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Unternehmen und Staaten



Ebenso, wie vor mehr als einer Milliarde Jahren manche Arten von Einzellern dazu übergingen, größere, vielzellige Lebewesen zu bilden, kam es auch bei den Hyperzellern zur Bildung von größeren, auf gemeinsame Aufgaben ausgerichteten Erwerbsorganisationen. Und ähnlich, wie im vielzelligen Körper die Zellen größere, leistungsfähigere Organe aufbauen – zum Beispiel die aus vielen Zellen bestehenden Flossen, Augen und Knochen –, so entstanden auch in den größeren, von Tausenden von Hyperzellern gebildeten Lebenskörpern »Abteilungen«, die auf bestimmte Aufgaben ausgerichtet sind, in Wirtschaftsunternehmen etwa die aus zahlreichen Hyperzellern gebildete Betriebsleitung samt ihren ausführenden Organen, die Produktionsabteilung, die Verkaufsabteilung und andere. In den noch größeren Staaten entstanden ebensolche Abteilungen, so das für Ordnung und Sicherheit innerhalb des Staatsgebiets sorgende Ministerium, jenes für die Landesverteidigung sowie andere Ministerien, die beispielsweise für Finanzen, Verkehr, Handel zuständig sind.

Ist bereits nach unserem gewohnten Denken die begriffliche Unterscheidung zwischen dem Vielzeller Mensch und den Hyperzellern, die er aufbaut, nicht einfach, dann ist eine solche zwischen den Hyperzellern und den größeren Wirtschaftsunternehmen, die sie bilden, kaum minder schwierig. Eine klare Grenze läßt sich hier nicht ziehen. Gliedert ein Hyperzeller, etwa ein tüchtiger Schneidermeister, seinem Leistungskörper immer mehr zusätzliche Organe an,

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seien es Werkzeuge und Maschinen, seien es andere spezialisierte Hyperzeller, die Dienstleistungen für ihn verrichten (Angestellte, Mitarbeiter), dann entsteht ein Lebenskörper höherer Integrationsstufe, zum Beispiel ein industrielles Unternehmen der Bekleidungsbranche, dessen Leitung lange Zeit in der Hand jenes einzelnen Menschen verbleiben kann (Unternehmerbetrieb). Bei üblicher Entwicklung geht diese Funktion jedoch früher oder später auf ein aus mehreren Hyperzellern zusammengesetztes Gremium über (Geschäftsleitung, Aktionäre). Ebenso fließend ist der Übergang zu den noch größeren Staaten: Er verläuft über Sippen, Horden und immer größere, stärker differenzierte und organisierte Verbände, die anfangs noch nicht an ein besonderes Territorium gebunden sind, dann aber seßhaft werden und zu klar definierten Grenzen gegenüber Nachbarstaaten gelangen.

Wie schon eine oberflächliche Betrachtung zeigt, ist die begriffliche Abgrenzung zwischen Wirtschaftsunternehmen und Staaten, obwohl wir beide als höchst verschieden empfinden, aus evolutionärer Sicht nicht weniger schwierig. Ein einziger Hinweis mag hier zunächst genügen. So baut sich jeder Staat aus seinen Bürgern, den von ihnen gebildeten Hyperzellern, aus Wirtschaftsunternehmen und sonstigen Organisationen auf und ist all diesen in mannigfacher Hinsicht übergeordnet. Sie unterstehen ihm rechtlich und sind in vielen Belangen von ihm abhängig. Andererseits kann der Staat in seiner Funktion als Garant des Schutzes von Leben und Eigentum sehr wohl auch als riesiges Gemeinschaftsorgan aller seiner Bürger, von deren Hyperzellern, Wirtschaftsunternehmen und sonstigen Organisationen angesehen werden. Dieses große Gebilde untersteht dann jedem einzelnen Bürger, den von den Bürgern gebildeten

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Hyperzellern, den Wirtschaftsunternehmen und sonstigen Organisationen und ist in diesem Sinne ihr Diener, ihr zusätzliches Organ.

Ehe wir uns dieser aus evolutionärer Sicht kniffligen Problematik zuwenden, erscheint es mir sinnvoll, wenn wir uns vorher mit einer anderen, hier ebenfalls wichtigen Frage beschäftigen. Sowohl Wirtschaftsunternehmen als auch Staaten zeichnen sich durch die Bildung und den Einsatz großer Anlagen und Maschinen aus, die längst nicht mehr mit jener Energie, die der Mensch mit seiner Nahrung gewinnt, betrieben werden können. Bei den Wirtschaftsunternehmen belegen das deutlich die immer größeren Fabriken mit ihren machtvollen Maschinen. Bei den Staaten zeigen das etwa die öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem aber die Landesverteidigung mit ihren Kanonen, Panzern, Kampfflugzeugen, Schlachtschiffen und Raketen. Woher stammt nun die zum Antrieb dieser Einrichtungen notwendige Energie?

Der direkte Antrieb zusätzlicher Organe durch Umweltkräfte

Der Energieerwerb aller tierischen Organismen und somit auch des Menschen ist, ökonomisch betrachtet, nicht sehr ergiebig. Bei der Verdauung vereinnahmter organischer Gewebe, der anschließenden Spaltung ihrer Moleküle innerhalb der Zellen und den anschließenden Energieumwandlungen geht ein beträchtlicher Prozentsatz der Energie durch Umwandlungen und Reibungsverluste in Gestalt von Wärme an die Umgebung verloren (Entropiesatz). Nur ein kleiner Teil gelangt in Gestalt von Nutzenergie zu den vom Organismus benötigten Funktionen. Meistens beträgt der durchschnittliche Verlust 70 bis 90 Prozent, so daß

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nur 30 bis 10 Prozent (oder noch wesentlich weniger) dem tierischen Organismus tatsächlich zukommen.

Der Physiologe Werner Nachtigall errechnete genauer, wieviel der in den Muskelzellen eines Brustschwimmers freigesetzten Energie tatsächlich dessen Vorwärtsbewegung durch das Wasser zugute kommt. Etwa 70 Prozent beträgt der Verlust bei der Umwandlung der in die Muskelzellen gelangenden chemischen Energie (molekulare Bindungsenergie) in die mechanische Energie ihrer Kontraktion. Ungefähr 40 Prozent des verbleibenden Rests gehen durch die Reibung der Knochen in den Gelenken (trotz Knorpelüberzugs und Gelenkflüssigkeit), durch Deformierung von Geweben sowie durch Beschleunigung und Abbremsen von Armen und Beinen verloren, vom Rest weitere rund 50 Prozent bei der Übertragung hydromechanischer Kräfte auf das Wasser sowie durch die Bewegungen von Flüssigkeitsschichten gegeneinander und große Wirbelschleppen, die sich ablösen und sich so lange weiterdrehen, bis ihre Rotationsenergie aufgebraucht ist. Da Arme und Beine außerdem nicht genau von vorn nach hinten schlagen, sondern Kreisbogen beschreiben, weisen ihre Widerstandskräfte in alle Richtungen, so daß der schwimmphysiologisch nutzbare Kraftanteil (Vortriebswirkungsgrad) nochmals um rund 60 Prozent vermindert wird. Das aber führt zu einem Gesamtwirkungsgrad von nur etwa 4 Prozent Vortriebsleistung. Fügt man diesem gewaltigen Verlust noch jene Verluste hinzu, die sich beim vorangegangenen Energieerwerb durch Berufstätigkeit, durch Kauf und Einverleibung, durch Verdauung und Übertragung der gewonnenen Energieträger (Moleküle und Atome) in den Blutstrom und aus diesem in die Zellen ergeben, dann vermindert sich die Nutzenergie, die den Brustschwimmer im Wasser vorantreibt, auf weniger als 2 Prozent. Letztendlich sind

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auch noch Betrieb und Instandhaltung des gesamten Körpers in Betracht zu ziehen, die sich amortisieren müssen, was die Energiebilanz ebenfalls belastet. Wie mir Professor Nachtigall erklärte, dürfte bei den vom Menschen benötigten Leistungen schließlich weniger als 1 Prozent der erworbenen Nahrungsenergie wirksam werden. Das aber bedeutet, daß der Mensch und die meisten höherentwickelten Tiere eine außerordentlich positive Energiebilanz zu erwirtschaften haben, genauer: daß sie bis über hundertmal mehr an arbeitsfähiger Energie einnehmen müssen, als ihre Selbstkosten betragen.

Wesentlich günstiger fiel dagegen der Wirkungsgrad der Energieumwandlungen aus, wenn Homo Proteus sich einen Einbaum zurechtzimmerte und ihn mit weiteren zusätzlichen Organen (Rudern) dazu brachte, ihn über einen Fluß oder einen See zu befördern. Doch auch bei diesem Vorgang wurde noch sämtliche der Fortbewegung dienende Energie aus der über Nahrung aufgenommenen Rohenergie bestritten. Eine wesentlich größere Einsparung ergab sich indessen, wenn Umweltkräfte unmittelbar dazu genutzt werden konnten, zusätzliche Organe anzutreiben. Das geschah, als einer unserer fernen Vorfahren auf die Idee kam, einen Mast im Boot zu errichten, ein Segel anzufertigen, dieses mit Seilen festzumachen und zu bedienen. Er erschloß so eine neue Energiequelle. Durch diese Verbesserung seines zusätzlichen Organs »Boot« zwang er die in der Umwelt verfügbare Kraft des Windes, das Fahrzeug unmittelbar vorwärts zu bewegen. Jetzt mußte die zur Fortbewegung durch das Wasser notwendige Energie nicht mehr den umständlichen und verlustreichen Umweg über Mund, Darm, Blutstrom, Zellen usw. nehmen; vielmehr konnte die kinetische Energie des Windes sich bei nur geringen Reibungsverlusten unmittelbar in kinetische

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Energie des Bootes verwandeln. Auf diese Weise wurde obendrein eine weit schnellere Fortbewegung als durch Ruderkraft möglich.

Die Leistungssteigerung der Hyperzeller und ihrer Organisationen beruht wesentlich auf diesem Prinzip, zusätzliche Organe nicht mit körpereigener Energie anzutreiben, sondern über entsprechende Vorrichtungen Umweltkräfte zu ihrem Antrieb zu nutzen. So müssen wir etwa beim Auto die seine Räder antreibende Energie nicht in unseren Körper aufnehmen, dort freisetzen und über Muskelkraft auf die Räder übertragen, sondern die im Benzin enthaltene chemische Kraft wird durch den Motor direkt zum Antrieb des Autos eingesetzt. Mahlt eine durch einen Bach betriebene Mühle für den Müller das Korn, dann muß dieser ebenfalls die kinetische Energie des strömenden Wassers nicht erst in seinen Körper hineinleiten; vielmehr bewirken das Mühlrad und weitere zusätzliche Organe der Kraftübertragung direkt die Drehbewegung des schweren Mahlsteins.

Zu solcher direkten Nutzbarmachung von Umweltkräften kam es aber auch schon bei verschiedenen Arten von Tieren und Pflanzen. Man kann daher auch diesen Fortschritt nicht als eine Zäsur bewerten, welche die bisher übliche Abtrennung der soziokulturellen Evolution des Menschen von der biologischen Evolution der Pflanzen und der Tiere rechtfertigen würde. Nehmen wir als Beispiel eine der zahlreichen Arten von Flugspinnen. So klettert etwa Erigone dentipalpis auf eine erhöhte, dem Wind gut ausgesetzte Stelle und produziert einen Faden, an dem der Wind angreift; sobald der Faden lang genug ist, um eine ausreichende Angriffsfläche zu bieten, wird die Spinne, wie von einem Segel getrieben, über weite Strecken durch die Luft transportiert. Das verbessert oft nachhaltig ihre individuelle Situation, dient jedoch

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auf alle Fälle der Verbreitung dieser Art. Bei den Landpflanzen nutzen, wie schon erwähnt, viele Arten die Kraft des Windes zur Verbreitung ihrer Samen. Während bei den Flugspinnen der Wind nicht bloß ein einzelnes Organ antreibt (wie das Wasser den Mahlstein der Mühle), sondern die Gesamtheit des Körpers (wie das Benzin das uns fortbewegende Auto), wird im Fall der Windverbreitung, etwa beim Löwenzahn, der Wind dazu gebracht, einzelne Organe (die Samen) viele Kilometer weit fortzubewegen, was die Pflanze selbst nicht bewirken könnte. Allerdings ist auch hier eine zusätzliche Strukturbildung in Gestalt gefiederter Anhängsel (ähnlich wie beim Segelschiff Mast, Segel und Tauwerk) nötig, damit die Dienstbarmachung zusätzlicher Energieformen (von Fremdenergie) gelingt.

Im Meer ersparen sich viele Tierarten, etwa die Korallenpolypen, die Ausbildung der sonst zum Beuteerwerb notwendigen Fortbewegungsorgane. Sie sitzen an geeigneten Plätzen am Meeresgrund fest und überlassen es Wasserströmungen und der Brandung, ihnen planktonische Nahrung direkt vor die Mundöffnung zu spülen. Hier genügt die Ausbildung von Tentakeln und Nesselkapseln, um die angespülte Beute zu erfassen, zu lähmen und in den Darm zu befördern. Bei den Schwämmen ist es so, daß ihr Körper über ein inneres Höhlensystem verfügt, in das Geißelzellen einen ständigen Wasserstrom hineinlenken. Dort wird von weiteren Zellen die Planktonnahrung in Empfang genommen und verwertet. Deshalb setzen sich viele Arten von »Einmietern« – Würmer, kleine Krebse, Ruderfüßer, Asseln und andere – im Röhrensystem solcher Schwämme fest und nutzen den verläßlichen Nahrungsstrom, der auch den für die Energiefreisetzung so wichtigen Sauerstoff in reichlichem Maß mit sich führt, zu ihrem Vorteil. Außerdem sind

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sie im Höhlensystem des Schwamms gegen größere Raubfeinde bestens geschützt. In einem großen Exemplar von Speciospongia vespara im Golf von Mexiko zählte Arthur S. Pearse 17128 solcher Einmieter, die sich auf 22 Arten verteilten. In diesem Fall handelt es sich um eine milde Form von Parasitismus: um ein Ausnutzen von Anstrengungen anderer Organismen, das eigene Energieaufwendung erspart. Insgesamt fallen alle Formen der Nutzbarmachung von Fremdenergie unter die für sämtliche Einzeller, Vielzeller und Hyperzeller gleichermaßen wichtige Grundleistung der Nutzung günstiger Umweltbedingungen.

Eine der wichtigsten von Homo Proteus in seinen Dienst gezwungenen zusätzlichen Energieformen war jene des Feuers, das die in abgestorbenem organischem Material enthaltene chemische Energie über Oxydation in Wärme verwandelt. Unser Vorfahr verwendete sie zur Abwehr von Kälte, in erster Linie jedoch zum Kochen und Braten von Nahrung. Die Zellwände organischer Gewebe werden durch die Hitze ihrer Widerstandskraft beraubt, so daß die Energie und die Stoffe pflanzlicher und tierischer Nahrung besser verwertet werden können. Das wußte unser Urahn zwar noch nicht, doch wurde seine Kost so jedenfalls leichter eßbar und konnte auch schmackhafter zubereitet werden. Es ist hervorzuheben, daß diese wichtige Leistungssteigerung der Hyperzeller – denn eine solche war es – nur über zusätzliche Organe, die hohe Temperaturen ertrugen (Feuerstelle, Herd, Töpfe, Pfannen), zu erreichen war. Diesen wichtigen Vorgang, der nur über vom Körper getrennte Organe bewerkstelligt werden kann, als etwas vom Lebensprozeß Getrenntes anzusehen zeigt wieder die Überbewertung des Bauelements »Zelle« und wird dem Wesen des Phänomens Leben schwerlich gerecht.

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Der Mensch gehört zu den Warmblütern – ein gehöriger Selektionsvorteil gegenüber den wechselwarmen Wirbeltieren, etwa den Sauriern, deren Leistungsfähigkeit sich bei Nacht, wenn es kälter wurde, entsprechend verminderte. Zusätzliche Organe, um den Effekt der Warmblütigkeit zu steigern, sind die wärmenden Kleider, im weiteren Entwicklungsverlauf die hitzespendenden Öfen. Man mag heute Kleider und Öfen als banale Selbstverständlichkeiten ansehen – aus evolutionärer Sicht führten sie zu einer Verdoppelung oder Verdreifachung des für Hyperzeller geeigneten Lebensraums. Mehr als das: Gerade in den kälteren Gegenden, in denen der Lebenskampf härter war, wurden die Fähigkeiten der menschlichen Intelligenz besonders gefordert; hier gab es Fortschritte und Erfindungen, zu denen die Evolution des Lebens in den lebensgünstigeren Gebieten vielleicht gar nicht gelangt wäre. Dazu kam noch die Bedeutung des Feuers zum Schmelzen von Metallen.

Wärme ist eine Energieform, die zur kinetischen Energie (Bewegungsenergie) gehört. Als Wärme bezeichnen wir die Zitterbewegung von Atomen und Molekülen, die zur Ausdehnung der erwärmten Medien, etwa Luft oder Metalle, führt. Da diese Bewegung ungerichtet ist, kann nur der Ausdehnungseffekt als verwertbare Nutzenergie dienen. Über die Dampfmaschine und den Abbau des fossilen Brennstoffs Kohle wurde das möglich. Dies trug zur Ausbreitung der Hyperzeller über Kontinente und Meere hinweg wesentlich bei.

Auch Erdöl ist fossile organische Substanz; seine Verbrennung über den Explosionsmotor bei Autos und Flugzeugen förderte die Machtsteigerung der Hyperzeller erheblich. Hier sind einige Worte über die Bedeutung von Gemeinschaftsorganen am Platze. Die von Homo Proteus gebildeten zusätzlichen Organe

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sind nicht nur ablegbar und erfordern auch keine Ernährung über einen kontinuierlich wirksamen Blutstrom, sondern sie haben außerdem den Vorteil, daß sie von mehreren gemeinsam angefertigt werden und mehreren gleichzeitig oder abwechselnd dienen können. Eisenbahnen, Dampfschiffe, Autos und Flugzeuge sind dafür markante Beispiele. Ein einzelner Hyperzeller hätte sie nicht anfertigen können. Doch indem viele zusammenarbeiteten, war die Herstellung möglich, und sobald es sie dann gab und sie funktionierten, konnten viele, die an der Herstellung nicht beteiligt waren, die Vorzüge dieser Transportmittel für eigene Zwecke nutzen und durch deren kurzfristige Miete (Kauf eines Fahrscheins) die Kosten von Herstellung, Pflege und Erneuerung abdecken.

Auch künstlich hergestellte Energieträger wurden möglich, etwa Schießpulver und Dynamit. Der Speer, den Homo Proteus zur Jagd verwendete und der ihn seinen ersten Gegnern und Konkurrenten gegenüber so überlegen machte, mußte noch mit Energie, die aus Nahrung gewonnen war, angetrieben werden. Pfeil und Bogen waren insofern ein Fortschritt, als durch den elastischen Bogen die Muskelenergie in Deformationsenergie umgewandelt und diese dann in erneuter Umwandlung den verkleinerten Speer mit noch größerer Kraft und Zielgenauigkeit aussenden konnte. Aber auch hier entstammte die notwendige Energie noch der ökonomisch so verlustreich zu erschließenden Nahrung. Die Muskete, das Gewehr, der Revolver, die Kanone sind dagegen bereits künstlich gebildete Organe, die das Geschoß nicht mehr mit körpereigener Energie, sondern mit Fremdenergie direkt antreiben. Daraus entwickelten sich im weiteren Verlauf die Raketen, mit denen Hyperzeller heute nicht nur Rivalen auf anderen Kontinenten bedrohen, sondern mit deren Hilfe einige bereits den Mond aufgesucht haben.

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Eine entscheidende Entdeckung in der Entwicklungsgeschichte der Nutzung von Fremdenergie war jene Energieform, die wir als Elektrizität bezeichnen. Sie gehört gemeinsam mit den sichtbaren und den unsichtbaren Strahlen (Wellen) und dem Magnetismus in die große Gruppe der elektromagnetischen Erscheinungsformen von Energie. Für die Leistungssteigerung der Hyperzeller und ihrer Organisationen hatte sie den besonderen Vorteil der schnellen und zielgerichteten Verlagerung von Energie von einem Ort zum anderen sowie den weiteren, daß sie leicht in fast jede andere Energieform umgewandelt werden konnte.

Ein praktisches Beispiel ist hier vielleicht instruktiv. Wenn Flüsse nach unserem gewohnten Denken abwärts fließen, dann fließen sie in Wahrheit, da es im Weltraum kein Oben und kein Unten gibt, in Richtung auf den Mittelpunkt unseres Planeten. Je steiler das Gefälle, um so mehr Energie wohnt jedem im Fluß enthaltenen Wassertropfen inne. Je größer der Fluß, um so mehr Wassertropfen sind, je nach Gefälle, Träger von mehr oder weniger starker Energie. Der Ursprung all dieser Bewegungsenergie ist die Anziehungskraft der Erde, genauer: die Anziehungskraft, die Massen von Materie aufeinander ausüben. Man spricht hier von Gravitationsenergie. Die kinetische Energie von Flüssen ist somit umgewandelte

Gravitationsenergie. Die Verluste bei dieser Umwandlung sind gering; sie beschränken sich auf die Reibungsverluste, die der Fluß durch den Kontakt mit dem Gestein, über das er hinwegfließt, erfährt.

Installieren wir nun unter einem Wasserfall Turbinen, die Generatoren antreiben, dann verwandeln sie die Bewegungsenergie des herabstürzenden Wassers in elektrischen Strom, der über Drähte blitzschnell an beliebige Orte geleitet werden kann. Der Verlust

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bei der Umwandlung beträgt rund 15 Prozent, der bei der Weiterleitung über Starkstromleitungen 1–2 Prozent je 100 Kilometer. Ist der Adressat etwa eine Fabrik, kann der dort anlangende elektrische Strom in sehr verschiedene andere Energieformen umgewandelt werden, zum Beispiel über Glühbirnen in Licht (das ist eine sehr kostspielige Umwandlung, bei der 97 Prozent als Wärme verlorengehen) oder über elektrisch angetriebene Maschinen wieder in kinetische Antriebsenergie (Verlust ungefähr 8–25 Prozent) oder über elektrische Öfen in Wärme (Verlust praktisch 0 Prozent) oder über chemische Verfahren in Bindungsenergie, die Atome und Moleküle zu neuen Kunststoffen verbindet, oder schließlich wieder in Gravitationsenergie, indem mittels einer elektrisch betriebenen Pumpe Wasser in ein höher gelegenes, also vom Erdmittelpunkt weiter entferntes Reservoir gepumpt wird, wo es als Träger potentieller Energie so lange arbeitsunfähig bleibt, bis der Hahn geöffnet wird, das Wasser wieder abwärts fließen und über Turbine und Generator erneut in elektrischen Strom verwandelt werden kann (Gesamtverlust bei dieser Transaktion etwa 25 Prozent). Wenn der Chemiker, Physiker und Philosoph Wilhelm Ostwald die Elektrizität als »Mädchen für alles« bezeichnete, dann hat dieses Beispiel wohl gezeigt, was er damit meinte.

Zwischen der Elektrizität und dem Geld besteht eine bemerkenswerte Verwandtschaft: Wie Geld Leistungen fast beliebig in andere verwandeln kann, so kann die Elektrizität fast jede Energieform in fast jede andere verwandeln. Und wenn ich darlegte, daß über Geld Shifts von großer evolutionärer Bedeutung möglich werden, so ist das bei der Transformation von einer Energieform in beliebige andere analog der Fall. Durch solche Energietransformationen kann es ebenfalls zu außerordentlich bedeutsamen Leistungs-

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steigerungen kommen. Dies ist, um ein beliebiges Beispiel zu geben, der Fall, wenn über eine durch Elektrizität betriebene Nachrichtenübermittlung über Radio oder Fernsehen eine weltweite Katastrophe verhindert werden kann.

Die größte Energiequelle auf unserem Planeten wäre, wie die moderne Physik aufzeigte, die Umwandlung von Masse in Energie. Die genaue Relation konnte Einstein in einer erstaunlich einfachen Formel bestimmen (Masse-Energie-Äquivalent). Sie lautet: E = m · c2 (Energie E ist gleich Masse m mal Quadrat der Lichtgeschwindigkeit c). Dies bedeutet, daß jedes Kilogramm beliebiger Materie, also 1 Kilogramm Heu, 1 Kilogramm Diamanten, 1 Kilogramm Sauerstoff oder 1 Kilogramm Fleisch, den gleichen potentiellen Energiewert – nämlich 9 · 1023 erg – repräsentiert. Das ist etwa das Hundertfache der Energiemenge, die bei der Explosion der über Hiroschima abgeworfenen Atombombe frei wurde. Der Mensch und die von ihm gebildeten Hyperzeller sind zur Zeit mit erheblichem Kosteneinsatz bemüht, auch diese Fremdkraft der Entfaltung der Hyperzeller und damit dem Leben untertan zu machen. Das kann durchaus dazu führen, daß die Lebensentfaltung sich am Ende selbst zerstört.

Die Wirtschaftsunternehmen

In der gesamten Evolution hat sich zunehmende Größe als Selektionsvorteil erwiesen. Größere Fische fressen kleinere; die Amöbe umfließt die weit kleineren Bakterien und verwandelt sie in Nahrung; größere Büffel verdrängen kleinere von der Wasserstelle oder bei der Brunst vom Weibchen; die kollektive Einheit der Piranhas oder des Wolfsrudels ist der Beute, die

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sie einkreist und von allen Seiten her gleichzeitig angreift, klar überlegen. Es widerspräche daher den Lebensgesetzen, wenn nicht auch bei den vom Menschen gebildeten Hyperzellern die Tendenz in Erscheinung getreten wäre, den Leistungskörper immer noch mehr zu vergrößern, ihm immer weitere Angestellte, Werkzeuge, Maschinen, Bauten und sonstige funktionserbringende Einheiten anzufügen, um so Konkurrenten überlegen zu werden, sie zu überrunden und selbst zu größeren Erträgen zu gelangen.

Hier sei nochmals daran erinnert, daß ich als Hyperzeller jeden Menschen bezeichne, der seinen somatischen Körper durch zusätzliche Organe in seiner Leistungskraft steigert, über Lernvorgänge entsprechende Steuerungen in seinem Gehirn aufbaut und so zu Erwerbstätigkeiten fähig wird, die sein Dasein sichern. Im Anfang der Entwicklung war es noch ausschließlich räuberische Tätigkeit gegenüber Tieren und Pflanzen, aber auch gegenüber anderen Menschen. Dann spezialisierten sich die Hyperzeller in den anwachsenden Verbänden darauf, für andere die benötigten zusätzlichen Organe herzustellen oder für sie Dienstleistungen zu verrichten. Als Gegenleistung erhielten sie dafür Geld, mit dem Nahrung sowie Produkte oder Dienstleistungen anderer erworben werden konnten. Bei dieser neuen Erwerbsform über einen doppelten Tauschvorgang wurde Nahrung und somit die für den Lebensvorgang unerläßliche Energie nicht direkt erworben, sondern über den Vermittler Geld. Dieses stellt keineswegs eine neue Erscheinungsform von Energie im physikalischen Sinne dar, sondern ist im Rahmen einer gut funktionierenden Wirtschaft eine Anweisung auf Leistungsergebnisse anderer, wozu auch die Bereitstellung von Nahrung gehört. Deshalb können Nahrungsmittel an einem Ort beträchtlich mehr kosten als an einem anderen. Ei-

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nen genauen Schlüssel für die Umrechnung zwischen Geld und Energie gibt es nicht. Wer sich in der Wüste verirrt hat und am Verhungern ist, dem kann eine 100-Dollar-Note nichts nutzen. Andererseits läßt sich Geld bekanntlich auf vielerlei Weise in Energiewerte verwandeln. Für Geld kann man nicht nur Nahrung als Antriebsmittel für den Körper kaufen, sondern auch Energieträger zum Antrieb von Maschinen. Vor allem aber können mit Geld eine Unzahl von Produkten erworben werden, die andere herstellen und verkaufen, also das Ergebnis spezialisierten Energieeinsatzes, ebenso Dienstleistungen, die gleichfalls nichts anderes als das Ergebnis differenzierten Energieeinsatzes sind.

Zwischen den Hyperzellern, die sich auf verschiedensten Bedarf (auf verschiedenste Absatzmärkte) ausrichten, und den Wirtschaftsunternehmen, die wir nach dem üblichen Sprachgebrauch weiterhin als Unternehmen bezeichnen wollen, gibt es keine klar zu definierende Grenze. Darauf wurde bereits hingewiesen. Der Unterschied zwischen den Hyperzellern und den Unternehmen ist in erster Linie dadurch gegeben, daß Unternehmen überindividuelle Organisationen sind, in denen so gut wie jede Einheit (auch der Eigentümer) ersetzbar wird. Sie entstehen durch kontinuierliches Wachstum, jedoch ebensooft dadurch, daß sich einige Hyperzeller (Geschäftsleute), die einen bestimmten günstigen Absatzmarkt erkannt haben, zusammentun, Geldgeber für das Projekt interessieren, die erforderlichen Grundstücke kaufen, die notwendigen Fabriken und sonstigen Produktionsmittel in Auftrag geben. Wie Aphrodite aus dem Schaum des Meeres erwächst dann in verhältnismäßig kurzer Zeit ein neues industrielles Unternehmen, ein neues Lebensindividuum, das gleichsam über Nacht mit allen seinen Kräften in das Wirtschaftsgeschehen eingreift.

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Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß die für alle Lebewesen maßgebende Grundleistung Fortpflanzung, die sämtliche Vielzeller mit beträchtlichen Auflagen belastet, bei den Hyperzellern nicht selbst wahrgenommen werden muß, weil sie nicht mehr vom Erbgut her gezwungen sind, sich artgleich fortzupflanzen. Wenn eine entsprechende Nachfrage gegeben ist, bilden sich neue Artgenossen ganz von selbst, und zwar von neu erwachsenden Konkurrenten finanziert. Das mag auf den ersten Blick grotesk erscheinen, ist aber die Realität und verträgt sich auch mit der Tatsache, daß sich Artgenossen seit eh und je als die ärgsten Nahrungsrivalen erweisen, weil sie auf die Erschließung der gleichen Energie- und Stoffquellen ausgerichtet sind. Deshalb ist es eher ein Kuriosum, daß bei den Einzellern und den Vielzellern jeder Artgenosse genetisch gezwungen ist, die Erträge seiner Tätigkeit dafür einzusetzen, sich selbst neue Konkurrenten zu schaffen. Diese Hypothek mußte die Lebensentfaltung eben über lange Strecken hinweg auf sich nehmen. Für uns erscheint es selbstverständlich, daß jeder Frosch immer nur wieder spiegelbildlich ähnliche Frösche hervorbringen kann und jede Tanne nur immer weitere Tannen. Erst bei den Hyperzellern, aufgrund der geistigen Vorzüge von Homo Proteus und der von ihm gebildeten zusätzlichen Organe, wurde die erzwungenermaßen artgleiche Vermehrung plötzlich überwunden. Der Mensch kann sich, je nach seinen Möglichkeiten und seiner Einschätzung der gerade günstigen Erwerbsaussichten, auf höchst unterschiedliche Formen des Gelderwerbs (Energieerwerbs) ausrichten. Genau das gleiche gilt für jedes Unternehmen. Keines ist, zumindest in der freien Wirtschaft, dazu gezwungen, mit Mühe und Eifer gewonnene Überschüsse in die Gründung weiterer Unternehmen zu investieren, deren Produkte oder Dien-

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ste nicht gefragt sind und deshalb keine Gewinne abwerfen können. Die Unternehmen können deshalb auf sehr verschiedene Weise zustande kommen; jedenfalls belasten sie durch die Art ihrer Entstehung die Lebensentfaltung weit weniger, als dies durch die Verschwendung erarbeiteter Erträge in Bereichen geschähe, in denen sie keinerlei Chance haben.

Aufgrund ihrer Größe haben die Unternehmen den Hyperzellern gegenüber oft, jedoch nicht immer wesentliche Vorteile. Alle an den beträchtlichen Investitionen ihrer Gründung Beteiligten sind persönlich daran interessiert, daß ihr Einsatz auch Rendite erbringt. Das bedeutet, daß Unternehmen meistens ein weit stärkeres Machtvolumen darstellen als einzelne Hyperzeller. Dank einem größeren Maschinenpark können sie durch Massenproduktion zu günstigeren Preisbedingungen ihre Waren oder Dienste liefern als kleinere Produzenten, die über weniger Umsatz ihre Kosten abdecken müssen. Vor allem aber können große Unternehmen Produkte erzeugen, deren Herstellung selbst erfolgreichen Hyperzellern nicht möglich wäre, etwa Autos, Flugzeuge, Großbauten, Raumforschungstechnologien, und sonstige aufwendige Projekte verwirklichen.

Während Hyperzeller immer noch mehr oder minder deutliche funktionelle Erweiterungen von Einzelmenschen sind, die bloß durch zusätzliche Organe ihre Leistungskörper steigern, stellen Großunternehmen bereits Lebensgefüge höherer Integrationsstufe dar. Es sind Organismen höherer Ordnung und Machtentfaltung, denen wir lediglich wegen ihrer völlig anderen materiellen Beschaffenheit gefühlsmäßig die Verwandtschaft mit Einzellern und Vielzellern nicht zuerkennen wollen. Wenn wir jedoch anerkennen, daß sämtliche Lebewesen nicht durch ihr äußeres Erscheinungsbild charakterisiert sind, sondern durch

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die Leistungen, die sie erbringen, werden wir zu einem rigorosen Umdenken gezwungen. Was sich letztlich als Lebewesen qualifiziert, darüber entscheidet die natürliche Auslese. Durch die Wirksamkeit des Menschen und seiner Hyperzeller kamen zu den Faktoren, die das Auslesevotum bestimmen, zahlreiche weitere hinzu, zum Beispiel die Gesetzgebung in den einzelnen Ländern, die Situation am Arbeitsmarkt, die verfügbaren Verkehrsmittel und die Stabilität der Währungen. Aber die bisherigen Kriterien verloren darüber nichts von ihrer Bedeutung.

Jedes Unternehmen muß ebenso positive Energiebilanzen erwirtschaften wie ein beliebiges Tier und eine beliebige Pflanze. Gelingt ihm das nicht, dann mögen, um Arbeitsplätze zu sichern, Staaten und Großbanken für einige Zeit aushelfen; bleibt die für Energie- und Stofferwerb und alle sonst notwendigen Leistungsfähigkeiten maßgebende Geldbilanz jedoch in den roten Zahlen, geht das Unternehmen genauso rettungslos zugrunde wie jede Pflanze und jeder Maikäfer, die das für alle Lebewesen gültige Plansoll nicht erfüllen können. Kann ein Unternehmen, aus welchen Gründen auch immer, sich gegen Feinde, ungünstige Umweltbedingungen und Konkurrenten nicht durchsetzen, teilt es unweigerlich das Los jedes Regenwurms, der ähnliches nicht vermag. Und wenn wir ins Innere dieser so völlig verschieden anmutenden Lebenskörper schauen, bietet sich uns genau dasselbe Bild.

Ob Regenwurm, ob Volkswagenwerk: Die Teile, aus denen ihre Leistungskörper bestehen, müssen irgendwie aneinander gebunden sein. Der Regenwurm erscheint uns als solide Einheit, doch wenn wir ihn genauer untersuchen, stellen wir fest, daß für die Bindung jeder seiner Zellen an die übrigen kostspielige spezialisierte Einheiten, die Tonofibrillen in den

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Zellmembranen, erforderlich sind sowie weitere die Organe und die Gewebe aneinander fesselnde Einheiten, etwa Häute, Bänder und Muskeln. Beim Volkswagenwerk sind Arbeiter und Angestellte durch Lohnabsprachen und Verträge an das Unternehmen gebunden, Maschinen und Einrichtungen durch Eigentumsrechte, die der Staat wahrnimmt, was über Steuern bezahlt werden muß. Auch hier führen sehr verschiedene »Wege nach Rom«. Doch für die natürliche Auslese oder, nach Spencer, für das »Überleben des Bestgeeigneten« zählt nur das konkrete Ergebnis, wie es auch immer zustande gekommen oder beschaffen sein mag.

Betrachten wir eine weitere benötigte Leistung im inneren Gefüge des Unternehmens »Volkswagenwerk« und des Vielzellers »Regenwurm«. Hier wie dort kommt es entscheidend darauf an, daß Abläufe koordiniert werden. Zugegeben: Sie sind beim Regenwurm weniger komplex. Wenn er sich im Erdreich fortbewegen will, müssen aber trotzdem seine Muskelzellen in ordnungsgemäßer Abfolge ihre Leistung verrichten, und seine wenn auch noch so primitiven Sinnesorgane müssen ihre Meldungen an die für die Steuerung zuständigen Nervenzentren weitergeben und von diesen richtig verstanden werden. Beim Volkswagenwerk geht es darum, die Tätigkeit Tausender von Mitarbeitern und Maschinen zu überwachen und ihre Leistungen zu koordinieren. Tausende von Tätigkeiten werden hier völlig bedeutungslos, ja stören einander, wenn sie nicht am rechten Ort erfolgen und zur genau richtigen Zeit.

Vielleicht genügt hier ein drittes Beispiel, um das unmöglich Scheinende zu schaffen: nämlich unser Gehirn entgegen allen seinen Erfahrungen dazu zu zwingen, das Volkswagenwerk und den Regenwurm als vergleichbare Einheiten zu erkennen. Bei jedem

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Lebensindividuum ist es außerordentlich wichtig, daß die Organe, die es umfaßt, nicht zu groß und nicht zu klein sind, sondern den Anforderungen des übergeordneten Ganzen, dem sie dienen, entsprechen. Das Volkswagenwerk besteht aus Zehntausenden von funktionserbringenden Einheiten (Organen), ob das nun Hyperzeller, Maschinen oder Fließbänder sind. Es könnte im Konkurrenzkampf mit anderen Autoherstellern kaum bestehen, wenn etwa wichtige Teile dreimal zu groß oder dreimal zu klein dimensioniert wären. Dies würde einerseits zu überflüssigen Sonderausgaben und andererseits zu Schwachstellen führen, welche die Konkurrenzfähigkeit entscheidend beeinträchtigten. Das aber besagt nicht mehr und nicht weniger, als daß bei jedem Lebewesen die Teile, die seine Gesamtleistung erbringen, aufeinander abgestimmt sein müssen. Was sinnlose Mehrausgaben oder prekäre Schwachstellen verursacht, ist in der Praxis des Lebens wichtiger als sämtliche Unterschiede zwischen Volkswagenwerk und Regenwurm, die unsere Sinneseindrücke uns vermitteln.

Weitere Beispiele für funktionelle Übereinstimmungen zwischen Volkswagenwerk und Regenwurm – zwischen sämtlichen Unternehmen und sämtlichen Vielzellern – lassen sich in beliebiger Anzahl anführen. Jedes Organ, hier wie dort, muß gewartet, überprüft, nötigenfalls ausgebessert oder erneuert werden. Jedes muß mit der benötigten Energie versorgt werden. Jedes muß von auftretenden Abfällen entsorgt werden. Jedes, das seine Leistung nicht erbringt, kann die Gesamtheit der übrigen in ihren Leistungen beeinträchtigen. Hier wie dort sind funktionslose Einheiten (wie auch immer es zu solchen kommt) eine Behinderung, ein Nachteil. Sie nehmen Platz weg, verursachen Umwege, bedingen zusätzliche Kosten und können Störungen verursachen. Hier sind Un-

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ternehmen den Vielzellern gegenüber im Vorteil: Sie können sich funktionsloser oder funktionsschwacher Einheiten wesentlich einfacher entledigen. Wenn diese für andere einen Wert haben, kann man sie sogar verkaufen, wenn nicht, zumindest aus dem Betrieb entfernen. Bei den Vielzellern dauert es hingegen oft viele Millionen Jahre, bis sie zurückgebildet sind. Hier wie dort gleicht das Verhältnis jedes Organs zu der von ihm zu erfüllenden Aufgabe jenem eines Schlüssels zu dem zu öffnenden Schloß. Die Zinken des Schlüssels repräsentieren das erforderliche Leistungsprofil. Je besser die Passung ist, um so höher ist die Effizienz der Leistung. Hier wie dort steuert somit das Schloß (die zu erfüllende Aufgabe) die für geeignete Schlüssel und ihre Zinken (Leistungsprofil) notwendige Gestalt. Je mehr man sich mit den funktionellen Erfordernissen der den Lebenskörpern und ihren Organen zugrunde liegenden Funktionen und ihren Wechselwirkungen befaßt, um so deutlicher wird die Übereinstimmung. Diese gilt nicht nur für Unternehmen und Vielzeller (Beispiel Volkswagenwerk und Regenwurm), sondern ebenso für sämtliche Einzeller und Hyperzeller. Sie gilt faktisch für alle den Lebensprozeß fortsetzenden raumzeitlichen Strukturbildungen.

Nach meiner Theorie lassen sich somit vier große Gruppen von Gefügen unterscheiden, über die sich die Lebensentwicklung fortsetzt und zwischen denen es viele Übergänge und Zwischenstufen gibt.

Erstens: die Einzeller, die sämtliche Vorstadien dieser Entwicklungsfolge umfassen und schließlich zu der hochdifferenzierten, äußerst leistungsfähigen Einheit »Zelle« geführt haben. In mannigfachen Arten den verschiedensten Lebensmöglichkeiten angepaßt, breiten sie sich überall in den Meeren und den sonstigen Gewässern aus.

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Zweitens: die Vielzeller. Bei ihnen wurde die hochorganisierte, bis dahin die Meere beherrschende Zelle zur Baueinheit noch größerer Lebensindividuen. Diesen gelang es vor etwa 400 Millionen Jahren, in immer effizienteren Arten auch die Landgebiete zu erobern. Der Mensch ging aus ihrem Kreis hervor.

Drittens: die Hyperzeller. Sie nahmen alle ihren Ausgang vom Menschen, dessen geistige Fähigkeiten sich besonders entwickelten. Schon andere Lebewesen hatten von ihrem Körper getrennte Organe gebildet; er aber bildete sie bewußt und zielgerichtet, vermochte so seine Leistungsfähigkeit immens zu steigern. Jeder Hyperzeller hat zum Zentrum einen Menschen, der durch Anfügung künstlich gebildeter Organe immer größere, leistungsfähigere Arten von Hyperzellern zu schaffen vermag.

Viertens: die Erwerbsorganisationen. Sie setzen sich aus zahlreichen Hyperzellern zusammen, vermögen neue Energiequellen zu erschließen und entwickeln eine Eigendynamik, um zu immer größerer Macht und Leistungsvielfalt zu gelangen. Durch Abfälle, die sie verursachen, und sonstige Auswirkungen gefährden sie heute die gesamte übrige Lebensentwicklung, auch sich selbst.

Bei jedem dieser Übergänge wurden selbständige Lebensindividuen zu Organen von noch größeren Lebenseinheiten. Daß sich daraus auch beträchtliche Interessenkonflikte ergeben müssen, liegt auf der Hand.

Der Staat

Während die Unternehmen in ihrer Ausrichtung auf Erwerb, Wachstum, Vermehrung, Konkurrenzkampf und Leistungssteigerung die Entwicklung der Einzeller, der Vielzeller und der Hyperzeller unmittelbar

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fortsetzen, sind die Staaten ein sehr vielschichtiges Phänomen. Wenn der Rechtsphilosoph Hans Kelsen in seiner Allgemeinen Staatslehre (1925) hervorhob, daß sich schon »bei oberflächlicher Sichtung des wissenschaftlichen Sprachgebrauches« mehr als ein Dutzend höchst verschiedener Bedeutungen des Wortes »Staat« feststellen lassen, dann glaube ich aus der Sicht meiner Theorie zumindest Hinweise geben zu können, wo hier der gordische Knoten der Begriffsbildung liegt und wie er sich entwirren läßt.

Um dies zu erreichen, gehen wir nicht von der historischen Entwicklung aus. Ich stelle vielmehr an den Anfang dieser Darlegung die Behauptung, daß zwischen dem zentralen Gefüge aller erfolgreichen Staatsbildungen, so verschieden sie auch im einzelnen beschaffen sein mögen, und der Bildung zusätzlicher Organe durch den Menschen notwendigerweise eine klar überschaubare, kausale Relation besteht. Dies mag den Eindruck einer kühnen, ja oberflächlichen Betrachtungsweise erwecken, läßt sich aber aus evolutionärer Sicht ohne besondere Schwierigkeit beweisen.

Der Vorteil aller zusätzlichen Organe ist: Sie sind ablegbar, austauschbar, müssen nicht vom Blutstrom ernährt und nicht selbst gebildet werden. Bei ihnen ist es auch möglich, daß Gemeinschaftsorgane entstehen, die von zahlreichen Hyperzellern hergestellt und dann anteilig oder abwechselnd für den eigenen Bedarf verwendet werden. Bei Homo Proteus und allen seinen Nachkommen ermöglichten die zusätzlichen Organe eine bis dahin nie realisierbare Ausrichtung auf vielseitige Spezialisierung. Sie leiteten so die Entfaltung der Hyperzeller ein, die in der Folge ständig neue Lebensmöglichkeiten wahrnehmen konnten und bis zum heutigen Tag immer wieder neue Arten bilden. Ferner führten sie zur Erfindung des Tausch-

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vermittlers »Geld«, durch den sich Hyperzeller und Erwerbsorganisationen immer neue Leistungen angliedern können. So wurde es unter anderem möglich, neue Energiequellen zu erschließen und Umweltkräfte dazu einzusetzen, zusätzliche Organe direkt zu betreiben. Das war wiederum die Voraussetzung für die Entstehung immer größerer Betriebe und Unternehmen, was in einer schrankenlosen Entfaltung industrieller Produktion gipfelte.

Diesen bedeutenden Vorteilen der vom Menschen zielgerichtet gebildeten zusätzlichen Organe, denen ich später eine beträchtliche Anzahl weiterer Vorteile hinzufügen werde, standen aber auch bedeutende Nachteile gegenüber. Einer wirkte sich besonders gravierend aus: Mit dem Körper nicht fest verbundene Organe sind leichter entwendbar. Das führt zu dem akuten Problem, wie sie wirksam gegen Diebstahl oder Raub geschützt werden können. So, wie sie sind, können sie eben auch von anderen Menschen, von anderen Hyperzellern und Unternehmen zur Steigerung ihrer eigenen Leistungskörper verwendet werden.

Innerhalb der Lebensentwicklung war dies ein Novum. Tiere können zwar andere fressen, sind dann aber nicht imstande, deren aus Zellen bestehende Organe selbst einzusetzen. Wenn etwa eine Eidechse eine Libelle frißt, kann sie mit deren Flügeln keineswegs fliegen. Tiere vermögen erbeutete organische Substanz bloß in deren kleinste Teile zu zerlegen, darin enthaltene Energie und benötigte Stoffe zu gewinnen und damit neues, eigenes Gewebe aufzubauen. Bei diesem Vorgang gehen jedoch durchschnittlich 90 Prozent des vereinnahmten Werts verloren. Außerdem kann jedes Tier nur solche Organe bilden, deren Aufbau ihm die Steuerungen seines Erbguts gestatten. Stiehlt dagegen ein Mensch einem anderen

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ein Werkzeug, kann er es unmittelbar selbst verwenden, ohne daß es auch nur das geringste von seinem Wert einbüßt. Raubt ein Mensch einem anderen sein Fahrrad, ohne je zuvor auf einem solchen gefahren zu sein, kann er sich in dieser Kunst unterweisen lassen und lernen, es selbst zu gebrauchen. Er ist dann also, um das vorgenannte Beispiel zu übertragen, eine Eidechse, die mit den Flügeln der gefressenen Libelle zu fliegen vermag. Das aber bedeutet in weiterer Konsequenz, daß von den zusätzlichen Organen des Menschen eine starke, naturgegebene Lockwirkung ausgeht, sie anderen zu entwenden. Schon seit Beginn der Entwicklung der Hyperzeller fielen deren Verbände über andere her, um ihnen Waffen, Werkzeuge und sonstige zusätzliche Organe zu rauben. Wohl raubten sie ihnen auch Nahrung und machten sie zu Sklaven, steigerten also dadurch auch ihre Leistungskörper. Später, bei den Raubkriegen zwischen Staaten, ging es insbesondere um Grund und Boden, also um den Gewinn von Lebensraum und Naturschätzen. Doch ein entscheidender Anreiz bei all solcher Raubtätigkeit blieben die zusätzlichen Organe – und ganz besonders Geld und Wertobjekte, mit denen sich solche leicht erwerben ließen. Aber auch innerhalb der Verbände, der Siedlungen, der Völker mußten sich die Hyperzeller gegen die Raubgelüste anderer Hyperzeller schützen. Wie also war der Schutz dieser wichtigen Einheiten möglich?

Waffen und sonstige Wertobjekte können versteckt oder vergraben werden. Solche Verstecke werden jedoch nicht selten entdeckt und geplündert. Es besteht auch die Möglichkeit, zusätzliche Organe in Gebäuden, absperrbaren Räumen und Behältern einzuschließen. Aber sehr oft gelangten Räuber trotzdem an ihr Ziel. Worauf ich hinauswill, ist die Feststellung, daß die vom Menschen zielgerichtet gebildeten zu-

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sätzlichen Organe einerseits eine neue Ära der Lebensentwicklung und der Machtsteigerung einleiteten und die Erzielung von Fortschritten enorm beschleunigten, andererseits mit der schwerwiegenden Hypothek eines wirksamen Schutzes belastet waren. Ihre Vorzüge konnten nur dann zum Tragen kommen, wenn ein Weg gefunden wurde, sie trotz ihres körperlichen Getrenntseins vor Raub zu schützen. Für diese besondere Problematik, so behaupte ich, gab es nur eine Lösung, führte ausnahmsweise nur ein einziger Weg wirklich »nach Rom«. Lediglich innerhalb organisierter Verbände ist ein solcher Schutz möglich: durch Bildung umfangreicher Gemeinschaftsorgane, die räuberische Tätigkeit verhindern.

Man kann hier einwenden, daß Staaten viele weitere Aufgaben erfüllen. Darauf kommen wir noch zurück. Zunächst behaupte ich bloß, daß zwischen den vom Menschen gebildeten zusätzlichen Organen und jenen Einheiten des Staates, die zum Schutz ebendieser Organe dienen, ein unmittelbarer und zwingender Zusammenhang besteht, ja daß die gesamte Entfaltung der Hyperzeller ohne diese besondere Einrichtung nie hätte erfolgen können. Das eine war ohne das andere einfach nicht realisierbar. Ohne staatlichen Schutz konnte die durch zusätzliche Organe mögliche Entfaltung faktisch nicht stattfinden.

Es ist sicher nicht ganz einfach, einen Vorgang, der in grauer Urzeit einsetzte – eben die Bildung zusätzlicher Organe durch den Menschen –, mit der Realität der heutigen Staaten kausal zu verknüpfen. Trotzdem vertrete ich die Ansicht, daß jedes dem Menschen und seinen Organisationen dienliche Gerät außer den Kosten seiner Herstellung auch einen entsprechenden Anteil jener Kosten verursacht, welche die für deren Schutz notwendigen Gemeinschaftsorgane verschlingen. Denn ohne Schutzmaßnahmen wäre es

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weder möglich, die Geräte anzufertigen, noch wäre es möglich, sie zu nutzen.

Aus welchen Hauptbestandteilen sich dieses erforderliche Gemeinschaftsorgan zur Abwehr räuberischer Interessen zusammensetzt, ist jedermann bekannt; es braucht bloß skizziert zu werden. Zum Schutz gegen andere Verbände (Länder) ist die gesamte Landesverteidigung nötig (also Befestigungen, Streitmacht, Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe, Raketen). Der Schutz innerhalb des Staatsgebiets erfordert eine entsprechende Gesetzgebung, sodann Polizei sowie Gerichte und Gefängnisse. Diese weiteren Bereiche der staatlichen Grundfunktionen werden unter den Begriffen Legislative, Exekutive und Judikative zusammengefaßt. Sowohl die Schutzmacht gegenüber anderen Staaten als auch jene im inneren Gefüge zur Sicherung von Leben und Eigentum – also der natürlichen und der zusätzlichen Organe der Hyperzeller (Bürger) und ihrer Organisationen – müssen in der einen oder anderen Form, meistens im Wege der Besteuerung, von den Teilnehmern des Verbandes finanziert werden. Das bedeutet eine weitere Organisation, einen weiteren beträchtlichen Aufwand. Und nicht zuletzt erfordert dieses dem Schutz dienende Riesenorgan wie jedes Organ eine Steuerung.

Hier aber liegt die Schwachstelle des gesamten Systems. Denn besonders beim Schutz nach außen sind, wenn das Organ erfolgreich sein soll, schnelle Entscheidungen und entsprechende Befugnisse von höchster Wichtigkeit. Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, stoßen wir auf beliebig viele Beispiele dafür, wie die oberste Militärleitung nicht selten ihre Kompetenz dazu benutzte, dieses ganze Gemeinschaftsorgan zum Bestandteil ihres persönlichen Leistungskörpers zu machen. Die Streitmacht ist in der Regel durch Eid zu Gehorsam verpflichtet. Bei günstigen Umstän-

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den kann die Verbandsstruktur (Verfassung) in wenigen Stunden oder Tagen vollkommen verwandelt werden. Es entsteht eine absolute Monarchie oder eine Diktatur, die unter Umständen von einiger Dauer sein kann. An der inneren Organisation braucht sich dabei nicht viel zu ändern. Gegner des Vorgangs müssen unschädlich gemacht und einige Korrekturen an den Gesetzen vorgenommen werden. Doch – und damit komme ich zum wesentlichen Punkt – der Schutz nach außen und der im Inneren bleiben gleichermaßen notwendig, ebenso die weitere Finanzierung. Der Usurpator kann wichtige Posten an Freunde, Familienmitglieder und Fachleute, die sich für gute Bezahlung zur Verfügung stellen, übertragen. Der Polizeiapparat wird durch zusätzliche Einheiten erweitert, denen der Schutz des neuen Herrschers und seiner Anordnungen obliegt. Der Machthaber kann konfiszieren, was ihm beliebt, und hat weitere Vorteile in erheblichem Umfang. Überspannt er den Bogen nicht allzusehr oder erweist er sich gar als geschickter Herrscher, dann ist es sogar möglich, daß das Volk (die Gesamtheit der Hyperzeller dieser Gemeinschaft und ihre Organisationen) nach einiger Aufregung den Wechsel begrüßt.

Uns interessiert hier jedoch der theoretische, evolutionäre Aspekt. Ein riesiges Gemeinschaftsorgan wechselt wegen einer schwer zu vermeidenden Schwachstelle seinen Besitzer. Ein beträchtlicher individueller Shift im Sinne einer plötzlichen Leistungssteigerung bei einem Lebensindividuum findet statt. Ein Verband mit einem großen Gemeinschaftsorgan des Schutzes wird über Nacht in ein Großunternehmen verwandelt, bei dem im Extremfall sämtliche »Aktien« in einer Hand sind.

Ein Staatsgebilde, das faktisch nur aus einem Verband von Hyperzellern, einem klar umgrenzten Ver-

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bandsgebiet (Staatsgebiet) und einem großen Gemeinschaftsorgan des Schutzes besteht, gilt als extrem liberaler Staat (der französische Astronom Pierre-Simon de Laplace bezeichnete ihn als »Nachtwächterstaat«). Ob es einen solchen je in reiner Form gegeben hat, ist hier von untergeordneter Bedeutung. Wesentlich ist für unsere Betrachtung allein, daß er die Minimalgröße des Gemeinschaftsorgans definiert, das notwendig ist, um alle Hyperzeller eines Verbandes, also sämtliche Menschen und ihre zusätzlichen Organe, gegen räuberische Aktionen zu schützen.

In der Praxis übernimmt dieses minimale Staatsgebilde beinah automatisch weitere Aufgaben, welche die Gemeinschaft für notwendig und wünschenswert hält. Beispiele dafür sind der Straßen- und Brückenbau, die Erstellung von Wasserleitungen und Kanalisationen, öffentliche Verkehrsmittel, das Postwesen, die Elektrizitätsversorgung, die Erarbeitung eines Zivilrechts, die Errichtung von Schulen, die Schaffung einer Nationalbank, die mit der Ausgabe des Geldes und der Konstanthaltung seines Wertes betraut ist, der Bau öffentlicher Bibliotheken. Auch Auslandsvertretungen werden nötig. Die sich ergebenden Mehrkosten erfordern ein größeres Finanzministerium. Je nach Einstellung der Gesellschaft kommen noch Sozialeinrichtungen hinzu, etwa Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Arbeitslosen- und Rentenkasse, ferner staatliche Unternehmen, Handelsförderung, Katastrophenhilfe und anderes mehr. So entstehen Staatswesen mit einer mehr oder weniger umfangreichen Beamtenschaft. Wird der Staat demokratisch geführt, dann wird er mehr und mehr zu einem Organismus höherer Ordnung, der im Gemeinschaftsinteresse Wirtschaftswachstum, Fortschritt, Gerechtigkeit, Frieden und eine positive Staatsbilanz anstrebt. Es entsteht ein großer, unabhängiger Lebenskörper, den in

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der Staatstheorie Georg Jellinek als »vollendeten Staat« (1914) und Herbert Krüger als »modernen Staat« (1964) bezeichnet haben. Für unsere Betrachtung ist wesentlich, daß auch diese Staatsform ohne die Gemeinschaftsorgane des Schutzes nach außen und im Inneren nicht auskommt. Der damit einhergehende Aufwand läßt sich aus dem Gesamtbudget nicht mehr leicht herauslösen; andererseits ist, um es zu wiederholen, die gesamte Entwicklung der Hyperzeller und ihrer Organisationen, im besonderen der Unternehmen, ohne derartige Schutzvorkehrungen faktisch nicht möglich.

Ich glaube, es erübrigt sich, auf Details einzugehen. Im Lauf der Geschichte ist so gut wie jede erdenkliche Staatsform versucht worden, sind die jeweiligen Vor- und Nachteile zutage getreten; eine allgemein anerkannt beste hat sich bisher nicht gefunden. In Zeiten politischer, wirtschaftlicher und sozialer Schwierigkeiten haben sich straffere Regierungsformen, in ruhiger Zeit weniger autoritär geführte bewährt. Wirtschaftlich betrachtet, ist die staatliche Organisation ein Monopolbetrieb, dem die dafür charakteristischen Mängel anhaften. Wenn Konkurrenz fehlt und die Beamten gar lebenslang gesichert sind, vermindert dies die Initiative, ausgenommen bei jenen, die Führungsstellen anstreben. Es entsteht zwangsläufig eine Bürokratie, die dadurch gekennzeichnet ist, daß ihre Mitglieder mit möglichst wenig Mühe die geforderten Pflichten besorgen, Probleme vortäuschen und tunlichst jedes Risiko vermeiden, das die weitgehend festgelegte und gesicherte Lebenslaufbahn gefährden könnte. Eine weitere Problematik ergibt sich daraus, daß das Riesenorgan (oder Riesenunternehmen) Staat für manche Wirtschaftsbereiche der größte Auftraggeber ist und die Vergabe großer Aufträge automatisch Bestechung nach sich zieht. Wird der Staat

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von Parteien gelenkt, die gegeneinander um die Führungsstellung kämpfen, verhalten sich diese wie Wirtschaftsunternehmen und sind, auch wenn das Gegenteil erklärt wird, mehr auf den Geldbeutel als auf das Staatsinteresse bedacht. Die kurzen Legislaturperioden zwischen den Wahlen wirken sich hier überdies negativ auf die Verwirklichung notwendiger langfristiger und unpopulärer Projekte aus. Beherrschen führende Klassen den Staatsapparat, wie es über lange Strecken hinweg in der Feudalzeit der Fall war, dann wird das geduldige Gemeinschaftsorgan, wie Karl Marx zu Recht sagte, zu einem »Werkzeug, um Privilegien zu schützen«. In neuerer Zeit besteht bei größeren Staaten, wie John Kenneth Galbraith anschaulich darlegte, die Tendenz, daß Großunternehmen mit Staatsstellen Symbiosen eingehen, vor allem mit den für Rüstung und Weltraumerschließung zuständigen. Wie schon gesagt, kann jede Staatsform plötzlich in jede andere übergehen: durch Revolution, Staatsstreich, legale Machtübernahme oder als Ergebnis kriegerischer Auseinandersetzungen mit anderen Ländern.

Schon seit dem Altertum befassen sich Philosophen und Denker verschiedener Schulen und Fachrichtungen mit dem Phänomen des Staates. Nicht selten haben sie diesen mit Organismen verglichen. Platon nannte ihn »einen Menschen im Großen«, für Aristoteles war er »ein beseeltes Lebewesen«. Der englische Philosoph Thomas Hobbes sah in der Furcht den Ausgangspunkt der menschlichen Staatsbildung und bezeichnete den Staat als »ein alles verschlingendes Ungeheuer«. Johann Gottlieb Fichte erkannte in ihm die »organische Erscheinungsform Gottes«. Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling erklärte, der Staat sei nicht ein Mittel für bestimmte Zwecke, sondern die »Konstruktion des absoluten Organismus«. 1877 cha-

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rakterisierte Ernst Kapp in seinen Grundlinien einer Philosophie der Technik den Staat als »einen sich dem Menschenleib nachbildenden Organismus«. Ab 1890 setzte sich der bedeutende Zoologe Oskar Hertwig eingehend mit dem Phänomen des Staates auseinander und nannte diesen »eine dem Menschen übergeordnete, höhere Form von Organismus«. 1924 ging der schwedische Historiker und Staatstheoretiker Rudolf Kjellén so weit, den Lebensformen Pflanze, Tier und Mensch die Lebensform Staat zur Seite zu stellen. Er umschrieb den Staat als »eine wirkliche Persönlichkeit mit eigenem Leben«, als »einen Organismus im biologischen Sinne«.

Aus der Sicht meiner Theorie sind manche Staatsformen in der Tat mit den Lebewesen unmittelbar zu vergleichen, stellen sie doch, wie im Fall von Diktaturen und absoluten Monarchien, extrem erweiterte Leistungskörper einzelner Hyperzeller dar oder ähneln, wie im Fall von Raubstaaten, theokratischen oder ideologisch gelenkten, zentralverwaltungswirtschaftlichen Staaten, den großen Wirtschaftsunternehmen. Wesentlich ist indes, daß alle Staaten notwendigerweise ein gemeinsames zentrales Gefüge haben, das sich als Folgeerscheinung der vom Menschen gebildeten zusätzlichen Organe erklärt. Dieses zentrale Gefüge ist ein großes Gemeinschaftsorgan des Schutzes, ohne das die dritte und die vierte Ära der Lebensentfaltung nicht möglich gewesen wären. Für Hyperzeller und Unternehmen stellt es zusätzlich eine beträchtliche Energiequelle dar, die in mannigfacher Weise ausgebeutet wird. Wenn Engels meinte: »Der Staat wird nicht abgeschafft, er stirbt ab«, dann ist dies aus evolutionärer Sicht in höchstem Maße unwahrscheinlich. Ohne die großen Gemeinschaftsorgane des Schutzes wäre die mit dem Menschen einsetzende technische Leistungssteigerung des Lebens

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nicht möglich gewesen. Sollte es eines Tages zu einer Weltregierung kommen – was wegen der Umweltproblematik durchaus denkbar geworden ist –, würde die Schutzfunktion nach außen weitgehend entfallen, doch jene im Inneren gelangte dann zu noch größerer Bedeutung.
 
 

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