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9. Konsequenz:

Richte Dich
auf qualitatives Wachstum aus



Wir befinden uns heute an einem problematischen Punkt der Geschichte des Menschen und der Lebensentwicklung überhaupt. Der Umfang und die Macht der zusätzlichen Organe, mit denen der Mensch seinen Zellkörper vergrößert, wird für die Möglichkeiten, die unser Planet dieser Entwicklung bietet, zu groß. Die Mahnworte des "Club of Rome" haben volle Berechtigung. Früher oder später erschöpfen sich die Ressourcen, und die Auswirkungen von Industrie und Technik bewirken in steigendem Ausmaß Schäden. Dazu kommt, daß der Mensch auch das Leben der Pflanzen und Tiere, aus deren Kreis er hervorging, immer stärker beeinflußt und die Lebensgemeinschaften, die sich in Jahrmillionen gebildet haben, nach seinen Wünschen verändert. Bei der außerordentlichen Vernetzung der hier maßgebenden Wechselbeziehungen kommt es zu negativen, unerwarteten Auswirkungen, die bereits allerorts in Erscheinung treten. Die Überfluß- und Wegwerfgesellschaft, gegen die man zwar wettert, von der man sich aber nicht trennen will, ist dafür ein treibender Motor. Dazu kommt, daß sich offenbar niemand ein Null-Wachstum der Wirtschaft vorstellen kann. Wird der Erfolg von Ländern beurteilt, dann blickt man zu allererst auf das Sozialprodukt, auf die Handelsbilanz. Das Motto "Grow

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or die" (Wachse oder stirb) ist Rückgrat dieser Ausrichtung. Bei dieser Sachlage kann uns ein Blick in die evolutionäre Vergangenheit des Lebens - die der Mensch bisher so wenig zur Beurteilung seiner Entwicklung herangezogen hat - wertvolle Hinweise geben. Denn Perioden eines vergleichbaren Null-Wachstums hat es bereits gegeben, und diese zeigen recht deutlich, was in solchem Fall geschieht.

Die Entwicklung des Lebens gelangte bereits zweimal an Schranken, die eine weitere quantitative Ausbreitung dieses Vorganges, der sich über die "Lebewesen" fortsetzt, verhinderte (Abb. 20). Zuerst erfolgte die Ausbreitung in den Wasserräumen (im Meer, in Flüssen und Seen), und durch mannigfache Anpassungen der Einzeller und Vielzeller wurden dort immer neue Bereiche erobert, immer neue Lebensmöglichkeiten wahrgenommen. Die Eroberung der Tiefsee, bis in ihre größten Tiefen von über 10.000 Metern, ist dafür ein Beispiel. Weitere sind die äußerst vielfältige Fauna, die sich in Schlammböden entwickelte, und das erst in jüngerer Zeit entdeckte "Sandlückensystem". Selbst zwischen den winzigen Sandkörnern jedes Badestrandes leben in dem unter Wasser gelegenen Teil wie in Gewölben Tiere verschiedener Gruppen, die ihre Körper gleichsam "miniaturisiert" haben.

In grober Schätzung dürfte diese erste quantitative Expansion des Lebens vor etwa 1000 Millionen Jahren zu ihrem Abschluß gekommen sein. Die verschiedenen Arten und Stämme von Pflanzen und Tieren blieben weiterhin in einem erbitterten Konkurrenzkampf - doch nun verlagerte sich das für die Selektion maßgebende Kriterium immer mehr auf Qualität. Die Gesamtentwicklung war gleichsam in einen Tunell gelangt, der das Gesamtvolumen der möglichen Ausbreitung begrenzte,

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Abb. 20: Perioden quantitativen und qualitativen Wachstums (stark schematisiert). Die seit 4000 Millionen Jahren expandierende Lebensentfaltung (A1, A2, A3) wurde schon zwei Mal durch lange Perioden erzwungenen Null-Wachstums unterbrochen (B1, B2). Nun gehen wir einer dritten solchen Periode entgegen. Wie die bisherigen zeigten, wird bei Nullwachstum qualitatives Wachstum zum dominierenden Konkurrenzfaktor. Siehe Text. Nach H. Hass 1985.

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- und nun setzten sich solche Mutanten (Lebewesen mit veränderten Erbrezepten) durch, die gleiche Leistung mit geringerer Kraft, in höherer Präzision und bei geringerem Zeitaufwand bewerkstelligten. Das wurde zu ihrem "Selektionsvorteil", begünstigte ganz automatisch die Wirksamkeit der "Natürlichen Auslese". Ihre Organisation übertraf jene der Rivalen an Effizienz und Qualität, also konnten sie sich fortpflanzen, während andere zurückgedrängt wurden und ausstarben. Erfolgreiche Arten konnten sich so auch quantitativ ausbreiten, indem sie die Lebensbereiche anderer für sich eroberten, aber insgesamt war der für Leben in Frage kommende Raum begrenzt und die Gesamtheit der "Biomasse" konnte einen statistisch mehr oder minder konstanten Wert nicht mehr überschreiten.

In dieser ersten Periode eines erzwungenen Null-Wachstumes hatte somit qualitatives Wachstum den Vorrang - und so kam es in den verschiedenen Tierstämmen zu einer gesteigerten Höherentwicklung im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie führte dazu, daß vor 400 - 350 Millionen Jahren die Leistungsfähigkeit einiger Pflanzen- und Tierarten sich so weit gesteigert hatte, daß einige auch auf das trockene, damals noch völlig kahle Festland vordringen und sich dort neuen Lebensraum erobern konnten. Damit setzte erneut eine Periode ein, in der wohl qualitatives Wachstum weiter von Bedeutung blieb, jedoch die Möglichkeit quantitativer Ausbreitung in immer neue Bereiche und Nischen eine wesentliche Rolle spielte. Die Gesamt-Biomasse der Lebewesen steigerte sich somit wieder erheblich.

Vor ungefähr 220 Millionen Jahren waren dann auch die Kontinente und Inseln, so weit sie Lebensmöglichkeiten boten, im wesentlichen erobert, und die Lebensentwicklung kam zum zweiten Mal in einen

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"Tunell", der dem möglichen Gesamtvolumen Grenzen setzte. Wieder verlagerte sich im Konkurrenzkampf der Selektionswert auf qualitative Fortschritte; auf Innovationen und eine Rationalisierung im Sinne des Erzielens von gleichwertigen Leistungen bei geringerem Aufwand. Ergebnis war diesmal - neben vielen anderen Fortschritten - ein Lebewesen, dem es kraft seiner besonderen geistigen Entwicklung und entsprechend gestalteter Hände möglich wurde, seinen Körper durch Organe zu ergänzen und zu erweitern, die nicht mehr, wie bisher von Zellen gebildet waren, sondern direkt aus Umweltmaterial gefertigt wurden. Und zwar nicht auf Grund zufälliger Mutationen, sondern durch bewußte Einsicht in den Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen. Diese Fortschritte brauchten somit nicht in die Kodierung des Erbgutes mit einzugehen, sondern konnten, über die sich ebenfalls entwickelnde Sprache, unmittelbar von einem Individuum an andere weitergegeben werden. Der Mensch wurde durch diese Organe, die abgelegt und ausgetauscht werden konnten, den Tierkollegen äußerst überlegen. Dann kam es zu der neuen, indirekten Erwerbsart über Tauschakte, welche die Machtsteigerung und Ausbreitung des Menschen noch wesentlich beschleunigte. Immer mehr anorganisches Material wurde in funktionserbringende Strukturen verwandelt, wodurch sich die gesamte Biomasse (wenn man, entgegen der bisherigen Betrachtungsweise, auch diese neue Organbildung als ganz natürlichen Fortschritt in der Lebensentwicklung auffaßt) abermals immens vergrößert. Auch diese dritte Expansion nähert sich nun wieder ihrem Ende. Und zwar durch die Grenzen, die der Ausbreitung dieser Entwicklung auf dem Planeten "Erde" gesetzt sind.

Somit gelangen wir nach meiner Schätzung - etwa um

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das Jahr 2000 - zum dritten Mal in einen "Tunell". Er ist weniger durch die noch mögliche Steigerung der Biomasse definiert, sondern eher durch negative Auswirkungen einer Expansion über ein bestimmtes Maß hinaus, das bei den gegebenen Machtmitteln und den sich zwangsläufig noch steigernden Konflikten sehr wohl zu einer Vernichtung dieser gesamten Entfaltung - sowohl des Menschen als auch des Lebens auf unserem Planeten überhaupt - führen kann.

Auch in diesem Tunell wird nun qualitatives Wachstum zwangsläufig wieder zum beherrschenden Konkurrenzfaktor. Der Konkurrenzkampf bleibt, effizientere, den Marktwünschen besser entsprechende Strukturen verdrängen weniger geeignete oder attraktive, aber das Gesamtvolumen der möglichen Ausbreitung unterliegt einer Beschränkung, die diesmal nicht eigentlich die Umwelt, sondern nur unsere Vernunft festlegen kann. Außerdem spaltet sich qualitatives Wachstum diesmal in zwei Ausrichtungen. Die erste besteht - wie in den früheren Tunells - darin, mit gleichen Mitteln mehr zu erreichen, oder das Gleiche mit geringerem Aufwand. Die Entwicklung der "Chips", die sich in den letzten Jahrzehnten innerhalb von je 5 Jahren in ihrer Leistungsfähigkeit jeweils um ein Vielfaches steigerten, während ihre Kosten sich gleichzeitig um ein Vielfaches verminderten, ist dafür bereits ein Paradebeispiel. Die zweite Ausrichtung dürfte jedoch die noch wichtigere sein - und in Zukunft die erste in ihrer Bedeutung immer mehr zurückdrängen. Sie betrifft die Steigerung der Lebensqualität des Menschen - ein heute noch eher vager Begriff, der sehr verschieden ausgelegt wird.

Im wirtschaftlichen Bereich verursacht die internationale Verflechtung der Märkte und die immer schnellere Veränderung von Marktwünschen, Auswirkungen, die

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besonders Großunternehmen treffen. In den Zeiten ruhigerer Entwicklung führte das Streben nach Rationalisierung dazu, laufend benötigte Dienste (Spedition, Rechtsberatung, Absatzförderung etc.) nicht von fremden Firmen ausführen zu lassen, sondern dafür eigene Abteilungen einzurichten. So entstanden "Dinosaurier", die heute zu starr, zu wenig flexibel und dadurch mit größeren Risiken belastet sind. Somit kommt es zur entgegengesetzten Tendenz, daß solche Giganten sich wieder in kleinere, flexiblere Einheiten auflösen. Durch die Bildung von "Profit-Centers" werden Betriebe in Unterbetriebe zerlegt, die Bildung von "Quality Circles" zeigt das Bestreben, durch kleine engagierte Gruppen von innen her die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu steigern. Ein besonders interessantes Konzept wurde bei einem EKS-Seminar vom Geschäftsleiter der Berolina KG in Berlin, Gerhard Wilcke, vorgetragen - nämlich seine Idee, Angestellte zu selbständigen Unternehmern zu machen, also auszugliedern. Beiden Seiten entstünden daraus Vorteile, wie er überzeugend ausführte. Seine Erfahrungen zeigten, daß die benötigten Arbeiten nun schneller und preisgünstiger ausgeführt werden, die Verwaltungsarbeit sich vermindert, der nun Unabhängige Steuern und Versicherungen spart und auch für andere Kunden, die nicht der Konkurrenz angehören, arbeiten kann. Der Endpunkt in dieser Entwicklung ist der schon erwähnte "kybernetische Betrieb", der schließlich nur noch aus einem Menschen als steuerndem Zentrum besteht, durch keinerlei feste Kosten belastet ist und sich für jede Produktion, auf die er sich schneller als andere ausrichten kann, die dafür nötigen Firmen, Lieferanten etc. für die Zeit dieser Produktion angliedert.

Andererseits aber kommt es, um zu Qualitätssteigerungen zu gelangen, auch wieder zur Entstehung neuer

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Dinosaurier. Ein Beispiel dafür ist, wenn etwa eine tüchtige Leasing Firma nach und nach in anderen Städten tätige ebensolche Firmen aufkauft, saniert oder zu Partnern macht, was dem so anwachsenden Unternehmen den immateriellen Wert von Erfahrungen und Beziehungen in einem immer größeren Marktbereich einbringt, den anderen eine stärkere Rückendeckung durch Kapital und Know-how. Nicht anders ist es, wenn Konzerne verschiedener Länder eine Kooperation eingehen, wodurch jedem die Erfahrungen im Marktbereich des anderen zugänglich werden und die gemeinsame Macht es ermöglicht, kostspielige, auf weite Sicht wichtige Forschungs- und Entwicklungsvorhaben voranzutreiben.

Voraussetzung ist allerdings bei solchen Bestrebungen, die zu monopolartigen Positionen gelangen können, die Ausrichtung auf das Interesse der Kunden, auf die Konsequenzen von OBS. So lange Monopolstellungen dazu ausgenützt wurden, um sich rücksichtslose Machtapparate und Sinekuren zu schaffen, waren sie, wie 1953 Eucken aufzeigte, eine volkswirtschaftlich schädliche Begleiterscheinung der freien Marktwirtschaft, schufen überhöhte Preise, verminderten die Qualität des Angebots und unterdrückten vielfach einen sonst möglichen Fortschritt. Dagegen führt die EKS-Praxis zu Monopolstellungen - auch im ganz kleinen, etwa in Marktnischen -, die den Kunden und der Volkswirtschaft eindeutige Vorteile bieten. Fallen solche auf die alte Linie zurück, setzt sich bei ihnen wieder der Halbe Räuber durch, dann können besser nach EKS arbeitende Konkurrenten sie aus ihren Bereichen wieder verdrängen.

Die Entstehung neuer, kundenorientierter Wirtschaftsgiganten - wie die von Duttweiler begründete "Migros"-Kette von Super-Einkaufszentren in der

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Schweiz - sind für Kleinbetriebe durchaus nicht jene tödliche Gefahr, als welche man sie heute vielfach darstellt. Mewes schreibt: "Klein- und Mittelbetriebe starren wie schreckgebannte Kaninchen auf die wachsende Stückzahl und Effektivität der Großen und übersehen dabei, daß sich zwischen dem Rückzug der Größeren auf Massenvorgänge und den immer individuelleren Bedürfnissen immer neues und übrigens fruchtbareres Neuland eröffnet." - "Die Lücke zwischen den immer standardisierteren Leistungen und den immer individuelleren Bedürfnissen wächst." Je mehr qualitatives Wachstum die Vorrangstellung einnimmt, umsomehr wird eine "Supradifferenzierung" - wie Teilhard de Chardin es nannte - in den Lebensausrichtungen und damit auch in der Nachfrage wahrscheinlich54.

Der Umschwung von der Ausrichtung auf Profitmaximierung zur Entwicklung möglichst hoher Qualität äußert sich heute bereits in vielen Bereichen der Wirtschaft sowie in der Schaffung internationaler Organisationen wie der European Organization for Quality. Prof. Dieter Seghezzi, ihr Präsident und früheres Vorstandsmitglied des sehr auf Qualität ausgerichteten Hilti-Konzerns in Liechtenstein, schrieb bereits 1983: "In manchen Unternehmen existieren zum heutigen Zeitpunkt noch Qualitätskonzepte, die aus den Jahren 1950 und 1960 datieren: einer Epoche mit Hochkonjunktur, Vollbeschäftigung und dem Glauben an unbeschränkte Verfügbarkeit von Rohstoffen. Wie man inzwischen weiß, ergaben sich während der vergangenen zehn Jahre beträchtliche Änderungen. Weil wir heute unter genau umgekehrten Vorzeichen leben, ist es wichtig, auf schnellstem Wege die Strukturen und Methoden der Qualitätssicherung sowie die Ausbildung von Management, Kader, Qualitätsverantwortlichen und allen in der

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Qualitätssicherung tätigen Fachleuten den neuen Gegebenheiten anzupassen." Optimale Tauschstrategie wird sich meines Erachtens am schnellsten und ehesten in allen Wirtschaftszweigen durchsetzen, wo es auf die Bildung von Stammkundschaft ankommt. Von dort aus könnte sie sich dann, durch eine so erfolgende Sensibilisierung auf eine grundsätzlich andere Ausrichtung, Stück für Stück auf weitere Wirtschaftsbereiche ausdehnen, so daß auch dort der Halbe Räuber immer mehr an Terrain verliert.

All dies leitet bereits zur zweiten Ausrichtung über, die meines Erachtens in dem dritten "Tunell" , in den wir nun hineinmarschieren, eine noch weit größere Bedeutung erlangen wird, als die Qualitätssteigerung bei den von uns geschaffenen zusätzlichen Organen. Mehr und mehr kommt es darauf an, uns darüber klar zu werden, wie wir es uns auf diesem Planeten am zweckmäßigsten einrichten, wie wir der uns angeborenen "Natur", die Zentrum unserer Antriebe und Emotionen ist, am besten gerecht werden und die Qualität unserer Lebensweise - unter Berücksichtigung der so mannigfachen Ausrichtungen - optimieren können. Das Gleichnis mit dem Tunell soll indes nur den räumlich begrenzten Aspekt bei unserer Weiterentwicklung kennzeichnen, jedoch keineswegs eine dunkle, düstere Zukunft. Ganz im Gegenteil: Es liegt heute noch durchaus bei uns, zu Lebensformen zu gelangen, die man seit eh und je als kaum zu verwirklichende Idealvorstellungen anstrebte, die aber bei entsprechender Einsicht und gutem Willen durchaus erreichbar sind.

Die OBS stellt, wie ich meine, den notwendigen Anfang dar55. Optimale Zusammenarbeit beruht auf Tauschakten, die jedem der beteiligten Partner gleichermaßen befriedigende Vorteile bringen. Die uns angebore-

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nen Tendenzen zu freundschaftlicher Einstellung, Hilfsbereitschaft, Verständnis für andere, Nächstenliebe und Aufopferung für gemeinsame Ziele, entstammen Instinkten, die sich zunächst bei räuberisch tätigen Gruppen tierischer Vorfahren bildeten, sich dann bei jenen des Urmenschen über Intelligenz und Ich-Bewußtsein noch differenzierten und verfeinerten - jedoch keineswegs ausreichen, um den heutigen Riesengemeinschaften anonymer Gesellschaft - oder gar einem "Weltbürgertum", zur Grundlage für eine Ethik genereller Partnerschaft zu dienen. Besonders deutlich haben das die so intensiven Bemühungen der Großreligionen, insbesondere des Christentums, das der Nächstenliebe eine so zentrale Stellung einräumt, gezeigt. Und immer und überall haben auch einzelne Individuen in eigener Initiative versucht, gegen die Einschätzung des Menschen als Bestie, die nur mit Gewalt gebändigt werden kann, aufzutreten und Mitmenschen über ihre positiven Regungen enger aneinander zu binden56. Tatsache ist, das beweist die gesamte bisherige Geschichte, daß diese Instinktregungen einfach zu schwach sind, um das, was sie in kleinen Gemeinschaften sehr wohl vermögen, in anonymen Gemeinschaften von millionenfach größerer Dimension zu bewirken. Hier "altruistisches Verhalten" zu predigen, wie dies unermüdlich, überall und zu allen Zeiten immer wieder geschah und geschieht, ist aussichtslos und zum Scheitern verurteilt. Wenn sich dagegen herausstellt, daß die "Bestie Mensch" besser fährt, wenn sie sich auf den Vorteil anderer ausrichtet, dann ist eine reale Basis für eine grundsätzliche Richtungsänderung gegeben.

Daß eine solche durchaus möglich ist - und zwar auch ohne Einsicht in die eigentlichen Zusammenhänge - haben nüchterne Geschäftsleute, die sich auf EKS aus-

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richteten, deutlich gezeigt. In einem Vortrag sagte ich einmal, daß EKSler sich dadurch auszeichnen, daß sie glitzernde Augen und ein gutes Gewissen haben. Glitzernde Augen, weil sie erfolgreich sind, und ein gutes Gewissen, weil ihre Tätigkeit anderen hilft.

Mewes, der nicht müde wurde, sein Motto "Ihre Strategie ist falsch!" über die Medien und persönlich zu verkünden, suchte selbst nach einer naturwissenschaftlichen Begründung seiner Wirtschaftslehre und präsentierte dabei eine Reihe interessanter Gedanken. Durch das Phänomen des Psychosplits, das den Höhenflug menschlichen Fortschrittes im zwischenmenschlichen Bereich so dramatisch beeinträchtigt, dürfte nun das Rätsel, warum der sonst so kluge Mensch sich ausgerechnet im so wichtigen Bereich des Erwerbes falsch verhält, gelöst sein.

Seit dem Buch von Konrad Lorenz "Das sogenannte Böse" hat man den "Aggressionstrieb" für die defekte Seite des Menschen weitgehend verantwortlich gemacht. Bestimmt spielt dieser kuriose Trieb, der sich auch gegen den Artgenossen wendet, bei vielen unserer Regungen unfreundlicher Laune und Gestimmtheit eine Rolle, doch nimmt er in der Rangordnung der Instinkte bloß eine eher untergeordnete Stellung ein. Er leistet vor allem bei der Verteidigung von "Territorien" und bei Kämpfen um Rangordnungen und Führerstellungen bei rudelbildenden Tieren eine selektionsfördernde Funktion. In keiner Weise läßt er sich jedoch mit der elementaren Bedeutung des Triebes nach Nahrung - nach Energie - vergleichen, dessen Wurzeln ebenso weit zurückreichen, wie jene der Lebensentwicklung selbst, und der Voraussetzung für alle weiteren Triebe war und bis heute geblieben ist. Da beim Menschen Kannibalismus zur extremen Seltenheit gehört, sah man nicht ein, wieso der

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Nahrungstrieb sich gegen den Mitmenschen wenden sollte. Auf Grund des Psychosplits kommt es indes zu diesem Phänomen - ganz abgesehen davon, daß die zusätzlichen Organe des Menschen eine noch weit begehrenswertere Beute für Räuber darstellen als Fleisch, da sie nicht erst gegessen, verdaut und in eigene Leistung umgesetzt werden müssen, sondern ganz so, wie sie sind, machtsteigernd eingesetzt - und außerdem noch durch Verkauf in den Zauberstab Geld verwandelt werden können.

Eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit bei der Beseitigung des Psychosplits und seiner Auswirkungen ist der Umstand, daß die räuberische Verhaltensweise unserer Vorfahren noch ungemein tief in unserem Unterbewußtsein verankert ist - und wir sie deshalb selbst in der Welt des Halben Räubers entbehren. Wenn Kriminal- und Wildwestfilme im Fernsehen so hohe Einschaltquoten erzielen, dann liegt das wohl daran, daß unsere Instinkte gleichsam die "verlorene Heimat" vermissen, und man somit zumindest in der Phantasie wieder in diese zurückkehren will. Es geht meines Erachtens weniger um die Auseinandersetzung zwischen "Gut" und "Böse", die so stark fasziniert, sondern um das ursprüngliche Milieu des Räubers, in das wir über die Filmhandlung zurückzukehren genießen. Ganz in diesem Sinne ist es Tatsache, daß Rücksichtslose, Mächtige, ja verbrecherisch Tätige, eine geradezu magische Anziehungskraft auf sehr viele ausüben, ja es nicht wenige gibt, die sich lieber der Leitung eines machtvollen "Bösen" oder eines geschickten "Gauners" als jener eines verläßlich "Guten" anvertrauen. Deshalb gibt es meines Erachtens unter den Halben Räubern - die also Tauscherwerb mit Raubstrategie betreiben - sehr viele, die nicht so leicht für OBS und EKS zu gewinnen sein

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werden, selbst wenn sie so letzten Endes weniger erreichen. Diese "strategische Bravheit" ist ihnen einfach zu langweilig. Risiko, Augenblickserfolg und das Überwältigen anderer - körperlich oder mit geistigen Waffen - schafft ihnen unter Umständen stärkere Glücksgefühle, als verdientes Geld ihnen erkaufen kann.

Ein weiteres Anwendungsgebiet für OBS ist das Verhalten des Menschen im familiären und gesellschaftlichen Bereich - also im "Privatleben". Bei den so zahlreichen Wechselbeziehungen, die für Glück und Zufriedenheit von Bedeutung sind, kommt es in tausendundeiner Weise auf Tauschvorgänge an, die nicht über den Vermittler Geld erfolgen. Auch hier ist zu untersuchen, ob man nicht besser fährt, an Vorteile des anderen zu denken, wenn man die Erfüllung eigener Wünsche anstrebt.

Sodann: das Verhältnis des Menschen zu den übrigen Lebewesen, die - so primitiv und anders sie uns auch erscheinen mögen -, doch jener Nährboden sind, aus dem wir nach heutigem Forschungsstand hervorwuchsen und auf den wir, trotz aller Überlegenheit, auch weiterhin angewiesen bleiben. Egozentrisch, wie der Mensch nun einmal denkt, ist all dieses pflanzliche Gewächs und tierische Gekrabbel letztendlich zu unseren Diensten bestimmt. Auch hier ist zu untersuchen, ob nicht vielmehr ein Tauschverhältnis vorliegt, das unter die Regeln der OBS fällt. Bisher hat sich der Mensch der belebten Natur gegenüber in geradezu selbstverständlicher Unbekümmertheit als Räuber betätigt. Jetzt aber schlägt das Pendel allmählich zurück und die nachteilhaften Auswirkungen treten an den Tag. Die große Körperschaft, die wir "Menschheit" nennen, gelangt bereits zu einer anderen Einschätzung - einstweilen freilich nur dort, wo es unmittelbar unsere Interessen berührt. Der heutige "Umweltschutz" entspricht noch weitgehend

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der Einstellung des Halben Räubers und wird sich noch erheblich verändern müssen, damit es auch in diesem so wichtigen Sektor zu einer "fairen Abstimmung" und Partnerschaft kommt.

Eine weitere Abstimmung, mit der sich Philosophen aller Zeiten beschäftigt haben, ist jene zwischen dem Menschen und seinem Eigentum - oder in anderer Diktion: mit den zusätzlichen Organen.. Wieviel verkraftet hier der einzelne? Was entspricht der "menschlichen Dimension" - und was übersteigt sie? Wenn ein Mehr an Besitz zu einem Weniger an Zufriedenheit führt, dann stimmt ganz offensichtlich die Rechnung nicht57. Das heutige marktwirtschaftliche Denken, bei dem Umsatzsteigerung zum zentralen Faktor wurde, fällt nach meiner Ansicht noch in die Denkhaltung des Halben Räubers und wird vom Psychosplit äußerst begünstigt. Mit qualitativem Wachstum ist es jedoch nur beschränkt vereinbar.

Das Imponierverhalten des Menschen - ein Bestandteil des Inventares der sozialen Triebe - spielt hier eine erhebliche Rolle. Wenn ein Haus oder ein Kleid an Wert verlieren, wenn der Nachbar sich ein noch schöneres Haus baut oder die Nachbarsfrau in einem noch prächtigeren Kleid erscheint, dann stimmt auch hier die Rechnung nicht. Auch bei der Abstimmung dieser Instinktausrichtung und unserem echten, eigenen Interesse ist zu untersuchen, ob nicht auch hier Tauschverhältnisse vorliegen, die nach OBS beurteilt werden sollten.

Als vor einigen Jahrzehnten ein junger Amerikaner seinen Paß verbrannte und die Bewegung eines "Weltbürgertums" ins Leben rief, schlossen sich ihm mehr Anhänger an, als er bewältigen konnte. Vielleicht ist die Entwicklung heute so weit gediehen, daß dieses Experiment mit größerem Erfolg wiederholt werden kann.
 
 

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