Jedes Energon besteht nicht eigentlich aus Wirkungsträgern, sondern samt und sonders aus Wirkungen. Auf diese kommt es an. Wie die Wirkungsträger im einzelnen aussehen, ist unerheblich - sofern sie bloß die im arbeitsteiligen Ganzen benötigten Wirkungen erbringen. Die vierte "innere Front" ergibt sich aus der Forderung, daß alle diese Wirkungen aufrechterhalten bleiben müssen. Es genügt nicht, daß geeignete Wirkungsträger vorhanden sind - sie müssen auch gepflegt und erneuert werden, vielen müssen laufend Energie- und Stoffmengen zugeführt werden, auftretende Abfälle müssen, um nicht zu behindern, irgendwie abtransportiert werden.
Diese vierte innere Front nenne ich "Erhaltung". An sich geht es um die Erhaltung von Wirkungen. Praktisch geht es um die Erhaltung der Wirkungsträger und deren Leistungsfähigkeit.
Welche "Ansprüche" stellen die Wirkungsträger? Das ist die Problematik der vierten inneren Front. Es gibt hier enorme Unterschiede. Völlig anspruchslose Wirkungsträger sind eher die Ausnahme.
Ein Beispiel dafür sind etwa die Fundamente von Gebäuden und die toten Festigungselemente (Holzkörper) bei den Pflanzen. Sind sie erst einmal geschaffen, erbringen sie in der Regel ohne weitere Pflege oder Betreuung ihren Dienst, ihre Wirkung. Ähnlich ist es bei den Skeletten der riffbildenden Korallen, die eine Art vergrößerter Aufsitzfläche sind, welche die Polypen ins Wasser vorbauen. Jeder benützt dabei das Werk vergangener Generationen, ohne daß seine Bilanz Ausgabenposten für die Aufrechterhaltung dieser stützenden Strukturen - genauer: für die Aufrechterhaltung ihrer Stützwirkung - aufwiese. Dagegen müs-
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sen die Knochen der Tiere laufend ernährt, kontrolliert, regeneriert werden. Noch weit größere Ansprüche stellen alle aus lebenden Zellen bestehenden aktiven Wirkungsträger. Ebenso - in Betrieben - alle Angestellten und Maschinen.
Jeder aktive Wirkungsträger braucht, um seine Funktion erfüllen zu können, entsprechende Mengen von freier Energie, dazu oft auch noch Stoffe. Das Energon, dem sie angehören, erwirbt beides als zentrale Leistung - und zwar im Durchschnitt mehr, als es selbst für den Erwerb ausgeben muß. Das Problem lautet nun: Wie können diese "Güter" allen jenen Einheiten, die sie laufend benötigen, zugeführt werden?
Im Körper der Einzeller sehen wir dafür noch keine besonderen Organe. Das Protoplasma ist hier in ständigem Fluß, die vereinnahmten Energie- und Stoffmengen breiten sich darin aus, werden von den Bedarfsstellen an sich gerissen. Immerhin gibt es aber auch hier schon Wirkungsträger, die diese Verteilung ordnend beeinflussen - etwa das endoplasmatische Reticulum, die Grenzschichten der Organellen sowie die "Kompartimentierung"' genannte innere Struktur.
Bei den einfachen Vielzellern (Pflanzen wie Tieren) diffundieren Stoffe von einer Zelle in die nächste - durch entsprechende Öffnungen (Poren). Das sind somit bereits zusätzliche Einheiten, die auf das Konto "Erhaltung" zu buchen sind. Schließen wir sie ab, dann kann die Wirkungsfähigkeit mancher Zellen nicht aufrechterhalten werden. Bei den Schwämmen, Nesseltieren und anderen primitiven Vielzellern finden wir als zusätzliche Einheiten, die auf den Energie- und Stofftransport spezialisiert sind, die "Wanderzellen". Sie übernehmen die Energieträger und Baustoffe von den Erwerbsorganen (etwa Darmzellen) und kriechen zu anderen Geweben hin, die sie so "beliefern". Daß für diese Tätigkeit in solchen Zellen besondere Verhaltensrezepte vorhanden sein müssen, liegt auf der Hand. Sowohl diese Zellen als auch ihre Rezepte werden durch die innere Front "Erhaltung" notwendig. Hätten die Wirkungsträger, die sie beliefern, keinen derartigen Bedarf, dann könnten sie auch wegfallen Sie belasten die Bilanz ihres Energons.
Im weiteren Evolutionsverlauf kam es zur Ausbildung von ausgedehnten Leitungssystemen: bei den höheren Pflanzen sind es die Siebröhren, bei den höheren Tieren ist es das Blutgefäßsystem. Das ist allgemein bekannt - nicht üblich ist bloß, diese ausgedehnten Strukturen gleichsam als Anhängsel und Diener von anderen Wirkungsträgern zu betrachten. Das sind sie aber. Hätten die Einheiten der Erwerbstätigkeit, des Störungsschutzes, der inneren Koordination usw. keine An-
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sprüche - wären sie ein überflüssiger Aufwand. Auch unser Herz wäre dann ein unnötiger Wirkungsträger.
Bei den vom Menschen gebildeten, nicht verwachsenen Energonen änderte sich vieles - an diesem Prinzip jedoch änderte sich nichts.
Auch Maschinen müssen mit Energie versehen werden, und auch dafür sind zusätzliche Einrichtungen nötig. Sie haben vielerlei Gestalt, dienen aber der gleichen Funktion. Rohöl gelangt über Rohrleitungen oder in Tankwagen an die Verbraucherstellen, Kohle in Waggons oder Lastwagen, Elektrizität über hochorganisierte Drahtsysteme. Auch Stoffzuteilung ist vielfach nötig, besonders in den Produktionsbetrieben. Stoffe gehen an alle Einheiten, welche die Erwerbsorgane (Verkaufsobjekte) herstellen. Auch daraus ergeben sich zusätzlich notwendige Vorrichtungen.
Die in den Betrieben (und im Staatswesen) tätigen Menschen wenden heute in der Regel nicht mehr direkt mit Nahrung versorgt. Sie erhalten Geld, wofür sie Nahrung und Güter erwerben können. Immerhin macht auch dieser Zuteilungsvorgang zusätzliche Wirkungsträger nötig - etwa die Lohnbuchhaltung.1 Verringert sich in einem Betrieb - durch Automatisierung - der Umfang dieses notwendigen Zuteilungsvorganges, dann schrumpft sie (und der damit verbundene Ausgabeposten) entsprechend zusammen.
Einen weiteren hierher gehörenden Aufwand stellen die Kantinen dar. Der Tauschvorgang Geld gegen Nahrung wird so erleichtert. Zeitverluste werden erspart, die Zufriedenheit erhöht. Hier handelt es sich um eine Doppelfunktion. An sich sind die Kantinen eine Hilfseinheit zur "Erhaltung von Wirkungen"; gleichzeitig werden sie aber auch zu einem Mittel der Rationalisierung und führen - wenn sie gut und billig sind und erhöhte Zufriedenheit schaffen - zu einer Verstärkung der Bindungen.
Die notwendige Zufuhr von Energie und Stoffen zieht nun aber - indirekt - noch eine Reihe weiterer Aufwendungen nach sich.
Wo Prozesse stattfinden, gibt es meist auch Abfälle. Diese müssen beseitigt, ausgeschieden, weggeräumt werden. Sonst treten sie im Energongefüge als selbstgeschaffene Störungen in Erscheinung - beeinträchtigen die Wirkung.
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Bei den Einzellern gibt es dafür bereits spezialisierte Einheiten: die "pulsierenden Vakuolen". Es sind rhythmisch sich verengende Bläschen, oft mit gut sichtbaren Zuführungskanälen. Sie nehmen die im Protoplasma anfallenden Stoffwechselprodukte auf und entleeren sie nach außen. Hier ist festzuhalten, daß diese "Organellen" ausschließlich der Abfallbeseitigung, nicht dagegen der Stoff- und Energiezufuhr dienen.
Wenn bei den höheren Tieren das Blutgefäßsystem beide Funktionen ausübt, dann darf man darin nicht etwas Selbstverständliches sehen. Bei diesen Energonen kam es vielmehr zu der schon besprochenen Funktionserweiterung: Durch zusätzliche Wirkungsträger - Nieren, Harnröhre usw. - wurde der Energie und Stoffe verteilende Blutstrom zusätzlich auch noch zu einem Wirkungsträger der Abfallbeseitigung (Exkretion).
Wanderzellen spielen auch bei den höheren Tieren nach wie vor eine wichtige Rolle. In unserem eigenen Körper kriechen unzählige "Phagozyten" umher (die "weißen Blutkörperchen"). Sie "fressen" Abfälle und unbrauchbar gewordene Gewebeteile und bringen sie zur Darmoberfläche, von wo aus sie dann mit dem Kot abgehen. Bei den Stachelhäutern durchdringen solche Einheiten der Müllabfuhr, wenn sie voll beladen sind, die Körperwand. Sie wandern dann aus dem vielzelligen Verband "Körper" aus - und gehen dabei zugrunde. Auch für diese "selbstlose" Funktionsweise sind besondere Verhaltensrezepte sicher Voraussetzung.
Eine andere Möglichkeit, Abfallstoffe aus dem Weg zu schaffen, besteht darin, sie an Körperstellen abzulagern, wo sie keinen Schaden anrichten. Die großen Landpflanzen zum Beispiel verfügen über kein Exkretionssystem. Viele lagern ihre Stoffwechselschlacken in Kristallform (Oxalsäure) in das abgestorbene Holz der Stämme und Äste ab. Aus der Not wird so eine Tugend: die pflanzlichen Stützelemente werden so noch mehr gefestigt. Aus etwas Wertlosem wird etwas Funktionelles - nach meiner früher gegebenen Definition (S. 166) eine "Funktionsgeburt". Auch bei zahlreichen Tierarten wird vor allem Harnstoff in besonderen Gewebsbezirken und Organen abgelagert. Bei den Schnecken nennt man solche Organe "Speichernieren"". Bei den Schmetterlingen und Fischen sind die Pigmente der Außenhaut vielfach aus kristallisierten Stoffwechselschlacken gebildet. Durch aus Abfällen gebildete Guaninkristalle gelangen die Fische zu ihrem Silberglanz, auch im Tapetum ihrer Augen ist dieser Stoff abgelagert. In jedem dieser Fälle wird etwas Funktionsschädliches in etwas Funktionsdienliches verwandelt.
Nach unserem herkömmlichen Denken gilt es als oberflächlich und abwegig, Nieren, Harnröhre, Phagozyten, pulsierende Vakuolen und Guaninablagerungen in einem Atem mit Papierkörben, Mülleimern, Kanalisation, Toiletten und industrieller Abfallverwertung zu nennen. Da diese Strukturen höchst verschieden aussehen, haben wir sie in ganz andere Begriffschubladen unseres Gehirns einge-
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ordnet. Und sobald wir diese Schubladeneinteilung in Frage stellen, wehrt sich unser Gehirn dagegen ganz energisch. Lassen wir uns dagegen von den äußeren Erscheinungen nicht beeindrucken, sondern gehen wir von den Energonen und ihren Bilanzen aus, dann fallen diese Einrichtungen in die gleiche Kategorie.
Jedes Energon ist ein auf durchschnittlich aktive Energiebilanz angewiesenes Wirkungsgefüge. In jedem Energon finden demgemäß Erwerbsprozesse statt. Bei fast jedem Energon treten dabei Abfälle auf, die irgendwie beseitigt oder neutralisiert werden müssen, damit sie den Erwerbsvorgang nicht behindern. Für fast jedes Energon bedeutet also Abfallbeseitigung einen zusätzlich notwendigen Aufwand, zusätzliche Kosten. Ob dabei die abfallbeseitigenden Einheiten im einzelnen so oder anders aussehen, tritt in der Bilanz nicht in Erscheinung. In Erscheinung tritt bloß, wie teuer, wie präzise und wie schnell sie wirken. Das - und nur das - beeinflußt den Konkurrenzwert. Und der Konkurrenzwert - und nur er - entscheidet letztlich darüber, was bestehen kann und was nicht. Zwingen wir unser Gehirn zu diesem Gedankenweg, dann ist die gemeinsame Betrachtung von Mülleimern und Nierenkanälen durchaus nicht banal. Vielmehr kommt dann gerade der Betrachtung der Wirkungsverwandtschaften die zentrale Bedeutung zu. Aus dieser Sicht wird gerade umgekehrt die äußere Verwandtschaft zu etwas Sekundärem, Nebensächlichem, Unerheblichem. Selbst die "natürliche" (phylogenetische) Verwandtschaft - die Stammfolge der evolutionären Entwicklung - zeigt uns dann nichts als eben nur den historischen Weg.
Die besondere Wirkung, andere Wirkungen zu erhalten, muß jedes Energon erbringen. Alle Energone sind einander darin verwandt. Es geht einerseits um die Zufuhr von Notwendigem, anderseits um die Abfuhr von Schädigendem. Darüber hinaus sind jedoch in diesem Sektor noch weitere, zum Teil wieder ganz anders aussehende Einrichtungen notwendig.
So benötigen sehr viele Wirkungsträger Pflege und Wartung.
Schwerter und Pflugscharen müssen nachgeschliffen werden: ihre Wirkung wird sonst geringer. Beschmutzungen durch Umweltkontakte müssen beseitigt werden - durch Putzwerkzeuge, angeborene Rezepte zur Sauberhaltung, Waschräume, Ordnungsvorschriften, Reinigungsanlagen. Bei den Organismen ist solches Sauberhalten auch zur Feindabwehr - zur Abwehr von Mikroorganismen - von zusätzlicher Bedeutung (Doppelfunktion). Das gilt für den Insektenstaat ebenso wie für den menschlichen Körper. Abgenützte und schadhaft gewordene Teile müssen ausgewechselt werden, Schutzanstriche müssen erneuert werden.
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Die Instandhaltung der "Arbeitsmoral" in Betrieben und des "patriotischen Zugehörigkeitsgefühls" im Staat betrachtet man - gefühlsmäßig - als etwas von den bisher besprochenen Einrichtungen und Phänomenen völlig Verschiedenes. Für die Energone und ihre Wirkungskraft ist es aber, vom Funktionellen her, durchaus das gleiche. Im Energon "Betrieb" und im Energon "Staat" ist auch der Mensch (samt seinen Besonderheiten und Komplikationen) nur eben ein Wirkungsträger. Auch seine Wirkungsbereitschaft muß gepflegt und gewartet werden. Sonst besteht Gefahr, daß ein anderer Betrieb diesen Wirkungsträger wegengagiert, an sich reißt.2
Im Staat ist es ebenfalls wichtig, daß die Wirkungsbereitschaften nicht verlorengehen, daß der einzelne nicht Einflüsterungen einer anderen Partei, eines anderen Staates erliegt - daß er nicht der in der Staatsverfassung niedergelegten Ordnung "untreu" wird.
Im Wirkungsträger "Heer" ist die Pflege und Wartung der Einsatzbereitschaft von besonderer Wichtigkeit. Nicht nur Waffen und Transportgeräte müssen in Ordnung sein, nicht nur Befehlsverbindungen und Reglements müssen funktionieren. Die Funktionsbereitschaft, die "Subordination", der Einsatzwille müssen erhalten bleiben. Wodurch? Durch die mitreißende Kraft einer vertraueneinflößenden Führerpersönlichkeit. Oder durch gefälschte Informationen, die ein Demagoge geschickt darlegt. Oder durch Drohungen und Terror: Ein Feigling oder ein Verräter wird öffentlich hingerichtet, einer Tortur ausgesetzt - und siehe da: die allgemeine Wirkungsbereitschaft steigt wieder an. Auch das sind Hilfsmittel zur "Erhaltung von Wirkungen".
Selbst Rezepte müssen gepflegt und gewartet werden. Bei allen angeborenen Verhaltensweisen verbindet sich mit diesen ein ebenfalls angeborener Trieb, sie auszuführen. In der Verhaltensforschung nennt man ihn "Appetenz" und hat dieses Phänomen bis heute nur als ein Hilfsmittel zur Funktionserfüllung (Triebleistung) angesehen. Vergleichen wir jedoch diesen "Mechanismus" mit den Vorgängen bei erworbenen Rezepten, dann rückt er in ein etwas anderes Licht.
Wie jedem bekannt, müssen erworbene Fähigkeiten geübt werden - sonst werden sie "verlernt". Bei jedem Artisten, jedem Musiker, jeder Heeresgruppe zeigt
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sich das auf das deutlichste. Für erworbene Rezepte ist somit eine Wartung nötig - sonst desintegrieren sie. Werden sie nicht eingesetzt, dann sind sie etwas ebenso Überflüssiges wie jeder andere ungebrauchte Wirkungsträger. Nur indem sie regelmäßig aktiviert werden, bleiben sie erhalten. Bei allen angeborenen Rezepten ist diese besondere Form der Pflege ebenfalls angeboren. Das dürfte die zweite, nicht minder wichtige Funktion der "Appetenzen" sein und erklären, warum sie periodisch "spontan" auftreten. Es ist sozusagen das notwendige "Service". Bei den erworbenen Rezepten müssen Selbstdisziplin und Drill die gleiche Funktion ausüben.
Bei jedem Werkzeug und jedem beweglichen Hilfsmittel gehört auch das "In-Ordnung-Halten" mit zur notwendigen Pflege. Einerseits wird so vermieden, daß diese Objekte einander gegenseitig behindern und beschädigen, anderseits wird auch ihre Wirkungsbereitschaft erhalten. Denn nur wer weiß, wo sich gerade sein Schraubenzieher, sein Kochrezept, eine benötigte Gebrauchsanweisung oder ein Angestellter befindet, kann sich dieser Wirkungsträger bedienen, kann über sie verfügen. Anderenfalls sind sie zwar vorhanden - aber nicht wirkungsbereit. Auch Ordnung ist somit eine Hilfseinrichtung zur Erhaltung von Wirkungen.
Aus alldem ergibt sich im weiteren die Wichtigkeit von Kontrollen. Ob es um die Instandhaltung einer Maschine, eines Staatsbewußtseins, einer Werksordnung, einer Zellstruktur oder der Brutpflege in einem Bienenstock geht: immer muß ein Ist mit einem Soll verglichen werden.
In den Betrieben finden wir Hilfseinrichtungen aller Art - technische Meßgeräte, Statistiken, Kontrollpersonen usw. - mit dieser wichtigen Erhaltungsfunktion betraut. Im Körper der Organismen müssen wir auf die Wirksamkeit ähnlicher Kontrollinstanzen schließen - wissen aber einstweilen nur recht vage, wie sie aussehen und wo sie sich befinden. In den Erbrezepten liegt der Schlüssel für das eigentliche Organisationsrezept. Doch wie im einzelnen die ständigen Kontrollen und Rückmeldungen erfolgen, liegt zum Teil noch sehr im dunklen. Aus der vergleichend funktionellen Betrachtung heraus muß man jedoch schließen, daß es sie geben muß. Denn ohne spezialisierte Wirkungsträger dieser Art wären so differenzierte Leistungen nicht möglich.
Weitere Wirkungsträger, die der inneren Front "Erhaltung" angehören, sind alle Sicherheitsvorrichtungen, die verhindern, daß ein Wirkungsträger überbeansprucht wird oder sich selbst zerstört.
Das Sicherheitsventil der Dampfmaschine ist dafür ein gutes Beispiel. Steigt im Kessel der Druck über die zulässige Atmosphärenzahl, öffnet sich das Ventil und
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Dampf strömt ab. Der Schlaftrieb hat die gleiche funktionelle Bedeutung. Er zwingt die Energone, Ruheperioden einzulegen, und verhindert so eine Überbeanspruchung von Wirkungsträgern. Besonders wichtig ist das für die sehr empfindlichen und erholungsbedürftigen Nervenzellen. So wie die Dampfmaschine durch das Sicherheitsventil daran gehindert wird, sich selbst zu zerstören, verhindern die Verhaltensrezepte, die Müdigkeit und Schlaf auslösen, eine Überbeanspruchung der steuernden Zentrale.
Feuerlöscher, Sicherheitsvorschriften, das Gemeinschaftsorgan
"Feuerwehr", aber auch Angsttrieb und Schmerzempfindung gehören mit
in diese Kategorie. Teilweise sind diese Strukturen und Funktionen dem
Konto "Abwehr von Umweltstörungen" anzulasten, teils aber auch der
Innenfront "Erhaltung". Die Gefährdung des Wirkungsgefüges oder
einzelner Wirkungsträger kann sowohl von außen als auch von
innen her erfolgen. In beiden Fällen sind Sicherheitsvorrichtungen
nötig, vielfach genügen für beide die gleichen.
Je nachdem wie bei einem Energon die Erwerbsquellen und die übrigen Umweltbedingungen beschaffen sind, muß es, um bestehen zu können, auch über entsprechende Reserven verfügen. Hätten die Wirkungsträger keinerlei Ansprüche - und gäbe es keine Abnützung und Beschädigung, dann wäre dieser an sich "tote", nicht arbeitende Aufwand überflüssig.
Bei den Pflanzen und Tieren gibt es solche Reserven sowohl innerhalb der einzelnen Zellen als auch innerhalb von Geweben und in besonders darauf spezialisierten Organen (etwa in den Wurzelknollen bei den Pflanzen und in der Leber bei den Tieren). Für manche dieser Energone sind Energiereserven wichtiger, für andere wieder Stoffreserven (etwa Wasser). Bei Berufskörpern, Betrieben und im Staatswesen finden wir Energiereserven in Gestalt von Nahrungsmitteln, Rohöl, Kohle usw. und Stoffreserven in Gestalt von gespeicherten Rohstoffen, Halbfertigprodukten oder Fertigprodukten (etwa Reservemaschinen). (Arbeitskraftreserven liegen vor, wenn Fachkräfte trotz Arbeitsmangel nicht entlassen werden, weil man fürchtet, sie nicht wieder zu bekommen.) Die wichtigste Reserve ist jedoch bei allen menschlichen Erwerbskörpern die Universalanweisung auf menschliche Arbeitskraft (oder deren Ergebnisse): nämlich Geld. Solches kann in bar (im Safe), auf Bankkonten oder in Gestalt von Wertobjekten gespeichert werden.
Alles das sind Belastungen für die jeweilige Bilanz: notwendige Wirkungsträger der Erhaltung. Wie groß dieser nicht wirklich arbeitende, sondern bloß zur Sicherheit notwendige Aufwand insgesamt sein muß, hängt von der Erwerbsart
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und den Umwelteinflüssen ab, fällt also unter den Funktionskreis "Abstimmung". Sind die Reserven zu groß, dann sind sie eine unnütze Belastung; sind sie zu gering, dann wird das Risiko zu groß. Bei den Organismen kommt es durch die natürliche Auslese, beim Menschen durch Intelligenzakte auf Grund von Erfahrung zu passenden Zwischenwerten. Auf jeden Fall müssen diese Werte irgendwo im Steuerungssystem festliegen. Sie sind eine nicht minder wichtige funktionelle Einheit wie jede übrige Information innerhalb der Aufbau- und Verhaltensrezepte.
Darüber hinaus kann - für Notzeiten - ein besonderer Verteilungsplan wichtig sein. Bei Staaten im Kriegszustand kommt es zu Rationierungen der Nahrungsmittel und von Stoffreserven: als Ergebnis von Intelligenzakten. Im Körper der Organismen gibt es die gleiche Problematik - und wird auch dort gelöst. Bei den höheren Wirbeltieren zum Beispiel ist es nicht einfach so, daß jedes Organ sich aus dem Blutstrom nach Belieben "bedient". In Notzeiten kommt es auch hier zu "Rationierungen": lebenswichtigere und empfindlichere Organe - etwa das Gehirn - werden bevorzugt bedient. Auch das erfordert ein entsprechendes System von Kontrollen und Befehlen. Wo und wie auch immer diese verankert sind: sie müssen bei den zusätzlichen Aufwendungen verbucht werden, die zur "Erhaltung der Wirkungen" notwendig sind.
Weitere Notreserven haben viele Energone in Wirkungsträgern, auf die sie vorübergehend verzichten können. Bei Berufskörpern oder Betrieben werden in Notzeiten Bestandteile "veräußert" - also verkauft - oder belehnt. Bei den Organismen werden Gewebe und Organe "eingeschmolzen" - der Körper frißt und verdaut sie gleichsam selbst. Er baut sie ab, um ihren Energie- und Stoffgehalt für lebenswichtige Teile nutzbar zu machen. Auch das stellt eine erhebliche Leistung dar, die zusätzliche Einrichtungen erfordert. Kein Tier kann in diesem Fall mit seinem Maul und seinem Darm an solche Teile gelangen. Die auf Molekülabbau spezialisierten Einheiten können somit gar nicht in Aktion treten. Ganz andere Vorgänge und Steuerungen sind dafür notwendig.3
Schließlich gibt es noch als weitere Möglichkeit, Notzeiten zu überstehen und sich so die Wirkungen zu erhalten: die Stillegung.
Den Berufskörpern und Betrieben steht dieser Weg weit eher offen als den Tieren und Pflanzen. Der Betrieb kann seine Angestellten entlassen, er konserviert seine Maschinen, schließt die Gebäude. Die laufenden Kosten werden so auf das Minimum reduziert. Den Organismen ist es nur in Ausnahmefällen möglich,
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Organe abzuwerfen (etwa das Abwerfen der Blätter bei der Stillegung der Bäume im Herbst). Immerhin besteht auch hier die Möglichkeit, Tätigkeiten, Prozesse, Energieausgaben auf ein Minimum einzuschränken. Bei den "wechselwarmen" Tieren (Amphibien, Reptilien) geschieht das ziemlich von selbst.: sie fallen in Kältestarre - oder "Trockenstarre". Bei einigen Warmblütern finden wir als Form der Stillegung den Winterschlaf. Manche verfügen dabei noch über eine zusätzliche Sicherheitsvorrichtung: den "Weckreiz". Sinkt die Temperatur unter ein bestimmtes Minimum (für das Murmeltier fünf Grad Celsius, für den Igel drei Grad Celsius), dann erwacht das Tier, nimmt seinen normalen Stoffwechsel wieder auf und wirkt aktiv - durch Bewegung und "Heizen" - der weiteren Abkühlung entgegen. Bei den Einzellern, aber auch bei zahlreichen niederen Vielzellern geht die Stillegung noch wesentlich weiter. Manche bilden "Dauerstadien". Praktisch heißt das: sehr viele Wirkungsträger des Körpers werden "eingeschmolzen", und das Energon verwandelt sich in eine zum Wiederaufbau des Körpers fähige Einheit.
Das aber ist bereits der Übergang zur "Fortpflanzung". Denn wird später, bei Eintreten günstigerer Umweltverhältnisse, der Körper wieder aufgebaut, dann ist das nicht mehr eigentlich "derselbe Körper". Es ist vielmehr bereits ein anderer Körper der "gleichen Art".
Der fließende Übergang vom Individuum zur Art - mit dem wir uns im nächsten Kapitel näher beschäftigen werden - wird hier schon deutlich. Außerdem zeigt auch dieser Vorgang, daß es bei den Energonen nicht eigentlich auf die Wirkungsträger, sondern auf die Wirkung ankommt. Auf jeden Wirkungsträger kann weitgehend verzichtet werden - unter der einen Voraussetzung: daß das Wirkungsgefüge so beschaffen ist, daß er neu hergestellt werden kann.
Eine wieder andere, jedoch verwandte Problematik ergibt sich aus der möglichen Beschädigung, aus dem möglichen Verlust von Wirkungsträgern. Sollen die Wirkungen erhalten bleiben, dann sind in diesem Fall entsprechende "Reparaturen" oder ein entsprechender Ersatz nötig.
Für die nicht verwachsenen Energone, die der Mensch bildet, ergeben sich daraus weit geringere Probleme als bei den Organismen. Im organisierten Gefüge der zivilisierten Länder sind die Berufskörper und Betriebe zu echten Stehaufmännchen geworden. Werden Teile unbrauchbar, verloren oder geraubt, dann können sie fast immer ersetzt werden - sofern bloß genug Anweisung auf menschliche Arbeitskraft, also Geld, vorhanden ist. Diese kann jedoch aus ganz anderen Quellen "vorgeschossen" werden, ja die Gemeinschaft kann uneigennützig hel-
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fend eingreifen. Nicht einmal die Aufbau- und Verhaltensrezepte müssen in diesem Fall überleben. Fast jedes Energon kann gleichsam mit Putz und Stingel wiederhergestellt werden.
Das bedeutete in der Evolution einen bedeutsamen Fortschritt. Der Sicherheitsfaktor dafür, daß bereits Erreichtes nicht wieder verlorenging, erhöht sich so wesentlich. Bis zur Entwicklungsstufe Mensch kam es nur zu oft vor, daß Energonarten ausstarben - obwohl sie anderenorts oder bei wieder veränderten Umweltbedingungen sehr wohl hätten fortbestehen können. Diese Gefahr fiel nun weitgehend weg. Ist für längst ausgestorbene Erwerbsarten wieder ein Markt gegeben - etwa durch das menschliche Streben nach Abwechslung oder durch Fremdenverkehr -, dann leben diese ohne weiteres wieder auf. In Gestalt von Büchern und sonstigen Schriften haben die Aufbau- und Verhaltensrezepte längst die organischen Körper verlassen. Wenn sie gebraucht werden, dann sind sie - sofern nicht alle Überlieferungen gewaltsam zerstört wurden - wieder greifbar.
Für die Organismen bedeutet der Ersatz verlorener Teile ein weit größeres organisatorisches Problem. Zunächst müssen Kontrollmeldungen über etwaige Verluste an solche Wirkungsträger ergehen, die zu einer Wiederherstellung befähigt sind. Zweitens ist zu bedenken, daß die Funktion des Organaufbaus nicht unbedingt mit der einer Organreparatur oder Organwiederherstellung identisch ist. Die Gesamtsituation während der Embryonalentwicklung ist eine durchaus andere als bei Wiederherstellungen. Viel kann hier durch Regelkreise erreicht werden, doch längst nicht alles.
Zuallererst ist bei Verletzungen ein entsprechender Wundverschluß nötig, damit nicht Körpersäfte verlorengehen oder räuberischen Eindringlingen (Endoparasiten) Tür und Tor geöffnet ist. Die Koagulation des Blutes und alle sie bewirkenden Einheiten gehören beispielsweise in diesen Funktionskreis. Dann müssen beschädigte und funktionslos gewordene Teile abgebaut, abgestoßen oder sonstwie eliminiert werden - eine Aufgabe, die im ursprünglichen Aufbauprogramm höchstens beim Abbau von Hilfsstrukturen gegeben ist. Schließlich müssen sich neu bildende Organe an die bestehenden Systeme der Koordination, der Versorgung und der Kontrolle Anschluß finden: ein weiteres schwerwiegendes Problem.
Auch hier liegt noch weitgehend im dunklen, wie alle diese Leistungen innerhalb der pflanzlichen und tierischen Körper erbracht werden. Jedenfalls aber sind dafür besondere, uns zum Teil unbekannte Wirkungsträger nötig. Auch alle durch sie verursachten Kosten und zusätzlichen Abstimmungen sind eine notwendige Anpassung an die vierte "innere Front". Auch sie gehören funktions- und bilanzmäßig in die Rubrik "Erhaltung der Wirkungen".
Bei den Tieren und Pflanzen spielen hier "undifferenzierte" Zellen eine wichtige Rolle. Sie sind gleichsam Universalbausteine, die sich in alles Benötigte und
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zu Ersetzende umwandeln, "umdifferenzieren" können. Ähnliches wird bei den menschlichen Erwerbskörpern durch Normung und Standardisierung erreicht. Verlorene Teile werden auf diese Weise leichter ersetzbar. Maschinen werden heute nach Möglichkeit so konstruiert, daß alle Teile möglichst leicht auswechselbar sind (Baukastenprinzip). Der Volkswagen ist dafür ein Beispiel.
Innerhalb der Zellen - das wurde erst kürzlich festgestellt - finden sogar an den Rezeptfäden (DNS-Molekülen) Regenerationsvorgänge statt.4 Selbst hier vermutet man dafür einen eigens dafür zuständigen Mechanismus, und notwendigerweise müssen auch an diesen Kontrollmeldungen ergehen. Beim Menschen ist gleichsam die gesamte Medizin (Ärzte, Medikamente, Spitäler usw.) zu einem Gemeinschaftsorgan der Kontrolle und Wiederherstellung geworden. In allen diesen Einheiten hat die Funktion der Erhaltung den genetischen Körper verlassen und wird von künstlichen Organen ausgeübt. Durch die heute möglich gewordene Organverpflanzung ist sogar die Totalerneuerung von genetisch gebildeten Wirkungsträgern durchführbar. Ebenso wie alle künstlichen Wirkungsträger werden dann auch die natürlichen durch solche, die ganz woanders gebildet wurden, ersetzt.
Bei Tierarten mit Metamorphose ist zu bedenken, daß jede ihrer Gestalten entsprechend andere pflegende und wiederherstellende Einheiten notwendig macht. Bei Verletzung einer Kaulquappe müssen Heilungs- und Regenerationsvorgänge anders aussehen als beim nachfolgenden Frosch. Bei Parasiten kommt es vor, daß sie nacheinander bis zu vier oder fünf völlig verschiedenartige Gestalten annehmen. Für jede sind dann eigene Rezepte und Wirkungsträger zur "Erhaltung der Wirkungen" notwendig.
Werden durch eindringende Räuber (Mikroorganismen), durch Krankheit oder Alter Teile zerstört, dann ist es den Organismen oft nicht möglich, sie abzustoßen. Sie werden vielmehr eingekapselt, damit sie die gesunden Abschnitte nicht weiter stören. Auch das - wie auch die Übernahme von Funktionen durch andere Organe - hat entsprechende Mechanismen zur Voraussetzung.
Ein weiteres Problem, das leicht übersehen wird, besteht darin, daß jede pflegende Einheit selbst wieder gepflegt werden muß. Funktionell beißt sich hier die Katze gleichsam in den Schwanz. So muß bei allen Organismen den Wirkungsträgern der Energiezufuhr selbst Energie zugeführt werden. Und bei jenen der Abfallsabfuhr treten meist selbst wieder Abfälle auf. Diese Probleme lösen sich nicht von selbst. Reinigende Einheiten müssen sehr oft selbst wieder gereinigt werden, kontrollierende müssen selbst kontrolliert werden, regenerierende müssen selbst Schäden ausgleichen können.
Von den Pflanzen ist jedermann bekannt, daß bei vielen Arten durch Stecklinge - also kleine Teile - eine neue Pflanze aufgebaut werden kann. Bei man-
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chen Tieren ist das ähnlich. Wird Plattwürmern (Planarien) Kopf und Schwanz abgeschnitten, dann regeneriert das Mittelstück beides, und es bildet sich allmählich wieder ein Körper von gleicher, nur etwas kleinerer Gestalt. Beim Seeigelkeim ist nach dem vierten Teilungsschritt noch jede der sechzehn entstandenen Tochterzellen "totipotent". Löst man eine solche von den übrigen, dann vermag sie einen ganzen - nur entsprechend kleineren - Seeigel zu bilden.
Nach unseren gewohnten Denkgeleisen betrachten wir bei einem Organismus seine Entwicklung als den "Anfang" und den schließlich fertigen Körper als die "Folge". Die Energontheorie zwingt dagegen, den Zusammenhang gerade umgekehrt zu sehen. Denn für jede Fortpflanzung sind Energieüberschüsse nötig - deren Gewinnung somit notwendigerweise am Anfang steht. Die Antwort auf die alte Scherzfrage: "Was war früher - die Henne oder das Ei?" findet hier die eindeutige Antwort: die Henne. Im endlosen Kettenprozeß, der bis zu den ersten erwerbs- und duplikationsfähigen Molekulargefügen zurückführt, stehen jene, die zu Überschüssen an freier Energie gelangten oder auf freie Energie Einfluß nehmen konnten (Nutzung von Fremdenergie), notwendigerweise am Anfang.
Aus dieser Sicht ist die Fortpflanzung nichts anderes als eine besondere Art von Regeneration. Ein hochspezialisierter Wirkungsträger leistet diese Funktion - eben die Keimzelle.
Um den Vermehrungsvorgang der Organismen im rechten Licht
zu sehen, muß man ihn scharf von der geschlechtlichen Paarung, mit
der er meist verknüpft ist, unterscheiden. Es handelt sich dabei um
zwei völlig verschiedene Funktionen - die bloß im Sinne einer
zweckmäßigen Anlagerung verkoppelt in Erscheinung treten.
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Anmerkungen:
1 Auch die
Frage der Ermittlung der Lohnhöhe regelt sich hier nicht von
selbst. Der Mensch ist nicht so anspruchslos wie die Zelle im vielzelligen
Organismus. Für jeden Angestellten ist der Betrieb die Erwerbsquelle,
die er auf bestmögliche Weise erschließt. Diese Abstimmung
verursacht den Betrieben nicht unbeträchtliche Kosten.
2 In den
größeren Betrieben Japans werden die Führungskräfte
(vom Werkführer bis zum Generaldirektor) durch die besondere Einrichtung
der Dauerstellung (shushin-koyo) lebenslänglich gebunden. Der Betrieb
verpflichtet sich, für sie zu sorgen; sie verpflichten sich, den Betrieb
nicht zu verlassen. Ihr Gehalt - selbst bei gleicher Arbeit - erhöht
sich mit der Länge der Betriebszugehörigkeit. So wird die "Fluktuation"
- die im Westen bis zu einem Drittel der Belegschaft pro Jahr ausmacht
- wesentlich vermindert. In den USA sieht man in der Fluktuation einen
positiven Faktor, ja eine Grundvoraussetzung für die Leistungsfähigkeit
der Betriebe. In Japan wurden jedoch durch diese "Immobilisierung der Arbeitskräfte"
und durch das sich daraus ergebende weit größere Gemeinschaftsgefühl
beträchtliche Erfolge erzielt. (Vgl. J.-J. Servan-Schreiber, "Die
amerikanische Herausforderung", Hamburg 1968, S. 284 f.)
3 Bei einem
verhungerten Kater wurde festgestellt, daß er 97% seines Fettes verlor,
54% seiner Leber, 31% seiner Muskeln und nur 3% von Gehirn, Rückenmark
und Herz. Diese und ähnliche Beobachtungen haben gezeigt, daß
es bei den Organismen für Notzeiten nicht nur Zuteilungspläne
gibt, sondern auch entsprechende Rezepte und Steuerungen für einen
allenfalls nötigen Abbau.
4 "Scientific
American", 1967 Heft 2, S. 36.