Einleitung
Diese Schrift soll in geraffter Darstellung einen Überblick über die wichtigsten Grundbegriffe einer neuen Sichtweise vom Menschen, seiner Evolution sowie der von ihm geschaffenen Systeme vermitteln. Diese Sichtweise orientiert sich nicht primär an materiellen Erscheinungen und Verhaltensweisen, sondern an Funktionen und Leistungen und bietet so ein Gerüst von Rahmenbedingungen, die für die gesamte Lebensentfaltung - von den ersten Einzellern über die Vielzeller, den Menschen bis hin zu den von ihm geschaffenen Systemen wie Wirtschaftsunternehmen und Staaten - Gültigkeit hat.
Ausgangspunkt für diese Sichtweise sind zwei Überlegungen: Besteht zwischen den mannigfachen Erscheinungsformen der Lebewesen auf unserer Erde nicht insofern eine generelle Übereinstimmung, als sie dieselben grundlegenden Bedingungen und Leistungen erfüllen müssen, um bestehen und sich fortpflanzen zu können? Und gelten eben diese gemeinsamen Grundbedingungen nicht auch in gleicher Weise für die menschliche Technik, Wirtschaft und Staatenbildung?
Nach dem äußeren Erscheinungsbild sind Pflanzen und Tiere von den vom Menschen geschaffenen technischen Strukturen, wirtschaftlichen Organisationen und Staatsgebilden ganz außerordentlich verschieden. Hier soll aufgezeigt werden, daß trotz allem enge, gesetzmäßige Verwandtschaften zwischen den Erscheinungen der "biologischen Evolution" und der "soziokulturellen Evolution" des Menschen bestehen; daß hier wie dort Strukturen und Verhaltensweisen den gleichen, funktionellen Rahmenbedingungen der Lebensentfaltung unterworfen sind. Von besonderem Interesse ist bei dieser Betrachtung der 2. Hauptsatz der Thermodynamik.
Mit dieser Schrift erscheint erstmals eine Übersicht über das Denksystem der Energontheorie, sowohl was ihre theoretischen Kernaussagen als auch mögliche praktische Anwendungfelder betrifft. Gleichzeitig wird ihre enge Verzahnung mit der zur Energontheorie komplementären Hyperzellertheorie - eine erweiterte Evolutionstheorie - aufgezeigt, sowie ihre Stellung in den Wissenschaften näher beleuchtet.
Das vorliegende Werk ermöglicht auch einen kumulierten Überblick über die zugrundeliegenden, evolutionstheoretischen Forschungen und Überlegungen von Hans Hass, wodurch es zu einem Schlüssel sowie Grundlagenwerk für die jeweils in getrennten Abhandlungen erschienenen Forschungsergebnisse von ihm wird.
Diese Schrift wendet sich vor allem an biologisch bzw. naturwissenschaftlich Interessierte, andererseits aber auch an all jene, die sich mit der technischen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entfaltung des Menschen befassen. Da die Darstellung möglichst anschaulich sein soll, werden auch jeweils Beispiele präsentiert, um die innere, hinter den materiellen Erscheinungen liegende, funktionelle Wesensgemeinschaft deutlicher in Erscheinung treten zu lassen.
Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile: Im ersten geben wir in geraffter Form die Kernaussagen der Energontheorie wieder, bevor wir im zweiten verwandte Konzepte verschiedener Wissenschaftszweige diskutieren. Dadurch werden Übereinstimmungen oder Abgrenzungen deutlich und die Stellung der Energontheorie im Gesamtbereich der Forschung abgesteckt.
(Originalbuchseite 10)
Im Schlußkapitel werden die sich aus den Überlegungen
der Energontheorie heraus ergebenden Konsequenzen auf die weitere Entfaltung
menschlichen Lebens in verdichteter Form aufgezeigt. Bedingt durch die
heutige Umweltproblematik findet zwangsläufig wieder eine stärkere
Rückbesinnung der so immens expandierenden menschlichen Tätigkeit
und Strukturbildung an die gemeinsame Wurzel der Lebensentfaltung, die
ja auch den Menschen hervorgebracht hat, statt. Vielleicht kann die einheitliche
begriffliche Basis, welche die Energontheorie vermittelt, zur Bewältigung
der nun anstehenden großen Probleme beitragen.
Dr. Andreas Hantschk
Dipl.Ing. Michael Jung
Wien und Merzig, im Januar 1996
Zurück zum Inhalt von "Rahmenbedingungen der Lebensentfaltung"
Weiter zu "Über die Energontheorie" in "Rahmenbedingungen der Lebensentfaltung"