteiligten steigert. Die Krebszelle, welche ihren Dienst gleichsam aufkündigt und sich in einen Parasiten verwandelt, legt indes nahe, daß diese Partnerschaft letztlich doch eine erzwungene ist. Der Mechanismus zur Fesselung und Kontrolle ist hier der in allen Zellen befindliche gleiche Genetische Code und die dort ausgebil-
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deten Hemmstoffe (Regelproteine), die Teile dieses Erbrezeptes - dieser Programmierung für die Gesamtheit - abdecken und so den Einzelzellen ihre jeweilige Differenzierung und Spezialaufgabe zuteilen. Da die Hemmstoffe ebenfalls über Wirksamkeit des Genetischen Code hergestellt werden, also auch in diesem kodiert sind, ist dieses Erbrezept so geartet, daß es sich gleichsam selbst bändigt. Es schränkt seine Freiheitsgrade von sich aus ein - ebenso, wie es als Ergebnis von Intelligenzakten Gemeinschaften durch Gesetze und Tabus tun.
Bei der tierischen und menschlichen Verbandsbildung, die über Seßhaftwerden zur Staatenbildung führt, werden räumlich getrennt operierende Energone aneinander gebunden und zur Gemeinschaftsleistung bewogen - also koordiniert. Ob solche Verbands- oder Staatenbildung über Entwicklung angeborener Verhaltenssteuerungen oder Intelligenzakte erfolgt, hat keinen Einfluß auf die Effizienz des Entstandenen. Bewährt sich das so entstandene neue Energon, dann trägt es den Lebensstrom - wie auch immer es zustande gekommen sein mag. Bewährt es sich dagegen nicht, dann trägt es den Lebensstrom nicht weiter - wie auch immer es zustande gekommen sein mag.
Besonders bei den nicht verwachsenen Berufskörpern und Erwerbsorganisationen sind Möglichkeiten gegeben, daß Funktionsträger eines Energons auch Kooperationen mit anderen Energonen eingehen. Darüber hinaus ist hier sogar zwischen Funktionsträgern verschiedener Energone eine Kooperation möglich. Je nachdem, ob solche Kooperation freiwillig oder erzwungen erfolgt, haben auch sie entsprechenden Leistungsaustausch beziehungsweise Mechanismen der zwangsweisen Lenkung und Kontrolle zur Voraussetzung.
Über Kooperationen kam das Geflecht menschlicher Kultur und Zivilisation zustande, welches auf koordinierter menschlicher Arbeitsteilung beruht und sich auf Leistungstausch - Produktionsweisen - im Rahmen gegebener Umweltbedingungen - Produktionsverhältnisse - stützt. Wie Marx, Engels, Sombart und andere bereits erkannten, haben die so entstandenen Erwerbsformen über Produktionsweisen den geschichtlichen Ablauf tiefgehend beeinflußt, ja in seinen Entwicklungsrichtungen determiniert. In diesem Sinne sind auch alle Formen der Kooperation von der einfachsten bis zur komplexesten Evolutionsfaktoren von erstem Rang. Wenn Adam Smith the invisible hand - die unsichtbare Hand - letztlich für die Lenkung des Wirtschaftsgeschehens verantwortlich machte, dann erweist sich diese aus der Sicht der Energontheorie als jene des Lebensstro-
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mes, welcher der Gesamtevolution der Energone die Richtung aufzwingt.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Dabei auftretende Wertkonflikte beeinflussen die Richtung dieser Entwicklung entscheidend.
Der Lebensstrom setzt sich ausschließlich über Energone fort, sie sind seine Weiterträger und Steigerer, sie machen ihn möglich, sind seine Organe. Keineswegs jedoch herrscht Übereinstimmung zwischen den Interessen des Lebensstromes und jenen der Energone, seiner Diener.
Lange individuelle Lebensdauer darf bei Energonen als in ihrem Individualinteresse liegend angesehen werden - den Interessen des Lebensstromes ist sie dagegen nicht unbedingt förderlich. Zwar wird durch lange Lebensdauer sein Weiterfließen gefördert und bei individuellem Wachstum auch das Anschwellen seines Volumens und seiner Potenz begünstigt. Doch kann weitergehendes Anschwellen nur über die Bildung von neuen Energontypen erfolgen, die den Lebensstrom in weitere Gebiete vortragen und seine Gesamtfähigkeit, funktionslose Materie mit in seinen Dienst hineinzuzwingen, steigern.
Das Hochkommen von neuen Energonen wird indes durch längere Lebensdauer schon bestehender verzögert. Ältere, etablierte Energone stehen jüngeren, nachdrängenden fast immer im Wege - und damit auch den für den Lebensstrom wichtigen Neubildungen. Sie bilden gleichsam eine Mauer, die den Fortschritt abblockt. Sie verwehren den Zugang zu Ener-
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gie- und Stoffquellen, versperren den zur Entfaltung benötigten Aktionsraum und erweisen sich so, im Besitz der besseren Ausgangsposition und mit Erfahrungen versehen, als im Konkurrenzkampf überlegen. Wollte man den Lebensstrom in seiner Gesamtheit personifizieren, dann könnte man mit Goethe von ihm sagen, daß ach, zwei Seelen, in seiner Brust wohnen. Einerseits liegt nämlich lange Lebensdauer seiner Energone durchaus in seinem Interesse, andererseits jedoch wird sie ihm zum Nachteil. Ein erster, höchst gravierender Wertkonflikt innerhalb des Lebensstromes wird hier offenbar. So wie in jedem Energon die Funktionsträger auf das Ganze abgestimmt sein müssen, so gibt es auch notwendige Abstimmungen zwischen den Energonen und dem Lebensstrom - also zwischen diesem und seinen Organen. Die Phänomene des Alterns und Vergehens erscheinen nach dem gewohnten Denken als etwas Negatives - vom eigentlichen Selektionswert her haben sie indes auch positiven, funktionellen Charakter.
Die einschneidende Bedeutung der menschlichen Intelligenz im Rahmen der Energonentwicklung tritt auch hier grell an den Tag. Während bei allen Pflanzen und Tieren die Wachstums- und Anpassungsfähigkeit erbmäßig festliegt, kommt es bei den vom Menschen aus artifiziellen Funktionsträgern gebildeten Berufskörpern und Erwerbsorganisationen zur grundsätzlich neuen Möglichkeit der individuellen Wandlungsfähigkeit von Energonen. Berufstätige können ihren Beruf wechseln und Betriebe ihr Produktionsprogramm. Diese Energone können sich also auf neue Erwerbsmöglichkeiten, Entwicklungen und Entfaltungen umstellen und haben damit die Möglichkeit, sich von einer Energonart in eine völlig andere zu verwandeln. Bei ihnen steht darum lange individuelle Lebensdauer nicht mehr in grundsätzlichem Konflikt zu den Wertungen des Lebensstromes. Die durch Kriege verursachten Zerstörungen haben indes deutlich gezeigt, daß auch hier maximale Lebensdauer für die Gesamtentwicklung - vom Lebensstrom her gesehen - nicht unbedingt von Vorteil ist. Ein Wiederaufbau gibt Neuerungen Raum und Gelegenheit zur Erprobung, die ohne gewaltsam unterbundene Lebensdauer sich nur langsamer, wenn überhaupt hätten entwickeln und durchsetzen können. Die so wenig ansprechende Behauptung von Heraklit, der Krieg sei der Vater aller Dinge, ist somit nicht leichtfertig abzutun. Nicht nur beruht die gesamte Energonentfaltung auf einem Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Energonindividuen und Energonarten, nicht nur wurde Beraubung oder Vernichtung anderer Energone zum Energieerwerb ganzer Energongruppen - besonders der Tiere -, sondern auch Tendenzen zur Aggression und Vernich-
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tung gehören mit zur funktionellen Voraussetzung für Höherentwicklung und Fortschritt.
In der bisherigen Naturbetrachtung wurde bei den Pflanzen und Tieren die Erhaltung der Art, das Artinteresse also, als Hauptanliegen der Evolution angesehen. Von höchstem Selektionswert wäre somit jene Art, die sich anderen gegenüber am stärksten durchsetzt. Dies ist jedoch eine arge Simplifikation, ja falsch. Denn sobald eine überlegene Art das Optimum ihrer Ausbreitungsmöglichkeit erreicht hat und zum Gleichgewicht mit den anderen Arten gelangt, werden für die Gesamtentwicklung weitere Eigenschaften bedeutsam, die dem Erhaltungswert der Art ebenso wenig dienen wie das Artinteresse dem Individualinteresse.
Alle Organe der Fortpflanzung und diese selbst bedeuten in der Bilanz des Individuums Ausgaben, die nicht ihm sondern nur der Art dienen. Denn je effizienter ihre Leistung ist, über um so größere Areale breitet sich diese Energonart aus - während dem Individuum neue Konkurrenten erwachsen. Kommt diese Energonart dann eines Tages an jene Grenze, über die hinaus sie ein weiteres Anschwellen des Lebensstromes nicht bewirken kann, dann gewinnen wiederum Mechanismen Selektionswert, die nicht der Arterhaltung sondern der Bildung von neuen Arten dienen. Bei den Pflanzen und Tieren ist dies in erster Linie die Zweigeschlechtlichkeit. Über diesen evolutionsfördernden Mechanismus werden zufällig aufgetretene Veränderungen in den Erbrezepten - die Mutationen - in immer neue Kombinationen gebracht, was die mögliche Entstehung von Neuem und damit auch von Bessergeeignetem stark fördert. Streng von der Bilanz her gesehen, dienen die dafür nötigen Organe und Anstrengungen ebenso wenig wie jene der Fortpflanzung dem Individualinteresse. Für das Individuum stellen sie ebenfalls Belastungen und Erhöhung des Existenzrisikos dar. Sie steigern somit weder den Individualwert noch den Artwert - jedoch das Anschwellen des Lebensstromes. Die gesamte Evolution der Pflanzen und Tiere zeigt auf das deutlichste einen permanenten Wertkonflikt zwischen Individuum, Art und Lebensstrom. Bei den Berufskörpern und Erwerbsorganisationen tritt das Artinteresse zurück, da die Fortpflanzung vom Genetischen Code auf das Zentralnervensystem übergeht und damit die gezwungenermaßen artgleiche Fortpflanzung der Energone ein Ende findet.
Weitere Wertkonflikte bringen alle Formen der Kooperation, die sich auf Gewalt stützen. Wird ein Energon gegen seinen Willen zum Organ eines anderen gemacht - etwa ein Tier durch den Menschen zum Haustier, ein
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Mensch durch einen anderen Menschen oder durch einen Verband zum Sklaven, oder ein Staat durch einen anderen zum Vasallen -, dann erhöht dies das Potential des Ausbeuters und verringert des Ausgebeuteten Individualität. Der Lebensstrom - ein blindes, physikalisches Geschehen - kennt keinerlei Präferenz. Fördert ihn das über Gewalt entstandene stärkere Energon mehr, dann hat dieses größeren Selektionswert. Wird es durch den Vorgang geschwächt - etwa indem es sich in Luxustätigkeiten erschöpft -, dann vermindert sich dieser Wert. Manche Erscheinungen seit Auftreten des Menschen, welche in ethischer Sicht höchst verwerflich erscheinen - wie Tyrannei und Ausbeutung -, mögen somit sehr wohl den Lebensstrom gefördert haben, indem der Machtzuwachs einiger seiner Weiterträger dem Fortschritt mehr diente und ihn förderte, als die Unterdrückung und Erpressung anderer sich in seiner Gesamtbilanz negativ niederschlug.
Aber auch freiwillige Kooperation, die auf beiderseits befriedigendem Leistungstausch beruht, führt zu Wertkonflikten, die bei jedem Versuch einer rechnerischen Bestimmung des echten Selektionswertes mit ins Kalkül gezogen werden müssen. Durch freiwilligen Zusammenschluß entstehen ebenfalls größere oder stärkere Energone, deren Interessen nicht mehr durchaus mit jenen ihrer Teile übereinstimmen. Die Interessen eines vom Menschen gebildeten Berufskörpers stimmen oft nicht mit den Privatinteressen dieses Menschen überein. Die Interessen eines Unternehmens stimmen nicht mit jenen der Berufskörper überein, die es in seinen Dienst stellt. Die Interessen eines Staates - wie auch immer er strukturiert sein mag - decken sich durchaus nicht in allen Belangen mit den Interessen der ihm angehörenden Bürger, Berufskörper und Erwerbsorganisationen - von den Luxusstrukturen ganz zu schweigen. Funktionsträger und Verhaltensweisen, die für den einen Teil von Wert sind, müssen es durchaus nicht für den anderen sein.
Schon bei den Pflanzen und Tieren zeigt sich, einen wie wichtigen Evolutionsfaktor die Bildung von Hierarchien darstellt. Hierarchien waren eine entscheidende Voraussetzung für die Höherentwicklung der Energone. Aus Einzelzellen entstanden Vielzeller, und manche Vielzeller bilden Verbände und Staaten - unter den Tieren etwa Korallenpolypen, Wölfe und Affen, Staatsquallen, Bienen und Termiten. Energone bauen in jedem solchen Fall größere Energone auf, in deren Körper sie dann zu mehr oder minder integrierten Organen werden. Bei den vom Menschen gebildeten, nicht fest zusammengewachsenen Energonen, den Berufskörpern und Er-
werbsorganisationen samt allen ihnen anhaftenden Luxusstrukturen, steigerte sich diese Bildung von Hierarchien noch mehr. Im Berufskörper ist der Mensch nur noch eine Anzahl von insgesamt notwendigen Organen, sprich Funktionsträgern. In Unternehmen werden Berufskörper zu Organen. In Trusts und Vereinigungen werden Unternehmen zu Organen. Im Staat werden Menschen, Berufskörper, Unternehmen, Trusts und Vereinigungen zu Organen. Zwischen jeder Ebene gibt es Interessenkonflikte, die verschiedene Wertungen setzen und somit Wertkonflikte verursachen. Nur Einrichtungen, die einem Interesse dienen, haben für einen Interessenten Wert - er bevorzugt, selektiert sie. Dient eine Einheit mehreren Interessen, dann kommt es zum Konflikt - wie schon das Sprichwort sagt: man kann nicht mehr als einem Herren dienen. Werden Unterschlagungen verübt, dann dient dies den Privatinteressen dessen, der unterschlägt, schädigt dagegen jene des Energons, dem er verpflichtet ist. Verrät ein Offizier militärische Geheimnisse an eine Feindesmacht, dann erwachsen ihm individuelle größere Einkünfte, während der Staat unter Umständen Einbußen erleidet, die um ein Tausendfaches größer sind als der einem seiner Organe zufließende Profit. In beiden Fällen kann jedoch der Schädigende der Überzeugung sein, recht zu handeln.
Bei den Berufskörpern und Erwerbsorganisationen ist es aufgrund ihrer nicht verwachsenen Funktionsträger möglich, daß Organe verschiedener Energone Partnerschaften. und damit neue Energone bilden. Ein Beispiel dafür sind Religionsgemeinschaften, Parteien, Vereine und Gewerkschaften. Die Familie stellt ein besonders wichtiges Energon dar, das in hohem Maße Wertkonflikte aufzeigt. Solche treten bei der Teilung von Erwerbsergebnissen in Erscheinung und ebenso, wenn Familienmitglieder sich anderen oder rivalisierenden Energonen anschließen oder anschließen müssen. Die Interessen sind somit in diesem Energonbereich höchst mannigfach und veränderlich, so daß entsprechend viele Wertkonflikte die Folge sind. Welcher dieser Werte sich jeweils für den Lebensstrom stärker auswirkt, ist höchst unübersichtlich - zeigt sich manchmal erst nach langer Zeit.
Beim ständigen Wandel der Energonentfaltung kommt es nicht selten vor, daß Neuerungen in Struktur und Verhalten tiefgreifende Nebenerscheinungen zeitigen, die oft ihren ursprünglichen Selektionswert bei weitem übersteigen. So führte beispielsweise die Erfindung von Radio und Fernsehen zu soziologischen Veränderungen, die weit außerhalb der ursprünglichen Funktion dieser Einrichtungen liegen. Und die von Priester-
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schaften ausgeübte Macht führte zu eminenten politischen Entwicklungen - wenn ein Herrscher sich selbst zum Träger dieser Macht ernannte.
Im Bereich der vom Menschen gebildeten Energone kommen zu allen diesen Wertkonflikten noch weitere hinzu, die sich aus Verhaltensnormen und Tendenzen ergeben, die dem Menschen angeboren sind oder über Erziehung und Sitte in ihn einfließen. Hierbei sind drei Hauptbereiche zu unterscheiden: der menschliche Sinn für das Schöne, seine Tendenz, sich weltanschaulichen Konzepten, Sitte und Brauchtum zu unterwerfen, und schließlich sein Hang zur Annehmlichkeit, sprich Luxus.
Fast jedes Erzeugnis ist heute nicht nur auf Funktionsfähigkeit ausgerichtet - also nicht nur auf Zweckmäßigkeit -, sondern auch auf den in unserem Schönheitssinn wurzelnden, durch Sitte und Mode beeinflußten Geschmack. Bei fast jedem Werkzeug, jeder Maschine, jedem Gebäude finden wir Details, die Extraausgaben oder Leistungseinbußen verursachen, jedoch trotzdem realisiert werden, weil sie dem ästhetischen Empfinden so besser entsprechen - also für Käufer und Verkäufer höheren Selektionswert besitzen. Dort, wo nach rein utilitaristischen Gesichtspunkten vorgegangen wird und man glaubt, den Schönheitssinn - weil er Kosten verursacht - außer Acht lassen zu dürfen, fühlen sich die Betroffenen nicht wohl, selbst wenn sie das Angebotene dringend benötigen. Nirgendwo kommt dies deutlicher zum Ausdruck als bei den weltweit verbreiteten häßlichen Massensiedlungen.
Die Tendenz des menschlichen Geistes, sich mit seinem Dasein auseinanderzusetzen, führt zur Bereitschaft, sich religiösen Lehren zu unterwerfen und weltanschaulichen Doktrinen anzuschließen, die sowohl Antworten auf das ansonsten bohrende Warum als auch Richtlinien der Ordnung für die Lebensführung geben. Auch solche Konzepte erwiesen sich als einschneidend wichtiger Evolutionsfaktor, der in vielen Bereichen darüber entscheidet, welchen materiellen und ideellen Strukturen Präferenz gegeben wird, wo die Prioritäten gesetzt werden - welchen Entwicklungsrichtungen somit höherer Selektionswert zukommt.
Sitte und Brauchtum sind Gemeinschaftsgewohnheiten, die sich im Rahmen kleinerer und größerer Menschengemeinschaften bilden und sich dann über Erziehung mit großer Beharrlichkeit von einer Generation auf die andere fortpflanzen. Traditionen, Feste, Zeremonien und sonstige Gepflogenheiten gehören hierher. Auch diese Normen des Gemeinschaftsverhaltens konstituieren Werte, die oft mit anderen kollidieren, und haben weitgehenden Einfluß darauf, welche materiellen Strukturen und Verhal-
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tensweisen im Evolutionsverlauf bevorzugt zur Verwirklichung gelangen und welche nicht.
Das Streben nach Luxus - nach Situationen, die aufgrund der angeborenen Triebe und der erworbenen Richtlinien und Gewohnheiten als befriedigend, lust- und glücksbringend empfunden werden - wurde bei der menschlichen Energonbildung zur stärksten und eigentlichen Triebkraft in dieser Entwicklung. An sich werden durch die Luxusbestrebungen des Menschen fast allen von ihm gebildeten Berufskörpern und Erwerbsorganisationen Mittel entzogen, welche weder zur Vergrößerung der Energonstrukturen noch zur Bildung neuer Energone verwendet werden. Andererseits jedoch wurde das menschliche Luxusstreben zur erschließbaren Energiequelle für eine ungeheuere Vielfalt neuer Energontypen, die sich auf Befriedigung von Luxusbedarf spezialisieren. Außerdem führt dieses Streben ganz automatisch zum Impuls, über Arbeit Geld zu verdienen - also Energone zu bilden, sie zu stärken oder in ihrem Funktionsgefüge erfolgreich mitzuarbeiten. Deshalb fördert Luxusstreben die Interessen des Lebensstromes - selbst wenn es andere Entwicklungsrichtungen und Wertungen stört. Voraussetzung ist allerdings, daß es den Leistungsansporn wirklich steigert. Wo nämlich Luxusstreben zum Selbstzweck wird, Schwäche erzeugt und zur Leistungsverweigerung führt, verliert es seinen Selektionswert und wird zur Ursache des Unterganges von Kulturen. Auch hier tritt somit ein krasser Wertkonflikt an den Tag, der die Wirbel im Lebensstrom seit dem Auftauchen des Menschen erheblich beeinflußt hat.
Wesentlich ist die Erkenntnis, daß der Mensch aufgrund seiner Intelligenz in der Lage ist, die absolute Priorität der Lebensstrominteressen zu brechen und diesem eigene Wertungen aufzuzwingen. Träte dies ein, dann würde er sich, das Werkzeug eines gigantischen Prozesses, zu dessen Herren und Richtungsgeber machen. In letzter Konsequenz könnte dies aber auch den Lebensstrom wieder fördern, indem es zwar dessen maximale Expansion unterbindet, jedoch andererseits sicherstellt, daß dieses blinde physikalische Geschehen sich nicht am Ende selbst zerstört.
Zusammengefaßt bedeutet dies, daß es zwischen dem Lebensstrom und den ihn weitertragenden Energonen mannigfache Interessenkonflikte gibt - und ebenso zwischen den Energonen untereinander. Individualinteresse deckt sich nicht mit Artinteresse oder dem des Lebensstromes. Energonpartnerschaften, gleichwohl ob gewaltsam geschaffen oder freiwillig eingegangen, führen zur Bildung von neuen größeren Energonen, deren Interesse sich nicht voll mit jenen seiner Bestandteile deckt. Die Höherent-
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wicklung der Energone beruht auf der Bildung von Hierarchien, bei denen die Interessen auf jedem Niveau divergieren. Die Konsequenz sind Wertkonflikte, die im Bereich der vom Menschen gebildeten Energone durch ihm angeborene oder anerzogene Tendenzen - besonders ästhetisches Empfinden, religiöse oder ideologische Ausrichtung und Luxusstreben - noch weiter kompliziert werden. Von höchstem Selektionswert sind immer jene Strukturen und Verhaltensweisen, die das Weiterfließen und Anschwellen des Lebensstromes am stärksten begünstigen. Kraft seiner Intelligenz hat jedoch der Mensch es zumindest theoretisch in der Hand, den Lebensstrom seinen Individualinteressen zu unterwerfen und unterzuordnen.
Daraus läßt sich folgender Satz ableiten:
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Dabei entstehende Vernetzung kann ebenfalls die Entwicklungsrichtung entscheidend beeinflussen.
Energone sind von Umweltbedingungen abhängig. Sind diese für sie günstig, dann steigt ihre Zahl, werden sie ungünstig, dann können sich nur extrem angepaßte Typen behaupten. Zur Umwelt gehören auch alle Energone der unmittelbaren und mittelbaren Nachbarschaft: als Energie- oder Stoffquellen, als Wachstums- oder Fortpflanzungshelfer, Feinde oder Förderer. Florieren diese, dann wirkt sich das entsprechend positiv oder negativ aus, vermindert sich deren Zahl, dann hat das die entgegengesetzten Folgen. Im Gegensatz zur freiwilligen oder unfreiwilligen Kooperation, welche stets Energonbildung zur Folge hat, streben solche Abhängig-
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keiten Gleichgewichtszustände an.
Eine besonders universelle Abhängigkeit besteht zwischen der Gesamtheit aller Pflanzen und der Gesamtheit aller Tiere. Die Pflanzen benötigen Kohlendioxyd und scheiden einen Überschuß an Sauerstoff ab, die Tiere benötigen Sauerstoff und scheiden Kohlendioxyd ab. Der weitgehend konstante Gehalt der Atmosphäre an Sauerstoff und Kohlendioxyd zeigt ein global weitgehend konstantes Verhältnis zwischen dem Gesamtvolumen an Tieren und dem Gesamtvolumen an Pflanzen. Ähnlich generell ist im Bereich der vom Menschen gebildeten Energone und Luxuskörper die Abhängigkeit zwischen Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage ist die Energiequelle für anbietende Energone - das Angebot die Voraussetzung zur Bildung von Energonen und Luxusstrukturen, die ihrerseits wieder Nachfrage schaffen.
Das Verhältnis von Räubern zu ihrer Beute entspricht dem in der Weltwirtschaft zwischen Anbietern und Nachfragern. Vermehren sich die Beutetiere oder Beutepflanzen, dann ist für Raubtiere ein reich gedeckter Tisch vorhanden. Sie können anwachsen und sich vermehren. Wächst bei entsprechender Zahlungskraft die Nachfrage nach Erzeugnissen, Waren oder nach Dienstleistungen, dann ist für Anbieter ein reich gedeckter Tisch vorhanden. Sie machen gute Geschäfte und vermehren sich alsbald. Entstehen nun zu viele Räuber oder Anbieter, dann setzt der entgegengesetzte Vorgang ein. Die Beute wird allzusehr dezimiert, die Nachfrage ist gesättigt und läßt nach. Also kommt der Punkt, an dem Beute und Nachfrage nicht mehr ausreichen - Räuber verhungern, Anbieter gehen in Konkurs. Die Zahl der Räuber und Anbieter sinkt entsprechend, was früher oder später wieder eine Vermehrung der Beute und der Nachfrage zur Folge hat. Hier wie dort gibt es somit periodische Schwankungen, wobei die Maxima und Minima von Beute und Nachfrage jenen von Räubern und Anbietern jeweils um Zeitsprünge - bis zu Jahren und Jahrzehnten - voraus sind.
Stirbt - aus welchem Grund auch immer - eine Pflanzen- oder Tierart aus, dann sind nicht nur die Räuber, die von eben dieser Art leben, davon betroffen, sondern darüber hinaus noch viele weitere Pflanzen und Tiere, die an der aussterbenden Art schmarotzen, von deren Abscheidungen leben oder sie zur Fortpflanzung benötigen. Außerdem auch alle, die direkt oder indirekt durch sie geschützt werden oder sonstige Vorteile durch sie genießen. Sterben somit Arten aus oder geht ihre Individuenzahl zurück, dann zieht dies einen Rattenschwanz von Auswirkungen nach sich. In der Wirtschaft herrschen nicht im geringsten andere Verhältnisse. Ver-
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schlechtert sich die Nachfrage für ein Erzeugnis, eine Ware oder eine Dienstleistung, oder sinkt sie gar auf Null, dann werden nicht nur die unmittelbaren Anbieter betroffen, sondern auch alle direkt oder indirekt von ihnen abhängenden Energone. Gibt es eine Hausse oder Baisse in der Kraftfahrzeugindustrie, dann trifft dies auch in vollem Umfange Tankstellen, Garagen, Reifenfabrikanten, Autoradiohersteller und viele weitere Unternehmen der Zubehörindustrie. Auch hier hängt an jedem Berufskörper und jeder Erwerbsorganisation - besonders an Großunternehmen - ein Rattenschwanz von anderen Energonen, die in Abhängigkeit stehen und die jeweiligen Konjunkturschwankungen demgemäß mitmachen. Es sind Schlüsselindustrien - Schlüsselorgane. Bei ihnen können diese Abhängigkeiten derart bedeutsam werden, daß die sich in ihrem Tätigkeitsgebiet im Amt befindlichen Interessenvertretungen - staatliche Organe - helfend einschalten, um Arbeitsplätze zu sichern und einem Konjunkturrückgang entgegenzuwirken.
Eine weitere Abhängigkeit wird in der Wirtschaft heterogener Wettbewerb genannt. Für den Bierbrauer sind nicht nur andere Bierbrauer Konkurrenten, sondern auch alle übrigen Getränkehersteller in ihrem Absatzgebiet. Besonders breit wird der Fächer im Luxussektor, wo oft geringfügige Einflüsse darüber entscheiden, ob ein Mensch sich ein Motorboot oder ein altes Gemälde leistet, ob er sich zu einer Ferienreise oder für den Erwerb eines Grundstückes entschließt. Bei den Tieren und Pflanzen, die ihre Überschüsse immer nur in Wachstum und artgleiche Vermehrung investieren können, gibt es zu dieser großen Streuung keine Parallele. Das Analogon zum heterogenen Wettbewerb ist jedoch auch hier nachweisbar. So wie in der Wirtschaft eine gegebene Energiequelle - also ein gegebener Markt - oft von sehr verschiedenartigen Berufskörpern und Erwerbsorganisationen ausgebeutet und demgemäß abgeschwächt werden kann, so haben etwa die Seeanemonen, die sich von Plankton ernähren, nicht nur andere Seeanemonen zum Konkurrenten sondern auch Röhrenwürmer und Schwämme - ja, sogar den Hering und den Bartenwal.
Dem heterogenen Wettbewerb steht heterogene Förderung gegenüber. Indem ein Energon - aus welchem Grund auch immer - die Interessen anderer fördert, begünstigt es indirekt auch solche, die wieder vom geförderten profitieren. Züchtet ein Mensch Rosen, dann profitieren nicht nur diese sondern auch deren Parasiten. Fördert der Staat Künstler, dann kommt dies ebenfalls allen jenen zugute, die an letzteren und ihrer Leistung verdienen. Ja, sogar Feindschaft zwischen anderen kann sich för-
dernd auswirken: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges gab vielen Kolonialunterjochten in Afrika und Asien die willkommene Gelegenheit zur Befreiung und zur Erlangung von Unabhängigkeit.
Von Nahrungsketten spricht man bei Tieren und Pflanzen, wenn kettenartige Abhängigkeiten des Energie- und Stofferwerbs vorliegen. So ernähren sich etwa im Meer vom Plankton Garnelen, von diesen Kleinfische, die wiederum von einer Folge immer größerer Räuber verspeist werden. Von der gleichen Primärquelle nehmen oft zahlreiche Nahrungsketten ihren Ausgang, die sich mannigfach verzweigen. Auch hier erkennen wir in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die gleiche Interdependenz. Ein gegebener Bedarf bringt Anbieter auf den Plan, die ihrerseits wieder Bedarf haben, welcher weiteren Anbietern zugute kommt. Und auch hier nehmen oft vom gleichen Markt verschiedene Erwerbsketten ihren Ausgang, die sich dann mannigfach verzweigen.
Insgesamt ergibt sich so in den Ökosystemen des Pflanzen- und Tierreiches und ebenso in jedem Wirtschaftssystem eine außerordentliche und komplizierte Vernetzung, ja Verfilzung, deren Charakteristikum Intransparenz ist. Gewaltsame Eingriffe - hier wie dort - können deshalb Auswirkungen zeitigen, die kaum voraussagbar sind. Die Eingriffe des Menschen in Natur und Wirtschaftssysteme liefern dafür gravierende Beispiele. Bei den Pflanzen und Tieren, bei den Berufskörpern und Erwerbsorganisationen sowie ebenfalls bei den Luxusstrukturen - also in allen Energonsystemen - dauert es nach Eingriffen eine geraume Zeit, ehe sich ein neues fluktuierendes, also dynamisches Gleichgewicht einstellt: Je dichter Energone auf einem Areal zusammenleben und je mehr Energontypen beteiligt sind, desto größer werden Vernetzung, Intransparenz und Anfälligkeit.
Daraus läßt sich folgender Satz ableiten:
H. Manipulation der Umwelt
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Die Möglichkeit zur Manipulation der Umwelt kann ebenfalls Entwicklungsrichtungen entscheidend beeinflussen.
Neben evolutionsbegünstigenden Umweltfaktoren und evolutionsfördernden Mechanismen spielt auch aktive Umweltveränderung in der Energonentfaltung eine Rolle. Sie setzt ein beträchtliches Machtpotential voraus, wurde darum erst in einem späten Stadium der Energonentfaltung möglich und erwies sich dann als Evolutionsfaktor von erstem Rang. Mit ihrer Hilfe passen sich Energone nicht länger den Umweltgegebenheiten an - sondern verändern diese in einer für sie förderlichen Art.
Schon einige Tiere gelangten über angeborenes - also über Mutationen im Erbgut entstandenes - Verhalten zu derartiger Leistung. So schaffen sich etwa die Bienen in ihren Stöcken und Biber durch den Bau ihrer Dämme künstlich eine für sie günstigere Umwelt. Aber erst durch die menschliche Intelligenz wurden derartige Maßnahmen in zielhafter Planung möglich. Die ersten beiden Großtaten auf diesem Gebiet waren die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht. Durch Urbarmachung wurden die natürlichen Ökosysteme in Gebiete verwandelt, die bevorzugt Nahrungspflanzen liefern. Die feindlichen Wölfe wurden zu Freunden umerzogen; Büffel, Wildziegen, Wildschafe, Wildschweine, Wildhühner und besonders Wildpferde wurden durch Gewalt und gezielte Paarung in Zug- und Reittiere, in Lieferanten von Fleisch, Milch, Wolle und Eiern umfunktioniert beziehungsweise umstrukturiert. Durch ebensolche Manipulation wurden auch Nutzpflanzen den menschlichen Bedürfnissen angepaßt und durch Umzäunung, Bewässerung, Düngung und Schädlingsbekämpfung ihre Umwelt vorteilbringend verändert. Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung wird durch Förderung der natürlichen Feinde dieser Schädlinge ihr Bestand vermindert. Auch Meeresbrandung, Flüsse und Ströme werden durch Dämme gebändigt - einerseits zur Verhinderung von Überschwemmungen und andererseits zur Gewinnung dienlicher Kräfte. Die künstliche Beeinflussung des Klimas steht bevor.
Für Berufskörper und Erwerbsorganisationen sind Absatzmärkte und staatliche Institutionen die für sie wichtige Umwelt. Mittel, um diese zu manipulieren - also zu verändern -, sind Beeinflussung, Aufklärung, Erziehung, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Verkaufsförderung sowie Bestechung und ideologische Indoktrination. Durch Beeinflussung, Aufklä-
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rung, Erziehung und Öffentlichkeitsarbeit wird ein anderes Lebensklima geschaffen. Durch Werbung und Verkaufsförderung werden im Sinne der Informationsvermittlung und des eigenen Interesses Wünsche geweckt, wo vorher noch keine ausgeprägt vorhanden waren - die Energiequelle der Nachfrage schwillt so an und wird ertragreicher. Durch Beeinflussung, Überzeugung und Bestechung von Organen anderer Energone - insbesondere von Unternehmen, Organisationen oder Staaten - kann ebenfalls eine Kaufbereitschaft geschaffen werden, also ein künstliches Erwerbsklima, das vorher fehlte. Oder Hindernisse werden so aus dem Weg geräumt, also ungünstige Umwelt in neutrale oder sogar hilfreiche verwandelt. Staaten können durch Verbreitung politischer, religiöser und ideologischer Konzepte die in anderen Staaten herrschenden Wertvorstellungen und Ordnungen unterhöhlen und ebenfalls feindliche Umwelt in Bundesgenossen oder sogar Vasallen umstrukturieren.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
Der Lebensstrom wird ausschließlich von Energonen fortgesetzt. Auch Epiphänomene in dieser Entwicklung haben die Evolutionsrichtung nicht selten beeinflußt.
Die Grundaufgabe aller Energone - so beschaffen zu sein, daß ein sich steigernder Prozeß über sie stattfinden kann - und die sich daraus ergebende, notwendige Grundstruktur determinieren die Hauptrichtungen der Evolution. Darüber hinaus weisen auch die jeweiligen Umweltbedingungen und weitere die Evolution beeinflussende Faktoren diese Entwicklung in bestimmte Geleise. Der Evolutionsverlauf erweckt darum in seinem äußeren Erscheinungsbild den Eindruck einer zielhaften Entwicklung, eines
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geplanten und in diesem Sinne gewollten Geschehens - während die genauere Analyse aufzeigt, daß dieser Verlauf gar nicht beliebig festgesetzt sein kann, da das Geschehen seinen eigenen Gesetzen unterworfen ist - durch die ihm selbst inhärenten Notwendigkeiten determiniert. So erweckt beispielsweise die Entwicklung des Pferdehufes - aus Fossilfunden in allen Zwischenstufen bekannt - den Eindruck eines von richtunggebender Kraft bewirkten Vorganges, wurde jedoch eindeutig über die Auslese von der Nahrungsquelle und den Raubfeinden gesteuert.
Es gibt zahlreiche weitere Beispiele dafür, daß der Weg der Evolution keineswegs aktiv auf ein bestimmtes Ziel zusteuerte, sondern über gewundene Umwege verlief. Mancher Fortschritt kam über langwierige und kostspielige Irrwege zustande. Wichtige Entwicklungen waren über lange Strecken überhaupt blockiert, weil sie nur über Zwischenstufen erreichbar waren, die den Selektionswert herabsetzten. Während ein gewolltes, nach zielhaftem Programm ablaufendes Geschehen solche Schranken spielend hätte überwinden müssen, waren einem von Zufallwirkungen abhängigen Vorgang solche Entwicklungssprünge nicht möglich.
Der Gesamtvorgang der Evolution ist keineswegs auf ein bestimmtes Ziel - etwa die Schaffung des Menschen - zugeschnitten, sondern folgt einem aus der Entwicklung selbst determinierten Weg. Dafür spricht auch, daß Nebenerscheinungen zu Haupterscheinungen wurden, indem Nebenauswirkungen - Epiphänomene - zu dominierender, die Lebensentwicklung entscheidend beeinflussender Bedeutung gelangten.
So ist Verminderung der Populationsgröße meist ein Zeichen für nicht mehr adäquate Effizienz einer Art - trotzdem wurde dieser Vorgang, als Epiphänomen, oft zum selektionsfördernden Faktor. Drastische Verminderung der Populationsgröße führt in der pflanzlichen und tierischen Evolution zum Verlust eines Teiles der im Genpool vorhandenen Gene - wodurch solche, die sich normalerweise nicht auswirken können, plötzlich wirksam werden und neue Entwicklungsrichtungen bestimmen können. Experimente mit der Taufliege Drosophila erwiesen eindeutig, daß kleine Populationen eine weit höhere Variabilität aufweisen - wodurch der Selektion mehr Angriffspunkte geboten werden und sich die Evolutionsschnelligkeit wesentlich steigert.
Zur Entstehung kleiner Populationen kann es auch durch Absprengung von Splittergruppen von der Hauptgruppe kommen: durch Isolation. Bei den Pflanzen und Tieren war solche Absplitterung - Isolation - Ausgangspunkt für die Bildung von Rassen und Arten. Die Mechanik der Evolu-
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tionsförderung ist hier die gleiche wie bei der Populationsverminderung aufgrund nicht adäquater Effizienz.
Beim Menschen und den von ihm gebildeten Energonen können sich ebenfalls bei kleinen Gruppen individuelle Besonderheiten durchsetzen, die normalerweise durch die Einflüsse der Gesellschaft am Aufkommen gehindert sind. Der Bedeutung des Genpools bei den Pflanzen und Tieren entspricht hier, in der dritten Evolutionsphase, Gruppenwissen und Gruppengewohnheit - also Tradition im weitesten Sinne. Somit führt auch bei der vom Menschen bewirkten Entfaltung das Zusammenschrumpfen von Energongruppen zum Epiphänomen, daß ungewöhnliche Einzelbestrebungen sich durchsetzten, die dann Fortschritte einleiten könnten. Noch deutlicher sind Auswirkungen der Isolation - besonders durch geographisch bedingte Umstände. So trug die reiche Gliederung durch Gebirge und Meer in Griechenland und Kleinasien wesentlich zur Vielfalt und zum Reichtum der antiken Kulturen bei - ebenso wie noch heute im gebirgig reichgegliederten Neuguinea eine unglaubliche Fülle verschiedener Stämme und Volksgruppen mit ausgeprägten eigenen Lebensformen nachweisbar ist.
Ein zweites Epiphänomen wird in der biologischen Literatur unter der Bezeichnung Annidation - Einnistung - angeführt. Wieder geht es - bei den Pflanzen und Tieren - um Splittergruppen von verminderter Effizienz, die in besonderen, engbegrenzten Umwelten zu höheren Eignungswerten gelangen können. Nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip haben sie dort - in einer ökologischen Nische - ein besseres Passungsverhältnis als alle Konkurrenten. Die Folge ist: Während die Art überall sonst eliminiert wird, bleibt sie hier erhalten - und kann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn Umweltveränderungen andere Voraussetzungen schaffen, zum Ausgangspunkt neuer Fortschritte werden. Auch dieses Epiphänomen ist in der dritten Evolutionsphase ebenfalls von ausgeprägter Bedeutung. Bei menschlichen Splittergruppen können sich Lebensformen und Lehren, die sonst eliminiert werden, erhalten - und dann zu späterem Zeitpunkt zu Bedeutung gelangen. Da bei den vom Menschen gebildeten Energonen - aufgrund der artifiziellen Funktionsträger - künstlich erworbenes Wissen die Zellkörper überlebt und in Gestalt von Schrifttum fortbesteht, wirkt sich dieses Epiphänomen hier besonders aus. So wurde die Bedeutung der Schriften des Mönches Gregor Mendel aus dem Jahr 1865 erst fünfunddreißig Jahre später erkannt, und die von ihm entdeckten drei Vererbungsregeln konnten dann die Forschung befruchten. Indem sich also sonst ausgemerzte Energonstruktur über längere Zeit erhält, kann sie später wieder
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in die Entwicklung eingreifen.
Ein weiteres Epiphänomen ist dadurch bedingt, daß bei den Erbrezepten der Pflanzen und Tiere die Gene häufiger mehr als nur ein Merkmal bewirken und sich somit in Eigenschaften verschiedener Organe niederschlagen. So kann Selektion, die an einem positiven oder negativen Merkmal ansetzt, auch Änderungen von ganz anderen Merkmalen zur Folge haben. Auch hier kann diese Nebenerscheinung - dieses Epiphänomen - dann im Fluß der Evolution zur Hauptsache werden und zum Ausgangspunkt für neue erfolgreiche Entwicklung. Bei der von menschlicher Intelligenz gesteuerten Energonbildung ist der analoge Vorgang dort gegeben, wo ganz unbeabsichtigte Nebenwirkungen - ja Irrtümer - zum Ausgangspunkt für neue Erkenntnisse und Erfindungen werden. Zu den oft zitierten Beispielen für unbeabsichtigte Entdeckungen gehört auch jene der Radioaktivität durch Marie Curie.
Ein viertes Epiphänomen tritt in Erscheinung, wenn Funktionsträger, die für eine bestimmte Funktion zustande kamen, sich im weiteren Verlauf der Entwicklung für ganz andere Funktionen geeignet erweisen. Ein Epiphänomen der menschlichen Sprache war die durch sie geförderte verbale Begriffsbildung, welche das menschliche Denkvermögen außerordentlich steigerte und vorantrieb. Von nicht minder weittragender Auswirkung war, daß die vom Menschen gebildeten, nicht mit dem Zellkörper verwachsenen Funktionsträger mit der Hypothek belastet sind, besonderen Schutzes zu bedürfen. Dies zog - als Epiphänomen - die Notwendigkeit der so bedeutsamen Verbands- und Staatenbildung nach sich. Schließlich haben viele der vom Menschen gebildeten Funktionsträger wesentliche Rückwirkungen auf ihn selbst und - über ihn - auf seine Energonbildung. Die spektakulären Epiphänomene des Fernsehens sind dafür ein Beispiel. Marshall McLuhan hat auf zahlreiche derartige, an sich unbeabsichtigte Rückwirkungen der von ihm als Medien bezeichneten künstlichen Erweiterungen des menschlichen Körpers hingewiesen.
Daraus läßt sich folgender Satz ableiten:
K. Zusammenfassung der Wirksamkeit von Evolutionsfaktoren
Es konnte festgestellt werden, daß zwischen den Energonen, die den Lebensprozeß fortsetzen und steigern, zahlreiche Interdependenzen bestehen, die Selektionsfaktoren darstellen. Konkurrenz und gegenseitige Vernichtung begünstigen ein Überleben der bessergeeigneten Energonindividuen und Energonarten. Über Kooperation entstehen Symbiosen, Verbände und Energonhierarchien, die selbst wieder Energone nächst höherer Größenordnung darstellen. Daraus ergeben sich divergierende Interessen, die Wertkonflikte schaffen. Positive und negative, unbewußte oder gezielte Selektion begünstigt deshalb nicht immer jene Energone, die den Lebensstrom am besten fördern. Der Evolutionsverlauf wird außerdem durch limitierende Faktoren gebremst, durch Polaritäten in der Ausrichtung in bestimmte Kanäle geleitet und durch passive Abhängigkeiten von Energonen und Energonsystemen mitbestimmt. Durch aktive Veränderung der Umwelt ist Machtzuwachs möglich. Gleichgewichtszustände zwischen Energonen konstituieren keine Energone, können aber, sobald Kooperation einsetzt, in solche übergehen.
Die Essenz des über Evolutionsfaktoren Gesagten kann wie folgt zusammengefaßt werden.
Sechster Hauptsatz der Energontheorie:
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