8. Konsequenz:
Betrachte Angestellte nicht als
Produktionsmittel und Arbeitgeber
nicht als Melkkuh
Zieht man in Betracht, daß in den meisten marktwirtschaftlich organisierten Ländern die beiden Hauptparteien, welche die Entschlüsse der Regierungen lenken, einerseits die Position der Unternehmer und Freiberufler, andererseits jene der Arbeiter und Angestellten vertreten, dann zeigt das deutlich, welche zentrale Bedeutung diesem inneren Konflikt zukommt. Und zieht man weiters in Betracht, daß heute die beiden mit den größten Waffenpotentialen ausgerüsteten Staatengemeinschaften - der Ostblock und der Westblock - ihre grundsätz-
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liche Divergenz darauf stützen, daß die Ideologie der einen Seite dem Arbeiter zu seinem Recht verhelfen will, während die andere für freies Unternehmertum und das Recht auf private Kapitalbildung eintritt, dann wird besonders deutlich, wie wichtig es wäre, diese Auseinandersetzung, die uns bereits unmittelbar an den Abgrund eines Krieges mit Atomwaffen gebracht hat, aus der Welt zu schaffen. Wenn der Konflikt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gar nicht auf echten Sachzwängen sondern auf einer behebbaren Fehlschaltung innerhalb unseres Gehirnes beruht, liegt es nahe, unser bisher auf das Verhalten anderer Menschen gerichtetes Interesse auf den eigentlichen Ort der Misere - eben auf unser eigenes Gehirn umzulenken.
Daß alle diese schwerwiegenden Zwiste letztendlich mit dem Teilungsschlüssel bei erzielten Gewinnen zusammenhängt, ist wohl jedermann klar. Und daß die Arbeitsteilung, auf der unser wirtschaftlicher Fortschritt beruht, nicht ohne Befehlende und ohne Ausführende möglich ist, dürfte ebenso selbstverständlich sein. Solange unsere Vorfahren 2 Millionen Jahre lang als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen organisiert den Tieren und Pflanzen immer stärker überlegen wurden und sich über immer weitere Gebiete ausbreiteten, war innerhalb dieser Verbände noch weitgehende Harmonie. Wohl gab es Hierarchien in der Befehlsgewalt, und wer hier an höherer Stelle stand, bekam einen größeren Anteil als die anderen. Doch das wurde, sofern es nicht allzusehr übertrieben wurde, akzeptiert. Es gab ja auch Möglichkeiten, in diese höheren Ränge aufzurücken - außerdem gab es immer nur einige, die den dafür benötigten Einsatzwillen und die dazu nötigen Fähigkeiten hatten. Die übrigen waren in der Regel zufrieden, wenn ihnen Entscheidungen und Verantwortung kompetent abgenommen wur-
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den. Jedenfalls zogen alle im Verband letztlich am gleichen Strang - und der eigentliche Feind waren konkurrierende Verbände. Kam es zu Gefechten und Kriegen, dann vergaß man persönliche Zwiste und jeder war Partner der anderen. Erst die Erwerbsform durch Tauschakte führte dann innerhalb der anwachsenden, seßhaften Gruppen zu einer total anderen Situation. Durch die Aufsplitterung in Berufe kam es innerhalb der Verbände zu einschneidenden Interessenskonflikten - und der Psychosplit schuf innerhalb der anwachsenden Gemeinschaften den Halben Räuber.
Beginnen wir mit jenen Gewerbetreibenden, die größere Produktionen aufbauten und Angestellte als Mitarbeiter verpflichteten. Auch beim Angestelltenverhältnis geht es um einen Tausch. Der Unternehmer zahlt dem Angestellten eine bestimmte Summe Geld und erhält als Gegenleistung dessen Mitarbeit.
Nach all dem schon Gesagten ist nicht schwer zu erkennen, daß bei diesem Vorgang, bei dem der Unternehmer der Initiator ist, der Raubinstinkt ihm empfiehlt, mit möglichst geringer Bezahlung eine möglichst ausgiebige Leistung zu erhalten. Bei genau festliegenden Aufgaben und einem reichlichen Angebot an Arbeitskräften funktionierte diese Praktik über lange Perioden - widerspricht jedoch, wie sich auch oft gezeigt hat und heute immer deutlicher wird - optimaler Tauschstrategie und schadet dem Vorteil des Arbeitgebers.
Eine weitere Instinktsteuerung verstärkt noch diesen Vorgang - und zwar die älteste, allen Lebewesen eigene Strategie, sich im Wettbewerb durchzusetzen. Seit dem Einsetzen des "Lebens" vor etwa 4000 Millionen Jahren war es ausnahmslos so - und konnte gar nicht anders sein -, daß die Weiterträger dieses Vorganges, also die "Lebewesen", arbeitsteilige Systeme waren. Die Einhei-
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ten, aus denen sie bestanden, erbrachten verschiedene Leistungen - und je rationeller dies geschah, umso besser wirkte sich das im Wettbewerb aus. Neben Leistungssteigerungen durch Innovationen war deshalb für sie alle "Rationalisierung" die wichtigste Waffe im Konkurrenzkampf. Wer mit geringerem Aufwand als die übrigen, schneller und bei geringeren Fehlerquoten die für den Lebensvorgang und die eigene Verteidigung notwendigen Gesamtleistungen erbrachte, war im Vorteil, konnte bestehen und sich vermehren. Die übrigen gingen zugrunde, blieben in diesem Wettlauf auf der Strecke. Zwangsläufig gelangen so alle den Prozeß "Leben" fortsetzenden Arten von Organismen zu möglichst weitgehender Rationalisierung - was durchaus dem ökonomischen Prinzip in der Wirtschaft entspricht (vgl. Abb. 17).
Somit ist es geradezu selbstverständlich, daß auch Verhaltenssteuerungen, die sich bei den höher entwickelten Tieren über den Vorgang des "Lernens" ausbilden, generell darauf hinzielen, benötigte Funktionen mit möglichst geringem Energieaufwand, möglichst präzise und möglichst schnell zu erbringen. Als nun der Mensch auf den neuen Energieerwerb über Tauschakte überging und es dabei auf Grund der besprochenen Zusammenhänge zum inneren Steuerungskonflikt des Psychosplits kam, wirkte sich die bisher generell und eindeutig positive Tendenz, möglichst effizient und sparsam zu wirtschaften, plötzlich negativ aus. Nicht insgesamt - jedoch in einem wesentlichen Teilbereich.
Auch für jeden Freiberufler und jedes Unternehmen ist es nach wie vor von großer Wichtigkeit, so zu wirtschaften, daß mit möglichst geringem Einsatz ein Maximum an Ergebnis, an Leistung, an Qualität, an Attraktion für den Kunden, an positivem Echo am Markt ... und somit entsprechender Gewinn erzielt wird. Die verfügbaren
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Mittel müssen möglichst wirkungsvoll eingesetzt und überflüssige Ausgaben müssen tunlichst vermieden werden. Das gilt für die Beschaffung jedes Werkzeuges, für die Gestaltung jeder Einrichtung, für den Einsatz jeder Maschine ... aber es gilt nicht für das Produktionsmittel Mensch! Stelle ich Mitarbeiter ein, mache ich Menschen zu meinen zusätzlichen Organen, dann kommen ganz andere Wertungen und Reaktionen mit ins Spiel. Lege ich auch hier den unerbittlichen Maßstab von Angebot und Nachfrage an, und versuche ich auch aus dieser Einheit ein Maximum an "out-put" bei einem Minimum von "in-put" zu erzielen, dann kann dies weit größere Nachteile und Verluste schaffen, als es an Vorteilen einbringt.
Das aber bedeutet, daß jedes Unternehmen, das berufstätige Menschen zu seinen zusätzlichen Organen macht, ganz automatisch und geradezu zwingend durch die allerältesten, für sämtliche je existierenden Lebewesen maßgebenden Entwicklungs- und Verhaltensmaximen beeinflußt ist. Und diese besagen, daß bei jedem Produktionsmittel, sowohl bei der Anschaffung als auch bei den laufenden Kosten, überflüssige Ausgaben zu vermeiden sind. Das gilt somit auch durchaus für jeden Erwerb über Tauschakte, entspricht also auch den Kriterien von OBS. Nur eben mit der bedeutsamen Einschränkung, daß zum Organ gemachte Menschen nicht nach diesen, seit Urzeiten gültigen Kriterien zu behandeln sind. Denn sie sind wandlungsfähig, können sich bei richtiger Führung, zu weit leistungsvolleren Organen entwickeln. Ja, es kann dazu kommen, daß sie - selbst aus kleinsten Anfängen heraus - letztendlich den Erfolg des Gesamtunternehmens entscheidend bestimmen!
Mewes erzählte mir von einer Frau, die sehr tatkräftig ein Unternehmen aufbaute und zunächst auch bemer-
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kenswerten Erfolg hatte; dann aber nur noch beschränkt weiterkam. Sie löste ihr Problem, indem sie zwei ihrer leitenden Mitarbeiter zu ihren Partnern machte, und dabei so weit ging, daß sie jeden der beiden mit einem Drittel am Unternehmensgewinn beteiligte. Ihr Rechtsanwalt war verzweifelt. Er meinte, daß sie mindestens 51 % der Anteile behalten müßte. Die Pointe dieses Falles ist, daß sie schon nach wenigen Jahren doppelt so viel verdiente, als früher mit ihren hundert Prozent. Zu diesem Erfolg trug noch bei, daß sie über ein sorgfältig ausgearbeitetes Verrechnungssystem auch sämtliche Angestellte am Unternehmensergebnis beteiligte.
Damit wurde bereits auf zwei Faktoren hingewiesen, die eine echte Partnerschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer - so vorteilhaft sie auch für beide Teile sein mag - wesentlich erschwert. Erstens aktiviert der Psychosplit beim Arbeitgeber die Ausrichtung auf den eigenen Nutzen. Zweitens ist ihm, wie überhaupt allen Lebewesen, eine Tendenz zur Rationalisierung angeboren, die zur Einschätzung des Mitarbeiters als "Produktionsmittel wie jedes andere" und so zu krassen Fehlern und Mißständen führt.
Solche beeinflußten seinerzeit Marx zu seinem Lösungsvorschlag, daß der Besitz von Produktionsmitteln insgesamt verboten werden müßte, - was sich jedoch als folgenschwerer Denkfehler erwies. Denn der kommunistische Staat, der dies verwirklichte und allen Arbeitern nun eine gerechte Beteiligung am Gewinn bringen sollte, wurde so zu einem gigantischen Riesenunternehmen, das bei so extremer Diversifizierung dem Bedarf einer zahlenmäßig so großen Kundschaft mit bestem Willen nicht nachkommen kann, während der "Aktionär" - also der Arbeiter, bzw. der Bürger schlechthin - vom jeweiligen Ort der Gewinne und Verluste viel zu weit
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entfernt ist, um zu besonderem Einsatz motiviert zu sein. Marx dachte, sehr zu Recht, an den "Mehrwert", den ein Mensch - gegenüber allen anderen Produktionsmitteln schaffen kann, übersah jedoch darüber jenen anderen Mehrwert, den der private Unternehmer kraft seiner Initiative, seines Geistes und seiner Risikobereitschaft zum gemeinsamen Erfolg beisteuert.
Zu den genannten, bereits schwerwiegenden Dissonanzen, die der Psychosplit beim Verhalten des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer verursacht, kommen nun noch weitere, ebenfalls gravierende und nicht leicht zu überwindende hinzu.
Wie schon ausgeführt, sind allen Tieren nicht nur Verhaltensweisen, die sie zu ihrer Nahrung führen, angeboren, sondern im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit auch solche, die sie Feinde erkennen lassen und dann bei ihnen entsprechende Reaktionen der Flucht, des Versteckens oder der Gegenwehr in Gang setzen. Um Beute aufzuspüren und zu überwältigen, ist zielgerichtete Aufmerksamkeit nötig, was zwangsläufig die Abwehrbereitschaft gegen Feinde herabsetzt. Das aber kann - wie schon hervorgehoben - leicht dazu führen, daß ein mit Beuteerwerb beschäftigtes Tier selbst unversehens im Magen eines anderen endet.
Auch zur Verminderung dieses Risikos haben sich zusätzliche Instinktsteuerungen entwickelt - wie etwa das bei den meisten Säugetieren ausgeprägte "Sichern". Beobachten wir etwa einen Affen, wenn er frißt, dann sehen wir, wie er ganz automatisch in regelmäßigen Intervallen nach den Seiten und nach rückwärts blickt. Obwohl für den Menschen in der zivilisierten Welt, wo Raubtiere nicht mehr zu fürchten sind, diese angeborene Steuerung überflüssig wurde, ist sie doch erhalten geblieben, wie unbeobachtet gefilmte Zeitlupenaufnahmen
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von essenden Menschen in den verschiedensten Weltteilen gezeigt haben50. Ist man mit dem Phänomen vertraut, dann kann man es in jedem Restaurant, besonders bei einzeln sitzenden Menschen, beobachten. Ganz unwillkürlich wandern beim Essen die Augen immer wieder blitzschnell nach beiden Seiten.
Auch diese zum räuberischen Beuteerwerbsverhalten gehörende Sensibilisierung der fast jedem höheren Tier angeborenen "Vorsicht" beim Erwerb von Beute wird durch den Psychosplit aktiviert und erschwert in Unternehmen eine auf OBS ausgerichtete Strategie. Es geht dabei nicht um das Drehen von Kopf und Augen, sondern um eine gesteigerte Appetenz, vorsichtig zu sein und nach Räubern Ausschau zu halten. Daß sich dies unwillkürlich in Regungen des Mißtrauens gegenüber Angestellten äußert, liegt auf der Hand. Umsomehr als auch Erfahrung und Vernunft darin bestärken, daß solche "Untergebene" sehr wohl potentielle Feinde sein können. Diebstähle gehören in Unternehmen nicht zur Seltenheit. Und noch größer kann der Schaden sein, wenn Werkspionage betrieben wird und wichtige Informationen an Konkurrenten gelangen. Jeder Angestellte befindet sich gleichsam "innerhalb der Mauern der Festung" und kann davon Gebrauch machen. Während Tiere den Vorteil haben, angeborenermaßen ihre Feinde zu erkennen, kann man dem Menschen äußerlich weit schwieriger anmerken, was er gerade im Schilde führt.
Um Angestellte zu motivieren, im Unternehmen einen Partner zu sehen, ist es überaus wichtig, sie nicht nur korrekt, sondern auch freundlich zu behandeln, - aber auch hier kommt es zu einer Schwierigkeit. Denn freundliches Verhalten wird vom Räuber - und ebenso auch vom Halben Räuber - leicht als Schwäche empfunden und dementsprechend ausgenützt. Um somit Ange-
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stellte zu motivieren, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren und dessen Ziele zu fördern, muß ein gegenseitiges Vertrauen entstehen, wozu jedoch argwöhnische Kontrollen keineswegs beitragen. - Ebenso wenig aber auch allzu freundliches Verhalten.
Welchen Ausweg gibt es aus diesem Dilemma? Wie können Arbeitgeber und Arbeitnehmer trotz dieser Regungen, deren Ursprung ihnen ja selbst gar nicht bekannt ist, zu einer sich auf gegenseitiges Vertrauen stützenden Partnerschaft gelangen? Die oben erwähnte Unternehmerin, die ihre Mitarbeiter mit je einem Drittel zu Partnern machte, gab mir darauf die Antwort: "Es geht nur über kleine Schritte! Nur über kleine Schritte wird erkennbar, ob der andere die ihm gebotene Partnerschaft annimmt und gezeigtes Entgegenkommen nicht als Schwäche auffaßt, die er dann eines Tages entsprechend ausnützt."
Noch ein weiterer schwerwiegender Einfluß, den der Psychosplit bewirkt, trägt dazu bei, das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu belasten. Angestellte werden ja nicht nur gelegentlich zu Dieben und zu Alliierten von Konkurrenten, sondern - was weit häufiger vorkommt und nicht minder schlimm ist - selbst zu Konkurrenten. Sie gewinnen wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen, gewinnen Beziehungen - und machen sich dann eines Tages selbständig, nicht selten unter Mitnahme von so und so vielen bisher treuen Kunden. Hier freilich liegt ein Sachverhalt vor, der aus evolutionärer Sicht das Einfachste und Selbstverständlichste der Welt ist. Denn jedes Tier, obwohl es keine Ahnung davon hat, benützt alle seine Gewinne - seinen "Ertrag" im wirtschaftlichen Sinn - zu nichts besserem als dazu, sich über den Vorgang der Fortpflanzung selbst neue Konkurrenten zu schaffen. Denn kein
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anderes Tier ist körperlich und verhaltensmäßig so akkurat gleich ausgestattet, wie der Artgenosse. Unter den zahlreichen Konkurrenten, die fast jede Tierart hat, ist ausgerechnet er der allerschlimmste. Zwar bildeten sich auch hier wieder erbliche Reaktionen aus, die verhindern, daß Artgenossen einander ernsthaft beschädigen ("Demutsstellung" etc.). Das aber ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn weit schlimmer ist, daß der auf den gleichen Nahrungserwerb ausgerichtete Artgenosse, falls man nicht im selben Rudel mit ihm zusammenlebt, die eigene Existenzbasis untergräbt. Erst beim Menschen kam es dahin, daß kein Individuum gezwungen ist, das Ergebnis seiner Anstrengungen dafür zu verwenden, sich selbst neue Konkurrenten zu schaffen. Kein Schmied ist gezwungen, weitere Schmieden zu finanzieren. Er kann erzielte Überschüsse auch zur Begründung ganz anderer Unternehmen - etwa eines Gasthauses oder eines Frisiersalons - verwenden, die für seine Schmiede ganz ebensowenig eine Konkurrenz bedeuten wie für eine Biene ein Wolf. Durch die zusätzlichen Organe und die daraus resultierende Entstehung sehr verschiedener Berufsarten ist längst nicht mehr jeder Mensch unmittelbarer Konkurrent des anderen. Die Erwerbsformen der "Berufstätigen" sind ebenso verschieden wie jene der mannigfachen Arten von Tieren51.
Somit gehört zu den Raubinstinkten - den Appetenzen des Räubers - nicht nur die Vorsicht gegenüber Feinden, die ihn selbst in Beute verwandeln können, sondern auch die wachsame Ausrichtung auf Artgenossen, die bei sämtlichen Tieren die allergefährlichsten Nahrungsrivalen sind. Auch diese Tendenz bewirkt über Konditionierung - also über das Phänomen des Psychosplits - zwangsläufig, daß der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer reserviert gegenübersteht. Vernunft und Erfahrung tre-
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ten hier noch hinzu und empfehlen ihm: "Sei auf der Hut. So sympathisch dieser Mann oder diese Frau auch sein mögen: Im Handumdrehen können sie sich in Konkurrenten verwandeln!" Auch das sind Motive, die es dem Arbeitgeber schwer machen, mit Angestellten zu einem Verhältnis optimaler Partnerschaft zu gelangen.
Beim Arbeitnehmer ist es nicht anders. Für ihn ist die Anstellung, also der Verkauf seiner Leistungen, die Erwerbsform, um über Tausch an Geld zu gelangen. Somit empfiehlt auch ihm der Psychosplit, nur ja an das eigene Interesse zu denken. Der Verdacht des Arbeitgebers, daß seine Angestellten ihn schädigen könnten, ist in der Tat genau das, was diesen die aktivierten Raubinstinkte nahelegen.
Wer strebsam ist und Karriere machen will, steht in größeren Unternehmen außerdem der schwierigen Frage gegenüber: Wer ist nun nach OBS meine Zielgruppe, mein Kunde, dem ich ein möglichst perfekter Problemlöser sein soll? Ist es der Vorgesetzte? Oder der Abteilungsleiter? Oder das Unternehmen insgesamt? Oder die Branche - indem ich zu Konkurrenten, denen ich besser dienen kann, überwechsle? Oder eine andere Branche, in der meine Fähigkeiten vielleicht noch mehr benötigt werden? Und wie kann ich zu einflußreichen Beziehungen gelangen -? Eine Unzahl von Büchern geben hier Ratschläge, und Vance Packard beschrieb sehr anschaulich, wie man sich in den USA in den Hierarchien größerer Unternehmen als "Pyramidenkletterer" betätigt52. Ein sehr weiser Scherzspruch, den sich jeder in der Wirtschaft zu Herzen nehmen sollte, besagt: "Alle denken an sich, nur ich denke an mich!" Diese Einstellung gilt es zu beseitigen. Aus Sicht der OBS ist hervorragend wichtig, wie man auf Seiten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer durch Bewußtmachung und Neutralisie-
(Originalbuchseite 284)
rung der durch den Psychosplit zum beiderseitigen Nachteil
geweckten Raubinstinkte die inneren Spannungen entschärfen und so
zur Beseitigung "innerer Reibung" beitragen kann. Je mehr Unternehmen zu
einer alle Teile befriedigenden Ganzheit werden, umso erfolgreicher wird
ihre Leistung53.
Von zentraler Bedeutung ist, daß der Arbeitgeber die Arbeitnehmer
nicht als Produktionsmittel betrachten - und der Arbeitnehmer den Arbeitgeber
nicht als Melkkuh.
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