(Originalbuchseite 185)

3. Konsequenz:

Sei bestmöglicher Schlüssel
für das richtige Schloß

 
 
 
Nehmen wir an, es gäbe einen Tresor, in dem sich Geld befindet, und ich hätte einen Schlüssel, um ihn zu öffnen. Dann stellt sich heraus, daß der Schlüssel nicht paßt - also nützt er mir nicht. An das Geld komme ich nicht heran. Oder nehmen wir als zweiten Fall an, der Schlüssel paßt, doch als ich den Tresor öffne, stellt sich heraus, daß er leer ist. Auch diesmal bleibe ich ohne Geld.

In der ersten Prämisse wurde darauf hingewiesen, daß Energieerwerb für alle Lebewesen von entscheidend wichtiger Bedeutung ist. Ohne Energie ist weder Arbeit noch Bewegung möglich - ohne Energie kann somit kein Lebewesen existieren. Also muß jedes Lebewesen so geartet sein, daß es irgendwie an Energie gelangt.

Wie immer die Energiequelle beschaffen sein mag, man kann sie mit einem Tresor vergleichen. Jedes Lebewesen ist somit darauf angewiesen, einen solchen Tresor zu öffnen. Verfügt es über den richtigen Schlüssel, dann ist die erste Voraussetzung dafür gegeben, daß es bestehen und sich weiterentwickeln kann. Ein Freipaß ist das freilich nicht! Wird ein Käfer durch Steinschlag zerquetscht, dann nützt ihm nicht, daß er vorzüglich Energie erwerben kann. Immerhin aber hat jedes Lebewesen, das zu Energieerwerb fähig ist, die primäre Voraussetzung für das, was wir "Leben" nennen.

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Abb. 13: Die Schloß-Schlüssel-Determination. Jedes Lebewesen, jeder Berufstätige und jedes Unternehmen (Betrieb) sind auf eine positive Energiebilanz angewiesen. Sie müssen aus Umweltquellen mehr Energie gewinnen - direkt oder über Geld - , als ihre sämtlichen Tätigkeiten verbrauchen. Ihr Verhältnis zu dieser Energiequelle entspricht der eines Schlüssels zu einem von diesem zu öffnenden Schloß (Energontheorie). Sein Schlüsselbart muß dem Mechanismus des. Schlosses entsprechen. Das Schloß trägt kein Quäntchen Energie zur Schlüsselherstellung bei - und legt doch zwingend fest ("determiniert") die Ausbildung des Schlüsselbartes. (Näheres im Text.)

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Die höherentwickelten Tiere haben die Fähigkeit zu lernen, also auf Grund gemachter Erfahrungen ihr Verhalten zu verbessern. Mit dem Körper müssen sie jedoch Vorlieb nehmen, wie er ist. Manche Organe können sich zwar besonderen Umwelt- und Lebensbedingungen anpassen - etwa Muskeln, die sich stärker entwickeln, wenn sie viel gebraucht werden. Aber zusätzliche Organe können auch lernbefähigte Tiere nicht für sich herstellen. Am Schlüsselbart, den ihr Körper darstellt, können sie kaum etwas verbessern. Eignet er sich dazu, eine Energiequelle zu erschließen, dann haben sie die Chance zu bestehen und setzen so die Lebensentwicklung fort. Wenn nicht, dann nicht (Abb. 13).

Wer ist nun für die Ausbildung des Schlüsselbartes verantwortlich - für das Leistungsprofil, um einen in der Wirtschaft gebräuchlichen Ausdruck zu verwenden? Wie ist es bei einem vom Menschen geschaffenen Schlüssel? Beauftrage ich einen Schlosser, für ein bestehendes Schloß einen Schlüssel anzufertigen - wer ist dann der Urheber dieses Schlüsselbartes?

Einerseits ist es jedenfalls der Schlosser. Er hat ihn ja zurechtgefeilt, er hat diesen Schlüssel hergestellt. Der Schlüssel ist sein Werk, daran ist kaum zu zweifeln.

Andererseits aber ist der Urheber dieses besonders gestalteten Schlüsselbartes keineswegs der Schlosser. Er mußte ihn genauso gestalten, daß er dem Mechanismus des Schlosses entspricht. Er hatte somit bei der Anfertigung dieses Schlüsselbartes keinerlei "Freiheitsgrade": das Schloß schrieb ihm vor, wie der Schlüsselbart - um den Mechanismus zu öffnen - beschaffen sein mußte. Das Schloß beteiligte sich in keiner Weise aktiv an der Herstellung des Schlüssels - war aber trotzdem Urheber dieser besonderen Form.

Vielleicht kann man nur unten im Meer solche ab-

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surde Gedanken haben, doch meine Tauchtätigkeit als Forscher in den Korallenriffen legte sie mir zwingend nahe. Jeder der so vielgestalteten bunten Fische, die ich da sah, war ein Schlüssel, der eine Energiequelle aufzuschließen vermochte. Daß er dazu tatsächlich in der Lage war, bewies mir die Tatsache, daß er sich hier vor mir bewegte, mit so geschickten Bewegungen auf Nahrungssuche ging, so blitzartig davonschwamm, wenn eine Gefahr ihn bedrohte.

Die Energiequelle war hier die Beute, der er nachstellte, die Nahrung, die er mit seinem Maul in sich aufnahm. Wer war der Urheber seiner Gestalt, der Organisation seines Körpers? Beim Schlüssel, den der Schlosser herstellte, war dieser es nicht - ja konnte es gar nicht sein. Der Mechanismus des Schlosses legte zwingend fest, wie der Schlüssel beschaffen sein mußte, um es aufzusperren. Bei den Fischen, die ich beobachtete, war das zu öffnende Schloß die jeweilige Beute. Je nachdem, wie diese beschaffen war, wo sie sich versteckte, wie sie sich verhielt, mußte die betreffende Fischart beschaffen sein, um sich ihrer bemächtigen zu können.

Der Mensch - hoch oben, an Land - war als einziges Lebewesen zur Fähigkeit gelangt, seinen Körper durch zusätzliche, künstlich gebildete Organe zu verbessern. Seine Energiequelle war, ebenso wie bei diesen Fischen, "Nahrung" in Gestalt von Pflanzen oder anderen Tieren. Durch seine zusätzlichen Organe - Wurfstein, Pfeil und Bogen, Fallgrube, Gewehr - wurde er zu einem Räuber, der allen Tierkonkurrenten weit überlegen wurde. Er ging dann zum indirekten Nahrungserwerb über Tausch über, indem er sich auf die Herstellung zusätzlicher Organe oder benötigter Dienstleistungen spezialisierte, diese dann an Interessenten verkaufte und mit dem erlösten Geld von anderen eingebrachte Nahrung

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erwarb. Oder auch Dienstleistungen anderer oder Produkte, die sie herstellten.

Der Vorgang war hier komplizierter. Mit einem Schlüssel wurde gleichsam ein anderer erworben - nämlich Geld -, und mit diesem Universalschlüssel konnte dann nicht nur Nahrung sondern auch fast alles sonst Benötigte erworben werden...

Um an Geld zu gelangen, mußte ein Bedarfer befriedigt werden. Er und seine Ansprüche waren somit das dort zu öffnende Schloß. Wie mußte in diesem Fall der Schlüsselbart gestaltet sein? Wer war hier Urheber des erforderlichen "Leistungsprofils"? Ohne jeden Zweifel: eben der Interessent und sein Bedarf. Sie legten fest, über welches Angebot Geld vom Bedarfer erworben werden konnte.

Ich wandte mich in der Folge dem Studium der menschlichen Organisation, insbesondere dem menschlichen Energieerwerb zu. Ich untersuchte "energieerwerbende Systeme", gleichgültig ob es Pflanzen, Tiere, Berufstätige oder Unternehmen waren. Zweck dieser Bestrebung. war es, festzustellen, ob alle diese so verschiedenen Lebenserscheinungen auf Grund des für sie alle notwendigen Energieerwerbes nicht vergleichend beurteilt werden konnten, ob ihre so mannigfache Gestalt sich nicht letztendlich aus den gleichen Gesetzmäßigkeiten erklärte.

Beim Menschen gibt es wohl keine wichtigere Entscheidung, als welchen Beruf er erwählt, um an das für sein Leben und seine sonstigen Wünsche notwendige Geld zu gelangen. Da es beim Erwerb über Tausch entscheidend auf die Zufriedenheit dessen ankommt, dem ich Produkte oder Dienste anbiete, darf sich mein Angebot nicht nach meinen eigenen Vorstellungen richten, sondern muß den Wünschen des Tauschpartners möglichst gut entsprechen. Er ist das Schloß und lenkt, ohne

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auch nur einen Finger zu krümmen, was ich ihm anzubieten habe, um bei ihm erfolgreich zu sein. Also können mir auch die weisesten Lehren nicht sagen, was ich ihm anzubieten habe. Ich kann das nur aus seiner Reaktion erfahren.

Der praktische Schluß aus dieser im Korallenriff geborenen Gedankenfolge - die hier sehr vereinfacht dargestellt ist - lautete klipp und klar: Wer im Wirtschaftsleben erfolgreich sein will, darf nicht an sich und seine Probleme denken - sondern an den jeweiligen Tauschpartner und dessen Probleme. Je besser es gelingt, ihm zu dienen und seine Probleme zu lösen, umso größer sind die eigenen Chancen. Die Beschaffenheit des Schlosses legt auch hier fest, wie der Schlüssel beschaffen sein muß.

Daraus aber ergab sich, wie der Mensch vorgehen muß, um beim Energieerwerb über Tauschakte erfolgreich zu sein. Als erstes muß er offensichtlich feststellen: Welche Art von Schlüssel bin ich? Über welche Fähigkeiten und Mittel verfüge ich? Wie sieht mein mögliches Leistungsprofil, wie sieht mein "Schlüsselbart" aus?

Erst wenn das geklärt ist, folgt als zweite Frage: Welche Schlösser gibt es, die mein Schlüsselbart aufsperren kann? Für wen kann ich am besten Tauschpartner sein: ihm liefern, was er benötigt?

Der weitere Vorgang ist dann ziemlich klar vorgezeichnet. Der intelligente Mensch kann aktiv nach Partnern suchen, denen er besser als irgend ein anderer Dienste zu erweisen vermag. Ist die Passung hergestellt, dann ist die Voraussetzung für eine günstige Weiterentwicklung gegeben. Bei den Pflanzen und Tieren setzen sich im Konkurrenzkampf jene durch, die den Erwerbsgegebenheiten am besten entsprechen, passen sich diesen immer mehr an. Nicht aktiv sondern passiv, indem

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das weniger Geeignete auf der Strecke bleibt. Beim Erwerb über Tausch ist es nicht anders. Hat erst ein Schlüssel zum passenden Schloß gefunden, dann steuert auch hier das Schloß die Weiterentwicklung. Da es in diesem Fall um beiderseitigen Vorteil geht, ist diese Steuerung nicht bloß passiv und verläuft darum auch wesentlich schneller. Der zufriedene Kunde unterstützt im eigenen Interesse den Anbieter, der ihn zufrieden macht. Darauf kommen wir noch ausführlicher zurück.

In meinem Buch "Energon", in dem ich meine Schlußfolgerungen darlegte, schrieb ich: "Beim Schuster ist der Schlüsselbart der von ihm hergestellte Schuh. Das zu öffnende Schloß - die Energiequelle - ist der Bedarf an eben diesem Objekt. Diesen befriedigt er, indem er dieses Objekt erzeugt, und für den Erwerb des Objektes ist der Tauschpartner bereit, einen Teil seines Energiepotentials abzugeben. Konkret: er gibt dafür Geld, einen Anweisungsschein auf beliebige menschliche Leistung."

Zur Frage, ob der Hersteller (oder Erfinder) über die Zweckmäßigkeit und Konkurrenzkraft eines Verkaufsproduktes entscheidet, schrieb ich: "Er entscheidet nicht darüber. Diese Entscheidung fällt vielmehr der jeweilige Bedarf. Was den Wünschen des Käufers entspricht, was also gekauft wird, ist zweckmäßig - ist konkurrenzfähig. Der Käufer - der Nachfrager - ist bei dieser Erwerbsform die Energiequelle. Auch hier steuert somit die Energiequelle das Aussehen des zu ihrer Erschließung benötigten Schlüssels. Sie steuert, welches Produkt sich durchsetzt. Sie - die Energiequelle, der Nachfrager - steuert den Erwerbsakt der anbietenden Firmen."

Zum Thema, wie automatisch solche Steuerungsvorgänge verlaufen, schrieb ich: "Trinke ich Coca-Cola oder Gordon Gin, dann geschieht das nicht, weil ich den

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Eigentümer oder die Aktionäre dieser Firma fördern will, sondern weil diese Getränke mir schmecken. Ganz allgemein: Der Nachfrager ist - in der Regel - nicht daran interessiert, auf die Firmen Einfluß zu nehmen, deren Produkte er kauft. Er will seine Bedürfnisse möglichst gut befriedigen, das ist alles. Und doch steuert er so ihre Entwicklung!" Und daraus ergab sich der Schluß: "Somit kann der Mensch nicht diktieren, was in seinen Erwerbsvorgängen zweckmäßig ist. Dies wird in erster Linie durch den Bedarf - durch die aufzuschließende Energiequelle - bestimmt. Störende und feindliche Umwelteinflüsse üben hier ebenfalls einen steuernden Einfluß aus. Auch sie - beispielsweise staatliche Verordnungen - nehmen Einfluß darauf, -was sich durchsetzen kann und was nicht."

Auch auf gezielte Beeinflussung des Marktes wies ich hin:

"Eine Besonderheit des Menschen besteht allerdings darin, daß er den Bedarf - besonders durch Werbung - selbst zu beeinflussen vermag. Das bedeutet dann: Der Schlüssel richtet sich nicht mehr nach dem Schloß, sondern das Schloß wird so verändert, daß ein bereits bestehender Schlüssel es aufsperrt. Von der Evolution her ist das ein höchst ungewöhnlicher und neuer Vorgang."40

Mewes war einer der ersten, die sich mit meinem sehr theoretisch angelegten Buch und der darin dargelegten Energontheorie beschäftigten. Er war in seiner Lehr- und Beratungstätigkeit im Wirtschaftsbereich zu mancher ähnlichen Ansicht gelangt und zog aus der Schloß-Schlüssel-Relation und der von mir dargestellten steuernden Wirkung der Energiequellen die praktische Konsequenz. In 9 Grundregeln ("strategischen Phasen"), die zu einem Zentralstück der EKS wurden, zeigte er

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methodisch und konsequent auf, wie im Wirtschaftsbereich zu verfahren ist, damit der Schlüssel zum richtigen Schloß findet und die steuernde Wirkung der Zielgruppe, für die man sich schlußendlich entschieden hat, dann einen Prozeß der "Selbstorganisation" einleitet. Das von ihm entwickelte strategische Konzept gilt - ganz im Sinne meiner Theorie - ebenso für Berufstätige wie für jedes Unternehmen, ist ebenso anwendbar für notwendige Kurskorrekturen, wie auch für die erste Berufswahl oder die Ausrichtung eines neu zu gründenden Betriebes.

Zunächst kommt es offensichtlich darauf an, das jeweilige Eignungsprofil - also den Schlüsselbart - dessen, der Leistungen anbieten will, genauer unter die Lupe zu nehmen. Sehr geschickt unterteilt die EKS diese Analyse in drei Fragenkomplexe, die jeder - auch ohne fremde Hilfe - mittels entsprechender Fragebögen und Hilfsanweisungen auf sich selbst anwenden kann. Erstens ist möglichst umfassend und unkritisch zu inventarisieren: "Welche besonderen Eigenschaften habe ich bzw. hat mein Betrieb?" Schon bei dieser notwendigen Ermittlung der Ist-Situation zeigte Mewes seine Stärke dadurch, daß er in diese Inventarisierung nicht nur berufliche Fähigkeiten, Problemerfahrungen, verfügbare Mittel und gesellschaftliche Beziehungen sondern auch Wunschvorstellungen mitaufnahm. Denn der heutige Mensch ist in historischen Rollenvorstellungen und Berufsabgrenzungen so festgefahren, daß er oft in ihm wache Wunschvorstellungen von vornherein ins Reich des Unmöglichen verweist, während diese sehr wohl Motivierungen und Talente aufzeigen können, welche Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Berufslaufbahn bieten. Als Korrektur, um auf nüchternem Boden zu bleiben, fügt die EKS hier gleich die Frage hinzu: "Wie sehen mich andere?"

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Mewes schreibt: "Diskutieren Sie mit vertrauenswürdigen Freunden, welche besonderen Eigenschaften sie bei Ihnen sehen und für welche Aufgaben sie Sie besonders geeignet halten." "Beispielsweise sollten Stellenbewerber herauszubekommen versuchen, warum sie bei Vorstellung oder Einstellung anderen gegenüber vorgezogen worden sind, um diese Eigenschaften bewußt zu verstärken. Betriebe sollten neue Interessenten und Kunden in geeigneter Weise fragen, aus welchen Motiven sie zu ihnen kommen und die alten, warum sie bleiben."

Das Ergebnis dieses ersten strategischen Schrittes ist eine Liste mit mehr oder weniger vorhandenen besonderen Eigenschaften und Möglichkeiten.

Als zweites folgt dann die Suche nach dem erfolgversprechendsten Spezialgebiet, also das Herausklauben "spezieller Stärken". Sehr wichtig ist dabei die Frage an sich selbst und allenfalls wieder an Freunde: Worin bin ich somit besser als Konkurrenten? Durch Profilierung welcher der "Zacken" in meinem Eignungsprofil habe ich somit die besten Chancen?

Wenn wir hier wieder an die Evolution der Pflanzen und Tiere denken, wird der radikale Unterschied zur menschlichen Erwerbssituation besonders deutlich. Während jedes Tier und jede Pflanze auf eine bestimmte körperliche Struktur festgelegt ist, kann der Mensch durch zusätzliche Organe und Steuerungen den Veränderungen in der Umwelt unmittelbar Rechnung tragen. Über lange Zeiträume hinweg war die Zahl der möglichen Berufe sehr begrenzt - heute jedoch gibt es immer neue Möglichkeiten, über die Erfüllung von Bedürfnissen und Wünschen, die bei anderen auftauchen, an Verdienst zu gelangen. Voraussetzung ist eben bloß, daß man sie erkennt.

Als drittes ergibt sich somit in der EKS als Schlußfolge-

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rung: Für die Lösung welcher Probleme bei welcher Zielgruppe bin ich somit besonders geeignet? Wo könnte, was ich zu bieten habe, besonders gebraucht werden?

Mewes führt zahlreiche Beispiele dafür auf, daß viele den Fehler machen, zu große Probleme zu wählen und dann zu schwach sind, um in kurzer Zeit eine deutlich bessere Lösung zu entwickeln. Der größte Fehler sei, sich nicht "spitz" genug auf die erfolgversprechendste Stelle zu konzentrieren.

In den folgenden vier "Phasen" wendet sich die Bemühung um die Ermittlung des richtigen Berufes beziehungsweise der richtigen Unternehmensausrichtung dem Fragenkomplex zu: Welche Schlösser gibt es, die mein Schlüsselbart am ehesten aufsperrt? Welcher Zielgruppe könnte ich am besten dienen?

Konsequent beginnt Mewes auch hier mit einer möglichst unkritischen Inventarisierung der Möglichkeiten, mit einer möglichst nüchternen Rohauswahl. Dabei seien nicht "Meinungen" und "fachwissenschaftliche Theorien" maßgebend, sondern "realistische Problemstellungen realistischer Zielgruppen".

Mewes: "Unter der EKS-Strategie wird der Engpaß zwischen der eigenen Leistung und den Realitäten der Zielgruppe bewußt analysiert und überwunden. Die Folge ist, daß die eigene Leistung und die Realitäten der Zielgruppe zunehmend besser ineinanderpassen. Wie ein Schlüssel ins Schloß." (Abb. 14)

Nach einer nüchternen und möglichst kompletten Auflistung von Möglichkeiten geht es dann wieder um eine nähere Auswahl, um eine "Selektion". "Bei welcher dieser Zielgruppen habe ich die besten Chancen?"

Diese Frage ist besonders bei Unternehmen wichtig, die sich auf die Herstellung allzu vieler oder allzu ver-

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schiedenartiger Produkte ausrichten. So wie Kürner sich in seiner Zwangslage entscheiden mußte, welche Wäsche er Konkurrenten überlassen und auf welche er sich spezialisieren sollte, so geht es in jedem solchen Fall darum, sich für das zugkräftigste und entwicklungsfähigste Angebot zu entscheiden. Und zwar stets im Hinblick auf eine noch bessere Problemlösung für den Kunden..

Hat diese Rohauswahl die vielversprechendsten Möglichkeiten ausgesondert, dann rät Mewes: "Statt lange zu planen und zu grübeln, sollte man lieber klein praktisch beginnen". Dies besorgte etwa ein Bankangestellter, indem er sich gezielt auf das Problem der Bankenwerbung ausrichtete und entsprechende Information und Kenntnisse sammelte. Ein Antiquitätenhändler stellte in seinem Schaufenster nacheinander Uniformen, Masken, Porzellan, Bilder, Luftfahrt-Erinnerungen und ähnliche "Angebots-Schwerpunkte" aus und testete gleichzeitig über Werbebriefe und Zeitungsanzeigen die Möglichkeit für ein Versandgeschäft für solche engbegrenzten Zielgruppen. Ein junger Malermeister richtete sich durch gleichgroße Anzeigen an verschiedene Teil-Zielgruppen, um sich für jene mit der besten Resonanz zu entscheiden. Er stellte fest, daß in seinem Bereich Malerarbeiten, die nicht besonders billig, jedoch besonders exklusiv ausgeführt wurden das meiste Interesse fanden.

Und nach diesen "kleinen, risikolosen Schritten" folgt wieder ganz logisch "der Sprung ins kalte Wasser". Also der Entschluß, sich für ein bestimmtes Schloß zu entscheiden. Dabei empfiehlt die EKS noch, jene Teilzielgruppe herauszuschälen, bei der man sich besonders sicher fühlt. Diese letzte Frage lautet somit: "Wie groß ist der Teil, den ich mir zumute?" Dabei sei es zweckmä-

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Abb. 14: Ziel der ersten sieben "strategischen Phasen" der EKS. In den ersten 3 Phasen wird ermittelt, wie das Eignungsprofil eines Menschen oder eines Unternehmens (Betrieb) beschaffen ist; in den folgenden, wo es eine Nachfrage gibt, die mit diesem Eignungsprofil möglichst optimal erschlossen werden kann. Je besser die Passung, umso besser kann der Kunde oder der Arbeitgeber befriedigt werden - und umso größer ist somit die Chance auf eigenen Erfolg. Nach W. Mewes 1972-1976, Lehrgang 10.

ßig, sich nicht etwa auf einen "Teil des zu lösenden Problems" sondern auf einen "Teil der Zielgruppe" zu differenzieren, die man dann noch individueller bedienen kann.

Schon bei diesen sieben Phasen des strategischen Programmes zeigt sich die große Kluft zwischen den bisherigen Methoden, durch Erziehung, Schulen, Lehre, Fachberatung etc. zur individuell günstigsten Erwerbsausrichtung zu gelangen, und den sich heute in steigendem Maß ergebenden Erfordernissen, welchen diese Metho-

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den nicht mehr gerecht werden können. Nach wie vor wird man über entsprechende Ausbildung Schreiner, Buchhalter, Ingenieur, Arzt, Offizier oder Inhaber der Qualifikation für einen der sonstigen, in historischer Entwicklung entstandenen Standardberufe. Dabei wird wohl in vielfacher Hinsicht ermöglicht, sich auf Spezialbereiche zu differenzieren: auf Elektro-Ingenieur, Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, Patentanwalt und ähnliches. Doch stets wird ein verhältnismäßig breites Wissensangebot verlangt und demgegenüber auf die heute immer zahlreicher werdenden, ganz anderen Erwerbsmöglichkeiten kaum oder nur oberflächlich verwiesen. Das entspricht durchaus dem Vorgang, bei der Produktion von Gütern nach bester Kenntnis der Marktwünsche eine Palette von Gütern herzustellen und diese dann mit gehörigem Druck an den Mann zu bringen. Legt das Schloß die jeweilige Form des Schlüssels fest, dann ist der andere Weg - wie ihn Mewes in die Praxis umsetzte - volkswirtschaftlich effizienter. Der Bedarf steuert dann nicht nur die Auswahl zwischen dem Gebotenen - sondern wird so in die Lage versetzt, die Entwicklung dessen, was er benötigt, selbst zu steuern.

Bei dieser Bestrebung nach der Suche einer möglichst optimalen Schloß-Schlüssel-Passung - sowohl für Berufstätige als auch für Unternehmen - könnte der Computer einen entscheidend wichtigen Dienst leisten. Noch steht das beliebte Gruselthema einer Computer-Welt im Sinne einer Orwellschen Maschinen-Diktatur im Raum, doch wie wenig diese Vorstellung den positiven Möglichkeiten, die der Computer dem Menschen bietet, gerecht wird, lehrt jede Buchung einer Flugpassage: Mit keinem anderen Mittel ließe sich das mit vergleichbarer Effizienz abwickeln. Die Aufgabe, jedem dabei zu helfen, zu der Erwerbstätigkeit zu finden, für die

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er am besten geeignet ist und wo er gleichzeitig den höchsten Nutzen bieten kann, dürfte wichtiger sein als manche andere, heute vom Sozialstaat wahrgenommene Funktion. So werden dann nicht "Arbeitsplätze geschaffen" - sondern jene vielen wahrgenommen, die der Fortschritt und der sich daraus ergebende Wandel an Problemen und Wünschen nach sich zieht.
 
 

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