6. Prämisse:
In seßhaften Gemeinschaften
kommt es zum
Energieerwerb über Tausch
Wir kommen nun zu jenem Zeitpunkt vor etwa 10.000 Jahren, auf den schon eingangs hingewiesen wurde.
Der Mensch wurde über Ackerbau und Viehzucht seßhaft. Größere Gemeinschaften bildeten sich: Verbände der verschiedensten Art und innerer Ausrichtung, die in der einen oder anderen Weise von Führungsgremien geleitet, also "regiert" wurden. Die zusätzlichen Organe hatte sich im Anfang dieser Entwicklung jeder selbst hergestellt, doch spezialisierten sich nun einzelne auf diese Aufgabe - was zu jedermanns Vorteil war. Sie konnten so besser, schneller, rationeller und somit auch mit weniger Energieaufwand zustandekommen - und in einem Tauschvorgang konnten sie jene, die sie benötigten, erwerben. Hier, freilich, kam es zu einem Problem: Was sollte als Gegenleistung dafür gegeben werden? In manchen Fällen traf es sich wohl, daß ein vom Hersteller benötigter Dienst für ihn akzeptabel war. Für diese Dienstleistung wurde dann das Produkt ertauscht. Ebenso konnte es auch vorkommen, daß der Abnehmer selbst andere Produkte herstellte, die wiederum der Anbieter benötigte. Nehmen wir jedoch an, das zu erwerbende Gut war ein Schwert, der andere produzierte dagegen Schuhe. Im Vergleich zum Aufwand, den das Schwert nötig machte - und jenem zur Erstellung von
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Schuhen - bestand eine erhebliche Diskrepanz. Dem Schwertschmied war nicht an so und so vielen Paaren Schuhen gelegen - er brauchte anderes, was ihm jedoch der Schuster nicht bieten konnte. Also war der Tausch offenbar nicht möglich. - Dieses Beispiel mag naiv klingen - und Tauschvorgänge spielten sich zunächst ganz anders ab und verliefen auch längst nicht so frei, weil es in diesen Gemeinschaften über weite Strecken der Geschichte hinweg mannigfache Machtstrukturen und Privilegien gab, die freie Geschäfte unmöglich machten oder zumindest sehr erschwerten. Mir liegt hier daran, das Prinzip aufzuzeigen: die zugrundeliegende Problematik, die dann immer und überall, auf den verschiedensten Umwegen doch zum gleichen führte - nämlich zur Erfindung des Geldes als notwendigen Vermittler zur Überwindung der sonst stets auftretenden, im Prinzip gleichen Schwierigkeit. Nur mit Hilfe eines solchen Universalvermittlers - ob er nun aus Papier oder Metall ist, ob irgendein Naturprodukt dazu verwendet wurde (etwa Kauri-Muscheln) oder irgend ein anderes Objekt: auf jeden Fall war ein solcher Vermittler nötig. Der kausale Entwicklungsvorgang der hier vorliegt, läßt sich, stark vereinfacht, so darstellen:
Erstens: Zur Erweiterung der Fähigkeiten des menschlichen Körpers sind zusätzliche Organe nötig.
Zweitens: Die Anfertigung solcher Objekte - ob das nun ein Schuh ist oder ein Haus, eine Steinaxt, eine Brücke oder ein Brunnen, erfordert einerseits Krafteinsatz und zum anderen entsprechende Fähigkeiten, die erlernt werden müssen: zusätzliche Steuerungen im Gehirn. Wer sich auf die Herstellung solcher Objekte spezialisiert, kann bessere Produkte liefern, kann den Vorgang rationalisieren und schneller gestalten. Er erspart jedem Nichtfachmann Mühe, Zeit und Kraftver-
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lust durch Fehler - ganz abgesehen davon, daß dieser bei schwieriger anzufertigenden Objekten selbst dazu gar nicht in der Lage wäre. Also besteht ein echter Bedarf nach solchen Spezialisten.
Drittens: Nur besteht eben die Schwierigkeit, dann konkret in Besitz dieser Objekte zu gelangen, dem Hersteller dafür ein Äquivalent für seine Leistung zu liefern. Um also die Voraussetzung für solche Spezialisierung zu schaffen und somit auch dafür, daß der Mensch durch verschiedenartige zusätzliche Organe seine Fähigkeiten und seine Macht steigern kann, muß ein solcher Vermittler gefunden oder geschaffen werden, gleichwohl, wie man im einzelnen dahin gelangt. Und der Vermittler muß so geartet sein, daß er zwei Voraussetzungen gerecht wird: Er muß innerhalb der Gemeinschaft allgemein anerkannt sein. Und er muß teilbar sein, sodaß sich der Gegenwert für jede Leistung gleichsam in kleine Portionen zerlegen läßt, die es dem Leistungserbringer ermöglichen, etwa mit einigen dieser Portionen Nahrung, mit weiteren benötigte Leistungen anderer zu erwerben.
Viertens: Daraus folgt, daß weder Geld noch seine notwendigen Eigenschaften beliebige Erfindungen sind - sondern eine funktionelle Notwendigkeit für weiteren Fortschritt. Eine Klippe, die der Mensch überwinden mußte - so oder so. Ein Problem, bei dessen Lösung es kaum Freiheitsgrade gibt. Zu dessen Lösung es früher oder später kommen mußte - und dazu waren die geistigen Fähigkeiten des Menschen durchaus im Stande. Es geht hier letztlich um einen ganz ähnlichen Vorgang wie bei der geistigen Leistung des Hundes, im Zaun eine Lücke oder ein Ende zu finden und so sein Ziel, das Fleischstück zu erlangen. Auch bei seinen Handlungen gibt es keine Freiheitsgrade - sondern den Erfolg nur
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eben über diesen Umweg. Zusätzliche Organe waren für den Menschen Voraussetzung für seinen Fortschritt und demnach ihre Herstellung überaus wichtig, und diese konnte rationell und reibungslos nur über einen Umweg vor sich gehen. Der Hersteller bekommt für seine Leistung so und soviele Portionen des Vermittlers - und kann mit diesen dann Ergebnisse der Leistungen Anderer erwerben: Nahrung oder von ihnen angefertigte zusätzliche Organe oder spezialisierte Dienste, die sie bieten.
Ist diese funktionelle Hürde erst überwunden, dann läuft alles übrige ziemlich von selbst. Die Einschätzung, wieviel jede Leistung und jedes Leistungsergebnis wert ist - wieviele Geldportionen er also für sie bekommt -, regelt sich nach "Angebot und Nachfrage". Daß der Wert des Geldes sich selbst nicht verändert, ist ein Problem, mit dem die Gemeinschaft irgendwie fertig werden muß. Wie der Interessent zum Hersteller findet, ist ein weiteres Problem, das sich über öffentliche Feilbietung (etwa Märkte) und einen weiteren Stand von Spezialisten regelt (die als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage vermittelnden "Händler"). Geld ist ein Tausendsassa, der sozusagen jede Leistung in jede andere verwandelbar macht, der das Ergebnis menschlicher Spezialisierung in das Ergebnis anderer menschlicher Spezialisierung transferieren läßt. Dies freilich nur unter der Voraussetzung, daß der Interessent den Wert dieser anderen Leistung selbst - im Äquivalent - zu erbringen vermag. Doch ein weiteres Plus des Geldes ist, daß man es "sparen", anhäufen - und so zu immer höherer eigener Zahlungsmacht gelangen kann. Man kann so jahrelang darauf hinarbeiten, schlußendlich einen besonders teuren Erwerb zu realisieren, eine als besonders wichtig empfundene Investition zustandezubringen.
Durch die "Erfindung" Geld kam es zu einer weiteren,
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entscheidenden Verbesserung im Energieerwerb. War es durch den geistigen Umweg Ackerbau und Viehzucht bereits gelungen - indem man Samen nicht aß, sondern in den Boden steckte, und indem man erbeutete Tiere nicht tötete sondern behütete und pflegte und zur Produktion möglichst vieler weiterer Nachkommen anregte -, sich die langen Wanderungen durch die Gegenden zu ersparen und in einem kleinen Areal das praktisch Gleiche zu erreichen, so kam es nun - über das Geld - dahin, daß man sich nicht mehr um Nahrung zu kümmern brauchte, wenn man sich um Nahrungserwerb bemühte. Man stellte Schuhe her - und siehe da: Sie verwandelten sich in Krautköpfe und gebratene Würste. Man verdingte sich als Gärtner - und gelangte so an Suppe, Kalbsbraten und Nachspeise. Man verhilft einem Mann in Australien zu einer Maschine, die er braucht und die in Schweden hergestellt wird, - und kann dafür der Familie einen Ferienurlaub finanzieren oder der erkrankten Tante eine Operation, oder sich, wenn man der Sammelleidenschaft verfallen ist, den Erwerb einer alten, fehlgedruckten deutschen Marke leisten. Für jede irgendwo benötigte Leistung wird der Erwerb jeder anderen möglich. Das ist die "Wirtschaft", in einem einzigen Satz zusammengefaßt.
Ist nun dieses merkwürdige Tauschwerkzeug "Geld" eine neue Energieform? Im physikalischen Sinn ist sie es nicht.
Erstens: läßt sie sich nur in Bereichen, wo diese "Valuta" anerkannt wird, in andere Energieformen verwandeln.
Zweitens: schwankt die Kaufkraft, also die Umwandlungsfähigkeit in andere Leistungsergebnisse, je nach wirtschaftlicher oder politischer Lage ganz außerordentlich.
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Drittens: sinkt die dem Geld innewohnende Macht auf Null in Gegenden, wo es keine Menschen gibt - etwa in der Wüste Sahara. Kaufe ich an einem bestimmten Punkt mit Geld Nahrungsmittel (als Energiequelle für mich, die Familie und Haustiere), dann hat für diesen Transfer und diesen Augenblick Geld einen genau in chemische Spannungsenergie umrechenbaren Wert. Investiere ich Geld in eine Windmühle, die Bewegungsenergie in elektrischen Strom verwandelt, dann ist das Ergebnis, der Profit, bei diesem Vorgang - unter Berücksichtigung der Amortisation der Anlage - dem technischen Wirkungsgrad einer beliebigen anderen Energieumwandlung gleichzusetzen. Aber im Augenblick, da der letzte Mensch stirbt, wird das Energieäquivalent von Geld Null.
Zu einer neuen Energiequelle wurde indessen der "Bedarfer", der "Kunde". Hat er selbst Geldüberschüsse erwirtschaftet und gelingt es mir, ihm davon einen Teil für eine Leistung, die er benötigt - oder ein Produkt, das ich ihm bieten kann (letztlich auch eine Leistung) zu entziehen, dann wandert eine entsprechende Portion seines Leistungspotentials in meine Tasche - und kann sich in weiterer Folge in alle möglichen, mir dienlichen Energieformen verwandeln. Wilhelm 0stwald, der als erster die volle Bedeutung der Energie im Lebensbereich und in der Wirtschaft erkannte, nannte jedes Werkzeug und jedes Organ einen "Energietransformator"22. Das ist im Bereich der gesamten Lebens- und Menschheitsentfaltung zutreffend. Denn nur über materielle Strukturen besonderer Art kann sich Energie zu den verschiedensten Spezialleistungen differenzieren - also zu solchen befähigt werden. In diesem Sinne ist auch jeder Berufstätige, jeder Betrieb, jedes Unternehmen, jeder Konzern ein "Energietransformator". Durch besondere materielle
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Ausstattung - einschließlich der notwendigen Steuerungen - gelingt es diesen Leistungserbringern, Energie - die ja zunächst ganz plump und nur zu höchst primitiven Leistungen fähig ist - zu Spezialleistungen zu veranlassen, man kann wohl sagen "sublimieren". Und solche Spezialleistungen haben eben im Rahmen von Angebot und Nachfrage einen bestimmten Wert, der über Geld wieder in andere Investitionen, in andere Energietransformationen, in andere Leistungsergebnisse überführbar ist. Also ist Geld - in einem begrenzten Gebiet - ein Energieüberträger. Sein jeweiliger Energiewert ist jedoch in keiner Weise konstant, sondern richtet sich nach der Umweltsituation, nach den jeweiligen Wünschen und Fähigkeiten von Menschen, nach den Zwecken, für die es verwendet wird - und deren Ergebnis. Werfe ich einen Geldschein zum Fenster hinaus, dann kann er über andere, die ihn finden, sich in weitere Energieformen umsetzen. Findet ihn niemand, dann nicht. Während Energie unzerstörbar ist - ist Geld zerstörbar.
Seit etwa 3000 Millionen Jahren kam es zu keiner anderen irgendwie bedeutsamen Form des Energieerwerbes als jene der Pflanzen und der Tiere. Erstere fangen gleichsam herrenlos an ihnen vorbeifliegende Energie ein und zwingen sie in ihren Dienst. Die Tiere rauben sie dann den Pflanzen oder anderen Tierkollegen. Nun, plötzlich, kam eine neue, indirekte Form des Energieerwerbes in die Welt. Man entzieht sie wieder anderen Lebewesen - jedoch nicht in einem gewaltsamen, räuberischen Akt. Man gewinnt sie im Tauschweg, wobei die Sache auch wieder nur klappt, wenn die Bilanz positiv ausfällt. Wohlgemerkt, die Energiebilanz, denn die Geldbilanz ist mit dieser nicht identisch.
Welche Strategie ist nun für den indirekten Weg, Energie über den Verkauf von Produkten, die benötigt wer-
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den, oder Leistungen, die man für andere erbringt, oder Vermittlungstätigkeit zwischen Angebot und Nachfrage zweckmäßig und zielführend? Versetzen wir uns in die Lage eines Tieres - eines Universalisten - der auf diese neue Erwerbsform umschwenkt, und nehmen wir an, dieses Tier könnte denken wie wir. Was wären seine ersten unmittelbaren Kommentare zu dieser neuen Alternative? Es würde nach einiger Überlegung wahrscheinlich folgendes zum besten geben:
Erstens: "Mit dieser neuen Form des Beuteerwerbes muß man sich sicherlich erst näher beschäftigen - doch eines läßt sich trotzdem wohl gleich zu Anfang sagen. Auch hier geht es um die Ausnützung einer Schwäche bei anderen. Worauf es hier ankommt, ist Bedarf - und dies ist bereits eine Schwachstelle, bei der ich ansetzen kann. Auch als erfahrener Räuber suche ich stets nach solchen Schwachstellen, wo ich am besten bei der Beute ansetzen kann. Will ich somit etwas verkaufen, dann werde ich auch bei dieser Erwerbsform nach Schwachstellen Ausschau halten - und daran bin ich gewohnt, das ist nicht neu."
Zweitens: "Auch hier kann ich, wenn ich meine Konkurrenten im Auge behalte, manches Wichtige lernen. Ganz besonders, wo sie etwa Beute entdecken und wo ich mich als Anwärter hinzugesellen kann. Bin ich schlau, dann kann ich aus ihrem Verhalten lernen und mir selbst überflüssige Arbeit ersparen. Beim Verkauf von Waren und Leistungen kommt noch hinzu, daß dies in einer weit mehr gesitteten Umgebung stattfindet und ich - Ausnahmen mag es da auch geben - nicht mit ernsteren Verletzungen rechnen muß. Bin ich schneller, geschickter, mache ich auf den Bedarfer vielleicht auch noch einen günstigeren Eindruck, dann kann ich den einen oder anderen Konkurrenten wahrscheinlich aus
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dem Rennen werfen. Ob Raub oder Verkauf: es kommt darauf an, Beute zu finden. In dem einen Fall, liegt sie in winzigen Dimensionen in der Struktur der Beute versteckt und muß dann recht mühsam erst aus Hunderttausenden von winzigen Depots freigesetzt werden. Im anderen trägt der Interessent sie in der Geldbörse oder in der Brieftasche. Dieser Vorgang hat sogar den großen Vorteil, daß ich das erworbene Geld bereits aktionsfähig erhalte und somit das, worauf es ankommt, nicht erst aus Eiweißmolekülen extrahieren muß. Und auch die vielseitige Verwendbarkeit ist kaum hoch genug zu veranschlagen. Habe ich es erst in der eigenen Tasche, dann kann ich mich in ganz außerordentlich vielfältiger Weise verbessern und zu mir wünschenswerten Vorteilen gelangen. Nur eben erbeuten muß ich es und hier sind mir die Konkurrenten einerseits im Wege, doch andererseits auch wertvolle Wegweiser. Auch da kann ich manches aus meinem gewohnten Repertoire einsetzen."
Drittens: "Eine geradezu völlige Übereinstimmung sehe ich in dem wichtigen Bereich der Rationalisierung - ob ich nun über räuberische Akte oder die Beseitigung von Problemen bei anderen zu Gewinn gelange. Daß es auch hier darauf ankommt, schnell zu sein, sagte ich schon. Nicht minder wichtig ist es aber auch bei dieser freundlichen Erwerbsform - ebenso wie beim Raub - die einzelnen Aktionen so auszurichten, daß sie präzise, also mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit, abgewickelt werden und zwar insgesamt so, daß dem eigenen Aufwand ein gehöriges Mehr an Gewinn gegenübersteht, also ein möglichst fetter Profit abfällt. Auch bei diesem Geschäft gibt es sicher Schwankungen: Zeiten, da es besser läuft, und dann wieder Durststrecken. Auch hier ist es sicher sehr wichtig, nicht fröhlich in den Tag hineinzuleben, sondern Vorsorge für schlechte Zeiten zu treffen, also
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entsprechende Reserven anzulegen. Natürlich sind diese Reserven auch wieder genau das, was mir andere bevorzugt entreißen wollen. Ob sich da Geld besser verstecken oder sonst sicherstellen läßt, als die Anlage von Fettdepots, die meine Beweglichkeit herabsetzen, bleibt festzustellen. Jedenfalls handelt es sich aber auch hier um ein Geschäft, wo mir viele meiner bisherigen Erfahrungen zugutekommen. Auch List wird beim Absetzen eines Produktes oder einer Leistung gut eingesetzt werden können - ebenso wie beim Raub. Bei Raub geht es darum, die Beute an Flucht zu hindern - bei Verkauf, soweit ich es ohne Erfahrung abschätzen kann - ist ebenfalls entscheidend wichtig, den einmal aufgespürten Interessenten möglichst festzuhalten und nicht wieder entwischen zu lassen. Sicher sind da die Methoden andere, doch weitgehend läuft es auf das Gleiche hinaus. Auch Überrumpelung, Ausnützen einer spezifischen Gestimmtheit beim Kaufinteressenten, selbst ein gewisser Druck, um ihn zu seinem Entschluß zu veranlassen, kann hier wahrscheinlich das Ergebnis fördern. Ja hier wird es sogar möglich, daß bei der Transaktion mehr herausspringt, als ursprünglich zu erwarten war - während eine gefressene Maus eben nicht mehr Energie abwerfen kann, als in ihr enthalten ist."
Viertens: "Was hier erfreulicherweise wegfällt, ist offensichtlich die Gefahr, während man auf die Erwerbsanstrengung konzentriert ist, selbst in einem Magen zu enden. Das macht diese weit zivilisiertere Erwerbsform ungemein sympathisch. Wenn ich mich an die Spielregeln halte, schützt mich die Gemeinschaft, die Rechtsordnung, der Staat. Aber irre ich mich hier nicht am Ende? Geld ist ein so ungemein vielfältiger Erfüller von Wünschen: Bringt mich da nicht jeder größere Erwerb doch in Gefahr - zwar nicht der Erwerbsakt aber dessen
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Ergebnis? Daß in diesen Gemeinschaften das so eingesessene und traditionsreiche Metier des gewaltsamen Raubes völlig ausgetilgt sein sollte, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Als Speise ist der Mensch sicher nicht die Mühe und das Risiko wert - doch all seine Werkzeuge und sonstigen Einrichtungen, sein Besitz also, und hier eben ganz besonders das so unmittelbar für eigene Zwecke einsetzbare Geld, erscheinen mir doch Grund genug dafür, daß erfolgreicher Gelderwerb auch ganz gehöriges Risiko nach sich zieht. Denke ich an die vielen Methoden, die wir Räuber entwickelt haben, dann kann ich mir sehr wohl vorstellen, daß der, welcher größere Geldmengen ansammelt, mit gehörigen Problemen rechnen muß. Kann es hier nicht sogar dazu kommen, daß gerade der freundliche Tauschweg ihm zum Verhängnis wird - indem er Zielpunkt von Angeboten wird, die ihm je nach Laune im Augenblick so reizvoll erscheinen, daß er ihnen - obwohl er es schon tags darauf bereut -, einfach nicht widerstehen kann? Als Räuber gewinnt man manche psychologischen Kenntnisse: Ich könnte mir vorstellen, daß sich diese auch hier sehr effektiv einsetzen lassen."
Raub und Tausch haben somit - zumindest auf den ersten Blick - manches gemeinsam. Der wesentliche Unterschied bleibt aber bestehen. Energieerwerb - um es wieder einmal hervorzuheben - ist und bleibt im gesamten Lebensgeschehen und auch in der gesamten menschlichen Entfaltung notwendigerweise das zentrale Problem, Voraussetzung für jeden irgendwie erfolgenden Vorgang und für jede Entwicklung. Der ganz ungeheuere Unterschied zwischen dem Energieerwerb durch Raub und den nun in die Welt gekommenen über einen doppelten Tauschakt - indem erst für eigene Leistungen Geld eingehandelt wird und man dann mit diesem Geld - in
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einem zweiten, getrennten Vorgang - an Nahrung und sonst
Benötigtes gelangt, stellt eine diametrale Umpolung gegenüber
praktisch sämtlichen Formen des Energieerwerbes sowohl bei den Pflanzen
als auch bei den Tieren dar. Das Ziel der Anstrengung ist nunmehr nicht
mehr das wirklich Benötigte, bei Tieren eben Nahrung, sondern dieser
so entscheidend wichtige Erwerb wird sozusagen zu etwas Zweitrangigem,
das in den Hintergrund rückt. Eine andere Ausrichtung wird maßgebend
- auf total andere Objekte und total andere Probleme: nämlich auf
den über Geld verfügenden und irgend einen Bedarf empfindenden
Menschen. Das Verhalten ihm gegenüber wird nun zum Kriterium für
Erfolg und Nichterfolg - ja, unter Umständen sogar für das Überleben.
Denn wenn Not am Mann ist, kann der Mensch natürlich immer noch in
der ursprünglichen Weise selbst in eigener Anstrengung nach Nahrung
suchen. Aber die Veränderungen, zu denen die menschlichen Machtsteigerungen
geführt haben, sind so vielfältig und so umwälzend, daß
dieser ursprüngliche Weg, der bereits damals nicht einfach war, nun
für manchen völlig verbarrikadiert ist. In der Überflußgesellschaft
heute hochentwickelter Länder wird es zur Seltenheit, daß einzelne
verhungern. Doch brechen heute Kriege aus, dann sind die Waffen bereits
so vernichtend geworden, daß sie sehr wohl den Hungerstod von Millionen
nach sich ziehen können. Die Machtsteigerung über den Vorgang
des doppelten Tausches, auf den sich dieser gesamte Fortschritt stützt
und der den Energieerwerb über Nahrungsgewinnung gleichsam zu einem
sekundären Anhängsel macht, führt so einerseits zum Besuch
benachbarter, unbewohnbarer Planeten - und andererseits unter Umständen
dazu, daß auf unserem Planeten die Lebensentwicklung an ein Ende
gelangt.