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NACHWORT


Meine Untersuchung ist damit abgeschlossen. Was ich noch hinzufüge, ist etwas davon Getrenntes, ein flüchtiger Hinweis. Ich halte ihn zur Ergänzung für notwendig, unterstelle ihn jedoch keiner Kritik.

Der aufmerksame Leser wird an einigen Stellen bemerkt haben, daß in manchen Fällen zwischen einem "Energon" und einem "Wirkungsträger" nur ein recht geringfügiger Unterschied besteht. Dies zeigt sich besonders deutlich bei menschlichen Berufen. Ein Bäcker mit eigenem kleinem Betrieb ist ein selbständiges Energon. Nimmt er eine Stelle in einer Großbäckerei an, dann kann seine Tätigkeit beinahe dieselbe sein, nach wie vor bringt sie ihm Erwerb - doch er ist nicht mehr ein Energon, sondern ein Wirkungsträger in einem Energon.

Bei der Besprechung der Verdauungshelfer und der symbiotischen Algen sind wir auf den analogen Fall gestoßen (S. 37). Beide Organismenarten sind an sich selbständige Energone, im Körper ihrer "Wirte" werden sie jedoch zu funktionellen Einheiten, zu Wirkungsträgern.

Wie steht es in diesen Fällen mit dem Energieerwerb? Das Energon, das im Körper eines anderen zu einem Wirkungsträger wird, erwirbt Energie und Stoffe über den Weg des Leistungstausches. Es erbringt eine ganz bestimmte, vom Wirt benötigte Wirkung - und wird von diesem mit Nahrung versorgt. Betrachten wir nun in einem vielzelligen Körper eine Zelle oder ein Organ, dann stoßen wir auf die gleiche energetische Beziehung: das Organ oder die einzelne Zelle sind Erwerber von Energie und Stoffen. Sie werden gleichsam für ihre Leistung "bezahlt". Wird ein Organ von einer Art nicht mehr benötigt, dann sehen wir, wie die Art es im weiteren Evolutionsverlauf allmählich zurückbildet. Da es keine benötigte Leistung mehr erbringt, hat es gleichsam seine Existenzberechtigung verloren. Sein Erwerbsplatz hat aufgehört zu bestehen, seine Erwerbsquelle ist versiegt.

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Diesen Gedankengang kann man ebensogut auch auf jeden Teil einer Maschine übertragen. Auch hier ist die Daseinsgrundlage stets eine benötigte Funktion, eine benötigte Wirkung. Wird eine solche Wirkung überflüssig, dann verschwindet - früher oder später - der betreffende Wirkungsträger von dieser Stelle ... Ich führe diese Gedanken nicht weiter.

Es führt dies schließlich zu der Frage, ob nicht überhaupt jeder Wirkungsträger selbst auch wieder als energieerwerbendes System, als Energon aufgefaßt werden muß - insofern nämlich, als er nur dann aufgebaut, erhalten und gepflegt wird, wenn er im Tausch eine benötigte Leistung erbringt.

Gibt ein Energon seine Selbständigkeit auf und wird zum Wirkungsträger in einem anderen Energon: was ändert sich dann an den diversen Abschnitten seiner Innen- und Außenfront?

An der Innenfront ändert sich kaum etwas. Die untergeordneten Teile müssen nach wie vor gebunden, koordiniert, abgestimmt und erhalten werden. Manche dieser Funktionen, etwa Befehlserteilung oder Pflege, kann vom übergeordneten Energon her erfolgen - aber erfolgen muß sie. Auch gegen Feinde wird der Wirkungsträger meist durch seinen "Wirt" oder besser: den "Arbeitgeber" - ab-

Abbildung 39: Allgemeine Energontheorie

a) Sie besagt, daß nicht nur alle Pflanzen, Tiere, Berufskörper und Erwerbsorganisationen, sondern auch sämtliche Wirkungsträger, aus denen sie bestehen, Energone sind. Die jeweilige Funktionstätigkeit des Wirkungsträgers (f) wäre dann seine "Erwerbstätigkeit" (c). Indem er sie ausübt - indem sie benötigt wird - existiert er.

b) In weiterer Konsequenz fragt diese Theorie, ob nicht auch die Funktionen - also zeitliche Abläufe - nach dem Energonprinzip "aufgebaut" sind. Zwischen der Problematik im Raum und der Problematik in der Zeit bestünde dann eine enge Verwandtschaft. (Vgl. Abb. 27 und 30.)

Diese Theorie ist hier bloß als mögliche Weiterentwicklung der Energontheorie angedeutet. Träfe sie zu, dann müßte man die in diesem Buch als "Energone" bezeichneten Strukturen "selbständige Energone" nennen, um sie gegen die Wirkungsträger, die dann als "abhängige Energone" zu bezeichnen wären, abzugrenzen. Wenn auch die Funktionen Energone sind, dann wären diese - im Gegensatz zu den "Raumenergone" - als "Zeitenergone" zu bezeichnen.

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geschirmt, jedoch Störungen durch benachbarte Organe machen weitere Abschirmung nötig. Auch Hilfsbündnisse mit anderen Organkollegen kommen vor. Was sich wirklich geändert hat, ist bloß die Erwerbsart. Diese besteht nicht mehr im direkten Suchen nach Energie und Stoffen - sondern die jeweilige Funktionserfüllung führt hier indirekt, über einen Tauschvorgang, zum Erwerb.

Es ergibt sich also die folgenschwere Frage, ob nicht auch sämtliche Wirkungsträger nach der Energonstruktur aufgebaut sind, ob nicht für sie das gleiche innere Wertgerüst maßgebend ist, ob nicht auch sie nach diesem Begriffssystem abgehandelt, ja erforscht werden können - ob nicht auch sie, samt und sonders, Energone sind.

Das bedeutet praktisch, daß die Energontheorie - über das in diesem Buch Dargelegte hinaus - noch möglicherweise eine wesentliche Erweiterung erfahren kann. Man müßte dann zwischen "selbständigen" und "abhängigen" Energonen unterscheiden.

Es ergäbe sich in diesem Fall für die Energontheorie noch ein weiteres Anwendungsfeld - das vielleicht interessanteste. Dann stellt sich nämlich die weitere Frage, ob nicht auch die in Bewegungsabläufen bestehenden Funktionen (Wirkungen) ebenfalls nach dem Energonprinzip aufgebaut sind - ob nicht auch diese zeitlichen Gebilde Energonstruktur haben, nur eben in einer anderen Dimension.

Das klingt verwirrend, deutet sich jedoch bereits im täglichen Sprachgebrauch an. Wir bezeichnen als "Organisation" sowohl räumliche Gebilde - etwa eine Fabrik - wie auch zeitliche Abläufe - etwa die Organisation eines Feldzuges.

Ein einfaches Beispiel: das Anzünden einer Zigarette. Hier handelt es sich um einen zielhaften Bewegungsablauf, der aus untergeordneten Einheiten besteht. Solche sind: in die Tasche greifen, nach dem Feuerzeug suchen und es ergreifen, das Hochbringen bis zur Mundhöhe, die Knipsbewegung mit dem Finger, das Heranbringen an die Zigarette, das Einsaugen von Luft usw. So wie die Wirkungsträger aus einem Nebeneinander bestimmter räumlicher Einheiten bestehen, so besteht die zielführende Bewegung, die Funktion aus einem geordneten Nacheinander von Einzelabschnitten. So wie bei einem Tier die Wirkungsträger (etwa Augen, Maul, Darm usw.) nur dann ihre Wirkung erbringen, wenn sie eine bestimmte räumliche Anordnung haben, so führt auch nur eine ganz bestimmte zeitliche Aufeinanderfolge der einzelnen Bewegungsteile zu einem Erfolg. Mache ich zuerst die Knipsbewegung und greife dann erst in die Tasche, dann wird meine Zigarette nicht entzündet.

Fragt man weiter, ob es nicht auch hier die für die Energone maßgebenden äußeren und inneren "Fronten" gibt, dann stößt man auf verblüffende Parallelen. Gibt es Störungen? Sehr wohl. Nehmen wir an, es regnet. Dann muß die Bewegungsfolge entsprechend verändert werden. Die Hand muß ein schützendes Dach bilden - das ist ein zusätzlicher Bewegungsablauf, der durchdiesen Umweltein-
fluß notwendig gemacht, bewirkt, gesteuert wird. Gibt es hier Bindung, Koordination, Abstimmung, Erhaltung ... ?

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Das wäre etwa das, was Bogdanov, Feyerabend, Wieser, Stefanic-Allmayer und anderen Organisationsforschern vorschwebte, wobei die einen mehr die zeitlichen Abläufe im Auge hatten, die anderen mehr die räumlichen Strukturen. Ganz allgemein gesprochen, wird bei diesen teils körperlichen, teils in Bewegungsabläufen bestehenden untergeordneten Einheiten die Zweckmäßigkeit zur Erwerbsgrundlage. Sie müssen in jedem Fall zweckmäßig sein. Nur dann haben sie Existenz. Nur dann werden sie aufgebaut oder ausgeführt - erwerben in diesem Sinne Energie.

Dies ist jedoch keine Beweisführung, bloß ein Hinweis. Nur das Konzept für die "selbständigen" Energone steht der Kritik offen.
 
 

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