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Einleitung



Die in diesem Buch dargelegten Thesen lassen sich in folgenden vier Behauptungen zusammenfassen:

Erstens: Vor etwa 10.000 Jahren kam es in der Entwicklung unserer Urvorfahren zu einer Störung in der Verhaltenssteuerung, die bisher nicht erkannt wurde. Sie ist bis zum heutigen Tag nicht abgeklungen, sondern wirkt sich in unserer Zeit sogar besonders stark aus. Sie führt dazu, daß erwerbstätige Menschen und Unternehmen längst nicht so erfolgreich sind, wie sie es an sich sein könnten. Sicher mehr als 80 % unter ihnen setzen ihre Fähigkeiten und Mittel nicht richtig ein.

Zweitens: So verschieden menschliche Berufe auch sein mögen, und so verschieden Unternehmen - kleine, mittlere und große - auch strukturiert sind: Es sind die grundsätzlich gleichen Fehler, die überall gemacht werden. Und es sind auch die grundsätzlich gleichen Gründe, warum sie gemacht werden.

Drittens: Diese Fehler lassen sich vermeiden. Begreift man, was damals geschah - wie es in dieser weit zurückliegenden Zeit zu dieser inneren Störung kam, ja notwendigerweise kommen mußte, dann sind diese Fehler

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zu beheben. Freilich: Es bedarf dazu einer gewissen Disziplin. Doch da es um den eigenen Vorteil geht, sind starke Motive vorhanden, sich einer solchen zu unterwerfen.

Viertens: Wo dies gelingt, verbessert sich nicht nur für den einzelnen und für Unternehmen die Chance, zu größerem Erfolg und mehr Gewinn zu gelangen, sondern es verbessert sich darüberhinaus auch die Fähigkeit, diesen Erfolg und Gewinn im Privatleben besser zu nützen. Selbst die so gravierenden Differenzen zwischen Staaten dürften durch diese Ausrichtung beeinflußt werden. Auf diese weiteren Auswirkungen soll jedoch erst am Ende des Buches kurz hingewiesen werden. Zunächst geht es darum, den erwähnten inneren Steuerungskonflikt - den ich "Psychosplit" nenne - im wirtschaftlichen Bereich, wo er seine Wurzel hat , genauer zu erfassen und seine Auswirkungen auf unsere täglichen Entscheidungen zu analysieren. Nur so läßt sich feststellen, wie eine Strategie beschaffen sein muß, die diese innere Störung abzuschwächen oder ganz zu beseitigen vermag, und so dazu verhilft, daß Berufstätige und Unternehmen - zum eigenen Vorteil und jenem der Umwelt - die ihnen zur Verfügung stehenden Fähigkeiten und Mittel optimal einsetzen.

Wie es möglich ist, daß ein so wichtiger Zusammenhang bis heute unentdeckt blieb - ? In erster Linie dürfte es wohl daran liegen, daß die Tatsache unserer Abstammung aus dem Tierreich zwar schon vor mehr als 100 Jahren erkannt wurde, jedoch mehr irritiert hat als dazu anregte, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Durch den technischen und kulturellen Fortschritt hat sich außerdem unser Leben von jenem des Urmenschen so weit

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entfernt, daß man sich schwer vorstellen kann, wie damalige Vorgänge sich bis heute auswirken sollten.

Obwohl sich die folgenden Darlegungen weit von den Themen entfernen, mit denen man sich üblicherweise in der Wirtschaft beschäftigt, sind zum Verständnis der Beweisführung keine besonderen Fachkenntnisse nötig. Erforderlich ist freilich etwas Geduld. Denn um zu verstehen, an welche seltsame Hürde unsere Vorfahren vor etwa 10.000 Jahren gelangten (also mehr als 2 Millionen Jahre nachdem sich die Intelligenz des Menschen entfaltet hatte und es zu dem so entscheidend wichtigen Ich-Bewußtsein kam), ist es notwendig, sich von manchen eingefahrenen Denkgeleisen zu entfernen und sich aus einer anderen als der bisher üblichen Perspektive zu sehen. Um dies zu erleichtern, werden im ersten Buchteil die Zusammenhänge, die hier maßgebend sind, in neun Prämissen und einer sich daraus ergebenden Schlußfolgerung dargelegt. Jede der Prämissen ist somit nachprüfbar, ehe man sich der nächsten und dann der Schlußfolgerung zuwendet. Manches in meinen Ausführungen mag zunächst selbstverständlich oder nebensächlich erscheinen, doch nur über diese Aufeinanderfolge von Fakten und ihrer Bewertung läßt sich der Krebsschaden in unserem Denken aufzeigen und verständlich machen.

Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Frage, wie den negativen Auswirkungen des Psychosplits begegnet werden kann. In logischer Konsequenz ergeben sich neun Leitlinien für eine optimale Wirtschaftsstrategie, die gleichermaßen für Berufstätige wie auch für Unternehmen gilt. Sicher werden noch weitere hinzukommen, doch glaube ich, bereits auf die wichtigsten hinweisen zu können.

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Die Forschungen, die mich zur These des Psychosplits führten, erstreckten sich über einen Zeitraum von sechs Jahren und stellen ein praktisches Ergebnis der 1970 veröffentlichten Energontheorie dar1. Auch meine früheren Forschungen in tropischen Meeren haben mir in diesem anderen Bereich in mehrfacher Weise geholfen. So führte mir die Untersuchung des Verhaltens von Haien in unmittelbarer Begegnung unter Wasser die Mechanik angeborener Raubinstinkte deutlicher vor Augen, als das Studium gefangener Tiere es vermitteln kann. Und die ungeheuere Formenvielfalt tierischer Lebenserscheinungen in den Korallenriffen machte mich auf Gesetzmäßigkeiten aufmerksam, die in der menschlichen Wirtschaft, wie ich später feststellte, ganz ebenso relevante Wechselwirkungen und Zusammenhänge erklären2.

Bei Vorträgen und Seminaren für große und mittelständige Unternehmen lernte ich bei anschließenden Diskussionen manche Argumente kennen, die einerseits die Engstirnigkeit heutiger Grundeinstellungen zeigten, andererseits aber bei Vielen auch das Bestreben, diese zu überwinden und die wirtschaftlichen Phänomene als Teilbereich der biologischen Evolution, also der Naturentfaltung zu verstehen3. Meine Vorlesungen an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Wiener Universität bestätigten mir ebenfalls das Interesse, das heute, bei der immer stärkeren Aufspaltung in Fachwissenschaften, an einem wieder zusammenführenden Begriffssystem besteht.

Bei Niederschrift dieses Buches erhielt ich wertvolle Anregungen und Hinweise auf dem Gebiet der Psychologie von Prof. Dr. Bernd Spiegel in Mannheim; auf dem Gebiet der Verhaltensbiologie von Prof. Dr. Bernhard Hassenstein in Freiburg; auf dem Gebiet der Betriebs-

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wirtschaftslehre von Prof. Dr. Erich Leutelsberger in Wien; und auf dem Gebiet der Humanethologie von meinem langjährigen Freund und Expeditionskameraden Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt in Seewiesen. Ihnen, sowie allen anderen hier ungenannt bleibenden Helfern, danke ich herzlich. Mit Wolfgang Mewes in Frankfurt, dem Begründer der Energo-Kybernetischen-Managementstrategie (EKS), verbindet mich ein jahrelanger Gedankenaustausch. Die bemerkenswerten Erfolge seiner Lehrtätigkeit und die Wechselwirkungen zwischen Energontheorie und EKS-Praxis ermöglichen es mir, die Leitlinien, zu denen die Aufdeckung des Psychosplits führt, durch anschauliche Fallbeispiele untermauern zu können.

Da sich das Buch an praktisch jeden wendet, der sich im Wirtschaftsbereich um Gewinn und Erfolg bemüht, bediene ich mich einer möglichst einfachen Sprache und gebe dem wissenschaftlich interessierten Leser über Fußnoten im Anhang zusätzliche Hinweise. Das Literaturverzeichnis beschränkt sich auf Schriften, welche das Thema unmittelbar betreffen.

Die Überwindung des Psychosplits stellt eine klare Zielrichtung für die weitere Evolution des Menschen dar. Sie kann - meines Erachtens - darüber entscheiden, ob der Mensch sich mit seiner laufend anwachsenden Macht schließlich selbst zerstört oder den Weg zu einer pluralistisch orientierten, friedlichen Höherentwicklung findet.

Prof. Dr. Hans Hass
Wien, Juni 1988

 

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