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Anmerkungen



1. H. Hass: "Energon. Das verborgene Gemeinsame" (Molden, Wien 1970). Das Buch ist vergriffen und wurde geringfügig überarbeitet in den "Naturphilosophische Schriften". Bd. 2 und 3 (Universitas, München 1987) neu aufgelegt. - Eine Formulierung der Energontheorie in Lehrsätzen veröffentlichte ich mit H. Lange-Prollius 1978. Mathematische Formulierungen von Teilaspekten erarbeitete E. Siegl 1985.

2. Einen Überblick über meine Tauchtätigkeit als Meeresbiologe gibt mein Buch "Abenteuer unter Wasser. Meine Erlebnisse und Forschungen im Meer" (Herbig, München 1986). Alle früheren Bücher über meine Tauchexpeditionen (13 Titel) sind vergriffen. Gemeinsam mit I. Eibl-Eibesfeldt verfaßte ich über das Verhalten der Haie: "Der Hai - Legende eines Mörders" (Bertelsmann, München 1977). Es ist vergriffen und wurde, überarbeitet und erweitert, unter dem Titel "Wie Haie wirklich sind" neu aufgelegt (DTV, München 1986).

3. Wertvolle Anregungen erhielt ich bei Diskussionen nach Vorträgen und während Seminaren: für die Betriebsleitung von Nestlé und ihre wichtigsten Kunden; für die Kunden der Nixdorf Computer AG in den Bereichen Handel, Versicherungswesen und Kreditinstitute; für die Manager und Techniker der AlfredTewes GmbH in Frankfurt; für Leiter mittelständischer Betriebe bei Heinz-Gernot Nieter in Freudenstadt; für die Alfred Kärcher GmbH in Winnenden;

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für die Programmierer von IBM in Wien; für die Wirtschaftsjunioren in Freiburg; für die Kunden von Peat Marwick & Mitchell in Frankfurt, für EKS-Anhänger in Kronberg, Wien und Linz, für die Teilnehmer am Deutschen Manager-Kongreß und am Deutschen Sekretärinnen-Kongreß in Frankfurt, für den Freiheitlichen Akademikerverband in Wien, sowie für weitere Studentenvereinigungen, Clubs und fachwissenschaftliche Gremien. Wesentliche Einblicke und Impulse vermittelte mir auch meine Beratungstätigkeit bei der Europäischen Bildungsgemeinschaft in Stuttgart.

4. Auch Masse ist eine Erscheinungsform von Energie. Nach dem Masse-Energie-Aequivalent von Einstein (M = E/C2) stellt jedes Gramm beliebiger Materie (Eisen, Stroh, Zellsubstanz, Sauerstoff etc.) einen Energiewert von 9 . 1016 Joule dar. 1932 gelang es C. D. Anderson erstmals Masse total in Energie zu zerstrahlen, und 1933 konnten P. M. Blackett und G. P. Occhialini erstmals Strahlungsenergie in Masse verwandeln. Nach dem heutigen Weltbild der modernen Physik gibt es im Universum nichts Bekanntes, wissenschaftlich Nachweisbares, das nicht eine Erscheinungsform von Energie wäre.

5. Eine besonders wichtige Rolle spielt im gesamten Lebensgeschehen der Informationstransfer. Beim Vorgang der Reduplikation - der Fortpflanzung - müssen entsprechende Befehle den Aufbau weiterer, artgleicher Strukturen (Protobionten, Lebewesen) bewirken. Ebenso sind für alle zielführenden Bewegungsvorgänge Befehle an ausführende Organe notwendig. Je komplexer ein Lebewesen und seine Funktionen sind, über umsomehr "Information" muß es

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verfügen, die es an die Nachkommen weitergibt. Das "Genom" speichert diese Information. In diesem Sinne kann Leben als ein Prozeß, der über immer mehr Information verfügt - also als "informationserwerbender Prozeß" - angesehen werden (Lorenz). Ohne entsprechende Energie ist jedoch kein Vorgang und somit auch keine Höherentwicklung (über welche Vorgänge auch immer) und kein Informationstransfer möglich.

6. Als Pflanzen werden hier die "autotrophen", als Tiere die "heterotrophen" Lebewesen bezeichnet. Das stimmt nicht ganz mit der heutigen systematischen Einteilung überein, da etwa die Bakterien zu den Pflanzen gezählt werden, jedoch durch Abbau von organischer Substanz Energie erwerben. Außerdem gibt es Bakterien, die aus anorganischen Verbindungen Energie gewinnen (aus Schwefelwasserstoff, Ammoniak sowie Ferro- und Ferriverbindungen). Unter "Pflanzen" werden somit alle photosynthetisierenden Lebewesen verstanden, als "Tiere" jene, die über den Abbau organischer Substanz (Oxydation oder Gärung) Energie gewinnen.

7. Die Bezeichnung "Räuber" für praktisch sämtliche Tiere ist zweifellos nicht günstig, weil sich im Sprachgebrauch eindeutig negative Wertungen mit diesem Begriff verbinden. In ganz neutraler Beurteilung beruht jedoch die Erwerbsform der Tiere auf einer gewaltsamen Aneignung "fremden Gutes" - und dafür gibt es keine andere, treffende Bezeichnung als "Raub". Daß auch Symbiosen keine Ausnahme darstellen, wird anschließend behandelt.

8. Unsere positive oder negative Einschätzung von Tieren beruht einerseits - höchst subjektiv - darauf, ob sie uns nützen oder schaden, andererseits aber auch

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auf angeborenen Reaktionen, auf die Konrad Lorenz 1943 in seiner Schrift "Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung" (Zeitschrift für Tierpsychologie 5, S. 235-409) hinwies. Wir sprechen angeborenermaßen auf "Schlüsselreize" an, worauf in der 3., 8. und 9. Prämisse ausführlich eingegangen wird. Manche, die unsere Sympathie für Kleinkinder wecken, übertragen wir auch auf Tiere mit ähnlichen Merkmalen, die wir dann ebenfalls als "niedlich" empfinden. Andere, die uns Merkmale des gesunden menschlichen Körpers anzeigen (etwa "schlank", "kräftig", "makellose Haut"), übertragen wir ebenfalls auf Tiere mit ähnlichen Merkmalen - was etwa zur Folge hat, daß wir das Reh als "schön", das Schwein und die Kröte eher als "häßlich" empfinden. Näheres in K. Lorenz 1978 und I. Eibl-Eibesfeldt 1984.

9. Mit dem Problem "Eigennutz" und "Altruismus" hat man sich in der Biologie und, in den letzten Jahrzehnten, besonders in der Sozio-Biologie eingehend beschäftigt. In seinem Buch "Aufopferung und Eigennutz im Tierreich" (Stuttgart 1941) warnte der bekannte Zoologe 0. Heinroth den Leser vor falschen Auslegungen tierischer Handlungen und Stimmungsäußerungen, "um das rechte Verständnis für den bis fast zur Grausamkeit gesteigerten Eigennutz im Tierreich aufzubringen". Neuere Literatur: W. Wickler "Das Prinzip Eigennutz" München 1977 und J.R. Krebs und N.B. Davies "Öko-Ethologie" Parey, Berlin und Hamburg 1981.

10. Eine ausführlichere Darstellung der angeborenen Verhaltensweisen bei Tier und Mensch gab ich in: H. Hass 1987, Bd. 4. Umfassende Lehrbücher sind: I. Eibl-Eibesfeldt "Grundriß der vergleichenden Ver-

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haltensforschung" (Piper, München 1987) und K. Lorenz "Vergleichende Verhaltensforschung" (Springer, Wien 1978). - Wenn in modernen Lehrbüchern meist nicht von Trieben sondern von "motivierenden Faktoren" oder "Antrieben" gesprochen wird, und man dort Aufzählungen der Haupttriebe des Menschen vermißt, dann liegt das daran, daß die meisten angeborenen Verhaltensweisen sich in einem hierarchischen Aufbau aus zahlreichen Einzeltrieben zusammensetzen. Eine Übersicht über die wichtigsten Triebe beim Menschen für Praktiker in Wirtschaft und Politik gab ich in: H. Hass und H. Lange-Prollius 1978.

11. Solche Übersprungsbewegungen und Stereotypien, in unbeobachtet gefilmten Zeitrafferaufnahmen festgehalten, zeigt die Filmdokumentation: H. Hass "Wir Menschen" Progr. 12. Österreichisches Bundesinstitut für den Wissenschaftlichen Film, Wien.

12. Ein guter Beweis für diese Tatsache ist, daß manche angeborenen Instinktsteuerungen bei Geburt des Tieres noch nicht fertig und funktionsbereit sind - wie das auch bei manchen Organen, etwa den Geschlechtsorganen, der Fall ist. So glaubt man zunächst, daß Vögel das Fliegen erst erlernen müßten. Dann zog ein Zoologe (J. Grohmann) Tauben in so engen Käfigen auf, daß sie nicht mit den Flügeln schlagen konnten. Erst als die zur Kontrolle normal aufgezogenen Geschwister gut flogen, ließ er sie frei. Sie flogen dennoch vorzüglich. Die ungeschickten Versuche der Jungvögel sind somit kein Lernvorgang, über den die Kunst des Fliegens erworben wird. Sondern die für die Bewegungssteuerung zuständigen Zellstrukturen sind bloß bei Geburt des Tieres noch nicht fertig entwickelt. Erst wenn sie es sind, können

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sie die angeborenen Kommandos geben. Näheres über verspätetes Heranreifen steuernder Nervenstrukturen bei: I. Eibl-Eibesfeldt 1987.

13. Die Vergrößerung des menschlichen Gehirns wurde bei unseren Affenvorfahren möglich, als diese, aufgrund klimatischer Veränderungen und Versteppung einstiger Urwaldgebiete, von der Lebensweise in Bäumen zu jener in der Savanne übergingen, was zur Fortbewegung auf den Hinterbeinen und zur Aufrichtung des Körpers führte. So wurden die Vorderbeine frei, was den Werkzeuggebrauch ermöglichte (siehe nächste Prämisse), und das Gewicht des Kopfes wurde zunehmend von der Wirbelsäule getragen, wodurch die starken Rückenmuskeln überflüssig wurden, sich entsprechend zurückbildeten, und sich das Volumen des rückwärtigen und oberen Kopfteiles vergrößern konnte. Näheres in: H. Hass 1987, Bd. 1, S. 172f und Bd. 4, S. 112f.

14. K. R. Popper sagte treffend: "Die Hypothese stirbt an Stelle des Organismus". K. Lorenz führt das menschliche Vorstellungsvermögen auf die bei höheren Tieren entwickelte "Raum-Repräsentanz" zurück. Wenn etwa Affen von einem Ast zum anderen springen, müssen sie vorher gleichsam "theoretisch" ermitteln, ob dieser Sprung praktisch möglich ist. Aus dieser Fähigkeit könnte sich der innere Projektionsschirm unserer "Phantasie" weiterentwickelt haben.

15. Für das Thema dieses Buches, wie es beim Menschen zum Psychosplit kam und wie sich dieser überwinden läßt, ist es an sich belanglos, ob man die künstlich geschaffenen Hilfsmittel, mit denen der Mensch die Fähigkeiten seines Körpers verbessert, als "zusätzliche Organe" ansieht oder nicht. Wem eine solche Einschätzung wider den Strich geht, kann im

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Folgenden die Bezeichnung "zusätzliches Organ" ohne weiteres durch "Werkzeug" oder "Hilfsmittel" ersetzen. - Andererseits gründet sich der menschliche Fortschritt auf solche Einheiten, und die funktionelle Verwandtschaft der Lebewesen mit den künstlich geschaffenen Unternehmen wird so besser deutlich, beziehungsweise leichter verständlich.

16. K. Lorenz bezeichnet den Menschen als "Spezialisten auf Unspezialisiertsein" - das ist somit das genaue Gegenteil der hier vertretenen Auffassung. Die bisherige Biologie hält sich, uralter Tradition folgend, an das Erscheinungsbild, welches die Lebewesen unseren Sinnen bieten. Die energetische Beurteilung der Lebensentfaltung zwingt dagegen zu einer anderen Betrachtungsweise.

17. Hier wurden 13 Vorteile erwähnt, welche die zusätzlichen Organe dem Menschen bieten, und die den Weg der menschlichen Entwicklung entscheidend beeinflußt haben: Sie müssen nicht laufend mit Energie versorgt werden. Sie sind leichter reparierbar und ersetzbar. Sie können aus beliebigem Material bestehen - auch aus Metall und beliebigen Kunststoffen. Sie sind ohne Verlust auf andere übertragbar. Sie sterben nicht mit dem Tod ihres Besitzers, sind somit vererbbar. Sie sind ablegbar, belasten den Körper nicht, wenn er sie nicht benötigt. Sie sind austauschbar, gestatten vielseitige Spezialisation. Sie machen den Menschen wandlungsfähig. Sie müssen nicht selbst angefertigt werden - Grundlage für die gesamte Industrie. Gemeinschaftsorgane, die der einzelne sich nicht leisten könnte, werden möglich. Luxusorgane werden möglich - Grundlage für Kultur und Kunst. Sie können ohne Genveränderungen zustandekommen - also ungleich schneller. Die An-

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weisungen für ihre Herstellung und Anwendung sind über die Sprache transferierbar. - Es gibt noch weitere Vorteile: fast alle Entwicklungslinien menschlicher Entfaltung lassen sich aus diesem einen, entscheidenden Fortschritt ableiten. Hier sei noch kurz auf drei weitere hingewiesen. Durch die zusätzlichen Organe wird auch die Bindung an die "Art" hinfällig: Die vom Menschen gebildeten größeren Lebensstrukturen können geradezu beliebig andere hervorbringen. Auch beliebiger Informationstransfer wird möglich: Erfindungen, die etwa in einem Unternehmen gemacht werden, können auch in ganz anderen Betriebszweigen Verwendung finden. Und über das Geld, auf das wir noch eingehen, wird eine fast unbeschränkte Machtpotenzierung möglich - notwendige Grundlage für große Investitionen, doch leider auch für ein gigantisch anwachsendes Risiko.

18. J.B. Lamarck, der bereits im Geburtsjahr Darwins (1809) in seiner zweibändigen "Philosophie Zoologique" die Theorie der Abstammung aller Lebewesen von gemeinsamen Urvorfahren veröffentlichte (die jedoch unbeachtet blieb), glaubte - ebenso wie später auch Darwin - an die "Vererbung erworbener Eigenschaften". Nach dieser Vorstellung, welche die Entstehung der Lebewesen wesentlich leichter erklärbar werden ließe, würden individuelle Anpassungen und Verbesserungen, die ein Individuum in seiner Lebensspanne erzielt, auch auf die Nachkommen übergehen. Ein Champion im Bodybuilding würde somit Kinder ähnlicher Muskelausbildung in die Welt setzen. Trotz intensiver Experimente gelang es jedoch nie, einen Vererbungsmechanismus, der solches vermag, aufzudecken. Bei den zusätzlichen Organen wurde jedoch akkurat dieser Vorgang möglich: Nicht

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nur neue, durch Lernen erworbene Verhaltensweisen können auf Nachkommen übertragen werden, sondern auch die Fähigkeit zu neuer Organbildung.

19. Vergl. Anmerkung 8.

20. Die besonders starke Ausbildung des Sexualtriebes beim Menschen dürfte, wie man heute annimmt, noch einen anderen Grund haben. Das Menschenkind benötigt eine besonders lange Betreuung ("Brutpflege"), um zu eigener Lebenstüchtigkeit zu gelangen. Dies macht entsprechend langen elterlichen Schutz notwendig, der wiederum die Bindung des ernährenden und schützenden Vaters voraussetzt. Beim Urmenschen führte das offenbar dazu, daß der Sexualtrieb neben seiner Fortpflanzungsfunktion, noch die weitere Funktion der Partnerbindung mit übernahm. Die Frau konnte nun das ganze Jahr über den sexuellen Wünschen des Mannes entsprechen - und ihn somit fester an sich und die Familie binden.

21. Nach Hassenstein und Lorenz fallen solche allgemeine Tendenzen unter den Begriff des "Appetenzverhaltens". Beim Nahrungserwerb gehören dazu alle angeborenen Aktionen und Reaktionen, die dazu führen, nach Beute zu suchen oder sie aufzulauern, sich ihr zu nähern, sie zu überlisten, sich ihr gegenüber also möglichst zweckmäßig zu verhalten, um möglichst schnell, sicher und mit geringem Risiko zur "Endhandlung", der Einverleibung dieser Beute oder Teile von ihr, zu gelangen.

22. Wilhelm Ostwald, der Begründer der physikalischen Chemie, veröffentlichte 1909, im gleichen Jahr als ihm der Nobelpreis zuerkannt wurde, das Buch "Die energetischen Grundlagen der Kulturwissenschaft", das jedoch unbeachtet blieb. Er war der erste, der die zentrale Bedeutung der Energie für die Lebensent-

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wicklung erkannte und auch das Wirtschaftsgeschehen unter diesem Aspekt beurteilte. Der Mensch sei allen Lebewesen überlegen "durch die Menge der von ihm organisierten, d. h. unter seine Herrschaft gebrachten Energie".

23. Auf das Phänomen des "Sozio-Kollaps" und der Entstehung einer anonymen Gesellschaft in größeren Städten, sowie den sich daraus ergebenden Folgen sind Eibl-Eibesfeldt und ich in dem Buch "Stadt und Lebensqualität", Stuttgart 1985, näher eingegangen.

24. "AAM" ist die Abkürzung für "angeborener auslösender Mechanismus". Seine Funktion beruht darin, auf ganz bestimmte Reizkombinationen anzusprechen - eben die "Schlüsselreize" -, und dann entsprechende Erbkoordinationen auszulösen. Näheres bei K. Lorenz 1978.

25. Befreite man die Hunde aus dem Gestell, dann zeigte sich, daß der Glockenklang nicht nur die Speichelreaktion sondern das gesamte Inventar des Beuteerwerbverhaltens, also ihre Appetenz nach Beuteerwerb auslöste. Weitere Versuche zeigten, daß sich nahezu jeder neutrale Reiz, wenn ihm eine Triebbefriedigung folgt, in einen "bedingten" Reiz verwandeln kann, wobei die Bezeichnung "bedingt" eine Abkürzung für "erfahrungsbedingt" darstellt. In diesem Sinne spricht man auch von "bedingten Reaktionen" und "bedingter Appetenz" - und nennt im Gegensatz dazu Schlüsselreize, auf die ein Tier angeborenermaßen anspricht, "unbedingte Reize" und das darauf folgende Verhalten eine "unbedingte Reaktion".

26. Wer sich über das umfangreiche Thema der Konditionierung näher informieren will, sei auf das hervorragende Buch von Bernhard Hassenstein "Instinkt, Ler-

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nen, Spielen, Einsicht" (Serie Piper, München 1980) verwiesen, das mit vielen Schaltbildern illustriert die wesentlichen Zusammenhänge aufzeigt. Eine Zusammenfassung gibt K. Lorenz in seiner "Vergleichenden Verhaltensforschung" 1978 ab S. 230.

27. H. Hass 1987, Bd. 2, S. 97-110.

28. Näheres in: J.B. Wolfe "Effectiveness of Token-Rewards in Chimpanzees" (Comperative Psychological Monographs 12, 1936 und Th. Kapune "Untersuchungen zur Bildung eines Wertbegriffes bei niederen Primaten" (Zeitschrift für Tierpsychologie 23, S. 324-363). Als "Geld" wurden bei diesen Versuchen bunte, runde Messingmarken verwendet. Die Affen lernten, daß man für bestimmte Marken Futter bekommen konnte, für andere mit dem Pfleger spielen durfte, und mit weiteren, durch Einwerfen in einen Schlitz der Käfigtüre, diese öffnen konnte. Wenn sie durch anstrengende Arbeit am Hebelapparat Marken verdienten und so eine benötigte Summe sparten, war ihnen dann das Eintauschen des Futters erst nach einem bestimmten Zeitraum möglich. Auch dazu erwies sich das Affenhirn fähig. Der zeitliche Abstand zwischen "Verdienen" und "Ausgeben" erworbenen Geldes konnte somit ein beträchtlicher sein.

29. Das Konzept vom "Halben Räuber" veröffentlichte ich erstmals in zwei Fortsetzungen im Eco-Journal der "Presse" (Wien) unter dem Titel "Eigentlich ein Räuber" (30.10.81) und "Tausch statt Raub" (6.11.81).

30. Die direkte Nutzbarmachung von Fremdkräften kann den Energieerwerb über Photosynthese, Raub oder Tausch nur ergänzen. Ein Ausnahmefall sind die Viren, die als extremste aller Parasiten ohne eigenen Energieerwerb auskommen. Ihre Struktur bewirkt,

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daß Zellen, wenn sie ganz passiv in diese gelangen, sie vermehren. Ähnlich stellt man sich die "Urzeugung", also den Beginn des Lebensvorganges vor: In den heißen Urmeeren konnten energiereiche Moleküle in solche Kombination gelangen, daß sie in Wechselwirkung einander vervielfältigten, was einen autokatalytischen Vorgang einleitete. Ein plausibles Modell dafür, den "Hyperzyklus", entwarf der Nobelpreisträger M. Eigen. Siehe Abb. 10.

31. In der Sozio-Biologie, wo man umfangreiche Kosten-Nutzen Rechnungen für tierische Verhaltensweisen, insbesonders den Beuteerwerb durchführt, wird für optimale Raubstrategie die Bezeichnung "Optimal Foraging Strategy" verwendet. Dies veranlaßte mich aus biologischer Sicht, die Bezeichnung Optimal Bartering Strategy (OBF) für optimale Tauschstrategie zu wählen.

32. Marketing wurde bereits zu Beginn des Jahrhunderts an amerikanischen Universitäten gelehrt und dort dann in der Folge von großen Unternehmen wie General Electric, Procter & Gamble, IBM, Eastman Kodak, Caterpillar und anderen konsequent eingesetzt. Zunächst wurde diese Ausrichtung dem Funktionsbereich "Verkauf", "Absatz" oder "Vertrieb" zugeordnet, entwickelte sich dann aber allmählich zur Führungskonzeption der gesamten Unternehmen schlechthin (Abb. 11). Nach Peter Drucker ist Marketing etwas so Grundsätzliches, daß es nicht als "eine Funktion unter anderen" aufgefaßt werden kann, sondern vielmehr "die Geschäftstätigkeit von ihrem endgültigen Ergebnis her, also aus Sicht des Vorteiles für den Kunden darstellt". Wirtschaftstheoretiker sprechen in diesem Sinn vom "Primat der Marktorientierung" - doch in der Praxis setzt

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sich diese Einstellung, die sich eindeutig gegen die Strategie des Halben Räubers wendet, in Großunternehmen nur gegen beträchtliche Widerstände durch. (Vgl. Anm. 36).

33. W. Mewes "Die kybernetische Managementstrategie (EKS)", Frankfurt 1972-1976. Diese Wirtschaftsstrategie wird über einen Fernlehrgang vermittelt (Mewes System, Im trierschen Hof, Frankfurt 1). - Viele der Berufstätigen und Unternehmen, die heute nach EKS arbeiten, gehören der Leistungsgemeinschaft (EKS) e. V. in Frankfurt an, die ein regelmäßig erscheinendes "Informationsblatt" herausgibt. EKS-Seminare werden von der EKS-Akademie in Obersulm bei Heilbronn ausgeschrieben. In der Schweiz sind Dr. Josef Meier in Hergiswil, in Österreich Dr. Helmut Wiesler in Wien prominente Verfechter der EKS. Auch in anderen Ländern, etwa Indien, wird bereits EKS gelehrt. Die Beziehungen zwischen Betriebswirtschaftslehre, Energontheorie und EKS untersuchte ausführlich Ch. Wurl 1987.

34. Schon 1968 schrieb Peter F. Drucker in seinem Buch "The Age of Discontinuity" (Die Zukunft bewältigen): "Die meisten Geschäftsleute meinen, wenn sie vom ‘Marketing’ sprechen, die systematische und planvolle Organisation aller Arbeit, die erforderlich ist, um ein Produkt zu verkaufen, es dem Kunden zu liefern und dafür bezahlt zu werden. Was ein Unternehmen in einer Zeit raschen technischen Wandels braucht, ist ‘Marketing’ in anderen Bedeutungen. Zuerst brauchen wir ein ‘Marketing’, das den ganzen Betrieb vom Standpunkt seiner letzten Zielsetzung und Berechtigung aus betrachtet, d. h. vom Standpunkt des Kunden ... Das bedeutet vor allem, daß man nicht versucht, die Kunden als Abnehmer

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für ‘unser Erzeugnis’ zu betrachten. So lange man an ‘unser Produkt’ denkt, denkt man immer noch in Kategorien des Verkaufens und nicht in jenen des Marketings. Ausschlaggebend sind die Gewohnheiten, die Wertvorstellungen und Erwartungen des Kunden ..." - Schon bei Wirtschaftstheoretikern viel früherer Zeit tauchte immer wieder die Einsicht eines kundenorientierten Verhaltens in der Wirtschaft auf. Aber in der Praxis fanden diese Leitlinien nur selten konsequente Anwendung. Warum -? Von der Verhaltensforschung her lautet meine Antwort darauf: Weil der Theoretiker ohne Triebdruck im "entspannten Feld" seine Thesen entwirft. Die Einsicht, der Intellekt, ist hier ungestört am Werk! In der wirtschaftlichen Praxis dagegen trifft der Anbieter auf den Schlüsselreiz "Kunde" bzw. "Geld" und der Psychosplit verweist seine Gedanken und Wertungen in andere Kanäle.

35. Bereits 1967 analysierte B. Spiegel in seiner Schrift "Der Nischen-Begriff in Ökologie und Sozialpsychologie" (G. F. M. - Mitteilungen, 13. Jg., 3) die enge Verwandtschaft zwischen Konkurrenzgradienten, Umweltanpassung, Revierabgrenzung und Beherrschung einer "Nische" im Bereich der Lebewesen und der Wirtschaft. Die Vorteile eines "lückenorientierten Verhaltens" werden hier bereits an Hand eindeutiger Übereinstimmungen, von praktischen Beispielen aus der Wirtschaft illustriert, klar dargestellt. Das für die Wettbewerbsfähigkeit herangezogene "Patrix-Matrix-Verhältnis" entspricht durchaus den Begriffen des "Anforderungs- und Leistungsprofils" sowie der in der 3. Konsequenz zu besprechenden "Schlüssel-Schloß-Relation".

36. Während sich beim Einzelmenschen eine solche

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Umpolung auf das Kundeninteresse ganz plötzlich vollziehen kann, wird das nötige Umdenken offenbar immer schwieriger und langsamer, je mehr Personen bei diesem Vorgang beteiligt sind, - je größer also ein Unternehmen und der Abstand zu den Kunden wird. Philip Kotler formulierte diesen Tatbestand als "Gesetz des langsamen Lernens" ("Marketing Management", Englewood Cliffs 1980, S. 11). Nur gegen beträchtliche innere Widerstände würde in den großen amerikanischen Unternehmen dem Marketing "der Eintritt in die heiligen Hallen gewährt". Auch das zeigt den Einfluß des Psychosplits und die Schwierigkeit, rationalen Überlegungen - gegenüber den Weisungen der aktivierten Raubinstinkte - zu folgen. Im Grundkonzept entspricht Marketing durchaus den Anforderungen der OBS.

37. Bei der Zitierung von Fallbeispielen aus dem EKS-Lehrgang halte ich mich an den Originaltext, den ich bloß entsprechend kürze. Im Original sind die Darstellungen vielfach durch Betrachtungen und Analysen unterbrochen.

38. H. Hass 1986, S. 78f.

39. Dieses vom „Weg abkommen“ entspricht dem vom Ph. Kottler formulierten „Gesetz vom schnellen Vergessen“ („Marketing Management“, Englewood Cliffs 1980, S. 13). Hat sich bei großen amerikanischen Unternehmen marktorientiertes Verhalten durchgesetzt, und sind sie über diese Strategie zu Erfolg gelangt, dann zeigte sich eine deutliche Tendenz, die Richtlinien des Marketing wieder zu vergessen und auf das Produzieren, um zu verkaufen, zurückzufallen. Firmen, die sich auf langfristiges Wachstum ausgerichtet hatten und bedeutende Erfolge erzielten, verloren ihre Führungsstellen, indem

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sie sich wieder auf den unmittelbaren Vorteil und schnellen Profit ausrichteten. (Vgl. Anm. 36).

40. Zitate aus H. Hass 1970, Kpt. 4 und 5 (1987, Bd. 2, Kpt. 4 und 5).

41. Siehe W. Mewes, 1972-1976, Lehreinheit 6 und 8.

42. H. Hass 1987, Bd. 1, S. 224 - 228.

43. H. Hass 1987, Bd. 1, S. 194 - 198.

44. Eibl-Eibesfeldt 1987.

45. Einen guten Überblick über die Themen, die unter dem Begriff „Selbstorganisation“ sowohl im anorganischen wie auch organischen Bereich behandelt werden, gibt Erich Jantsch „Die Selbstorganisation des Universums“, DTV, München 1986.

46. W. Mewes 1972-1976, Lehreinheit 10, S. 99 - 116.

47. Über den Begriff des „vernetzten Denkens“ siehe: F. Vester „Neuland des Denkens“, Stuttgart 1983, und „Unsere Welt - ein vernetztes System“, 3. Aufl. München 1986.

48. J. K. Galbraith „Die moderne Industriegesellschaft“, München 1968.

49. W. Mewes 1972-1976, Lehreinheit 9.

50. H. Hass: Filmserie „Wir Menschen“. Österreichisches Bundesinstitut für den wissenschaftlichen Film, Wien.

51. In der Biologie nennt man die Entfaltung des Men-schen „kulturelle Evolution“ und die Aufsplitterung in Berufstätigkeiten „Pseudospeziation“. Nach der hier vertretenen Ansicht ist die kulturelle Evolution ein integraler Bestandteil der Evolution des Lebens, und die Aufsplitterung in „Arten“ setzt sich in den Arten von Berufs- und Unternehmensausrichtungen fort. H. Hass 1987, Bd. 2 und 3.

52.V. Packard „Die Pyramidenkletterer“, Düsseldorf 1963.

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53. Die japanische Einrichtung lebenslanger Einstellung in Unternehmen hat sicher wesentlich zu den wirt-schaftlichen Erfolgen dieses Landes beigetragen. Interessante Details findet der Interessierte in den Schriften von P. F. Drucker. Hinweise zum Thema Ganzheit gibt R. Mann in „Das ganzheitliche Unternehmen“, Bern, München, Wien 1988.

54. Teilhard de Chardin war einer der wenigen, welcher die gesamte Strukturbildung des Menschen, den tierischen und pflanzlichen Organen unmittelbar vergleichbar, als „vitalisierte Materie“ ansah. Siehe: H. Hass 1987, Bd. 2, S. 271-275.

55. In der Wirtschaftspraxis deckt sich die OBS deutlich mit der Idealvorstellung des Marketing, und durch die so zahlreichen Erfolge der EKS, mit deren Richtlinien sie in weiten Bereichen nahtlos übereinstimmt, wird die Berechtigung ihrer naturwissenschaftlich-evolutionären Ausrichtung noch besonders unterstrichen.

56. Zahlreiche Denker und Schriftsteller, etwa Voltaire, schätzten den Menschen als „Bestie“ ein. Schopenhauer schrieb: „Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zu-stand der Bändigung und Zähmung, welche Zivilisation heißt. Dabei erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur“. Nietzsche nannte den Menschen „das noch nicht festgestellte Tier“ - was in doppelter Hinsicht dem hier dargestellten Über-gang von einer Evolutionsstufe in eine ganz andere entspricht.

57. Auf das schwierige Thema „Glück“ ging ich aus naturwissenschaftlicher Sicht in den „Naturphilosophischen Schriften“ Bd. 4, Kp. 12 näher ein.
 
 

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