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Effizienz und ihre Meßbarkeit
Ehe wir uns im nächsten Kapitel der interessanten Frage zuwenden, was mit den beträchtlichen Gewinnen geschieht, die Hyperzeller und Unternehmen erwirtschaften, möchte ich meine Behauptung, daß sich die Evolution der Einzeller und der Vielzeller nahtlos in jener der Hyperzeller und der Erwerbsorganisationen fortsetzt, durch weitere Argumente erhärten. Der sinnfällige Unterschied zwischen Pflanzen und Tieren einerseits sowie erwerbstätigen Menschen und Industrieunternehmen andererseits ist so groß, daß ich, bevor ich zu dem heiklen Thema der Stellung des Menschen in diesem Geschehen gelange, noch einen besonders gewichtigen Beweis für meine Theorie vorlegen will.
Wie schon am Anfang des Buches erwähnt, hielt Darwin es für ausgeschlossen, genauer zu bestimmen, aufgrund welcher besonderen Eigenschaften eine Tier- oder Pflanzenart in den vernetzten Ökosystemen der Natur anderen überlegen wird und diese allmählich verdrängt. Solange man die materiellen Strukturen der Lebewesen und ihr Verhalten als das den Konkurrenzwert Bestimmende ansieht, ist es in der Tat schwer zu entscheiden, wo man mit Untersuchungen ansetzen, mit Messungen beginnen soll. Die Körper der Vielzeller, die Ausbildungen ihrer Organe und ihre Verhaltensweisen sind so komplex, daß es aussichtslos erscheint, nach gemeinsamen Kriterien zu suchen, die generell für den Selektionswert maßgebend sind. Auch alle Darwin nachfolgenden Biologen teilten diese Meinung. Dazu kommt das von mir
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ebenfalls angeführte Argument, daß bei den meisten benötigten Leistungen »mehrere Wege nach Rom führen«, so daß die Untersuchung einer bestimmten Methode bestenfalls über deren Effektivität Aufschluß gibt, was jedoch an Bedeutsamkeit verliert, wenn über andere Organe und Verhaltensweisen die gleiche Leistung besser erbracht werden kann. In bezug auf Extremgebiete, wo nur sehr wenige Arten leben, sind vielleicht Schlußfolgerungen darüber möglich, welche Merkmale hier eine Art den übrigen überlegen machen, und auch im Fall der Verpflanzung von Tieren und Pflanzen in andere Erdteile, wie sie oft vorgenommen wurde, ist man zu Hinweisen darauf gelangt, warum sich manche verpflanzten Arten in der neuen Umwelt als äußerst erfolgreich, andere hingegen als völlig erfolglos erwiesen. Jedoch zu behaupten, die Konkurrenzfähigkeit sämtlicher Organismen könne nach gleichen Kriterien beurteilt werden, ja diese meßbaren Kriterien gälten auch für alle vom Menschen gebildeten Strukturen und Organisationen sowie für deren Bestandteile, muß aufgrund des Gesagten höchst unglaubwürdig anmuten.
Sieht man jedoch nicht in den materiellen Körpern und Verhaltensweisen, sondern in den Leistungen das Wesentliche, wie es die natürliche Auslese nahelegt, dann ändert sich die Problematik. Denn die Effizienz von Leistungen läßt sich messen, und zwar mit Hilfe sehr einfacher Kriterien, die für alle Lebenserscheinungen gelten.
Die drei Effizienzkriterien
Diese drei Kriterien fasse ich unter den Begriffen »Kosten«, »Präzision« und »Zeitaufwand« zusammen. Unter Kosten verstehe ich den zur Erzielung einer Lei-
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stung durchschnittlich notwendigen Energieaufwand. Er ist meßbar in Energieeinheiten oder, bei Hyperzellern und Unternehmen, nach dem Geldaufwand, der zur Erzielung der betreffenden Leistung in einem bestimmten Gebiet erforderlich ist. Da zwischen Geld und Energie kein konstantes Umrechnungsverhältnis besteht, ergibt sich hier ein Unterschied, der aber die Konkurrenzwerte nicht berührt, da jeder Konkurrent von den örtlichen Verhältnissen gleichermaßen betroffen ist. Mit Präzision bezeichne ich die Güte und die Verläßlichkeit einer Leistung: wie oft je Hundert sie zum benötigten Leistungsergebnis führt, wie oft sie also gelingt. Dieser Wert läßt sich statistisch ermitteln und in Prozentzahlen angeben. Beim Zeitaufwand, dem dritten Kriterium, geht es darum, wieviel Zeit die betreffende Leistung durchschnittlich in Anspruch nimmt, was sich in Zeiteinheiten meßbar erfassen läßt.
Es ist nicht meine Absicht, eine breitangelegte Darstellung der Effizienzlehre zu präsentieren; das würde den Rahmen dieses Buches bei weitem übersteigen. Mir ist vielmehr daran gelegen, anhand einiger weniger Beispiele die innere Verwandtschaft der verschiedenen Ausdrucksformen des Lebensphänomens aufzuzeigen. Der Leser ist aufgefordert, darüber hinaus gemäß seinem Wissen und seinem Interesse beliebige Beispiele aus dem praktischen Leben auszusuchen und nach den genannten Effizienzkriterien zu prüfen. Ob es sich dabei um Leistungen von Einzellern, Vielzellern, Hyperzellern oder Erwerbsorganisationen handelt, ist einerlei.
Ich beginne bei Einzellern und Vielzellern und behaupte, daß es für die Lebensfähigkeit und den Selektionswert jeder Art entscheidend ist, wieviel deren lebenswichtige Leistungen kosten. Wie schon ausgeführt wurde, ist Energie im gesamten Lebensge-
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schehen ein unabdingbares, wertvolles Gut. Beim Nahrungserwerb der Tiere geht ein großer Teil der vereinnahmten Rohenergie durch Energieumwandlungen verloren, so daß nur ein kleiner Prozentsatz in Gestalt von Nutzenergie bei den benötigten Leistungen »ankommt«. Eine möglichst positive Energiebilanz ist somit äußerst wichtig, besonders im Hinblick auf Notzeiten. Führt Nahrungsmangel dazu, daß die Energiebilanz negativ wird, mag sich das betroffene Tier noch für einige Zeit durch Einsatz von Reserven und Abbau von Körpergewebe am Leben erhalten; bleibt sie jedoch negativ, dann erlahmen die Lebensvorgänge und kommen schließlich zum Stillstand – dem Tod. Daher ist es für jedes Tier – und jedes Lebewesen überhaupt – von höchster Bedeutung, alle seine benötigten Leistungen mit möglichst geringer Energieausgabe zu erbringen. Stehen im Konkurrenzkampf zwei Tierarten A und B einander gegenüber, die in allen Leistungen gleichwertig sind außer darin, daß A eine wichtige Leistung x wesentlich billiger – das heißt, mit erheblich geringerem Energieaufwand –, jedoch ebenso gut und schnell zu erfüllen vermag wie B, dann ist das ohne jeden Zweifel ein beträchtlicher Konkurrenzvorteil für A. In Notzeiten kann dies über Sein und Nichtsein der Art B entscheiden.
Bei Hyperzellern und Erwerbsorganisationen ist es nicht anders. Hier werden mit Geld die erforderlichen Nahrungsmittel und Sachgüter, die Honorare für die Leistungen der Mitarbeiter und die für den Antrieb von Maschinen notwendigen Energieträger bezahlt, wobei Konkurrenten von denselben oder sehr ähnlichen Kursen bei der Umwandlung von Geld in Energiewerte betroffen sind. Auf die Bedeutung der positiven Geldbilanz in der Wirtschaft braucht nicht besonders verwiesen zu werden. Auch hier entscheiden
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Notzeiten über Sein und Nichtsein. Wohl können bei schlechter Konjunkturlage Banken oder der Staat oder Freunde mit Krediten helfend einspringen; bleibt ein Gewerbetreibender oder ein Unternehmen indes weiterhin in den roten Zahlen, gelangt ihre wirtschaftliche Tätigkeit zwangsläufig an ein Ende. Der Gewerbetreibende muß seinen Laden oder seinen Betrieb schließen, das Unternehmen geht in Konkurs.
Um sich im Wirtschaftskampf zu behaupten, ist es deshalb ebenfalls überaus wichtig, alle benötigten Leistungen möglichst kostensparend zu erbringen. Stehen hier zwei Konkurrenten A und B einander gegenüber, die in allem gleichwertig sind außer darin, daß es A mit weniger Ausgaben als B gelingt, eine wichtige Leistung zu erzielen, dann ist A gegenüber B im Vorteil. Da sich die Gesamtkosten aus den Einzelkosten aller Organe und Tätigkeiten zusammensetzen, gilt das Effizienzkriterium »Kosten« nicht nur für jeden Hyperzeller und jedes Unternehmen als Ganzes, sondern auch für jeden ihrer funktionserbringenden Bestandteile (Organe).
Damit sind wir bereits auf eine innere Verwandtschaft zwischen sämtlichen Einzellern, Vielzellern, Hyperzellern und Erwerbsorganisationen gestoßen, die wohl als »ökonomisches Prinzip« jedermann bekannt ist, sich unseren Sinnen jedoch verschließt. Alle Lebewesen – womit wir weiterhin auch die Leistungskörper der Hyperzeller und der Unternehmen bezeichnen wollen – sind, so verschieden sie in ihrer Größe und ihrer Beschaffenheit sein mögen, von dem Effizienzfaktor »Kosten« abhängig. Es ist leicht zu erkennen, daß dieser Faktor die Wirksamkeit der natürlichen Auslese wesentlich beeinflußt. Überall, sowohl im Konkurrenzkampf bei Tieren und Pflanzen als auch bei sämtlichen vom Menschen geschaffenen Unternehmen, kommt es, um effizient und überlebensfä-
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hig zu sein, entscheidend darauf an, mit möglichst geringen eigenen Ausgaben möglichst große Einnahmen zu erzielen. Anders ausgedrückt: Es kommt hier überall gleichermaßen darauf an, mit möglichst geringen Kosten zum gleichen Ergebnis zu gelangen.
Jeder Bestandteil dieser so verschiedenen Körper und seine Ansprüche sind hier von Bedeutung. Wo immer gespart werden kann, ohne daß sich dadurch die Güte und Schnelligkeit der Gesamtleistung vermindern, ist dies nicht nur wichtig, sondern lebenswichtig. Erreichen läßt es sich entweder dadurch, daß Organe auf die eine oder andere Weise verbessert werden, oder dadurch, daß benötigte Leistungen über andere Verfahren und somit andere Organe erbracht werden. Bei der zweiten Möglichkeit sind Hyperzeller und Unternehmen eindeutig im Vorteil. Während bei Einzellern und Vielzellern Verbesserungen nur über Veränderungen im Erbgut und entsprechend veränderte Zelltätigkeit und Differenzierung zu erreichen sind, lassen die auswechselbaren zusätzlichen Organe es zu, weniger günstige Fabrikate durch solche zu ersetzen, die bei geringeren Kosten zu gleichwertigen Leistungen verhelfen. Auch Angestellte oder gemietete Dienstleistungen können durch andere ersetzt werden. Diese Lebewesen sind daher weit flexibler und anpassungsfähiger.
Ferner ist darauf hinzuweisen, daß es keine entscheidende Rolle spielt, ob Verbesserungen über Zufälle oder Intelligenzakte zustande kommen. Auf das Ergebnis kommt es an. Wohl können Verbesserungen durch die Intelligenzleistungen des Menschen ungleich schneller herbeigeführt werden, und zusätzliche Organe lassen Fortschritte zu, die über Zelldifferenzierung überhaupt nicht möglich wären. Doch der menschliche Geist ist andererseits kein Garant dafür, daß seine Tätigkeit zu Verbesserungen führt. Die
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Chancen dafür sind zwar erheblich größer, aber nicht der Herstellungsweg, sondern das Ergebnis ist das Wesentliche.
Wenden wir uns nun dem zweiten Effizienzkriterium zu: der Präzision. Ihre Definition ist wesentlich schwieriger als die der Kosten, die leicht festzustellen und zu vergleichen sind. Das Kriterium Präzision stützt sich darauf, wie oft Leistungen gelingen und wie viele Bemühungen ihr Ziel verfehlen. Die Organe und ihre Tätigkeiten, die insgesamt zu Leistungen führen, haben oft sehr vielen und verschiedenen Anforderungen zu entsprechen. Man kann sie mit Schlüsseln vergleichen, die so beschaffen sein müssen, daß sie ein bestimmtes Schloß zu öffnen vermögen. Beim Schlüssel ist dafür in erster Linie der Schlüsselbart mit seinen Zinken zuständig. Diese sind so geformt, daß sie den Mechanismus des Schlosses öffnen. Ist eine der Zinken zu lang oder zu breit, dann sperrt der Schlüssel nicht, dann vermag er nicht die Mechanik des Schlosses zu öffnen. Ganz in diesem Sinne muß jedes Organ so beschaffen sein, daß es allen gestellten Erfordernissen entspricht. Wenn wir unser Auge als Beispiel nehmen, dann hat dieses Organ ein ganzes Bündel von Leistungen zu erbringen, damit die von ihm benötigte Gesamtleistung – uns optische Eindrücke von der Umwelt zu vermitteln – zustande kommt. Die Linse muß ebenso in Ordnung sein wie die Pupille, der lichtempfindliche Augenhintergrund ebenso wie die das Auge bewegenden Muskeln und vieles andere. Funktioniert eine der untergeordneten Einheiten nicht, hat das die gleiche Konsequenz, wie wenn eine der Zinken des Schlosses abgebrochen ist und der Schlüssel das Schloß deshalb nicht öffnet: Das Auge kann seine Aufgabe nicht erfüllen. Bewertet man in gleicher Weise einen Hammer, dann stellt er sich als ein weit einfacherer Schlüssel dar. Seine Auf-
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gabe ist es, unserer Hand zum Einschlagen eines Nagels zu verhelfen. Dazu dient der Metallkopf mit flachem Ende und der Stiel, der in seiner Größe der Hand ebenso angepaßt sein sollte wie der Kopf mit seiner Fläche dem Nagel. Dieser »Schlüssel«, wenn wir bei dem Vergleich bleiben wollen, hat somit weit weniger »Zinken«. Doch diese wenigen muß er haben, sonst vermag er sein »Schloß« nicht zu öffnen (die Aufgabe, einen Nagel einzuschlagen, nicht zu erfüllen). Betrachten wir noch ein drittes Beispiel: die Produktionsabteilung eines Unternehmens, das bestimmte Güter erzeugt. Sie besteht aus zahlreichen spezialisierten Menschen (Hyperzellern), Gebäuden, Maschinen und Werkzeugen, ist also einem Schlüssel mit vielen Zinken vergleichbar, die alle vorhanden sein müssen, damit die geforderte Aufgabe erfüllt wird. Das Effizienzkriterium Präzision zeigt auf, wie gut bei einem beliebigen Lebewesen oder dessen Organ die Passung an die zu erfüllende Aufgabe ist. So wie man Sicherheitsschlösser nur mit ganz besonderen Schlüsseln öffnen kann, gibt es Aufgabenerfüllungen, die nur über besonders präzise Leistungen möglich sind. Weitere Kriterien, wie etwa Reparaturanfälligkeit, Regenerationsfähigkeit bei Beschädigungen, Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen, also Zuverlässigkeit im weitesten Sinne, spielen dann bei dem Passungsverhältnis eine zusätzliche Rolle. Fallen bei einer Anlage zur Herstellung einer Ware 4% Ausschuß an, dann beträgt ihre Präzision 96 Prozent. Picken Vögel nach Körnern und treffen nur jedes zweite, dann beträgt die Effizienz ihres Nahrungserwerbes nur 50 Prozent.
Es ist ein gewisses Umdenken erforderlich, will man den Präzisionsbegriff auf den Energieerwerb über Tauschakte anwenden. Die Erwerbsquelle des Produzenten ist der Bedarf an den von ihm angebote-
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nen Produkten oder Leistungen: Das zu öffnende Schloß sind die Wünsche der Kunden. Je genauer ein Produkt den Wünschen und Bedürfnissen des Nachfragenden entspricht, je enger das Passungsverhältnis ist, desto präziser wird die Erwerbshandlung sein. Werden Kundenwünsche auch nur zu 80 Prozent erfüllt, dann liegt die betreffende Ware im Konkurrenzkampf besser als Produkte, die nur 50 Prozent der Wünsche entsprechen. Wird die Stelle eines Betriebsleiters ausgeschrieben, werden sehr verschiedene Eigenschaften in Betracht gezogen. Unter den Bewerbern wird schließlich jener gewählt, von dem man annimmt, daß er am besten den gegebenen Anforderungen entspricht. In diesem Sinne spricht man in der Wirtschaft auch von einem Anforderungsprofil, dem ein bestimmtes Leistungsprofil bestmöglich entsprechen soll. Die Zinken eines solchen Schlüssels sind dann sehr verschiedener Art: fachliche Fähigkeiten, Charaktereigenschaften, Familienverhältnisse, Entfernung der Wohnung vom Arbeitsplatz und anderes mehr. Bei jedem Organ eines Tiers oder einer Pflanze wie auch bei jedem funktionserbringenden Bestandteil eines Hyperzellers oder eines Unternehmens ist zu überlegen: Welches sind die Anforderungen an diese Einheiten, welche Aufgaben müssen sie erfüllen? Daraus ist dann abzuleiten: Über welche Eigenschaften und Fähigkeiten müssen sie verfügen? Der jeweilige Passungszustand gibt Auskunft über das Ausmaß der Präzision. Sie läßt sich in der Regel nur über statistische Erfahrungswerte oder konkret im nachhinein ermitteln. Daß jede bessere Passung eines Organs an seine Aufgabe ein Vorteil für den Lebenskörper ist, dem es dient, liegt auf der Hand. Ist die Passung schlecht, spricht man in der Wirtschaft von »innerer Reibung« und »falsch investiertem Kapital«. Ob es Einzeller oder Vielzeller sind, Hyperzeller, Un-
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ternehmen oder das Riesenorgan Staat: Die Präzision, mit der sie ihre Leistungen erbringen, ist für sie nicht minder von Bedeutung als die anfallenden Kosten.
Ebenso wie das Effizienzkriterium der Kosten gilt auch jenes der Präzision gleichermaßen für die Lebewesen selbst, wie auch für die Bestandteile, aus denen sie sich zusammensetzen. Je besser ein Unternehmen oder ein Hyperzeller den Kundenwünschen und den Umweltbedingungen angepaßt ist, um so größer wird sein Selektionswert: sein Vermögen, sich im Lebenskampf durchzusetzen. Je besser Pflanzen oder Tiere den Energie- und Stoffquellen und sonstigen wichtigen Umweltbedingungen angepaßt sind, desto höher ist ihre Präzision und damit der jeweilige Selektionswert.
Mir geht es in erster Linie darum, den Leser durch möglichst verschiedene Beispiele der Erkenntnis näher zu bringen, daß zwischen der bunten Welt der Tiere und der Pflanzen und der nicht minder bunten Vielheit der vom Menschen gebildeten Hyperzeller und ihrer Organisationen weit mehr Gemeinsamkeiten bestehen, als uns der äußere Aspekt vermuten läßt. Auch das Effizienzkriterium Präzision ist wie das Effizienzkriterium Kosten für die Konkurrenzfähigkeit aller Lebenserscheinungen gleichermaßen von Bedeutung. Ob es der kleinste funktionserbringende Bestandteil einer Zelle oder das Baumaterial irgendeines zusätzlichen Organs ist, das so komplexe Gangliengefüge von Tier und Mensch oder der Funktionsplan der Fließbandfertigung in einem Unternehmen oder schließlich die Gesetzgebung in einem Staat: Überall zeigt das Kriterium »besser oder schlechter geeignet« die Präzision der jeweiligen Aufgabenerfüllung an, so, wie bei den jeweils notwendigen oder angestrebten Leistungen das Kriterium »mehr oder weniger kostengünstig« den Ausschlag gibt.
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Das dritte Effizienzkriterium, der Zeitaufwand, beeinflußt ebenfalls in hohem Maß den Selektionswert der das Leben fortsetzenden funktionellen Einheiten, allerdings nicht überall und immer. So ist es beispielsweise durchaus kein Selektionsvorteil, wenn im Körper eines Tiers ein Organ seine Aufgabe doppelt so schnell erbringt, wie es das Zusammenwirken aller übrigen erfordert, oder wenn ein Arbeiter an einem Fließband seine Handgriffe weit schneller ausführt, als der Gesamtablauf dies nötig macht. Vielmehr kommt es auf eine Abstimmung aller natürlichen und zusätzlichen Organe an, und zwar nicht nur insofern, als ein Organ nicht die anderen stört oder ihnen im Wege steht, sondern auch im Hinblick auf eine zeitliche Abstimmung der Abläufe: eine möglichst harmonische Koordination. Wo immer eine Funktion nachhinkt, entsteht ein Engpaß, eine Schwachstelle. Bei Tieren und Pflanzen wie auch bei unserem Körper zeigen uns das die Folgen von Krankheiten oder Verletzungen einzelner Organe. In Betrieben, in der Industrie und im Staat äußert sich das nicht weniger deutlich, wenn ein wichtiges Organ oder ein wichtiger Vorgang ausfällt. In dieser Hinsicht tritt die Bedeutung des Effizienzkriteriums Zeitaufwand auch im Innengefüge von Lebenskörpern in Erscheinung. Sie sollen also weder zu schnell noch zu langsam tätig sein.
Beim Energieerwerb und bei der Feindabwehr spielt das Kriterium Zeitaufwand bei Hyperzellern und Unternehmen genau dieselbe Rolle wie bei Einzellern und Vielzellern. »Early bird catches the fly«, sagt ein englisches Sprichwort, und im Deutschen heißt es: »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.« Wenn im Frühling die Pflanzen aus dem Boden sprießen, sind jene im Vorteil, die so schnell wachsen, daß sie ihre Blätter über jene der Konkurrenten erheben. Den gleichen Vorteil hat in der Wirtschaft derjenige, der als
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erstes einen neu auftauchenden Bedarf erkennt und ihn befriedigt. Tiere, die sich schneller fortbewegen können als Konkurrenten, vermögen eher als diese an Beute zu gelangen und auch bei Gefahr schneller zu flüchten. Staaten, deren Heere schneller als jene des Gegners strategisch wichtige Punkte besetzten, waren im gesamten Lauf der Geschichte im Vorteil.
Schließlich erfordert Effizienz auch eine Abstimmung zwischen den Kriterien Kosten, Präzision und Zeitaufwand. Offensichtlich wäre es am vorteilhaftesten, wenn Leistungen zugleich schnell, billig und dabei präzise erbracht würden. In der Praxis ist dies jedoch kaum möglich. Die Korrelationen zwischen den drei Effizienzkriterien sind deshalb von entscheidender Bedeutung.
Kommt es bei einer Erwerbsart oder Funktion in erster Linie auf Schnelligkeit an, führt das fast zwangsläufig zu geringerer Präzision und höheren Kosten. Wer ein neues Haus statt in drei Jahren in einem Jahr fertiggestellt haben will, dem kann dieser Wunsch erfüllt werden; allerdings muß er erheblich mehr zahlen, und außerdem wird er das Risiko von Mängeln bei Konstruktion und Ausführung in Kauf nehmen müssen. Wer auf hohe Präzision, etwa bei kriegerischen Akten oder sonstigen mit großem Risiko behafteten Projekten, Wert legt, darf keinesfalls bei den Kosten sparen und muß auch in der Lage sein, mit Geduld den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Wo es in erster Linie auf niedrige Kosten ankommt, darf man es ebenfalls nicht eilig haben und muß entsprechende Mängel in Kauf nehmen. Die richtige Abstimmung ist hier wie auch in jedem anderen Bereich des Lebensgeschehens von höchster Bedeutung.
In der Wirtschaft wird die Bezeichnung »Qualität« heute oft im gleichen Sinne verwendet, wie er meiner Definition des Begriffs »Präzision« zugrunde liegt. Das
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ist in manchen Fällen berechtigt, aber für eine klare Begriffsabgrenzung trotzdem problematisch. Denn mit Qualität bezeichnet man gerade in der Wirtschaft eine möglichst hohe Befriedigung der Kundenwünsche. Zu diesen gehört sehr häufig – und auch mit Recht –, daß die erstandene Ware nicht über Gebühr teuer ist und sowohl Lieferung als auch etwaige Wartung zügig erfolgen. In diesem Sinne stellt sich dann die Frage, ob der Begriff »Qualität« nicht alle drei genannten Kriterien Präzision, Kosten und Zeitaufwand umfaßt und in der Ausgewogenheit aller drei das Optimum bezeichnet. Deshalb und auch im Hinblick auf die Situation der aus Zellen bestehenden Lebenskörper, die nicht über Willensakte angefertigt werden und bei denen der Begriff »Qualität« deshalb einen falschen Beigeschmack gewinnt, bevorzuge ich nach wie vor die Bezeichnung »Präzision«.
Ich veröffentlichte dieses Grundschema zur Beurteilung von Selektionswerten und Konkurrenzfähigkeit, von dem ich glaube, daß es in allen Bereichen der Lebensentfaltung gleichermaßen anwendbar und gültig ist, bereits 1970, allerdings weniger ausführlich. In der Folgezeit habe ich es bei Vorlesungen, Vorträgen und Wirtschaftsseminaren immer wieder präsentiert. Ich kann mich nicht erinnern, daß je Widersprüche oder ernsthafte Einwendungen auftauchten. Eher hatte ich den Eindruck, daß dieser Bewertungsmaßstab, dessen Komponenten ja allgemein bekannt und anerkannt sind, als zu simpel angesehen wurde, um zu neuen Einsichten zu verhelfen. In der Unternehmensberatung sind, so will mir scheinen, oft besonders komplexe und verwirrende Schemata eher beliebt und gewinnen, wenn sie dicht an den Grenzen der Verständlichkeit liegen, noch an Bedeutung. Um so mehr hat es mich gefreut, daß der prominente Qualitätsforscher und Professor an der Wirtschaftsuniver
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| A
Periode |
B
Funktion
|
Aktivitätsperiode Ruhe |
Stillegung |
|
| a
Kosten
|
1
des Aufbaues |
4
der Funktion |
7
der Ruhepausen |
10
der Stillegung |
| b
Präzision
|
2
des Aufbaues |
5
der Funktion |
8
der Ruhepausen |
11
der Stillegung |
| c
Aufwand
|
3
des Aufbaues |
6
der Funktionsakte |
9
der Ruhepausen |
12
der Stilegung |
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Abb. 4: Zwölf für die Effizienz von Lebewesen maßgebende Kriterien. Da sich die Effizienz jedes Lebewesens aus der Leistungsfähigkeit seiner Organe ergibt, kann im Prinzip jedes Organ seinen Selektionswert beeinflussen. Drei in Durchschnittswerten meßbare Hauptkriterien sind für die Leistungsfähigkeit jedes Organs bestimmend: a die Kosten, die das Organ dem Lebewesen verursacht, b die Präzision seiner Funktionserfüllung (wie oft je hundert sie glückt) und c der Zeitaufwand, den die Funktion erfordert. A ist die Aufbauperiode des Organs und B seine Aktivitätsperiode, die sich aus alternierenden Funktions- und Ruhephasen zusammensetzt. Dazu können noch Stilliegephasen kommen, in denen das Lebewesen sein Organgefüge auf ein Minimum reduziert. Die Kriterien Kosten, Präzision und Zeitaufwand führen in der Aufbauperiode und in den drei Phasen der Aktivitätsperiode zu verschiedenen Werten, die den Selektionswert beeinflussen können (1–12). Zwischen all diesen Werten gibt es Korrelationen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen (Näheres im Text).
Zu beachten ist, daß das Schema nicht nur für die Organe, sondern für jedes Lebewesen als Ganzes (Einzeller, Vielzeller, Hyperzeller, Erwerbsorganisation) gilt. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die Verwandtschaft aller Lebewesen und ihrer Organe.
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sität Sankt Gallen Hans-Dieter Seghezzy in seinem kürzlich erschienenen Werk Qualitätsstrategien die drei Faktoren Qualität, Geld und Zeit als maßgebendes »unternehmerisches Spannungsdreieck« vorstellt und dieses Konzept von dem Unternehmensberater Roland Berger im selben Werk unter der Bezeichnung »Time-Cost-Quality-Leadership« praxisbezogen vertieft wird. Hier ist vielleicht auch von Interesse, daß in der japanischen Wirtschaft besonders Großunternehmen wie der Automobilhersteller Toyota schon seit 1975 ihre Produktion auf die Zielhierarchie Qualität, Kosten und Zeit ausgerichtet haben. Diese Ausrichtung entwickelte sich aus einer als »Kaizen« bezeichneten japanischen Lebensphilosophie, bei der das Streben nach Perfektion und Vollkommenheit in den Vordergrund gestellt wird.
Das unsichtbare Wertgerüst
In meiner Veröffentlichung von 1970 wies ich zusätzlich darauf hin, daß der Selektionswert der Lebenseinheiten noch genauer erfaßt werden kann, wenn man die drei Effizienzkriterien Präzision, Kosten und Zeitaufwand in den verschiedenen Daseinsperioden getrennt untersucht. Jedes Organ kann logischerweise seine Funktion erst dann erbringen, wenn es fertiggestellt ist. Das gilt ebenso für das Rad eines Autos wie für die Blutgefäße unseres Körpers, für die als Organellen bezeichneten Organe der Einzeller wie für jede Produktionsabteilung eines industriellen Großbetriebs. Bei manchen Organen besteht die Funktion in aktiver Tätigkeit, etwa bei den Beinen eines Käfers, bei unserer Niere oder bei der Lokomotive eines Zuges, bei anderen in einer passiven Wirkung, etwa bei den Panzerplatten eines Kriegsschiffes, beim Knochenskelett der
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Wirbeltiere und bei den Fundamenten eines Gebäudes. Bei dem als »Buch« bezeichneten Organ besteht die Funktion darin, Informationen in einem handlichen Paket verfügbar zu machen, beim Organ »Rauchfang« darin, Abgase in den Luftraum zu leiten. Das Organ »Schauspieler« hat die Funktion, im Theater oder im Film eine bestimmte Rolle zu übernehmen; das Organ »Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika« übt als Funktion die Leitung dieses Landes aus. Die Organe im Lebensgeschehen sind äußerst verschiedenartig. Gemeinsam ist jedoch allen, daß sie mit ihrer Funktion nicht eher einsetzen können, als sie fertiggestellt und am benötigten Ort verfügbar sind. Man kann somit bei allen zwischen einer Aufbauperiode und einer Aktivitätsperiode unterscheiden.
Die Aufbauperiode endet mit dem Einsetzen der selbständigen Funktionstätigkeit. Die darauf folgende Aktivitätsperiode läßt sich noch weiter in drei für den Selektionswert wesentliche Phasen unterteilen: erstens in die Phasen ihrer spezifischen Funktionstätigkeit, zweitens in Ruhepausen, in denen das Organ nicht funktionstätig ist, drittens in Phasen der Veränderung, in denen das Organ stillgelegt wird oder Umgestaltungen erfährt, die es zur Ausführung anderer als der ursprünglichen Funktion befähigen. Ich behaupte, daß man den Selektionswert von Organen noch genauer bestimmen kann, wenn man die Effizienzkriterien Kosten, Präzision und Zeitaufwand in jedem dieser Abschnitte getrennt untersucht (Abb. 4). Dies mag komplizierter erscheinen, als es tatsächlich ist.
Die Kosten des Aufbaus eines Organs spielen für dessen Selektionswert eine wesentliche Rolle. Stehen zwei Konkurrenten A und B einander gegenüber, die in ihren Leistungen sonst gleichwertig sind, bei denen jedoch A ein benötigtes Organ mit weniger Energieaufwand bildet oder erwirbt als B, dann ist A eindeutig
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im Vorteil. Ebenso verhält es sich mit der Präzision. Beträgt beim Aufbau eines Organs der Ausschuß 15 Prozent, dann bedeutet das Konkurrenten gegenüber, die zu besseren Bedingungen an entsprechende Organe gelangen, einen mitunter bedeutsamen Nachteil. Was den zum Aufbau erforderlichen Zeitaufwand betrifft, so ist dieser ebenfalls von Bedeutung. Besonders wenn das Energieangebot Schwankungen unterworfen ist, kommt es darauf an, den günstigen Augenblick wahrzunehmen. Dann kann es entscheidend wichtig werden, wie schnell ein Organ verfügbar ist. Diese und ähnliche Zusammenhänge sind bei allen Lebewesen nachzuweisen, so verschieden sie gestaltet, so unterschiedlich ihre Lebensumstände sein mögen.
In der sich anschließenden Aktivitätsperiode spielen die durchschnittlichen Kosten der einzelnen Funktionsakte eine wichtige Rolle und sind von den Kosten des Aufbaus getrennt zu betrachten. So mag der Aufbau eines Organs kostengünstig, seine Funktionstätigkeit indes weit aufwendiger sein – oder umgekehrt. Bei jedem Lebewesen ist die Energiebilanz vorrangig; sie setzt sich aus den Energiebilanzen aller seiner Organe zusammen. Besonders Notzeiten können hier zum limitierenden Faktor werden. Wird bei einem Einzeller, einem Vielzeller, einem Hyperzeller oder einer Erwerbsorganisation die Energie- beziehungsweise die Geldbilanz negativ, können sich diese Lebewesen mit Hilfe angelegter Reserven, die Hyperzeller und Erwerbsorganisationen durch Kredite von Banken, Freunden oder vom Staat allenfalls für einige Zeit noch existent erhalten. Bleibt die Bilanz jedoch negativ, führt das unweigerlich zum Tod beziehungsweise bei Hyperzellern und Erwerbsorganisationen zum Konkurs, was aus evolutionärer Sicht faktisch das gleiche bedeutet.
Es ist nicht Zweck dieser Darstellung, auf weitere
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Details einer allgemeinen Effizienzlehre einzugehen. Es liegt mir vielmehr daran, zu zeigen, wie gemeinsame Gesetzmäßigkeiten die Evolution der Pflanzen und der Tiere einerseits, sowie der vom Menschen gebildeten Leistungskörper andererseits gleichermaßen bestimmen. Selbstverständlich ist das Effizienzkriterium Präzision auch in der Aktivitätsperiode sämtlicher Lebewesen von Bedeutung. Je besser ein Organ seiner funktionellen Aufgabe entspricht, um so besser dient es der Lebensstruktur, der es angehört. Genau das gleiche gilt für den Zeitaufwand.
Zwischen diesen angeführten Parametern – und weiteren, auf die ich noch zu sprechen komme – gibt es die verschiedensten Korrelationen, die ebenfalls den Selektionswert beeinflussen. Der kritische Leser wird gebeten, sich selbst Beispiele, die seinem Interessengebiet und seiner Erfahrung entstammen, auszusuchen und auf den Wahrheitsgehalt meiner Hinweise zu prüfen. Für unser gewohntes Denken ist es sicherlich überraschend, daß es Vergleichsmaßstäbe von Belang geben soll, die für eine so ungeheure Zahl äußerst verschiedener Organe gelten. Aber genau dies ist der Fall. Nicht das äußere Erscheinungsbild gibt Aufschluß über Konkurrenzfähigkeit und Selektionswert, sondern ein unsichtbares Wertgerüst entscheidet darüber, welche funktionellen Einheiten sich im »Kampf ums Dasein« behaupten und die Lebensentfaltung in immer neuer Artenbildung fortsetzen.
Die Ruhephasen, welche die Funktionsausübung fast aller aktiv tätigen Organe mehr oder weniger regelmäßig unterbrechen, sind besonders dann von Bedeutung, wenn sie den Lebewesen laufende Kosten verursachen. Je kürzer diese Phasen sind, desto besser. Wenn uns der angeborene Schlaftrieb dazu zwingt, regelmäßig unsere Aktivität zu unterbrechen, liegt dies daran, daß die Ganglienzellen unseres Ge-
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hirns solcher Ruhephasen bedürfen. Auch Maschinen und Werkzeuge benötigen entsprechende Pflege und Wartung. Bewirken Umweltbedingungen längere Ruhephasen, etwa bei Saisonbetrieben oder bei Lebewesen, die nur in bestimmten Jahreszeiten erwerbstätig sein können, gibt es zwei Möglichkeiten, die eigenen Reserven nicht allzusehr zu strapazieren: entweder zeitweilige Stillegung oder Umstellung auf andere Aufgaben. Beispiele für die erste Variante sind in der Wirtschaft Saisonbetriebe, die für die Dauer ungünstiger Erwerbsbedingungen ihre Angestellten entlassen und ihre laufenden Kosten auf ein Minimum reduzieren, bei Tieren solche Arten, die einen Winterschlaf halten oder Dauerstadien bilden. Die andere Möglichkeit besteht darin, für längere Zeit funktionslose Organe derart umzustrukturieren, daß sie andere den Organismus fördernde Tätigkeiten verrichten. Das ist etwa der Fall, wenn der Kohlenhändler im Sommer Eiscreme verkauft oder wenn man Maschinen mit Hilfe computergestützter Herstellung auf andere Produktionen umrüstet.
Das gleiche Effizienzschema gilt nicht nur für alle Organe – ob sie nun über Zelldifferenzierung oder direkt aus Umweltmaterial gebildet sind –, sondern für sämtliche Lebewesen: Einzeller, Vielzeller, Hyperzeller und Erwerbsorganisationen. Aber dieses »verborgene Gemeinsame«, um mit Goethe zu sprechen, das sich hinter all diesen Lebenserscheinungen verbirgt, äußert sich noch in einem dritten Bereich. Fast alle Organe bestehen ihrerseits aus untergeordneten funktionellen Einheiten. Beispiele dafür sind bei unserem Auge die Linse, die Pupille und der Augenhintergrund, der sich aus einer großen Anzahl lichtempfindlicher Zellen zusammensetzt; auch sie umfassen in einem hierarchischen Aufbau untergeordnete funktionserbringende Einheiten. Bei der Maschinenhalle
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eines Großunternehmens ist es nicht anders. Auch hier sind Maschinen und die sie bedienenden Hyperzeller untergeordnete Einheiten, die selbst wieder aus solchen bestehen. Wie jeder nachprüfen kann, gilt für die Effizienz dieser und ähnlicher Einheiten das gleiche Schema wie für alle selbständig tätigen und sich fortpflanzenden Lebenseinheiten und ihre mannigfachen Organe. All dies, so scheint mir, ist ein eindrucksvoller Beweis für die Behauptung, daß das Lebensgeschehen nicht mit dem Menschen als abgeschlossen betrachtet werden kann, sondern sich in den von ihm gebildeten Leistungskörpern, den Hyperzellern und den Erwerbsorganisationen oder Unternehmen, unmittelbar fortsetzt.
Funktionswandel
Ich möchte hier noch kurz auf einige Zusammenhänge hinweisen, die eine große Anzahl von Beweisen für die enge funktionelle Verwandtschaft der Einzeller und Vielzeller mit den Hyperzellern und Erwerbsorganisationen liefern.
In den obigen Ausführungen bin ich stillschweigend davon ausgegangen, daß ein Organ nur eine Funktion erbringt. Das ist zwar weitgehend und oft über beträchtliche Zeitspannen hinweg der Fall, doch stützt sich der Evolutionsfortschritt auf Veränderungen der Leistungserbringung von Organen und ihres Zusammenwirkens. Wenn es zu einer solchen Veränderung kommt, müssen die Effizienzwerte neu ermittelt werden, weil dadurch fast immer mannigfache Korrelationen betroffen sind. Somit ist das bisher Gesagte wohl für die zu beurteilende Einzelsituation richtig; es trägt aber nicht dem Gesamtverlauf der Evolution und den Veränderungen von Selektionswerten Rechnung,
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wenn es etwa zu Verbesserungen struktureller Merkmale oder von Verhaltenssteuerungen kommt.
Da ich auf die Thematik des Funktionswandels in früheren Schriften ausführlich eingegangen bin, begnüge ich mich hier mit einer knappen Darstellung der Zusammenhänge und beschränke mich auf markante Beispiele für die Verwandtschaft sämtlicher Lebewesen einschließlich der Hyperzeller und der Erwerbsorganisationen. Wie der Leser erkennen wird, zeigen auch diese Verwandtschaften deutlich, daß der Mensch nicht augenblicklicher Höhepunkt der Evolution ist, sondern vielmehr all seine Werke in den Gesamtverlauf der Lebensentfaltung gehören (siehe Abb. 5).
Ein in der gesamten Evolution außerordentlich wichtiger Vorgang besteht darin, daß Organe fähig werden, zu ihrer ursprünglichen Funktion weitere hinzuzunehmen, was ich als Funktionserweiterung bezeichnet habe (Abb. 5A). Ein Beispiel dafür sind die Wurzeln der Landpflanzen, die in primärer Funktion dem Erwerb von Wasser und Nährsalzen dienen, bei höher wachsenden Arten jedoch die zusätzliche Funktion der Stützung und der Verankerung wahrnehmen und entsprechend stärker dimensioniert sind. Beim Auto hatte das Kühlwasser zunächst die Funktion der Kühlung des Motors und wurde später, in weiterer Funktion, für die Erwärmung des Wageninneren verwendet. Bei den auf dem Meeresboden festsitzenden Röhrenwürmern wurden die fächerartig ausgebreiteten, gefiederten Kiemen überdies zu Organen des Nahrungserwerbs. Wie ein Netz fangen sie herabsinkende organische Teilchen auf, die dann über Wimpernbewegungen der Mundöffnung zugeführt werden. Viele Werkzeuge und Maschinen werden heute so hergestellt, daß sie durch Auswechseln von Teilen oder durch eine andere Software für ihre
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Steuerung mehr als eine benötigte Funktion erbringen können. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für eine Folge von Funktionserweiterungen ist der Blutkreislauf der Wirbeltiere. Ursprünglich versorgte er sämtliche Zellen mit den nötigen Nährstoffen. Im Verlauf der evolutionären Entwicklung übernahm er dann auch den Abtransport der auftretenden Stoffwechselschlacken und den Gastransport für die Atmung, wurde zum »Postweg« für die Hormone, zum Verkehrsweg für die als »innere Polizei« fungierenden weißen Blutkörperchen und Antikörper, bei den Warmblütern außerdem zur Trägerflüssigkeit einer »Zentralheizung«, und bei manchen Arten bedient er die Schwellkörper der Genitalorgane. Daß in der Regel für jede neue Funktion zusätzliche Einrichtungen notwendig sind – etwa zur Ausscheidung der Stoffwechselschlacken die Nieren und zum An- und Abtransport der Gase die Lunge –, ist dabei hervorzuheben. Dies kommt den Organismus indes wesentlich billiger zu stehen und ist über Mutation und Selektion weit eher zu erreichen als ein eigenes Zuführungs- und Abtransportsystem, wie es sich beispielsweise für Gase bei den Insekten ausgebildet hat (die Tracheen). Bei Hyperzellern und Erwerbsorganisationen ist ein vergleichbares Beispiel die über Drahtleitungen erfolgende Zufuhr von Elektrizität zu Fabriken. Dort dient sie in ursprünglicher Funktion der Erzeugung von Licht und dem Antrieb von Maschinen, kann jedoch, wenn sie erst einmal installiert ist, auch andere Leistungen erbringen, zum Beispiel den Betrieb von Lautsprechern und Radios, von Heizplatten und elektrischen Fönen für die Mitarbeiter und vieles andere mehr. Ebensowenig, wie sich für den Hormontransport oder die Schwellkörper der Genitalorgane ein eigenes Leitungssystem »ausgezahlt« hätte, hätten die Heizplatten und die Föne der Mitarbeiter für sich
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Abb. 5: Die sechs wichtigsten Möglichkeiten für den Funktionswandel von Organen. Die Organe (O) sind als Dreiecke dargestellt, ihre Funktionen als Pfeile, die von der Spitze ausgehen (a–x).
A: Funktionserweiterung. Das Organ O1 leistet bloß eine Funktion (a), wird dann noch zu einer zweiten (b) und zu weiteren Funktionen fähig (O3a–e).
B: Funktionsteilung. Durch Hinzunahme immer zahlreicherer Funktionen kann es so, indem die Funktionen sich gegenseitig behindern und stören, zur Funktionsüberbürdung kommen. Die funktionelle Lösung ist die Funktionsteilung. In der Abbildung übernimmt O4 die Funktionen a, b, d, O5 die Funktionen c und e. Dieser Vorgang ist mit der Differenzierung identisch, die bei allen komplexeren Lebewesen, besonders bei Vielzellern und Erwerbsorganisationen, deutlich in Erscheinung tritt. Es ergibt sich so eine wachsende Arbeitsteilung.
C: Funktionswechsel. Ebenso wie bei A übernimmt ein Organ (O6) eine weitere Funktion (O7b). Diese wird nun zur Hauptfunktion, während die ursprüngliche Funktion sich zumeist völlig rückbildet. Auf diesem Umweg kamen in sämtlichen vier Gruppen von Lebewesen (Einzeller, Vielzeller, Hyperzeller, Erwerbsorganisationen) neue Funktionen zustande, die über Mutationen und Rekombinationen oft nicht erreichbar gewesen wären.
D: Funktionspartnerschaft (Symbiose). Die beiden Organe O9 und O10 verbinden sich zu einer Partnerschaft (O11); jedes gewinnt durch den Partner Vorteile.
E, F: Mehrere Organe (O12 bis Ox) verbinden sich zu einem größeren Organ. Verfügen die sich so zusammenschließenden Organe über die gleichen Funktionen, sprechen wir von Funktionszusammenlegung (E), verbinden sich solche mit verschiedenen Funktionen zu einem Organ mit neuer Fähigkeit, sprechen wir von Funktionsbündelung (F).
Hervorzuheben ist, daß diese überall für weitere Fortschritte der Evolution wichtigen Vorgänge als deutliche Hinweise auf die Einheit der Lebensentwicklung anzusehen sind.
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genommen den Aufwand der Zuleitung von Elektrizität gerechtfertigt. Doch da unter starkem Selektionsdruck für wichtige Leistungen solche Verteilungssysteme nun einmal entstanden waren, konnten sie dann auch andere Funktionen mit verrichten. Eine derartige Funktionserweiterung von Organen wird vor allem über die Entstehung neuer Verhaltenssteuerungen möglich, worauf ich an früherer Stelle bereits eingegangen bin. Zwei Paradebeispiele dafür sind zum einen, im Bereich der Vielzeller, die menschliche Hand, die über zusätzliche Bewegungssteuerungen tausend verschiedene Funktionen erfüllen kann, zum anderen, im Bereich der Hyperzeller, der Mensch selbst, der im Gewerbe und in Unternehmen eine wahrscheinlich noch größere Anzahl von Funktionen ausübt.
Funktionserweiterungen können allerdings auch zu einer Funktionsüberbürdung führen, die den Selektionswert mindert. Je mehr Funktionen ein Organ verrichtet, um so größer wird die Gefahr, daß die Funktionen sich gegenseitig stören oder ihre Präzision verringert wird. Das zeitigt namentlich bei den Vielzellern, aber auch bei Hyperzellern und Erwerbsorganisationen eine Funktionsteilung, was eine immer weiter gehende Differenzierung und Arbeitsteilung bedeutet (Abb. 5B). Dieser Vorgang ist so gut bekannt, daß ich wohl keine Beispiele dafür anführen muß. Wesentlich ist, daß hier ein weiterer gesetzmäßiger evolutionärer Vorgang abläuft, der natürliche und zusätzliche Organe gleichermaßen betrifft. Er führt in allen vier großen Gruppen von Lebewesen (Einzeller, Vielzeller, Hyperzeller, Erwerbsorganisationen) zu erheblichen Verbesserungen der Selektionswerte.
Über den Weg der Funktionserweiterung kann es noch zu einem anderen bedeutsamen Fortschritt kommen: zum Funktionswechsel (Abb. 5C). Sowohl bei Tie-
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ren und Pflanzen als auch in der menschlichen Technik und Organisation ist es häufig geschehen, daß eine später hinzugetretene Funktion zur Hauptfunktion wurde, ja die ursprüngliche Funktion sich völlig rückbildete. So wurde etwa aus der Legeröhre mancher Insekten ein Giftstachel, und aus dem unpaaren Scheitelauge der Reptilien entwickelte sich bei den Säugetieren die den Tag-Nacht-Rhythmus steuernde Zirbeldrüse. Und beim Menschen? Nun, manche Knöpfe an Kleidern dienen schon lange nicht mehr dem Verschluß, sondern der Zierde. Das im Auto verwendete Differentialgetriebe war eigentlich für Webmaschinen erfunden worden. Bei den Pflanzen entwic kelten sich aus den Blättern Ranken und Dornen, die Fangapparate der Kannengewächse sowie die Staubgefäße und Stempel der Blüten. Goethe, der dies entdeckte, schrieb im Mai 1788 an Herder: »Vorwärts und rückwärts ist die Pflanze nur Blatt.« Die Urfische vermochten nicht über Mutationen und Rekombinationen eine Schwimmblase zu bilden, ein zur Tarierung des Auftriebs überaus wichtiges Organ. Nachkommen von ihnen drangen an Land vor, wo ihre Kiemen vertrockneten und funktionsunfähig wurden. Die reichdurchblutete Haut des Gaumendaches übernahm, wenn auch zunächst nur mangelhaft, den nötigen Gasaustausch; sie konnte nun sehr wohl über Mutationen und Rekombinationen durch Faltenbildung die Oberfläche vergrößern und das Zustandekommen einer blasenförmigen Bildung bewirken, aus der sich dann die spätere Lunge der Landwirbeltiere entwickelte. Einige Urfische oder Uramphibien, wie immer wir diese Übergangsstadien nennen wollen, kehrten mit diesen Blasen ins Meer zurück und verwendeten sie dort als Schwimmblase. Dies ergab einen so großen Selektionsvorteil, daß die nun entstehenden neuen Arten, die über ein solches Tarie-
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rungsorgan verfügten – sämtliche heutigen Knochenfische –, die Urfische verdrängten. Nur wenige Gruppen, so die Haie und die Rochen, konnten sich ohne Schwimmblase bis heute behaupten. Bei den Urvorfahren der Haie wuchsen die Körperschuppen am Rand ihres Mauls länger aus und wurden, auch wieder durch Funktionswechsel, zu Zähnen. Bei den das Land erobernden Nachkommen wurden dann die Körperschuppen allmählich rückgebildet, während die Zähne blieben. Beim menschlichen Embryo werden die Zähne noch genauso angelegt wie die Plakoidschuppen der Haie, desgleichen die einstigen Kiemenspalten der Urfische, die, an Land nutzlos, rückgebildet wurden, wobei sich, wie schon früher angeführt, aus Rudimenten der Kiemenbogen Gehörknöchelchen entwickelten.
Eine wieder andere Form des Funktionswandels ist die Funktionspartnerschaft, mit der überflüssige Kosten eingespart werden und jeder der Partner durch den anderen Vorteile erlangt (Abb. 5D). Wenn verschiedene Organe innerhalb eines Lebewesens die gleiche Funktion ausüben, kann die Funktionszusammenlegung in ein größeres gemeinsames Organ den Konkurrenzwert erhöhen (Abb. 5E). Bei Wirtschaftsunternehmen ist das fast eine Selbstverständlichkeit, wie etwa eine zentrale Reparaturwerkstatt, ein gemeinsamer Fuhrpark und andere Zusammenlegungen zeigen. Bei den Vielzellern war dies, wie bereits dargelegt, nur sehr eingeschränkt möglich, weil das hochorganisierte Baumaterial Zelle es nicht zuließ, daß mit den bescheidenen Mitteln von Mutation und Rekombination derart rigorose Veränderungen erfolgten. Andererseits hat bekanntlich auch Dezentralisierung bei manchen Funktionen erhebliche Vorteile. Eine weitere Möglichkeit zur Leistungssteigerung besteht darin, daß mehrere Organe mit verschiedenen
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Funktionen sich zu einer größeren Einheit verbinden und so ein Organ mit neuen Fähigkeiten entsteht (Abb. 5F). Das ist es wohl – so nehme ich an –, was Konrad Lorenz als »Fulguration« bezeichnete. Ich habe in früheren Schriften diesen Funktionswandel Funktionsbündelung genannt. Auch Hakens »synergetischer Effekt« ist vermutlich hier einzureihen.
Anzumerken bleibt noch, daß wie beim Effizienzschema die gleichen gesetzmäßigen Zusammenhänge nicht nur für sämtliche Organe, sondern für sämtliche Lebewesen gelten. Zwei Beispiele mögen genügen. So spielen, wie wir sahen, die den Funktionspartnerschaften analogen Symbiosen bei Ein- und Vielzellern eine ebenso wichtige Rolle wie bei Großunternehmen und Konzernen, wenn sie fusionieren. Über einen der Funktionsbündelung analogen Vorgang entstanden aus Homo Proteus die Hyperzeller und die Erwerbsorganisationen wie etwa das Volkswagenwerk und die USA.
Nicht zuletzt benötigen die allermeisten Organe zu
ihrer Funktion entsprechende Steuerungen. Auch diese müssen aufgebaut
werden und weisen Phasen der Tätigkeit, Ruhe und allfälliger
Veränderung auf. Die drei Effizienzkriterien (Kosten, Präzision,
Zeitaufwand) liefern auch hier den Selektionswert beeinflussende Daten.
Daß die Steuerungen von den gesteuerten Organen meist getrennt sind,
spielt keinerlei Rolle. Arme und Beine bzw. zusätzliche Organe nützen
uns wenig, wenn sie nicht entsprechend gesteuert werden. Im gesamten Lebensbereich
sind deshalb auch alle die Steuerungen betreffenden Werte des Effizienzschemas
maßgebend für den Selektionswert und die Konkurrenzfähigkeit
– ein weiterer Beweis dafür, daß somatische Organe und die »Werke«
des Menschen als Bestandteil ein- und desselben Entfaltungsstromes angesehen
werden müssen.
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