Kein Energon kann völlig ungestört seinen Energieerwerb betreiben. Fast jedes gleicht einer Burg, die belagert wird. Da jedes Energon ein Energiepotential darstellt, wird es ganz automatisch für andere Energone zur möglichen Erwerbsquelle.
Tiere und Pflanzen, die überhaupt keine Raubfeinde haben, dürfte es - wenn überhaupt - nur unter den extremen Spezialisten geben. Bei den vom Menschen geschaffenen Energonen ist das Problem der Feindabwehr heute nicht mehr so akut wie einst. Innerhalb der organisierten Staatswesen ist der Keimzelle Mensch und den von ihr gebildeten Erwerbsstrukturen die Notwendigkeit zur Verteidigung weitgehend abgenommen. Der Staat sorgt für die gemeinsame Sicherheit - wofür jeder Berufskörper und jede Erwerbsorganisation im Wege abzuführender Steuern anteilig aufkommt. Die Gemeinschaftsorgane Landesverteidigung, Legislative und Exekutive entheben sie - zumindest weitgehend - der Notwendigkeit, individuelle Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Bei den Tieren und Pflanzen sind bloß die organischen Teile Zielpunkt für räuberische Tätigkeit: Für die Raubtiere kommen nur aufschließbare Moleküle als Erwerbsquelle in Frage. Bei den nicht verwachsenen Erwerbs- und Luxuskörpern des Menschen ändert sich dies radikal: Menschenfresserei ist hier die Ausnahme. Auch der Mensch bildet räuberische Energone, doch diese haben es in erster Linie auf künstliche Organe abgesehen, die nicht "verdaut" zu werden brauchen - sie können direkt im Sinne ihrer Funktion verwendet und auch "verkauft" werden. Sie sind somit keine eigentliche Energiequelle, doch haben sie Tauschwert. Im Falle einer Uhr oder eines Brillantringes ist das Energieäquivalent sogar weit größer, als im gleichen Volumen organischer Substanz an verwertbarer chemischer Energie je stecken könnte.
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Immerhin war auch der menschliche Körper noch bis in die nahe Vergangenheit Zielpunkt für menschlichen Raub. Der der eigenen Botmäßigkeit unterworfene Mitmensch ist das am universellsten verwendbare künstliche Organ. Am Beginn dieser Entwicklung - die die gesamte menschliche Geschichte kennzeichnet - steht die Unterwerfung der Familienangehörigen. Frau und Kinder waren der Befehlsgewalt des Mannes unterworfen. Sklaverei und Leibeigenschaft waren dann die nächsten Stufen in der Ausbeutung des Menschen. Dem künstlichen .Organ "botmäßiger Mensch" kann fast jede körperliche und auch manche geistige Arbeit aufgezwungen werden.
Jahrtausendelang waren diese Einrichtungen eine Selbstverständlichkeit: auf Sklaverei und Leibeigenschaft bauten sich sehr viele Berufskörper und Erwerbsorganisationen auf. Durch die jeweils gebildeten Staatswesen wurden sie fast ausnahmslos geschützt. Nur durch Einflußnahme auf diese Staatskörper konnte der Einzelmensch sich allmählich von dieser furchtbaren Gefahr, gewaltsam zu einem künstlichen Organ gemacht zu werden, befreien. Bekanntlich ist auch heute dieser Prozeß noch in manchen Teilen der Welt nicht abgeschlossen
In der Bilanz jedes Energons können die Ausgaben für die Abwehr von Raubfeinden in einer gemeinsamen Rubrik verbucht werden. Sie gehören insofern zusammen, als sie insgesamt eine sehr verwandte Wirkung ausüben und funktionell einander ähnliche Gegenmaßnahmen notwendig machen. So wie alle dem Erwerb unmittelbar dienenden Einheiten eine Art von Gemeinschaft bilden, so sind auch alle Wirkungsträger und Verhaltensrezepte des Schutzes funktionell verwandt, wenn sie auch in ungeheurer Vielheit und Vielgestaltigkeit auftreten.
Die ursprünglichste und einfachste Form eines Schutzes ist der Panzer. Sehr anschaulich führt uns diese Art von Wirkungsträger der Seeigel vor Augen. Die Abwehrkraft wird hier durch die Stacheln noch wesentlich unterstützt.
Für Pflanzen kam diese Lösung nur beschränkt in Frage. Für ihre Erwerbsart ist das Einströmen der Lichtstrahlen in die diesen zugewandten Flächen erforderlich. Immerhin ist hier die Zellulosewand der Zellen nicht nur ein Wirkungsträger der Stützung, sondern auch des Schutzes. Kleineren Räubern wird so der Fraß erschwert, größeren die Verdauung. Die nicht erwerbstätigen Stämme und Zweige finden wir dagegen durch Borke geschützt. Als weitere Schutzeinheiten werden Stacheln oder Gifthaare ausgebildet.
Bei den menschlichen Berufskörpern kehrt dieses Schutzprinzip in mannigfacher Gestalt wieder. Für den Landwirt wurde in ungeschützten Gebieten sein Gehöft zum Panzer. Die Mauern der Ritterburgen beeindrucken uns noch heute
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durch ihre Mächtigkeit. Daß ganze Erwerbsorganisationen sich durch feste Panzer schützen, sehen wir zunächst bei den Termiten. Im menschlichen Bereich zeigen es uns die befestigten Städte des Mittelalters. Ganze Länder haben sich nur selten auf diese Weise schützen können - die berühmte Chinesische Mauer bildet hier die Ausnahme. Dagegen spielten naturgegebene Hindernisse, Flüsse und Gebirgsketten, als Befestigung eine wichtige Rolle. Im Bereich der kleineren Berufskörper und Erwerbsorganisationen zeigen Zäune und Stacheldraht das gleiche Abwehrprinzip. Zwischen das Energon und die möglichen Raubfeinde wird ein Hindernis gestellt.
Allerdings weist diese einfachste Verteidigungsform arge Mängel auf. Die Abwehr der Raubfeinde kann der Bilanz kaum helfen, wenn durch die schützenden Wirkungsträger gleichzeitig der Energieerwerb unmöglich gemacht wird..
Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma zeigen uns die Muscheln. Bei Gefahr schließen sie sich - und sind allseits von einem Panzer umschlossen. Für den Erwerbsakt öffnen sie einen Spalt, und ein Ansaugrohr zum Erwerb planktonischer Nahrung wird herausgestreckt.
Eine andere Möglichkeit, den Funktionskonflikt zwischen Panzerung und Erwerb zu beseitigen, zeigt die Einrichtung "Tür". Jede Deckelschnecke führt sie uns vor Augen. In diesem Fall hat der Panzer eine Öffnung, durch welche die eigentlichen Erwerbsorgane die Umschließung verlassen können. Kommt ein Feind, ziehen sie sich schnell zurück, und die Öffnung wird geschlossen.
Die Türen unserer Häuser sowie die Tore der Burgen und Stadtmauern sind dazu durchaus keine banale und oberflächliche Analogie. Hier wie dort ergaben sich so geartete Einheiten als funktionelle Notwendigkeit. Nicht weil der Mensch X oder Y sie schuf, gibt es Türen und Tore. Sie ergaben sich vielmehr als notwendiger Ausweg aus dem Funktionskonflikt zwischen Erwerb und Feindschutz. Wo immer Panzer oder Mauern gebildet wurden, mußten solche Einheiten zwangsläufig ebenfalls entstehen. Anderenfalls war diese Verteidigungsform eben nicht möglich.
Bei allen tierischen Energonen, die auf eine bewegliche Erwerbsweise ausgerichtet sind, wurden Panzer zu einem besonderen Problem. Hier müssen nicht nur die Erwerbsorgane, sondern auch die Fortbewegungsorgane irgendwelche Tore haben, um durch den Panzer hindurch wirken zu können. Sehr deutlich zeigen das die Schildkröten. Durch entsprechende Öffnungen werden die Beine und der Kopf vorgestreckt. Manche Arten können diese Organe zur Gänze hinter ihre "Stadtmauer" zurückziehen.
Ein anderes Lösungsprinzip zeigen die Krebse und Insekten. Hier sind auch die Fortbewegungs- und Erwerbsorgane gepanzert - was wiederum Scharniere notwendig macht. Im künstlichen Organ Ritterpanzer sehen wir das Gegenstück beim Menschen. Die Ritterrüstung hatte indes den Vorteil, ablegbar zu sein - während die Insekten und Krebse ihre Panzerung das ganze Leben lang mit sich
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Erste Stufe a: Das Erbrezept G baut das Energon E samt dem schützenden Wirkungsträger W auf. Dieser mag in einer Panzerung bestehen (wie im Schema angedeutet), ebenso kann es aber auch ein Giftstachel, eine Tarnfarbe oder ein Rezept für ein Fluchtverhalten sein. W ist, ganz allgemein, die Gesamtheit aller dem Schutz gegen Raubfeinde dienender Einheiten.
Zweite Stufe b: Diesmal baut das Erbrezept G ein an sich ungeschütztes (oder nur mangelhaft geschütztes) Energon F auf, rüstet dieses jedoch mit dem Verhaltensrezept V aus, durch welches es befähigt ist, sich selbständig aus der Umwelt schützende Wirkungsträger zu beschaffen und seinem Wirkungskörper anzugliedern (W2). Das kann wieder ein Panzer sein (wie etwa beim Einsiedlerkrebs), es können aber auch Teile sein, die zu einer schützenden Einheit zusammengebaut werden müssen (z. B. Steine, aus denen ein Schutzwall oder eine Burg errichtet wird). V ist in diesem Fall die Gesamtheit aller Verhaltensrezepte, die der künstlichen Beschaffung zusätzlicher Schutzeinheiten dienen.
Dritte Stufe c: Die Energone H, I und K sind Menschen, von denen jeder sich schützende Einheiten beschafft hat. Bei H mag es ein Haus sein (W3), bei I ein Gewehr (W4), bei K etwa schützende Bedienstete. Diese drei Energone (es mögen auch viel mehr sein) tun sich nun zusammen und bilden eine gemeinsame, sie alle schützende Struktur: ein Gemeinschaftsorgan zur Abwehr von Raubfeinden. Dies kann etwa ein Kral sein, wie wir ihn noch heute bei primitiven Stämmen Afrikas finden, ebenso aber auch eine schützende Streitmacht oder schließlich eine Schutzorganisation mit Gesetzen, Gerichtsbarkeit und Landesverteidigung. Der "Staat" in seiner Funktion als ein die Bürger schützender Wirkungsträger ist somit Ergebnis einer funktionellen Weiterentwicklung aller schützenden Vorrichtungen, die in der Evolution ausgebildet wurden.
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herumschleppen müssen. Besonders behindert wird dadurch das Wachstum: Sowohl Insekten als auch Krebse müssen sich "häuten". Diese Neubildungen bedeuten einen ganz gehörigen Kostenaufwand und beeinflussen die Bilanz auch insofern negativ, als jeder Häutungsvorgang ein erhöhtes Gefahrenrisiko mit sich bringt. Der neue Panzer ist zunächst weich - das Tier muß sich in Spalten oder Löchern verstecken. Dazu ist wiederum die Ausbildung eines entsprechenden Verhaltensrezeptes notwendig.
Eine andere Methode, dieses Problem zu lösen, zeigen die sogenannten "Kugler", die es in sehr verschiedenen Tiergruppen gibt. Nur die Oberseite ist bei ihnen gepanzert - bei Gefahr rollen sie sich ein. Beispiele: der Rollegel, die Landassel, das Schuppentier. Auch der Igel rollt sich ein. Das Stachelschwein dagegen spreizt bloß die Stacheln, und der Igelfisch pumpt sich mit Wasser voll, wodurch ebenfalls seine Stacheln nach allen Seiten. hin wegstehen. Bei jedem dieser Energone mußten besondere Verhaltensrezepte ausgebildet werden. Erst in Verbindung mit diesen gewannen die bei ihnen ausgebildeten Schutzorgane ihre volle Wirkung.
Die für die menschliche Intelligenz charakteristische Panzerbildung ist der Schild. Er ist ablegbar, wenig beschwerlich und gestattet die freie Fortbewegung. Kommen feindliche Speere oder Pfeile angeflogen, dann wird er ihnen entgegengehalten. Der Aufwand zur Schutzwirkung wird so auf das unbedingt Nötige beschränkt.
Das Problem des Wachstums trifft nicht nur die Insekten
und Krebse, sondern ebenso auch Betriebe und Staaten. Wächst ein Betrieb,
dann müssen neue Mauern und Tore gebildet werden. Vergrößert
ein Staat sein Territorium, dann werden neue Grenzbefestigungen nötig.
Die meisten Tiere können sich - als Voraussetzung für ihre Erwerbsform - frei bewegen. Wenn sie diese Fertigkeit auch dazu verwenden, sich Räubern durch Flucht zu entziehen, dann erscheint uns das höchst selbstverständlich. Es ist jedoch zu bedenken, daß auch zu dieser Leistung besondere Wirkungsträger nötig sind: Verhaltensrezepte.
Eichhörnchen fliehen in die Baumkronen, Mäuse in ihre Löcher, der Biber taucht weg, der Fasan fliegt auf. Bei Maulbrütern fliehen die Jungfische blitzschnell in das elterliche Maul. Junge Känguruhs fliehen in den elterlichen Beutel. Kaninchen schlagen Haken. Nachtschmetterlinge drehen Loopings. Für jede dieser Leistungen ist eine ganz konkrete materielle Einheit im Zentralnervensystem dieser Tiere vonnöten - ein entsprechendes Verhaltensrezept.
Wenn Erwerbs- und Fortbewegungsorgane zusätzlich zur Verteidigung einge-
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setzt werden - wenn etwa Fische sich mit ihrem Maul oder Hirsche mit ihren Hufen verteidigen -, dann ist das alles eher als "selbstverständlich". Beute und Raubfeind sind etwas völlig Verschiedenes: - das Energon muß den Unterschied ausmachen können. Außerdem macht Flucht eine ganz andere Bewegungskoordination notwendig als Angriff. Auch hier beruht also die Feindabwehr auf einer zusätzlichen Bildung von Verhaltensrezepten.
Manchen Tieren ist angeboren, sich bei Gefahr totzustellen. Ihre Schutzreaktion stützt sich auf die Tatsache, daß bei vielen Raubtieren nur eine sich bewegende Gestalt das Beutefangverhalten auslöst. Das schützende Verhaltensrezept ist in diesem Fall dem Verhaltensrezept des Raubtieres angepaßt. Auch der Mensch zeigt noch diese uns von unseren Tiervorfahren vererbte Schutzreaktion. Wenn wir einer Gefahr gewärtig werden, also "erschrecken", erstarren wir zur Bewegungslosigkeit, werden wir "starr vor Schreck".
Eine recht verzweifelte und kostspielige Art der Feindabwehr ist das Abstoßen körpereigener Teile. Gerät die Eidechse in Gefahr, dann wirft sie den Schwanz ab. Dieser zappelt weiter, lenkt die Aufmerksamkeit des Räubers auf sich - der Hauptkörper entkommt. Wird die Seegurke attackiert, dann stößt sie ihren Darm aus. Der Räuber frißt ihn und läßt den Rest vielleicht in Ruhe. Der Darm wird dann regeneriert. Wird der Süßwasserringelwurm (Lumbriculus variegatus) angegriffen, dann zerfällt sein Körper in mehrere Teilstücke. Jene, die nicht gefressen werden, regenerieren den restlichen Körper.
Regeneration als Hauptverteidigungswaffe finden wir bei fast allen Pflanzen - doch manche von ihnen verteidigen sich auch durch entsprechendes "Verhalten". Sie "entfliehen" ihren Verfolgern - freilich auf ihre gemächliche Weise. Sie bewerkstelligen es durch Wachstum. Jede Ziege, die bei einem Sprößling die Blätter abrupft, beweist uns den Vorteil, den größere Bäume haben, sobald erst ihre Blätter mehr als zwei Meter hoch über dem Boden sprießen. In erster Linie ist das wohl eine Kampfmaßnahme gegenüber Konkurrenten, denen sie so das Licht wegnehmen, außerdem aber dient es der Verteidigung.
Auch hier handelt es sich letztlich um ein Verhaltensrezept.
Wie schwer es ist, streng zwischen Aufbau- und Verhaltensrezepten zu unterscheiden,
zeigt sich deutlich an diesem Beispiel.
Daß Tiere und Pflanzen über außerordentlich vielfältige und wirksame Abwehr- und Verteidigungsvorrichtungen verfügen, ist allgemein bekannt. Neu ist dagegen, den damit verbundenen Aufwand - gleichgültig wie die einzelnen Abwehr"maßnahmen" auch beschaffen sein mögen - energetisch zu beurteilen und in
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einer gemeinsamen Kategorie zusammenzufassen. Sämtliche Einwirkungen von Raubfeinden sind wirkungsmäßig verwandt: sie können mit Speeren verglichen werden, welche die Energone bedrohen. Die gegen sie wirksamen Schutzmaßnahmen gleichen - um ein weiteres Symbol zu schaffen - schützenden Schilden. Ob ein solcher "Schild" die Gestalt eines Panzers mit Stacheln hat oder in Form einer im Gehirn sitzenden Steuerungsstruktur in Erscheinung tritt, die ein bestimmtes Fluchtverhalten, Totstellen oder die Verwendung eines Fortbewegungsorgans zur Verteidigung bewirkt,. ist - von der Bilanz her gesehen - völlig sekundär.
Tatsache ist: fast jedes Energon ist von Raubfeinden bedroht. Tatsache ist: auf die eine oder andere Weise muß es sich schützen. Genauer: es muß durch irgendwelche Wirkungsträger geschützt sein, da es sonst diesen Raubfeinden zum Opfer fällt, also nicht bestehen kann und die Evolution nicht weiterträgt.
Wesentlich ist auch hier bloß: Was kostet die jeweilige Abwehr? Wie präzise ist sie? Wie schnell wirkt sie?
Tarnung ist eine ganz andere Abwehrtechnik als das Austeilen eines elektrischen Schlages (wie etwa beim Zitteraal) oder das Einschüchtern des Angreifenden durch Größermachen - oder durch gezielte Propaganda. Die Energontheorie behauptet: Wichtig sind diese Unterschiede nicht - wichtig ist die damit verbundene energetische Belastung und die erzielte Wirkung.
Dringt ein parasitärer Einzeller in einen Körper ein - etwa ein "Krankheitserreger" -, dann nützen alle nach außen gerichteten Wirkungsträger der Abwehr nicht das geringste - dann müssen im Energoninneren Wirkungsträger in Aktion treten. Im menschlichen Körper sind das etwa die weißen Blutkörperchen, die sich höchst selbstlos für uns aufopfern. Sie schwimmen im Blutstrom oder kriechen wie frei bewegliche Amöben in unseren Geweben umher, fressen so viel der eingedrungenen Feinde wie möglich und verlassen schließlich, mit dieser gefährlichen Bürde beladen, unseren Körper - begehen also Selbstmord zum höheren Besten. Da sie unseren Sinnen dann einen unangenehmen Eindruck vermitteln, lehnt unser "Ich" sie ab. Wir nennen sie "Eiter". Es sind Einheiten, die zu unserem Wohl auf ein Weiterleben verzichten.
Weitere, noch höher spezialisierte Polizeiorgane sind die Antikörper. Je nach Art des eingedrungenen Feindes werden sie gleichsam nach Maß gebildet. Man hat diese Einheiten - ebenso wie die weißen Blutkörperchen - bisher in der Physiologie behandelt; die Abwehrvorrichtungen gegenüber der Umwelt dagegen in der Ökologie, Morphologie und Verhaltensforschung.. Von der Energontheorie her gehören diese Erscheinungen zusammen. Ob eine Abwehrwirkung den Gegner außerhalb des Körpers neutralisiert oder den bereits Eingedrungenen vernichtet, ist für die Bilanz belanglos. Wesentlich ist bloß, daß er vernichtet wird. Und was dazu beiträgt, gehört funktionell zusammen.
Manche Gewebe haben die Fähigkeit, eingedrungene Räuber mit einem festen Panzer zu umgeben und so unschädlich zu machen. Bei den Schweinen etwa wer-
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den eingedrungene Fadenwürmer (Trichinen) von einer Kapsel umschlossen, die dann immer mehr verkalkt. Allerdings sind diese Räuber sehr hartnäckig. In ihrer Kapsel bleiben sie bis dreißig Jahre lang am Leben. Wird ein von ihnen infiziertes Fleisch von einem geeigneten Wirt (Ratte, Hund, Mensch, Bär, Schwein) gefressen, dann löst sich die Kapsel auf, das Energon wird frei - und eine Fortentwicklung und Vermehrung im neuen Wirt setzt ein.
Daß es auch in den Betrieben Wachorgane gibt, ist bekannt. Ebenso gibt es solche in den Staatskörpern - von besonderer Wichtigkeit sind sie dort in Kriegszeiten. Wird ein im Inneren befindlicher Feind erkannt - hier kann jeder Bürger sich in einen solchen verwandeln -, dann wird er ebenfalls vernichtet. Oder er wird mit einer festen Kapsel umschlossen: er wandert ins "Gefängnis".
Eine weitere Form der Feindabwehr finden wir etwa beim Regenwurm und beim Pflasterkäfer. Das erstgenannte Tier hat eine ekelig schmeckende Leibeshöhlenflüssigkeit: beißt ein Räuber in ihn hinein, dann mag er innehalten, und der Regenwurm kommt mit Verletzungen davon. Ist der Angreifer lernbefähigt, dann assoziiert sich ihm außerdem die Erinnerung an das Aussehen eines Regenwurmes mit dem ekeligen Geschmack. Er wird folglich andere Regenwürmer ungeschoren lassen - ein Vorteil für die Art. Der Pflasterkäfer enthält stark giftige Substanzen in seinem Körper. Wird er gefressen, dann geht der Räuber unter Umständen zugrunde. Das hilft dem Pflasterkäfer wenig - gibt ihm sein Leben nicht mehr zurück. Aber es nützt der Art.
Warum? Sehr einfach: Gehen viele solche Räuber durch Pflasterkäfer zugrunde, dann ist das für sie ein Selektionsnachteil - ein Nachteil der Art im Konkurrenzkampf gegen andere, die nicht Pflasterkäfer fressen. Allenfalls kann es bei solchen Räubern zu einer Mutante (erbveränderten Rasse) kommen, die Pflasterkäfer meidet. Diese setzt sich dann entsprechend durch. Solche Vorgänge mögen tausend Generationen lang dauern, und viele der Gifttiere (in unserem Beispiel Pflasterkäfer) bleiben auf der Strecke. Aber die Nachkommen profitieren schließlich vom "Opfer dieser Pioniere". Auch hier profitiert die Art.
Bei der Keimzelle Mensch wurden solche Abwehrwirkungen, die sich zwar nicht für das Individuum, jedoch für die Artgenossen und Nachkommen schützend auswirken, besonders wichtig. Wer von einem anderen getötet wird, kann durch kein Gericht wieder zum Leben erweckt werden. Wird jedoch der Mörder hingerichtet, dann hat das eine abschreckende Wirkung, die sich herumspricht. Die Rückwirkung erfolgt hier auf einem anderen Weg, führt jedoch zum gleichen Ergebnis: andere Keimzellen Mensch werden dann weniger leicht getötet.
Es gibt also auch Abwehrwirkungen, die sich zwar nicht für das Individuum, jedoch für dessen Nachkommen vorteilhaft auswirken. Bei den Tieren und Pflanzen sind solche Nachkommen immer Artgenossen. Vom Menschen an sind die Energone in ihrer Fortpflanzung nicht mehr artfixiert - so kommt es, daß schützende Maßnahmen für die Keimzelle Mensch der gesamten Vielheit der in einem
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Rechtsgebiet von Menschen aufgebauten und gesteuerten Energone zugute kommen.
Insgesamt ist festzuhalten, daß sämtliche Energone von "Speeren" bedroht sind und deshalb über entsprechende "Schilde" zur Abwehr verfügen müssen. Wie ein solches Schild im Einzelfall aussehen muß, um wirkungsvoll zu sein, richtet sich nach der Art des Speeres - wird somit von der Feindwirkung her diktiert. Die Raubfeinde steuern so "tatkräftig" die evolutionäre Entwicklung der von ihnen bedrohten Energone - ohne dies im entferntesten zu wollen. Über den Weg der Steuerkausalität zwingen sie den Energonen Wirkungsträger der Verteidigung auf - zusätzliche Strukturmerkmale und Tätigkeiten, also zusätzliche Kosten.
Das Energon USA gibt zur Zeit mehr als die Hälfte seines Budgets für nationale Verteidigung aus: 1965, ehe sich der Vietnamkrieg noch besonders auswirkte, waren es bereits mehr als 50 Milliarden Dollar. Beim Seeigel dürften die Aufbaukosten seines Panzers und seiner Stacheln (niemand hat sie noch bestimmt) den Kosten der eigentlichen Erwerbsorgane - Maul, Darm, Ambulakralfüßchen etc. - kaum nachstehen. Da allerdings der Seeigel seine Stacheln auch zur Fortbewegung verwendet, müssen bei ihm diese Kosten zum Teil der Rubrik "Erwerb" angelastet werden. Sollte den USA ihre Militärmacht auch in der einen oder anderen Weise dazu dienen, ihren Außenhandel zu fördern - was wohl anzunehmen ist -, dann ist auch dort eine solche Korrektur nötig.
Außer den Raubfeinden bedrohen und beeinflussen noch weitere Umweltgegebenheiten die Energone. Ihre Wirkung ist zwar ungezielt - kann aber noch folgenschwerer sein als die der Räuber.
Betrachten wir diese weiteren "Speere".