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2. Kapitel
 

Das Neugierwesen



Die Beobachtung des Menschen würde einen außerirdischen Gast vor manches Problem stellen. Nehmen wir an, ein unsichtbares Raumschiff wäre auf einem schneebedeckten Gipfel der Alpen gelandet und die darin befindlichen Gäste blickten auf einen Wintersportplatz im Tal. Sie sehen, wie Menschen über die weißen Hänge hochklettern - und dann talwärts sausen. Wie sie wieder hochklettern - und wieder abwärts gleiten. Bestimmt wurden die Gäste sich fragen, was das bedeutet.

Nach Nahrung suchen diese Wesen hier nicht, das wäre offenbar. Auf diesen Hängen gibt es ja nichts Eßbares, nur Schnee und Felsen. Was also ist der Zweck dieses emsigen Tuns? Bei Tieren kommt es vor, daß sie sich an bestimmten Orten zu Paarungszwecken versammeln. Aber auch das ist hier offenbar nicht der Fall. Die auf den Hängen auf und ab eilenden Gestalten bewegen sich zwar auch zu zweit oder in Gruppen - aber der Sinn ihrer Tätigkeit ist doch zweifellos ein anderer. Welches aber ist dieser Sinn? Was wird durch diesen beträchtlichen Aufwand an Energie gewonnen?

Genau diese Fragen legten uns Aufnahmen nahe, die wir in zehnfacher Verschnellung in Sankt Christoph am Arlberg

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gedreht hatten. Im normalen Zeitablauf haben wir uns an sportliche Tätigkeiten so gewöhnt, daß sie uns kaum als eine Besonderheit des Menschen auffallen. Wie jeder weiß, handelt es sich dabei zum Teil um das Ergebnis vernünftiger Überlegung. Dem Sport Betreibenden liegt daran, den Körper zu trainieren und gesund zu erhalten. Auch Preise können gewonnen werden, und man kann anderen imponieren. Damit sind aber die Motive noch nicht erschöpft. Es steckt vielmehr noch etwas anderes, etwas Triebhaftes dahinter; ein Bedürfnis, neue Fähigkeiten zu erwerben, sich in neuer Geschicklichkeit zu erproben. Etwas mehr Spielerisches. Ein Drang, aus dem normalen Leben herauszutreten. Ein Bedürfnis nach Abwechslung - nach Neuem.

Ein anderer Schauplatz: die Akropolis von Athen. Auch hier filmten wir das Treiben in zehnfacher Verschnellung, und auch hier machte uns die Betrachtung unserer Aufnahmen nachdenklich. Der Gast aus dem Weltenraum würde sich auch hier fragen: Wozu dieser Aufwand an Energie? Über weite Strecken, ja über Meere, kamen die Menschen hierher, um etwas zusehen, was ihnen nicht eigentlich nützte. Warum? Auch im Tourismus liegt etwas Triebhaftes. Eine Sehnsucht, sich aus dem normalen Lebensraum zu entfernen, die Grenzen des gewohnten Bereiches zu durchbrechen und neue Eindrücke zu gewinnen. Ein Drang nach Abwechslung - nach Neuem.

Am Strand von Nizza filmte ich einen jungen Mann, der mitten unter den Badenden sitzend Zeitung las. Auch hier vermittelte uns die verschnellte Aufnahme völlig neuartige Aspekte. Er durchpflügte die Zeitung, griff dann nach einer zweiten, durchpflügte diese, griff nach einer dritten, und als er diese beendet hatte - griff er wieder nach der ersten. Wenn wir Zeitungen und Bücher lesen, ist uns längst nicht mehr bewußt, daß wir da Mitteilungen in uns hineinfressen, deren Kenntnis für uns weitgehend ohne Sinn ist. Auch Gespräche, die wir in aller Welt filmten, hinterließen uns diesen Eindruck. Es ging hier längst nicht mehr nur darum, relevante Informationen auszutauschen, sondern sehr oft um das bloße "Plaudern", Neuigkeiten zu hören bereitet uns Vergnügen. Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, warum Veranstaltungen uns anzie-

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hen, warum es uns in Theater, in Kinos und an den Fernsehschirm lockt. Wir wollen Abwechslung. Wir wollen wenigstens in der Phantasie aus den engen Bereichen des täglichen Lebens heraustreten. Unsere Sinne dürsten nach neuen Eindrücken. Ein Drang, eine "Gier" nach Neuem beseelt uns - eben "Neugier".

Ist dies nun eine Besonderheit, die uns von den Tieren unterscheidet? Ja, aber nur zum Teil. Denn viele Tiere zeigen ein ähnlich triebhaftes Verhalten - für gewöhnlich allerdings nur bis zur Geschlechtsreife.

Wie schon erwähnt, ist allen Tieren, die Teile ihres Verhaltens durch Lernen erwerben, ein Trieb angeboren, sich aktiv mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Die junge Ratte, die junge Dohle, der junge Löwe erproben im "Spiel" ihr gesamtes Verhaltensinventar. Sie untersuchen die Objekte der Umwelt auf ihre Beschaffenheit, drehen und wenden sie, erproben an ihnen die verschiedensten Bewegungen - und gewinnen so Erfahrung, lernen durch Übung. Die einzelnen Erbkoordinationen, die oft nur aus kurzen Bewegungsabläufen bestehen, werden so zu längeren Komplexen erfolgreichen Verhaltens zusammengebaut.

Sehr bemerkenswert ist weiter, daß sich zum Beispiel der Spieltrieb weniger schnell erschöpft als die übrigen Triebe. Die Appetenz zum Spielen bleibt viel länger wirksam als andere Appetenzen, die, wenn sie sich ausleben können, bald wieder abklingen. Es entspricht dies auch durchaus dem biologischen Zweck dieses Vorganges. Denn nur durch immer neues Üben und Erproben gelangt das Tier zu der für das spätere Leben so wichtigen Sicherheit in seinen Bewegungen.

Wie sehr es das Neue an sich ist, das in diesem Triebverhalten gesucht wird, hat eine von Lorenz gemachte Beobachtung gezeigt. Selbst ein wohlbekannter Leckerbissen vermag das "neugiergestimmte" Tier nicht von der Untersuchung anderer, ihm noch unbekannter Gegenstände abzulenken. Sogar, wenn das Tier gerade die Bewegungsweisen des Fressens durchprobiert - also "Fressen spielt" -, zieht es ein fremdes Übungsobjekt dem ihm wohlbekannten Leckerbissen vor. Lorenz schrieb dazu: "Um es anthropomorph auszudrücken: Das Tier will

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nicht fressen, sondern es will 'wissen', was es in dem betreffenden Lebensraum 'theoretisch' alles zu fressen gibt!"

Beim Menschenkind ist das analoge Instinktverhalten deutlich sichtbar. In der Regel ist hier die Mutter das erste Objekt des Neugier- und Spielverhaltens. Das Kind betastet und erkundet ihr Gesicht und gelangt so zu seiner ersten Raumvorstellung. Sobald es dann herumkriechen kann, beginnt es die nähere Umwelt zu erforschen. Es betastet Gegenstände, führt sie an den Mund, dreht sie herum - und gewinnt so Erfahrung über ihre Beschaffenheit. Hier liegt die große Bedeutung des für das Kind so wichtigen "Spielzeugs", das bei Naturkindern oft aus nichts anderem als aus Steinen und Zweigen besteht. Das Kind lernt durch die Auseinandersetzung mit diesen Objekten, wie Gegenstände sich bewegen lassen und sich verhalten, wenn man sie miteinander in Berührung bringt. Es lernt die Verknüpfung von Ursache und Wirkung - und es lernt gleichzeitig die Möglichkeiten seines Körpers und seiner Hände.

In unserem Sprachgebrauch sind "Neugier" und "Spiel" durchaus nicht identische Begriffe. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß beide Phänomene eine gemeinsame Wurzel haben. Der Unterschied besteht bloß darin, daß Neugier zu einem Erkunden und Sicherwerden in der Umwelt führt, Spiel dagegen zu einem Erkunden und Sicherwerden in neuen Fähigkeiten. Im ersten Fall geht es also in erster Linie um Information, im zweiten um den Zusammenbau von Bewegungsmustern. In beiden wird jedoch gleichermaßen das "Neue" triebhaft angestrebt. Es kann also sein, daß es sich hier um zwei verschiedene, aber sehr ähnlich wirkende Triebe handelt. Oder aber das Streben nach neuem "Erkennen" und jenes nach neuem "Können" - also das eine die Sensorik und das andere die Motorik betreffend - werden vom gleichen Motor angetrieben.

Dem Instinkt der Neugier steht jener der Angst entgegen. Die Neugier treibt an - die Angst hält zurück. Mancher unserer Zeitlupenaufnahmen von Kindern zeigten das sich daraus ergebende Konfliktverhalten. Man sieht einerseits, wie die fremde Umwelt lockt, wie sie das Kind herausfordert. Und man sieht

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anderseits, wie das Kind von einer inneren Stimme gewarnt wird, sich nur vorsichtig an das Neue heranzubegeben, nur zögernd die neuen Schritte zu wagen. Der Schutz der Eltern ist hier von entscheidender Bedeutung. Ist ein Lebewesen bei der Geburt noch nicht "fertig", muß es erst wesentliche, lebenswichtige Fähigkeiten erwerben, dann ist ein entsprechender Schutz die Voraussetzung. Im Lauf der Evolution mußte sich also - parallel mit dem Abbau der Instinktsteuerung und der Erweiterung der Lernfähigkeit - bei den Eltern zwangsläufig ein Instinkt zur Behütung der Nachkommen entwickeln. Das eine war ohne das andere einfach nicht möglich. Der Schmetterling kümmert sich nach Ablage seiner Eier nicht im geringsten um die daraus schlüpfenden Raupen. Diese kommen aber auch schon "fertig" zur Welt; auf Grund des ihnen angeborenen Verhaltens können sie sich auch ohne Schutz und Fürsorge durchsetzen. Das Lernwesen dagegen ist auf den mühsamen Vorgang des Erkundens und Übens angewiesen, und in dieser hilflosen Situation wird es einerseits durch den Brutpflegetrieb der Eltern und anderseits durch seine eigene "Angst" geschützt. Der Abbau der Instinkte auf der einen Seite machte also die Bildung und Verstärkung anderer Instinkte notwendig.

Wie das Verhalten von Kind und Eltern aufeinander abgestimmt ist, führten uns wiederum verschnellte Aufnahmen deutlich vor Augen. Mutter und Kind sind wie durch ein unsichtbares Gummiband zusammengehalten. Sobald das Kind sich entfernt, tritt bei ihr besorgte Reaktion auf; auch wenn sie spricht oder etwas anderes tut, reagiert sie fast ständig auf das Kind. Das Kind wieder wagt sich Stück für Stück weiter von ihr fort, erkundet die Welt, erprobt sich, spielt mit diesem oder jenem Objekt. Am Badestrand und in Parks hielten wir fest, wie Kinder auch die Eltern selbst als Übungsobjekt benützen. Sie klettern auf ihnen herum, versuchen an ihnen ihre Kräfte, wecken Reaktionen - was dann sogleich wiederholt wird -, und die Eltern lassen das Kind gewähren, ja ermutigen es. Bei Pavianen, die wir in analoger Situation filmten, zeigte sich das gleiche Verhalten.

Ein wichtiger Aspekt des Erkundens besteht in der Fähigkeit,

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sich vom Gegenstand des jeweiligen Interesses auch wieder zu "distanzieren". Das Menschenbaby beherrscht diese Fähigkeit zunächst noch nicht. Hat es ein Objekt gefaßt, dann führt es dieses zum Mund und kann sich dann nur schwer von dieser starren Handlungskette lösen. Wird das Kind älter, dann sieht man, wie es den Gegenstand wieder vorn Mund wegnimmt, ihn anschaut, dann nochmals zum Mund führt, dann vielleicht weglegt und mit der anderen Hand ergreift oder ihn wegwirft - und so fort. Nur die intelligentesten Lerntiere (z. B. Hund und Affe) zeigen ebenfalls diese Fähigkeit, sich vom Objekt zu lösen und es in einen neuen, forschenden "Angriff"' von einem anderen Gesichtswinkel her zu erkunden.

Bei den Bewegungsspielen ist die Beharrlichkeit, mit der neue, erfolgreiche Handlungen wiederholt werden, sehr charakteristisch. Wenn ein Kind herausfindet, wie man Klötzchen aufeinanderschichten und den Turm dann umwerfen kann, will es dies wiederholen. Hat es den Mut aufgebracht, über eine Rutschbahn hinunterzurutschen, dann ist es von dieser nicht mehr wegzubringen. Jede neue Fähigkeit ist gleichsam ein Sieg, ein lustvoller Gewinn an Macht. Schritt für Schritt erobert sich das Kind so seine Welt und bezieht immer mehr Objekte in seinen Machtbereich ein. Bei den höheren Lerntieren ist es genauso. Ein von Eibl aufgezogener junger Dachs, der beim Spielen lernte, wie man einen Purzelbaum schlägt, wiederholte das dann immer wieder. Jede irgendwie zielführende Bewegungsfolge wird durch wiederholtes Ausführen "eingeschliffen", die Kommandos im Gehirn werden so fest miteinander verknüpft. Dem Tier stehen dann die solcherart geschaffenen Erwerb-Koordinationen weiter zur Verfügung - es hat sie von nun an in seinem "Vorrat".

Interessant ist auch die Verwendung von "Ersatzobjekten". Ein junger Löwe behandelt seine Geschwister, als wären sie Beutetiere, und übt so Jagdverhalten. Ein junger, von Eibl im Haus aufgezogener Iltis besetzte einen Papierkorb und verteidigte ihn - wie das dann später erwachsene Tier seinen Bau verteidigt. Für das Menschenkind sind der Ball und der Sandhaufen die idealen Ersatzobjekte: der Ball zum Üben des Jagens, Fangens und Festhaltens, der Sand als Objekt zur

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Erprobung der Gestaltungsfähigkeit seiner Hände - und seines Geistes.

Aus dem "Experimentierspiel" geht das "Konstruktionsspiel" hervor. Die Tendenz, Objekte in ihre Teile zu zerlegen - was zu erhöhter Materialkenntnis führt -, kann man auch bei Vögeln und höheren Säugern beobachten. Das Zusammensetzen von Objekten dagegen findet sich nur beim Menschenkind - und bei jungen Affen. Lorenz schreibt dazu: "Was schon die Jungtiere niederer Affen, etwa der Kapuziner (Cebus), bei diesen Spielen im Aufeinanderbauen und Ineinanderschachteln von Objekten, Benutzen von Hebelwirkungen und dergleichen leisten, ist ganz erstaunlich. Ihre intensiven und von sachlicher Objektbezogenheit zeugenden Forschungen wirken schon beinahe menschlich."

Ist nun das Neugier- und Spielverhalten beim Menschen wirklich nach jeder Richtung hin "frei"? Oder ist der Drang, Informationen und Fähigkeiten zu erwerben, nach bestimmten "Richtungen" hin festgelegt? Ist erblich fixiert, was das Wesen in seinem spielerischen Erkunden bevorzugt lernen soll?

Bei den Tieren ist nicht daran zu zweifeln, daß "Lerndispositionen" ihre Spiele beeinflussen. So finden wir bei Pflanzenfressern, bei denen nicht so sehr Angriffshandlungen als vielmehr das Entkommen vor Raubtieren eine Rolle spielt, Fluchtspiele besonders ausgeprägt. Bei den Raubtieren stehen wieder Jagd- und Kampfspiele im Vordergrund. Wenn wir beim Menschenkind sehen, wie das Mädchen zur Puppe tendiert, der Junge dagegen zum Klettern (Früchtesuchen) und zum Speer (Jagd), dann sehen wir eine offenbar erblich beeinflußte Ausrichtung. Sehr typisch für Menschenkinder - Jungen wie Mädchen - ist der Drang, Häuser zu bauen. Für den körperlich wenig geschützten Menschen ist die Schaffung eines geeigneten Zufluchtsortes von besonderer Bedeutung, und so wäre es nicht verwunderlich, wenn sich bei uns in dieser Richtung eine Spielpräferenz herausgebildet hätte.

Natürlich werden die Spiele auch durch das Tun der Erwachsenen und durch kulturelle Gepflogenheiten sehr stark beeinflußt. "Moden", die den Verlauf einzelner Spiele bestimmen, wurden auch schon bei den Affen und anderen Tieren nachge-

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wiesen. Der bei vielen Lernwesen stark entwickelte Nachahmungstrieb spielt beim Menschenkind gleichfalls eine wichtige Rolle. Er spornt das Kind dazu an, die bei den Eltern beobachteten Bewegungsmuster zu übernehmen. Auch bei den sogenannten "Trotzperioden", auf die wir später noch zurückkommen werden, handelt es sich - möglicherweise - um erblich fixierte "Lerndispositionen". Was hier - wiederum im Spiel, obwohl es uns durchaus ernst erscheint - erlernt wird, ist das Durchsetzen des eigenen Willens gegen den der Eltern. Hier bereitet sich bei dem heranwachsenden Wesen die Individualität und Selbständigkeit vor, das für das weitere Leben so wichtige eigene Erwägen und Entscheiden.

Zwischen Tier und Mensch besteht nun aber ein sehr wesentlicher Unterschied. Während bei allen Lerntieren das Neugierverhalten nach der Geschlechtsreife an Intensität verliert oder völlig abklingt, ist dies bei uns Menschen nicht der Fall. Wir bewahren die jugendliche Eigenschaft der Neugier bis ins Alter. Wir bleiben am Neuen und an möglichen Änderungen interessiert. Wie der deutsche Soziologe Gehlen sagte, bleibt der Mensch "weltoffen".

Ist ein Lerntier - etwa ein Wolf oder ein Löwe - "erwachsen", dann hat es alle lebenswichtigen Fähigkeiten erworben und zeigt keinerlei Drang, weitere zu erlangen. Das Tier ist dann gleichsam in seine besondere Lebensform und Umwelt "eingebettet" und zeigt kein Bedürfnis, aus diesen Grenzen auszubrechen. Der Mensch ist in dieser Beziehung anders. Vom ursprünglichen Lebensraum unserer Vorfahren, den Tropen, ausgehend, bevölkerten wir die ganze Erde, versuchten uns praktisch überall und schufen uns, wo die Bedingungen nicht ausreichten, eine passende künstliche Umwelt. Zweifellos wäre diese Entwicklung ohne unsere besonders ausgebildete Intelligenz nicht möglich gewesen, doch hat unser "persistierender" Neugiertrieb sicherlich dazu wesentlich beigetragen. Er war der Motor dafür, daß sich unser Interesse überhaupt dem "Neuen" zuwandte. Er gab uns die grundsätzliche Bereitschaft, es auch
mit sehr veränderten Verhältnissen aufzunehmen und sie in neuer Art zu meistern.

Am Strand von Nizza filmten wir bei meterhoher Brandung

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eine ältere Frau, die sich die Schuhe ausgezogen hatte und bis über die Knöchel im Wasser stand. In der verschnellten Aufnahme kam heraus, wie sie sich - offensichtlich aus reinem Mutwillen - immer wieder ein Stück weiter gegen die Brecher vorwagte. Schließlich kamen einige besonders hohe Wellen und erfaßten sie beinahe, wobei ihr lang herunterreichendes Kleid bis zur Hüfte naß wurde. Natürlich ist das eine Ausnahme. Denn im allgemeinen sind gerade Frauen konservativ und spielen weniger mit der Gefahr - was wohl mit ihrer biologischen Funktion des Gebärens und Aufziehens der Kinder zusammenhängt. Trotzdem war auch dieser Vorgang für den menschlichen Neugierdrang typisch.

Im menschlichen Sport ist das Herausfordern von Schwierigkeiten und Gefahren besonders stark ausgeprägt. Beim Klettern, Tauchen und im Wintersport setzt mancher sein Leben aufs Spiel. Eine ganz ähnliche Tendenz zeigt sich auch bei den Wagnissen menschlichen Unternehmertums - und nicht zuletzt auch in der Forschung. Der forschende Mensch war immer ein neugieriger, ja ein spielerischer Mensch. Nicht sachlich vernünftiges Erwerbsstreben hat zu den meisten Entdeckungen und Erfindungen geführt, sondern der in manchen Individuen besonders stark ausgeprägte Neugiertrieb. Wenn es in der menschlichen Entwicklung immer ein Streben gab, die Grenzen zu erweitern, ja aus ihnen auszubrechen, wenn mit jeder neuen Generation immer wieder neue, oft phantastische Ideen und Pläne auftauchten, wenn wir sogar in den Weltenraum vordringen - dann ist das nicht bloß eine Funktion unseres Intellekts, sondern dieser Intellekt wird durch eine uns innewohnende triebhafte Besonderheit gelenkt, durch eine unseren Willen entscheidend beeinflussende und richtunggebende Kraft.

Charakteristisch für den Neugiertrieb ist, daß er sich besonders, dann entfaltet, wenn kein anderer Triebdruck besteht, wenn also die übrigen Bedürfnisse abgeklungen sind. Das gilt für den Menschen wie für alle übrigen Lernwesen. Schon Schiller hat geschrieben: "Das Tier arbeitet, wenn ein Mangel die Triebfeder seiner Tätigkeit ist, und es spielt, wenn der Reichtum an Kraft diese Triebfeder ist." Solange etwa Angst, Hunger oder sexuelles Bedürfnis die Handlungen bestimmt, ist

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auch der Mensch nicht neugierig. Dann spielen auch wir nicht, wagen auch wir uns nicht spielerisch an neue Aufgaben. Erst wenn wir ohne andere Appetenzen sind, werden wir unternehmungslustig, mutwillig. Dann reizt es uns, das normale Lebensmuster zu verlassen - gleichgültig nach welcher Richtung. Dann kommt das "Dionysische", das Gewagte, wahrhaft Menschliche zum Vorschein.

Untersuchungen an Singvögeln haben gezeigt, daß sie die variationsreichsten und damit schönsten Lieder nicht in ihrer Fortpflanzungszeit, sondern außerhalb dieser Periode singen. Sie "dichten" dann, wie der Vogelliebhaber sagt. Und Schimpansen, denen Morris Pinsel, Farben und eine Leinwand gab, führten im "entspannten Feld" Malereien aus, die ein ästhetisches Grundempfinden für Symmetrie und Ausgewogenheit erkennen ließen. Diese und ähnliche Beobachtungen legen die Vermutung nahe, daß unser Spiel- und Neugiertrieb nicht nur für Entdeckung, Erforschung und Neuerungsstreben verantwortlich ist, sondern auch unsere künstlerische Entfaltung wesentlich gefördert hat.

Lorenz hat in seiner Abhandlung über "Ganzheit und Teil in der tierischen und menschlichen Gemeinschaft" die Grundzüge des Neugierverhaltens dargelegt, von ihm stammt die Bezeichnung "Neugierwesen". Sein Ausgangspunkt war die Unterscheidung zwischen spezialisierten und nichtspezialisierten Tieren. Während die "Spezialisten" auf eine ganz bestimmte Lebensart festgelegt und in dieser dann auch jeder Konkurrenz überlegen sind, haben die "Nichtspezialisten" den Vorteil, anpassungsfähig und daher nicht auf eine ganz bestimmte Umweltsituation angewiesen zu sein. Ihre Konkurrenzfähigkeit mag somit im einzelnen geringer sein, doch sind sie dafür dem Risiko einer Umweltänderung weniger unterworfen. Sie können solchen Änderungen durch ihre Lernfähigkeit folgen. Alle "Neugierwesen" sind nun durchwegs Nichtspezialisten. Ihre Verhaltensweisen sind nur in geringem Ausmaß erblich fixiert, und ihre angeborenen auslösenden Mechanismen (AAM) sprechen in der Regel nur auf weitverbreitete - und somit meist "merkmalarme" Schlüsselreize an. Sie behandeln alles Neue, "als wäre es für sie von größter biologischer Wichtigkeit", und fin-

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den so "in den verschiedensten und extremsten Lebensräumen unfehlbar jede Kleinigkeit heraus, die zur Erhaltung ihres Lebens beitragen kann". Der Mensch ist nun das extremste aller "Neugierwesen". Bei uns persistiert die Neugier und Lernbereitschaft bis ins Alter, bei uns ist dieses Instinktverhalten "auf die Spitze getrieben".

Lorenz bezeichnete in diesem Sinn den Menschen als "Spezialisten im Nicht-spezialisiert-Sein". Gemeinsam mit Gehlen sah er "eine der konstitutiven Eigenschaften des Menschen, ja vielleicht die wichtigste unter ihnen, in seiner dauernden, neugierig-forschenden Auseinandersetzung mit der Welt der Dinge; in der spezifisch menschlichen Tätigkeit des aktiven Weiterbauens an der eigenen Umwelt". Auf die Art, wie dieses "Weiterbauen" praktisch erfolgte, werden wir in diesem Buch noch mehrfach zurückkommen.

Wie kam es eigentlich zu diesem merkwürdigen Unterschied zwischen uns und den uns verwandten Lerntieren? Wie erklärt es sich, daß beim Menschen dieser Instinkt nicht mit der Geschlechtsreife erlischt? Lorenz machte hierfür zwei Phänomene verantwortlich - beide sind umstritten. Wir wollen diese Überlegungen jedoch trotzdem anführen.

Wie Bolk schon 1926 darlegte, hat der Mensch eine Anzahl von "persistenten Jugendmerkmalen". Als erstes führte Bolk an: die Haarlosigkeit unseres Körpers bei behaartbleibendem Kopf; ferner das Überwiegen des Gehirnschädels über den Gesichtsschädel; die fast rechtwinkelige Abknickung der Schädelbasis gegen die Wirbelsäule (samt der durch sie bedingten, weit nach vorne gerückten Lage des Hinterhauptloches); das relativ hohe Hirngewicht (im Verhältnis zum Körpergewicht); verschiedene Baueigentümlichkeiten der weiblichen Geschlechtsorgane; die Pigmentierung der Haut und anderes mehr. Diese Eigentümlichkeiten finden sich nun auch - das ist eine sehr merkwürdige Parallele - bei den frühen Entwicklungsstadien der Menschenaffen. Deren Embryos sind gleichfalls haarlos (mit Ausnahme des Kopfes) und zeigen auch alle übrigen soeben aufgezählten Besonderheiten. Somit erinnert der Mensch - ausgerechnet - an den Fötus der Menschenaffen. Und in diesem Sinne sprach Bolk von einer "Fötalisation" des Menschen. Daß

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er mit dieser Hypothese nicht nur Aufsehen, sondern auch viel Ärgernis erregte, liegt auf der Hand. Der Gedanke, daß wir vom Affen abstammen, war für viele schlimm genug - völlig grotesk jedoch schien die Idee, daß wir sozusagen ein permanentes Jugendstadium der Menschenaffen darstellen sollten.

Nun sind im Tierreich solche Vorgänge einer "Entwicklungshemmung" durchaus nicht selten. Sowohl bei den Krebsen und den Zweiflüglern wie auch bei den Schwanzlurchen und weiteren Tiergruppen kommt es nicht selten vor, daß bereits frühe Entwicklungsstadien zur Geschlechtsreife gelangt sind und somit den restlichen, bei verwandten Tierarten noch deutlich zu verfolgenden Entwicklungszyklus gar nicht mehr durchmachen. Der Zoologe nennt diese Erscheinung "Neotenie". Das klassische Beispiel dafür ist der zu den Schwanzlurchen gehörende Axolotl, bei dem das Zustandekommen dieses Phänomens noch heute verfolgt werden kann. Als Larve hat dieses Tier Kiemen und lebt im Wasser, später bildet es dann die Kiemen zurück und wächst zu dem außerhalb des Wassers lebenden Salamander heran. Bei manchen Exemplaren werden nun bereits die Larven geschlechtsreif. Diese Exemplare behalten dann die Kiemen und bleiben bis an ihr Lebensende Wassertiere. Im Lauf der Evolution ist es auf diese Weise - wenn ein solcher Vorgang erblich wurde - zur Bildung mancher neuer Arten gekommen.

Lorenz bezeichnete das beim Menschen "persistierende" Neugierverhalten - in Hinblick auf die von Bolk aufgezeigten weiteren Merkmale einer "Entwicklungshemmung" - als einen Fall von Neotenie. Und er gab auch für das Zustandekommen dieser menschlichen Neotenie eine Erklärung - und zwar deutete er sie als eine mögliche Folge von Domestikation. Schon früher waren bei Haustieren an verschiedenen körperlichen Merkmalen Phänomene der Neotenie nachgewiesen worden. Darüber hinaus fand Lorenz auch in ihrem Verhalten Hinweise für Neotenie. Der Mensch hat aber nun sich selbst gegen die natürliche Auslese in ganz ähnlicher Weise abgeschirmt wie er auch seine Haustiere gegen die natürlichen Gefahren schützt. Und Lorenz hatte schon auf andere Eigentümlichkeiten des Menschen hingewiesen, seines Erachtens Folgen dieser "Selbstdomestikation". Auf Grund dieser Erwägungen sprach er

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die Vermutung aus, daß das beim Menschen persistierende Neugierverhalten eine Form von Neotenie und daß diese wiederum eine Folge unserer Selbstdomestikation sei.

Die Eigenart unseres Neugierverhaltens ist im Lauf unserer Entwicklungsgeschichte nur sehr allmählich in Erscheinung getreten. Erst lange nachdem unsere Vorfahren bereits die ersten Werkzeuge verwendeten, begannen sie sich aus dem Rahmen der Natur zu lösen und gingen dazu über, diese Natur "zu überwältigen", ihr Leben willentlich zu verändern, es künstlich zu "gestalten". Dabei führte jede Neuerung zu neuer Gewohnheit, zu neuer "Tradition". Und diese dann durch Erziehung weitergegebenen, meist sehr starren Verhaltensmuster wurden zu Gegenpolen der Veränderung. Sie wurden jeweils zu einer selbsterrichteten Mauer, gegen die sich weiteres Neugierverhalten zwangsläufig erst wieder richten mußte.

In dem einsamen El-Molo-Dorf am Rudolfsee in Kenia filmten wir Kinder unbemerkt beim Spielen. Sie spielten "Häuserbauen", mit Schilfrohren und Tuchresten. Das Bewegungsmuster unserer Aufnahme zeigte, wie die Kinder bei der Konstruktion zusammenhalfen und wie sie sich dabei die ortsüblichen Krale zum Vorbild nahmen. Dann liefen sie davon und spielten etwas anderes. Wir wollten die Aufnahme gerade abbrechen, als ein kleines Mädchen auftauchte. Sie blieb vor einem dieser Machwerke stehen, betrachtete es, überlegte. Dann ging sie kurz entschlossen darauf zu, riß es nieder, nahm die Fetzen, die als Dach gedient hatten, und versuchte, ob sich daraus nicht ein Röckchen und ein Umhang machen ließen. Diese kleine Szene mag banal erscheinen, doch enthält sie bereits jenen Zusammenhang, mit dem sich die menschliche Entwicklung immer und überall auseinandersetzen mußte. Um etwas Neues erproben oder schaffen zu können, muß oft etwas schon Bestehendes erst zerstört werden. Das gilt im kleinen wie auch im großen - und war die Ursache mancher Revolution und mancher Kriege.

Vor diesem "bösen Dilemma" stehen jedoch nicht nur wir; praktisch die gesamte Höherentwicklung der Organismen, beginnend bei den ersten bereits "Leben" zeigenden Molekülkomplexen, bis herauf zu den Säugetieren und zum Menschen war damit konfrontiert. "Ohne starre Strukturen", so schrieb

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Lorenz, "ist kein organisches System von höherer Integrationsstufe möglich, stets aber müssen die Strukturen des bestehenden Systems zerbrochen werden, soll ein neues von noch höherer Stufe der Integration erreicht werden." Und etwas später fügt er dann hinzu: "Ob ein Krebs sich häutet, ob ein Mensch von der Persönlichkeitsstruktur des Kindes in die des Mannes hinüberwechselt oder ob eine überalterte menschliche Gesellschaftsordnung in eine neue übergeht, immer und überall ist der Entwicklungsfortschritt mit Gefahren verbunden, und zwar deshalb, weil die alte Struktur abgebrochen werden muß, ehe noch die neue zu voller Funktionsfähigkeit gediehen ist." Dieser Gefahr war der Mensch mehr ausgesetzt als irgendein anderes Wesen. Sind wir doch die ersten und einzigen, die sich nicht nur "anpassen" können, sondern die sogar befähigt sind, sich selbst und das eigene Lebensmuster grundsätzlich zu verändern. Nietzsche nannte den Menschen "das noch nicht festgestellte Tier" - eine Doppelbedeutung mit tiefem Sinn. Und Gehlen, noch etwas genauer, nannte uns das "riskierte Wesen, das Wesen mit einer konstitutionellen Chance zu verunglücken". Wie erschreckend wahr gerade letzteres ist, wird besonders heute, bei unserem rasenden technischen Fortschritt, deutlich. Noch nie im Lauf der Geschichte hat der Mensch gezögert, alle verfügbaren Kräfte einzusetzen, um einer von ihm erschauten Neuerung zum Durchbruch zu verhelfen. Heute, im Atomzeitalter, bringt uns das der "konstitutionellen Chance zu verunglücken" nur allzu nahe.

Indem wir der Natur überlegen wurden, kam es zu einer schicksalhaften Verknüpfung von Ursache und Wirkung. Da wir unser Leben immer mehr sicherten, gewannen wir immer mehr freie und sorgenlose Zeit, gelangten wir in Sicherheit, in ein "entspanntes Feld". Dieses entspannte Feld wieder war der Nährboden für die Entfaltung unseres Neugierdranges, der uns zu weiteren Versuchen, weiteren Ideen, zu weiterer Machtsteigerung führt. Der Schimpanse "Sultan" auf der Affenstation in Teneriffa konnte die Aufgabe, durch Zusammenfügen zweier Stöcke eine außerhalb des Käfigs liegende Banane herbeizuangeln, zunächst nicht lösen. Er versuchte es immer wieder mit dem einen oder dem anderen Stockteil - schließlich wurde

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er wütend und gab es auf. Später spielte er dann mit den Stöcken und setzte sie dabei zufällig zusammen. Nun wandte er sich sofort wieder der nicht bewältigten Aufgabe zu und angelte sich die Banane. Unter Triebdruck war ihm die Lösung der Aufgabe nicht geglückt, im entspannten Feld des Spieles dagegen hatte er sie gelöst. Bei den menschlichen Entdeckungen und Erfindungen dürfte es oft ähnlich gewesen sein. Sicherlich wurden manche der neuen Ideen aus Not und Verzweiflung geboren - zu sehr vielen Neuerungen aber gelangte der Mensch bestimmt im spielerischen Versuch.

"Neugier" . . .  Normalerweise sehen wir darin eine eher schlechte und recht banale Eigenschaft - ganz bestimmt keine "Besonderheit des Menschen". Aus der Betrachtung der uns nächstverwandten Tiere ergibt sich jedoch, daß hier ein Phänomen zum Ausdruck kommt, dem wir auch sehr Wesentliches verdanken. Bei unseren Tierverwandten umspannt die Wirksamkeit dieses Instinktes meist nur einige Jahre und gestattet ihnen, sich "anzupassen". Bei uns persistiert dieser Trieb. Unsere "Weltoffenheit" bleibt bis über unsere Geschlechtsreife hinweg erhalten; unser interessiertes Erkunden, unser ständiges Spiel mit neuen Möglichkeiten setzt sich bis ins Alter fort. Auf diese Weise wird unsere geistige Kraft immer wieder angespannt, sich spielerisch auch im "Sinnlosen"' zu erproben - und dabei kommt es nicht selten zur Entdeckung von "Sinnvollem". Ist ein solcher "Fortschritt" gefunden, so setzt er sich meist auch durch, etabliert sich, gewinnt Macht über uns, wird zur Gewohnheit und Tradition. Aber schon ist wieder etwas "Neues" entstanden, der Mensch ändert sich - und das Alte zerbricht. Wir sind "Neugierwesen" zur höchsten Potenz. Wir sind das "riskierte", "nicht festgestellte" Wesen. Wir fordern die Natur heraus - auch wenn das Ergebnis sich gegen uns selbst richtet. Auf einem messerscharfen Grat wandern wir hinan. Wir verändern, wir "häuten" uns nahezu ununterbrochen. Und bei jeder solchen Häutung sind wir "in Gefahr".
 
 

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