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2. Die Funktionsträger
Es sind natürliche und künstliche, verwachsene
und nichtverwachsene, zelluläre und nichtzelluläre Funktionsträger
zu unterscheiden.
A. Jedes Energon ist ein Funktionsgefüge. Seine Ganzheit
besteht aus untergeordneten Einheiten, die bestimmte Aufgaben erfüllen
und somit funktionell sind. Dies bedeutet, daß nichtfunktionelle
Einheiten einen Ballast darstellen, also eine überflüssige Belastung,
sofern sie Abläufe behindern oder Kosten verursachen. Sie beeinflussen
dadurch die Konkurrenzfähigkeit negativ. Damit sind wir bereits auf
einen äußerst wichtigen, allen Funktionsgefügen gemeinsamen
Faktor gestoßen, der besagt, daß funktionslose Teile einen
Nachteil darstellen. In der Bilanz sämtlicher Energone - Pflanzen,
Tiere, Berufskörper und Erwerbsorganisationen - kommt das notwendigerweise
zum Ausdruck.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
5. Stehen zwei Energone - wie auch immer sie
aussehen mögen - im Konkurrenzkampf und sind sie einander in allem
gleich, ist jedoch das eine durch funktionslose Einheiten belastet, dann
hat das andere einen Vorteil.
B. Untergeordnete Einheiten, welche Funktionen ausüben,
werden Funktionsträger genannt. Das Revolutionäre des neuen Denkens
liegt in der Behauptung, daß stets die Funktion das Primäre
und der Funktionsträger das Sekundäre ist, weil die gleiche
Funktion auch über sehr verschiedene Strukturen oder Techniken vonstatten
gehen kann. Die Geschichte der menschlichen Arbeit ist durch eine Fülle
von Beispielen einer Vertretbarkeit von Personen und Ersetzbarkeit von
Sachen gekennzeichnet, worunter besonders Spezialisten und Maschinen zu
verstehen sind. Ebenso zeigt die Evolution der Tiere und Pflanzen, daß
oft sogar bei nahe verwandten Arten die gleiche Funktion durch höchst
verschiedene Organe oder Verhaltensweisen erbracht wird.
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Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
6. Jedes Energon ist ein Funktionsgefüge,
die Funktionsträger sind Erfüllungsgehilfen benötigter Funktionen.
Für jedes Energon - gleichwohl, aus wievielen Einheiten es besteht
- sind somit die Funktionen das Primäre, die Funktionsträger
das Sekundäre.
C. Ob ein Funktionsträger mit dem Gesamtkörper
seines Energons fest verwachsen oder durch unsichtbare Bande an dieses
gefesselt ist, bleibt unerheblich. Im Gegensatz dazu ist es erheblich -
ja existenzielle Voraussetzung, daß jedes Energon über sämtliche
von ihm benötigten Funktionen verfügt. Bisher wurden die vom
Menschen gebildeten Berufskörper und Erwerbsorganisationen als etwas
von den tierischen und pflanzlichen Körpern grundsätzlich Verschiedenes
und darum Unvergleichbares angesehen. Das liegt in erster Linie daran,
daß bei den Tieren und Pflanzen die Funktionsträger - wie Organe
und Gewebe - von seltenen Ausnahmen abgesehen zu einem geschlossenen Körper
verschweißt sind. Bei den Berufskörpern und Erwerbsorganisationen
sind dagegen die vom Menschen artifiziell gebildeten Funktionsträger
nicht unbedingt miteinander fest verwachsen und verbunden. In welcher Entfernung
sich ein Funktionsträger von den übrigen befindet, ist unerheblich.
Erheblich dagegen ist, daß er, wann immer er benötigt wird,
seine Leistung erbringt.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
7. Für sämtliche Energone ist es unerheblich,
ob ihre Funktionsträger fest mit ihnen verwachsen sind oder nicht.
Erheblich dagegen ist, daß sie alle von ihnen benötigten Leistungen
erbringen.
D. Das Material, aus dem Funktionsträger bestehen, ist
von sekundärer, ihre Leistung von primärer Bedeutung. Die Tatsache,
daß die Tiere und Pflanzen aus Zellen und damit aus organischer Struktur
bestehen, während die Berufskörper und Erwerbsorganisationen
über artifizielle Funktionsträger verfügen, welche aus anorganischem
Material gefertigt sind, schafft, von der Leistung her betrachtet, keinen
grundsätzlichen Unterschied. Augenfällig wird dies bei der Betrachtung
von Unternehmen. Ob
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eine geforderte Leistung durch menschliche Arbeitskraft
oder eine maschinelle Einrichtung erbracht wird, ist sekundär, sofern
auf beide Weisen das gleiche Ergebnis erzielt wird. Denselben Zusammenhang
zeigt uns die ständig anwachsende Ersetzung organischer Strukturen
durch synthetische.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
8. Für Energone ist es bedeutungslos, woraus
ihre Funktionsträger bestehen, vorausgesetzt, daß diese die
von ihnen benötigte Leistung erbringen.
E. Schließlich ist es auch belanglos, ob die Funktionsträger
eines Energons über Zelldifferenzierung entstehen oder über die
Wirksamkeit menschlicher Intelligenz künstlich geschaffen werden.
Auch hier kommt es ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit
des jeweils Entstandenen an - auf beiden Wegen kann Funktionsloses und
Funktionelles zustande kommen. Grundsätzlich zeigt damit die Energontheorie
auf, daß sich aus der Art des Zustandekommens eines Funktionsträgers
nicht seine Effizienz ableiten läßt. Das Agens kann ebenso gut
der genetische Code wie auch die menschliche Intelligenz sein.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
9. Für alle Energone ist Art und Weise,
wie ihre Teile zustande kommen, ohne Belang. Gemessen werden diese ausschließlich
am Resultat, das sich bewähren muß und das Energon konkurrenzfähig
macht.
F. Wenn, wie zuvor dargestellt, weder das Material, aus dem
ein Funktionsträger besteht, noch die Art, wie er zustandekommt, noch
der Umstand, ob er mit dem Energon fest verwachsen ist oder nicht, von
prinzipieller Bedeutung ist, sondern nur seine Leistungsfähigkeit
zählt, dann ergibt sich als logische Schlußfolgerung die Frage,
was denn dann nun diese Leistungsfähigkeit konstituiert. Im Folgenden
wird dargelegt, daß drei Wertmaßstäbe, nämlich Kosten,
Präzision und Schnelligkeit, die maßgebenden Kriterien von Leistungskraft
und Konkurrenzfähigkeit sind.
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Im unsichtbaren Wertgerüst, das über Leistungskraft
und Konkurrenzfähigkeit entscheidet, spielen die Kosten, die
eine
Funktion verursacht, die primäre Rolle, da ein Energon nur bei durchschnittlich
aktiver Energiebilanz bestehen kann. Je geringer also die Anforderungen
jeder Funktion an den Gesamtenergiehaushalt sind, um so besser. Die Bewährungsprobe,
die Stunde der Wahrheit, kommt spätestens dann, wenn die Umweltbedingungen
sich derart verschlechtern oder der Konkurrenzkampf sich derart verdichtet,
daß nur die kostengünstigsten Energone überleben und die
anderen ausscheidend auf der Strecke bleiben.
Im Rahmen der Gesamtkosten einer Funktion unterscheiden
wir als gesonderte Größen: Kosten für den Aufbau
der funktionserbringenden Struktur, also des Funktionsträgers, sodann
Kosten für die Funktionsausübung, weiterhin Kosten für
die Aufrechterhaltung der Struktur während funktionsloser Phasen
und schließlich Kosten für mögliche Stillegungen.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
10. Im Kampf um eine aktive Energiebilanz obsiegen
- bei sonstiger Leistungsgleichheit - jene Energone, denen ihre Funktionserfüllungen
die geringsten Energieausgaben verursachen.
G. Das zweite für Funktionsträger wichtige Kriterium
ist die Präzision ihrer Leistung, womit der Qualitätsgrad
der Funktionen angegeben wird. Unter den Begriff der Präzision fallen
Genauigkeit, Verläßlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit,
geringe Risikoanfälligkeit, Bestandsvermögen, Dauerhaftigkeit,
Stabilität, Paßfähigkeit und anderes. Der Präzisionswert
der Leistung wird in Prozenten gemessen, wobei hundertprozentige Präzision
das Optimum darstellt. Bei den Funktionsträgern sämtlicher Energone
- Pflanzen, Tiere, Berufskörper und Erwerbsorganisationen - sind hohe
Präzisionsgrade in der Regel nur über höhere Kosten zu erreichen.
Wo deshalb zu Lasten des Energiehaushaltes mehr Präzision geleistet
wird, als für die jeweilige Funktion nötig ist, wird Energie
verschwendet, was sich als Nachteil im Konkurrenzkampf niederschlägt.
Wie bei den Kosten sind auch bei der Präzision gesondert
zu berücksichtigen: die Präzision beim Aufbau des Funktionsträgers,
jene seiner Funktionsausübung, sodann bei der Aufrechterhaltung
der Struktur während
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funktionsloser Phasen und schließlich bei möglichen
Stillegungen
und damit verbundener Reduktion der Struktur.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
11. Präzision in der Funktionserfüllung
steigert - bei sonstiger Leistungsgleichheit - die Konkurrenzfähigkeit
der Energone, sofern sie nicht das Maß des benötigten überschreitet.
H. Im unsichtbaren Wertgerüst, das über Leistungskraft
und Konkurrenzfähigkeit der Energone entscheidet, spielt auch die
Schnelligkeit
der einzelnen Funktionsausübungen eine wesentliche Rolle. Die
Schnelligkeit, mit der ein Funktionsträger seine Funktion zu erbringen
vermag, kann im Kampf gegen Konkurrenten und in der Auseinandersetzung
mit der übrigen Umwelt über Sein oder Nichtsein eines Energons
entscheiden. Auch Steigerung der Schnelligkeit einer Funktionsausübung
bedingt in der Regel höhere Kosten und belastet in diesem Sinn den
Energiehaushalt. Erhöhte Schnelligkeit einer Funktionsausübung
ist somit in der Ganzheit des Energons kein Vorteil, wenn sie nicht benötigt
wird - was eintritt, wenn limitierende Faktoren die Gesamtschnelligkeit
der Energonfunktionen begrenzen und eine Beschleunigung seiner Aktivität
nicht zulassen. Der Faktor Schnelligkeit hat gegenüber Kosten und
Präzision in seiner Einwirkung auf das Wertgerüst eine weit größere
Variabilität und Bandbreite.
Wie bei den Kosten und der Präzision ist auch hier
zu unterscheiden: die Schnelligkeit, mit der ein Funktionsträger gebildet
werden kann, jene seiner Funktionsausübung, jene des Übergangs
zur Ruhe und seiner Reaktivierung, sowie jene der Reduzierung seiner Struktur
im Falle von Stilliegephasen und des Wiederaufbaues zur funktionsfähigen
Struktur. Während funktionsloser Zeitspannen ist der Faktor Schnelligkeit
ohne Einfluß auf das Wertgerüst.
Hieraus läßt sich folgender Satz ableiten:
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12. Bei sonstiger Leistungsgleichheit
obsiegt im Konkurrenzkampf jenes Energon, dessen Funktionsabläufe
in der Dimension der Zeit dem Wirkungsoptimum am nächsten sind. Schnelligkeit
kann die entscheidende Komponente im Wertgerüst darstellen - besonders,
wenn es sich um Aktions- und Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber der
Umwelt handelt - und ist andererseits jene, welche in bestimmten Fällen
ohne Einfluß ist.
1. Welchen der drei Kriterien - Kosten, Präzision und
Schnelligkeit - im Einzelfall die größere Bedeutung zukommt,
bestimmen jeweils Ausrichtung und Umweltsituation des betreffenden Energons.
Maßgebend ist, daß diese drei Kriterien für jeden Funktionsträger
jedes
Energons anwendbar und für die Beurteilung des Wertes ihrer Leistungskraft
und Konkurrenzfähigkeit relevant sind. Diese drei bilden gleichsam
ein Netz, in dem sich der Wert jeder Funktionserfüllung einfangen
läßt, also ein Wert, der jede Leistungskraft und Konkurrenzfähigkeit
mitbestimmt. Im Rahmen der Energonbildung des Menschen gilt dies nicht
nur für die Funktionsträger dieser Energone, sondern auch für
die immense Vielheit solcher artifizieller Funktionsträger, die er
sich zur Befriedigung seiner Wünsche, zur Steigerung seiner Annehmlichkeit
schafft. Dies bedeutet, daß für Kultur, Zivilisation und
Luxus - besondere Phänomene der menschlichen Entfaltung - die
gleichen Grundkriterien gelten wie für den Erwerb, der auch für
alle solchen zusätzlichen Strukturen und Tätigkeiten stets die
Voraussetzung ist. Dort, wo ökonomische und kommerzielle Gesichtspunkte
in den Hintergrund treten, wo also Kosten weniger ins Gewicht fallen, kommt
es um so mehr auf Präzision und Schnelligkeit an.
Zwischen Kosten, Präzision und Schnelligkeit gibt
es mannigfache Korrelationen, also Interdependenzen. Im Gefüge sämtlicher
Energone - Pflanzen, Tiere, Berufskörper und Erwerbsorganisationen
- bedingt die Verbesserung eines der Kriterien Rückwirkungen auf die
anderen. So ist eine Steigerung der Präzision fast immer mit höheren
Kosten und einer Einbuße an Schnelligkeit verbunden. Wird höhere
Schnelligkeit einer Funktionsausübung notwendig, dann steigen ebenfalls
die Kosten und vermindert sich meist die Präzision. Schließlich
muß bei einer Senkung der Kosten fast immer eine Verminderung von
Präzision und Schnelligkeit in Kauf genommen werden.
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|
Aufbau
|
Erwerb
|
Ruhe
|
Stillegung
|
|
Kosten
|
1
|
2
|
3
|
4
|
|
Präzision
|
5
|
6
|
7
|
8
|
|
Zeit
|
9
|
10
|
11
|
12
|
Abb. 2: Schematische Darstellung der Grundkriterien in den Existenzphasen
Für Effizienz und Konkurrenzfähigkeit ergeben
die Grundkriterien Kosten, Präzision und Zeit in den Aufbauphasen,
Erwerbsphasen, Ruhephasen und Stillegungsphasen gesonderte relevante Werte,
die zu berücksichtigen sind. Dies gilt für jedes Energon, ebenso
für jeden Funktionsträger.
Da sich der Gesamtwert jedes dieser Kriterien aus vier
zu berücksichtigenden Parametern zusammensetzt - Aufbau des Funktionsträgers,
seine Funktionsausübung, seine Aufrechterhaltung während funktionsloser
Phasen und seine Stillegung mit Strukturreduktion -, werden zahlreiche
weitere Korrelationen bedeutungsvoll und die kausale Vernetzung wird noch
um ein Vielfaches verdichteter und komplizierter. So mögen in manchen
Fällen - wie zum Beispiel in einer wirtschaftlichen Aufbauphase oder
beim Pflanzenwuchs im Frühjahr - die Aufbaukosten von Energonen
weniger ins Gewicht fallen als die Schnelligkeit der Funktionsausübungen
oder deren Präzision. In anderen Fällen wieder, wo Energone in
einem Erwerbsmarkt bereits fest etabliert sind, steht die Bedeutung von
Schnelligkeit hinter jener von niederen laufenden Kosten und gleichbleibender
Präzision zurück.
Die Essenz des über Funktionsträger Gesagten
kann wie folgt zusammengefaßt werden.
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Zweiter Hauptsatz der Energontheorie:
II. Die Energone stellen
Funktionsgefüge dar, die durch ein ihnen gemeinsames, sinnlich nicht
wahrnehmbares, doch meßbares Wertgerüst gekennzeichnet sind.
Sie bestehen aus Funktionsträgern, bei denen es unerheblich ist, welche
Gestalt und welches Verhalten sie aufweisen, aus welchem Material sie bestehen,
ob ihre Teile fest aneinander gefügt sind und auf welche Weise diese
zustande kommen. Erheblich ist dagegen, welche Kosten sie verursachen,
mit welcher Präzision sie ihre Funktion ausüben und mit welcher
Schnelligkeit diese erfolgt. Die Parameter von Kosten, Präzision und
Schnelligkeit sind in Phasen des Aufbaues, des Erwerbes, der Ruhe und bei
Stillegung von verschiedenem Einfluß auf Effizienz und Konkurrenzfähigkeit.
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