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I

DAS VERBORGENE GEMEINSAME

Wie aus der Vielheit die Einheit wird, das steht sozusagen bisher unerledigt zwischen den Wissenschaften.
Johann Plenge (1919)


Eine von Jahr zu Jahr ansteigende Flut von Tatsachen hat einen Teil der Forscher bereits unter sich begraben

E. von Holst (1942)
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Wer verdient wieviel und womit?

Diese im täglichen Leben so geläufige Frage dehnen wir auf eine viel größere Zahl von Erscheinungen aus: Wie vermag ein materielles Gefüge überhaupt zu aktivem Erwerb zu gelangen? Welche Faktoren entscheiden über seinen Erfolg?

Heute stehen zwei Probleme im Vordergrund: Kann Europa mit dem amerikanischen Wirtschaftssystem konkurrieren? Wird der Kommunismus sich über die Welt ausdehnen? Es scheint abwegig, solche Probleme mit der Frage, wie Bakterien und Heuschrecken zu einem Machtzuwachs kommen, in einen Topf zu werfen. Erblickt man jedoch im Energieerwerb das Primäre und Wesentliche, dann handelt es sich um das durchaus gleiche Phänomen - nur auf verschiedenen Integrationsstufen.

Ich teile die Energone - praktischen Erwägungen folgend, auf die ich noch zurückkomme - in vier Gruppen: in Pflanzen, Tiere, menschliche Berufskörper und Erwerbsorganisationen. Was die ersten beiden Gruppen betrifft, so übernehme ich (mit geringfügigen Abweichungen) die in der Biologie übliche Einteilung. Die Begriffe "Berufskörper" und "Erwerbsorganisation" bedürfen dagegen einer genaueren Erklärung.

Unter Berufskörper ist nicht etwa der Mensch an sich gemeint. Es soll hier nicht - wie bisher in der Biologie üblich - der genetische menschliche Körper mit den tierischen und pflanzlichen Körpern verglichen werden. Der Berufskörper ist vielmehr die gesamte zur Ausübung einer Erwerbsart notwendige Struktur (Abbildung 1a).

Der Berufskörper eines Schusters besteht nicht bloß aus einem menschlichen

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Körper, sondern außerdem aus Kleidern und Werkzeugen, einer Räumlichkeit, in der die Berufsausübung stattfindet, aus einer Werkbank, Stühlen, Tischen, Regalen, eventuell aus Hilfskräften, aus einem Bankkonto und anderem mehr. Diese Gesamtstruktur ist nicht zusammengewachsen wie der Organismus eines Tieres oder einer Pflanze, sondern eine künstliche Erweiterung des menschlichen Körpers. Durch zusätzliche Einheiten - "künstliche Organe", wie ich sie nenne - gelangt hier ein Mensch zu erweiterten Fähigkeiten und vermag besondere Leistungen zu erbringen.

Noch etwas gehört zu diesem Körper, was nicht seinem genetischen Rezept entstammt: die Fähigkeit, sich aller dieser Einheiten zielführend zu bedienen. Biologisch gesehen handelt es sich dabei um besondere Aktions- und Reaktionsnormen, die der betreffende Mensch durch Lernen und Üben im Laufe seiner Lehrzeit in seinem Gehirn aufbaut. Wie diese "Verhaltensrezepte" im einzelnen aussehen, wissen wir noch nicht. Kein Zweifel kann jedoch darüber bestehen - das haben vor allem elektrische Gehirnreizungen eindeutig bewiesen -, daß es konkrete, materielle Strukturen sind. Man kann sie sich, in der Art eines elektrischen Schaltnetzes, als eine Vielzahl von Verbindungen zwischen sensorischen und motorischen Ganglienzellen vorstellen. Im motorischen Bereich sind es vor allem Zusammenschaltungen von Nervenimpulsen, die zu entsprechend koordinierten Muskelbewegungen führen. Die Herstellung eines Schuhes - in unserem Beispiel - erfordert ganz bestimmte Hand- und Körperbewegungen, deren Steuerungsrezept dem Schuster nicht angeboren ist. Sie müssen von ihm erworben und "eingeschliffen" werden. Dazu kommt - neben anderem - noch das für den Einkauf der Rohstoffe und für den Verkauf des Produktes notwendige "Wissen", also weitere Koordinationsrezepte, sowie als "Erfahrung" gespeicherte Information, durch die einzelne Handlungen modifiziert und verbessert werden können. Alle diese winzigen Einheiten sind zwar im Gehirn des Schusters aufbewahrt, aber ebenso zusätzlich geschaffen wie die Werkzeuge und die Stühle. Auch sie müssen als etwas die erbmäßig gebildete Struktur funktionell Erweiterndes angesehen werden. Auch sie sind zusätzlich notwendige Bestandteile des Berufskörpers.1

Für manche Berufsarten ist ein großes Instrumentarium nötig - man denke etwa an einen Zahnarzt. Bei anderen Berufen - etwa bei einem Kokosnußpflücker in Polynesien - fällt der genetische Körper fast ganz mit dem Berufskörper zusammen. Ähnlich verhält es sich bei einem Botengänger, einem Sänger oder einem Taschendieb.

In der Wirtschaft werden gewöhnlich die in der menschlichen Gemeinschaft

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nicht erlaubten Erwerbsarten ausgeklammert. Von der Energontheorie her müssen sie ebenso berücksichtigt werden wie die erlaubten Berufe. Der Dieb, der Geldschrankknacker, der Erpresser sind ebenfalls Energone, ebenfalls Berufskörper.2 Von der Bilanz her spielen moralische Wertungen und rechtliche Bestimmungen nur insofern eine Rolle, als sie das Erwerbsrisiko verändern.

Wie wenig der Berufskörper mit dem genetischen Körper identisch ist, geht daraus hervor, daß ein und derselbe Mensch im Laufe seines Lebens sehr wohl auch zwei oder mehrere Berufe ausüben kann. Er bildet dann - nacheinander - verschiedene Berufskörper. Ebenso ist es aber auch möglich, daß ein Mensch gleichzeitig mehr als einen Beruf ausübt. Dann ist dieser Mensch Zentrum von zwei oder mehreren Berufskörpern, die er alternierend steuert (Abb. 1b).

Die mannigfachen Berufskörper, die von Menschen im Laufe der Geschichte gebildet wurden, sind sicher nicht weniger verschiedenartig als die Körper der Tiere und Pflanzen. Unseren Sinnen stellen sie sich als etwas völlig anderes dar - besonders weil ihre Teile nicht fest verwachsen sind -, doch wenn wir von der zentralen Funktion des Energieerwerbes ausgehen, dann sind sie die evolutionäre Weiterentwicklung der "Lebewesen". Nicht der nackte menschliche Körper setzt die Evolution der energieerwerbenden "Pflanzen" und "Tiere" fort, sondern die

Abbildung 1: Erweiterung des menschlichen Körpers durch künstliche Organe

a) Ein Berufskörper. B = die Gesamtheit aller für die betreffende Berufstätigkeit notwendigen Einheiten. M = Mensch als steuerndes Zentrum. e = die mit der Berufstätigkeit verbundene Energieausgabe, e' = die Energieeinnahme.

b) Ein Mensch als Zentrum zweier Berufskörper (B1 und B2). x = die den beiden Berufstätigkeiten dienenden künstlichen Organe.

c) Ein Mensch, der neben einem Berufskörper auch einen Luxuskörper (L) aufgebaut hat. y = künstliche Organe, die sowohl der Berufsausübung als auch der Erzielung von Annehmlichkeiten dienen. 1-r = Energieausgaben zur Gewinnung von Annehmlichkeit. (Die Wechselwirkung: Steigerung der beruflichen Leistungskraft durch Erholung, also Annehmlichkeit, ist hier nicht berücksichtigt.)

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vom Menschen geschaffenen Berufsstrukturen, in denen wir schließlich nur noch als sie aufbauende und steuernde Einheiten fungieren.

Was die einzelnen Energone mit ihren Erwerbsüberschüssen anfangen, soll nur am Rande Gegenstand dieses Buches sein. Die Tiere und Pflanzen - darauf komme ich noch ausführlich zurück - haben kaum eine andere Möglichkeit als die, ihr Erwerbsergebnis in Wachstum und Vermehrung umzusetzen. Bei den Berufskörpern änderte sich das. Auch hier kann der Ertrag einem Wachstum oder einer Vermehrung zufließen - er kann jedoch vom steuernden Zentrum "Mensch" auch für ganz anderes verwendet werden. So umgibt sich dieser noch mit zusätzlichen Einheiten, die bloß seiner Annehmlichkeit dienen. Ein Gemälde von Rembrandt, ein Schachspiel und ein Segelboot sind Beispiele dafür. Neben dem Erwerbskörper bildet der Mensch - wenn er will und es sich leisten kann - auch noch zusätzlich einen "Luxuskörper" (Abb. 1c).

Das Wort "Luxus" ist mit manchen negativen Wertungen vermengt und auch sonst mißverständlich. Ich kenne jedoch kein besseres. Nach dem heutigen Sprachgebrauch könnte man von einem "Kulturkörper" sprechen, doch da man auch beim Ackerbau, also einem reinen Erwerbsvorgang, von Boden"kultur"' spricht, ist diese Bezeichnung nicht treffend. Unter "Luxuskörper" verstehe ich somit alle zusätzlichen Einheiten, die nicht direkt der Erwerbsanstrengung dienen. Alles, was der Mensch zur Steigerung seines Lebensgenusses und seiner Lebensverfeinerung hervorgebracht hat, fällt mit unter diesen Begriff.3

Daß sich eine klare Trennung zwischen Erwerbs- und Luxuskörper nicht immer durchführen läßt, sei ohne weiteres zugegeben. Der Mercedes eines Geschäftsmannes ist teils Werkzeug seines Berufes, teils seines Vergnügens und dient außerdem der Unterstreichung seiner Kreditwürdigkeit. Dazu kommt noch eine Rückwirkung der Luxustätigkeit auf die Erwerbstätigkeit: Annehmlichkeit bewirkt Erholung und Entspannung, kann die berufliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Trotzdem ist die Trennung bilanzmäßig durchführbar und dem wirtschaftlich Denkenden auch nicht fremd. In der Rechtspraxis, besonders jener der Besteuerung, ist sie üblich und spielt dort sogar eine nicht unwesentliche Rolle. Im täglichen Leben wird uns der Unterschied vor Augen geführt, wenn ein Berufstätiger in Not kommt. Dann kann man sehen, wie er Stück um Stück seinen Luxuskörper abstößt - und was letztlich übrigbleibt, neben Verpflichtungen wie etwa Frau und Familie, das ist der auf das Wesentliche reduzierte Berufskörper.

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Wir gelangen so - von der zentralen Funktion des Energieerwerbes ausgehend zu einer recht andersartigen Betrachtungsweise des Menschen und seiner Berufstätigkeit. Auch die Ehefrau - sofern sie nicht selbst berufstätig ist - rückt nun in ein anderes Licht. Ihre Erwerbsquelle ist der Mann, der sie erhält. In letzter Konsequenz ist ihre Ausrichtung auf diesen Mann, auf seine Eigenarten und Wünsche - ihr Berufskörper.4

Schließlich gibt es - zumindest in den nichtkommunistischen Ländern - Menschen, die ohne jede Berufstätigkeit, etwa vom unmittelbaren Verzehr einer Erbschaft oder von einer Unterstützung leben. Hier sehen wir dann die Keimzelle Mensch ohne Berufskörper. Sie lebt von fremdem Ertrag, vom Kapital gewonnener Überschüsse. Daraus erhellt, daß es zwar keinen Berufskörper gibt, der nicht als Zentrum einen Menschen hätte, doch gibt es sehr wohl Menschen mit nur kleinem oder ohne jeden Berufskörper.5

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Die vierte große Gruppe von Energonen neben den Pflanzen, den Tieren und den menschlichen Berufskörpern - nenne ich "Erwerbsorganisationen". Möglich wäre hier auch die Bezeichnung "Erwerbsgemeinschaften".

Die Erwerbsorganisationen sind nicht mehr als Erweiterungen eines Einzelmenschen aufzufassen. In ihrem um eine oder mehrere Stufen höher integrierten Gefüge werden Berufskörper zu funktionellen, auswechselbaren Einheiten.

Die großen amerikanischen Industriebetriebe, deren Struktur Galbraith so anschaulich beschrieben hat, zeigen diese deutlich.6 Im Gegensatz zum klassischen Eigentümerbetrieb ("Unternehmerbetrieb"), in dem immer noch ein einzelner eine ausschlaggebende Rolle spielt, sind diese Giganten bereits völlig überindividuelle, eigengesetzliche Körper. Sie sind von den Aktionären, die aus Überschüssen das notwendige Kapital beisteuerten, nicht mehr wirklich gelenkt. Die sie steuernde "Technostruktur" - Manager, Technologen, Vorarbeiter - erneuert sich in eigener Machtbefugnis. So wie in den vielzelligen Organismen die einzelne Zelle nur noch eine funktionelle Rolle spielt, so ist auch in der typischen Erwerbsorganisation (im "ausgereiften Betrieb", wie Galbraith ihn nennt) der einzelne Berufs-

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körper - und damit der einzelne Mensch - nur noch ein ersetzbarer Träger von benötigten Leistungen. Stirbt er, dann tritt Ersatz an die frei gewordene Stelle. Selbst durch den Tod der Leistungsspitze werden diese großen Betriebe nicht wesentlich in ihrer Wirkungsweise beeinträchtigt.7

Beim Eigentümerbetrieb läßt sich darüber streiten, ob er noch als extreme Erweiterung eines Berufskörpers anzusehen ist oder bereits in die Gruppe der Erwerbsorganisationen gehört. Erfahrungsgemäß geht mit dem Tod des Unternehmers ein größerer Betrieb meist nicht zugrunde. Erweitert der Schuster seine Werkstatt immer mehr, verwandelt er sie schließlich in ein industrielles Unternehmen der Schuhherstellung, dann wird diese fließende Grenze irgendwann überschritten . Je größer der Betrieb wird, um so mehr wird auch der Eigentümer zu einem ersetzbaren Rädchen in dem Getriebe, um so mehr zwingt die ihn umschließende Erwerbsstruktur ihm seinen Willen auf. Der Unterschied zum Erwerbskörper liegt in der Überindividualität. Selbst wenn eine klare Trennung hier nicht möglich ist, halte ich die begriffliche Unterscheidung doch für zweckmäßig und gerechtfertigt.

Durch Zusammenschluß von mehreren Betrieben zu einem Konzern oder Kartell kann es zur Bildung von Erwerbsorganisationen noch höherer Integrationsstufe kommen. Den Berufskörpern, Betrieben, Konzernen und Kartellen ist wiederum der Staat übergeordnet.

Ein hierarchischer Stufenbau kennzeichnet die gesamte Entfaltung und Entwicklung der Energone. Die erste Hauptstruktur, zu der sie gelangten, war die Zelle, die nächsthöhere der vielzellige Organismus. In diesen beiden Bereichen kann man, je nach der Erwerbsart, von Pflanzen oder Tieren sprechen. Der Mensch - aus dem Tierreich hervorgehend - erweiterte dann seinen genetischen Körper, bildete mit Hilfe von zusätzlichen Einheiten Berufskörper. Diese sind bereits die nächsthöhere Integrationsstufe. Aus Berufskörpern setzen sich die Erwerbsorganisationen zusammen, deren weitere Stufen schließlich im "modernen Staat" oder im "Staatenbund" ihre höchste Entwicklungsform finden.8

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Zu allen Zeiten gab es Denker, die den Staat als echten Organismus ansahen. Plato nannte den Staat "einen Menschen im großen", Aristoteles nannte ihn "ein beseeltes Lebewesen". Der englische Philosoph Thomas Hobbes sah in der Furcht den Ausgangspunkt zur menschlichen Staatsbildung und nannte den Staat "ein alles verschlingendes Ungeheuer". Fichte nannte ihn "die organische Erscheinungsform Gottes". Schelling erklärte, daß der Staat nicht ein Mittel für bestimmte Zwecke sei, sondern die "Konstruktion des absoluten Organismus".

Verfechter der "organischen" Richtung innerhalb der Staatslehre waren auch die Philosophen G. Fechner und W. Wundt sowie als glänzendster Vertreter der Rechtsgelehrte Otto von Gierke. Der schwedische Historiker und Staatstheoretiker Rudolf Kjellén stellte den "Lebensformen" Pflanze, Tier und Mensch die Lebensform Staat zur Seite.9 Er bezeichnete den Staat als "eine wirkliche Persönlichkeit mit eigenem Leben", als einen "Organismus im biologischen Sinne". Solche Anschauungen führten zu manchen recht oberflächlichen anthropomorphistischen Vergleichen - besonders bei J. Bluntschli, der dem Staat sogar männliches Geschlecht zuschrieb (im Gegensatz zur Kirche, die "weiblich" sei). Richard Thoma sprach von einer "organologischen Gespensterlehre".

Auch ein Biologe, kein geringerer als Oskar Hertwig, wagte sich auf das schlüpfrige Pflaster der Allgemeinen Staatslehre.10 Er knüpfte an Ernst Kapp an, der in seinen "Grundlinien einer Philosophie der Technik" (1877) den Staat als einen "sich dem Menschenleib nachbildenden Organismus" bezeichnet hatte. Nach ihm ist der Staat "eine dem Menschen übergeordnete, höhere Form von Organismus". Die von Hertwig aufgezeigten Analogien waren fundierter als die der meist mystisch orientierten Organologen. Aber er fand nur wenig Beachtung.

Von der Energontheorie her ist der Staat - wie ich noch ausführen werde - ein ziemlich kompliziertes Zwitterwesen, einerseits Organ des Menschen, anderseits selbständiges Energon. Nach der oben gegebenen Einteilung gibt es sowohl Staaten, die man als extrem erweiterte Berufskörper von Einzelpersonen ansehen kann, als auch andere, die als überindividuelle Gebilde unter die Erwerbsorganisationen einzureihen sind.

Es gab jedoch nicht nur in der Staatslehre Verfechter des Gedankens, daß die vom Menschen geschaffenen Organisationen den tierischen und pflanzlichen Körpern vergleichbar wären. Sowohl bei Philosophen als auch bei Naturforschern tauchte immer wieder der Gedanke auf, daß den organisierten Erscheinungen ein gemeinsames Prinzip innewohnen müsse.

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Immanuel Kant sprach als erster den Gedanken von einem "Urbild" aller Tiere und Pflanzen aus. Er schrieb, daß eine noch fehlende "Naturgeschichte" die "Abartungen" der Geschöpfe vom "Urbild" lehren würde.11 Kant hielt die "Abstammung der Arten aus einer einzigen Gattung" für denkbar.

Albrecht Dürer glaubte an ein geheimes Bildungsgesetz, das er aus der Natur "herauszureißen" sich bemühte. Die Mannigfaltigkeit der Formen beruhte für ihn auf der Abwandlung ("Verkehrung") einer Grundform, eines "Kanons", dessen Vorhandensein in der Vergleichlichkeit der Geschöpfe ihren Ausdruck fände.

Die gleiche Idee wurde zum Leitfaden in Goethes naturwissenschaftlichen Bemühungen. Er suchte nach der "Urpflanze" und nach dem "Urtier", dachte dabei aber nicht an einen gemeinsamen Ahnen, sondern an je eine gemeinsame Grundstruktur, auf die sich die Vielheit der Pflanzen und der höheren Tiere zurückführen ließe. Diese Urbilder versuchte er "wo nicht den Sinnen, doch dem Geiste nach darzustellen".

Auf Grund dieser auf das verborgene Gemeinsame gerichteten Sicht gelangen Goethe zwei bedeutende Entdeckungen. In der Botanik entdeckte er die Metamorphose des Blattes: Bildungen wie Dornen und Ranken, aber auch Staubgefäße und Stempel seien umgewandelte Pflanzenblätter.12 In der Zoologie entdeckte er den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Dieser war bis dahin nur bei Affen und anderen höheren Wirbeltieren nachgewiesen worden, und man erachtete es als Besonderheit, daß dem Menschen dieser Schädelknochen fehlte. Er suchte genauer - und fand den Knochen wirklich.13

. Auch der berühmte Akademikerstreit in Paris (1830) bezog sich auf die Frage eines "verborgenen Gemeinsamen". Geoffroy St.-Hilaire behauptete, es gäbe einen einheitlichen, das ganze Tierreich beherrschenden Plan ("unité de composition organique"). Cuvier, der in diesem Streit als Sieger betrachtet wurde, bestritt dies.

Knapp zehn Jahre später begründeten dann die deutschen Naturforscher Schleiden und Schwann die Zellenlehre, und weitere zwanzig Jahre darauf verhalf Charles Darwin der Evolutionslehre zum Durchbruch. Diese hatte bereits Jean Baptiste Lamarck 1809 - im Geburtsjahr Darwins - in einem wenig gelesenen Buch vorgetragen14, aber erst Darwin, der eine eindrucksvolle Menge von Beweisen zusammentrug, fand breite Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Durch diese beiden Lehren schien das verborgene Gemeinsame, das Kant, Goe-

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the, Geoffroy St.-Hilaire und andere gesucht hatte, entdeckt zu sein. Schon die Zellenlehre bedeutete eine geradezu ungeheure Vereinheitlichung. Sie wird heute in jeder Schule gelehrt, aber ihre volle Konsequenz wird nur den wenigsten bewußt: Alle Pflanzen und alle Tiere sind aus der gleichen Grundeinheit "Zelle" aufgebaut. Im Wasser leben solche Zellen als selbständige Organismen - die "Einzeller". Sie vermehren sich durch Teilung. Die weit größeren "Vielzeller" - alle größeren Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen - gehen gleichfalls aus einer einzigen Zelle, der "Keimzelle", hervor. Auch diese teilt sich, aber die so entstehenden Tochterzellen trennen sich dann nicht. Es kommt zur Bildung immer größerer Zellklumpen - und in diesen findet eine Arbeitsteilung statt. Bei manchen der so entstehenden größeren "Organismen" bilden die Zellen Blattgewebe, bei anderen Muskeln, Knochengewebe etc. Alle tierischen und pflanzlichen Organe werden so von der immer gleichen Grundeinheit aufgebaut. So verschieden also die höheren Tiere und Pflanzen auch aussehen mögen - eine Biene, eine Tanne, ein Stachelschwein -, alle sind sie samt und sonders aus der gleichen Grundeinheit "Zelle" aufgebaut.

Die Abstammungslehre von Lamarck und Darwin erklärte diese erstaunliche Übereinstimmung durch natürliche Verwandtschaft. Sämtliche Pflanzen und Tiere - der Mensch miteingeschlossen - stammen von Einzellern ab. Sie alle sind Äste an dem gleichen gigantischen Stammbaum des Lebens. Den Beginn dieses Prozesses datiert man heute auf zweieinhalb bis drei Milliarden Jahre zurück.

Die nachfolgenden Forschergenerationen konnten mit immer besseren Geräten und Methoden beide Lehren durch eine sehr große Zahl weiterer Beweise erhärten. Gegenbeweise tauchten nicht auf. Daß dieser Prozeß - die "Evolution" - wirklich stattgefunden hat, kann heute nicht mehr ernsthaft bezweifelt werden.

Noch eine dritte verborgene Gemeinsamkeit wurde entdeckt. Bei allen Tieren und Pflanzen ist das in den Zellen verborgene Erbrezept ("Genom") nach ein und demselben Prinzip aufgebaut. Im Elektronenmikroskop wurde es bereits für das menschliche Auge sichtbar gemacht. Es sind außerordentlich lange, fadenartige Moleküle der Nucleinsäure, auf denen die einzelnen Entwicklungskommandos wie Buchstaben aufgereiht sind. (Vgl. Abb. 24, 25.) Unsere heutige Kenntnis der Anordnung und Struktur der menschlichen Erbanlagen verdanken wir nicht etwa dem Studium menschlicher Keimzellen. Wir verdanken sie Untersuchungen, die zuerst Gregor Mendel an Erbsen, dann T. H. Morgan an Taufliegen und später andere Forscher vornehmlich an Bakterien und Viren durchgeführt haben. Man führe sich in aller Konsequenz vor Augen, was das bedeutet: Selbst zwischen dem Menschen und den winzigen Bakterien besteht immer noch eine so enge Verwandtschaft, daß wir aus der inneren Struktur der Bakterien auf die der menschlichen Keimzellen schließen können!

Somit ist durchaus verständlich, daß man heute in der Biologie - und in den Naturwissenschaften ganz allgemein - die Frage nach dem "verborgenen Ge-

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meinsamen" als längst überholt und beantwortet ansieht. Ganz in diesem Sinne äußerte sich kürzlich der Nobelpreisträger Werner Heisenberg. Er schrieb, daß man im "Goetheschen Sinne" die Nucleinsäure als Urlebewesen bezeichnen könne - "da sie eine Grundstruktur für die ganze Biologie darstellt". Die Elementarteilchen, aus denen die Atome bestehen, vergleicht Heisenberg mit den "regulären Körpern" in Platons "Timaios" und fährt dann fort: "Sie sind die Urbilder, die Ideen der Materie. Die Nucleinsäure ist die Idee des Lebewesens. Diese Urbilder bestimmen das ganze weitere Geschehen ..."15

Noch schärfer brachte diesen Standpunkt der Biologe W. Zündorf im Standardwerk der Evolutionsforschung zum Ausdruck: "Die von Goethe intuitiv erschaute und dichterisch gestaltete Einheit in allem Wechsel und in aller Mannigfaltigkeit der Formen enthüllt sich dem modernen Forscher als das dem Lebendigen zugrunde liegende Erbgut. Jede lebende Gestalt dankt ihm ihr Dasein, ihre Formfülle liegt in seiner Wandlungsfähigkeit begründet."16

Ich werde zu zeigen versuchen, daß diese Ansichten nur zur Hälfte richtig sind, daß eine weitere, vielleicht die wichtigste Gemeinsamkeit, bis heute unentdeckt geblieben ist. Das Erbgut - das "Erbrezept", wie ich es nenne - war wohl für die Höherentwicklung eine wichtige Voraussetzung. Aber zu welchen räumlichen und zeitlichen Strukturen die Organismen in der Evolution gelangten, läßt sich nicht aus der Wirksamkeit der Erbrezepte erklären. Es war vielmehr die Notwendigkeit, eine aktive Energiebilanz zu haben, die gleichsam vorschrieb, wie diese raum-zeitlichen Gebilde beschaffen sein mußten. Die Energontheorie knüpft dort wieder an, wo die Gedankenrichtung Goethes und einiger seiner Zeitgenossen abriß. Sie behauptet, daß sich der Lebensprozeß notwendigerweise nach einem gemeinsamen Grundkonzept entfaltete. Sie behauptet, daß sich sämtliche Lebewesen - um bestehen und sich weiterentwickeln zu können - gleichsam an die gleichen Regeln halten mußten und daß ebendiese Regeln auch für die raum-zeitliche Struktur der vom Menschen aufgebauten Erwerbskörper maßgebend sind.17

Dieses verborgene Grundgerüst ist - wie der Leser sehen wird - unanschaulich und zwingt zu einer Betrachtungsweise, die sich kraß gegen unsere gewohnten Denkkategorien wendet. Wie Goethe sagte, läßt sich dieses verborgene Gemeinsame nicht den Sinnen, nur dem Geiste nach darstellen.

Die Energontheorie geht aber noch um ein gutes Stück darüber hinaus, indem sie nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die vom Menschen geschaffenen

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Erwerbsstrukturen in ihre vergleichende Betrachtung miteinbezieht. Sie sucht - um in der Terminologie Goethes zu bleiben - nicht bloß nach dem "Ur-Organismus", sondern nach dem "Ur-Erwerbskörper".

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Auch in der Wirtschaftswissenschaft und in der Soziologie tauchte die Frage nach dem verborgenen Gemeinsamen auf.

1912 und 1923 veröffentlichte der russische Nationalökonom A. Bogdanow zwei Bände über "Allgemeine Organisationslehre", und 1919 erschienen. in Deutschland drei Vorlesungen des Soziologen J. Plenge über dasseIbe Thema. Weitere Schriften mit ähnlichen Fragestellungen verfaßten die Volkswirtschaftler R. Erdmann und W. Brand, der Philosoph 0. Feyerabend, der Konstrukteur K. Wieser, der Ontologe F. Schmidt, die Schriftsteller F. Eulenberg und H. Domizlaff, der Wirtschaftssachverständige K. Stefanic-Allmayer und andere.18

Alle diese Autoren suchten - von sehr verschiedenen Ausgangspunkten her - nach dem eigentlichen "Wesen der Organisation". Auf einen schwerwiegenden Fehler, in den die Mehrzahl dieser Autoren verfiel, möchte ich hier kurz eingehen.

Sie bezogen in ihre Betrachtungen über das Wesen des Organisierten auch Atome, Moleküle, Kristalle und Planetensysteme ein. Diese Strukturen sind zwar zweifellos "geordnet". Was sie jedoch grundsätzlich von den Organismen und den vom Menschen gebildeten Erwerbsstrukturen unterscheidet, ist: es handelt sich hier um Gleichgewichtszustände, jedoch nicht um energieerwerbende Systeme. Hier zieht der Energonbegriff eine klare Grenzlinie. Kein Atom, kein Molekül, kein Kristall und kein Planetensystem ist so beschaffen, daß es das eigene Potential an freier Energie zu erhöhen imstande ist. Das ist die große Kluft, welche die anorganischen von den organischen Ordnungen trennt.19

Nur zwei Autoren haben meines Wissens ebenfalls die Energiebilanz zum Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen gemacht. Der französische Soziologe Ernest Sol-

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vay versuchte - im rein Theoretischen verbleibend - mathematische Grundformeln für die Strukturen der menschlichen Gemeinschaftsbildung aufzustellen. Der zweite war der Begründer der physikalischen Chemie, der Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald, der 1909 ein Buch "Die energetischen Grundlagen der Kulturwissenschaft" verfaßte. Er wandte sich darin an die Soziologen, blieb jedoch völlig unbeachtet, keiner der mir bekannten Organisationsforscher erwähnte seine Schrift. Ich verdanke mein Wissen darüber dem Umstand, daß Prof. Dr. E. Broda vom Institut für physikalische Chemie in Wien die Freundlichkeit hatte, die erste Rohschrift des vorliegenden Manuskriptes kritisch durchzusehen, und mich auf Ostwald hinwies. Durch Ostwald erhielt ich besonders zum Thema Energie wichtige Anregungen. Er dachte nicht evolutionär, kam jedoch in vielen Punkten zu fast genau denselben Schlußfolgerungen.20

Wenn unser Gehirn die vom Menschen gebildeten Berufskörper und Erwerbsorganisationen als etwas von den Pflanzen und Tieren völlig Verschiedenes betrachtet, dann liegt das in erster Linie an den "Teilen", aus denen sich diese Strukturen aufbauen - und an der Art, wie das menschliche Gehirn diese Teile bisher in seiner Begriffskartothek eingereiht hat. Um das Gemeinsame zu sehen, müssen wir vorerst die "Schubladeneinteilung" in dieser Kartothek drastisch verändern.
 
 

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Anmerkungen:

1 Der amerikanische Soziologe und Philosoph Marshall McLuhan spricht ebenfalls von "Erweiterungen" des menschlichen Körpers, besonders im Bereich der Sinnes- und fortbewegungsorgane ("Die magischen Kanäle", Düsseldorf 1968; "Das Medium ist Massage", Frankfurt 1969.) Da seine Gedankengänge - die ebensoviel Ablehnung wie Beifall gefunden haben - nicht in einigen Worten darzulegen sind, gehe ich in Anhang III näher auf sie ein.
2 W. Sombart urteilte ähnlich: "Nach meiner Definition ist also Arbeit ebenso die Tätigkeit, die der Dieb aufwendet, um einen Einbruch auszuüben, obwohl sie (sozial) schädlich ist." ("Der moderne Kapitalismus", München 1921, S. 7.)
3 Ansätze zu "Luxus" - im Sinne nichterwerbsfördernden Aufwandes - gibt es auch bei Tieren, sowohl im Bereich ihrer körperlichen Struktur wie auch in ihrem Verhalten. In der individuellen Bilanz halten sich jedoch diese Ausgaben stets in mäßigen Grenzen. Erst beim Menschen wird die Luxustendenz zur Besonderheit. Daß hier der so gesteigerte Luxusaufwand nur vom Erwerbsindividuum her betrachtet einen Sollposten darstellt, für die Gesamtlebensentfaltung dagegen ein entscheidend wichtiger fördernder Faktor war (und ist), wird später ausgeführt.
4 "Beruf" weckt hier die falsche Assoziation zur Prostitution. Gemeint ist jedoch - völlig wertungsfrei - Energieerwerb.
5 Auch Rentner und Pensionisten scheinen keinen Berufskörper zu haben. Das stimmt jedoch nicht. Im Laufe ihres Lebens haben sie sich einen Rechtsanspruch erarbeitet - er wird zu der sie schließlich erhaltenden Struktur: zu ihrem Erwerbsorgan. Solange ihnen aus dieser Quelle Ertrag zufließt, haben sie einen Berufskörper.
6 John K. Galbraith, "Die moderne Industriegesellschaft", München 1968.
7 In der Betriebswirtschaft werden die Begriffe "Betrieb" und "Unternehmen" nicht immer gleich definiert. Für Nicklisch ist der Betrieb der eigentliche Produktionskörper und kann auch ein Einzelmensch sein; das Unternehmen ist dagegen die übergeordnete rechtliche Struktur. Gutenberg verwendet die beiden Begriffe fast synonym. Da dies auch dem heutigen Sprachgebrauch entspricht, schließe ich mich dieser Begriffsverwendung an.
8 Die Begriffe "Berufskörper" und "Erwerbsorganisation" sind im Begriff der "juristischen Person" bereits vorgebildet. Otto von Gierke fragte, welche "Wirklichkeit" diesem Rechtsphänomen zugrunde liege: diesen vom Recht anerkannten "Wesenheiten, denen es Persönlichkeit zuschreibt". Hinsichtlich der menschlichen "Verbände" sagte er: "Um den Teil des Rechtes, der sich als Lebensordnung von Verbänden gibt, zu verstehen und zu würdigen, muß man zu erfahren suchen, was denn eigentlich das ist, was hier in das Recht hineintritt und von ihm seine Ordnung empfängt." ("Das Wesen der menschlichen Verbände", Rektoratsrede, Leipzig 1902.)
9 Rudolf Kjellén, "Der Staat als Lebensform", Berlin 1924, S. 117 u. 228.
10 Oskar Hertwig, "Die Lehre vom Organismus und ihre Beziehung zur Sozialwissenschaft", Berlin 1899, und "Der Staat als Organismus", Jena 1922.
11 Von den verschiedenen Racen der Menschen", in L. Voss: "Immanuel Kants Schriften zur physischen Geographie", Leipzig 1839, S. 321 f.
12 "Die Metamorphose der Pflanzen", Jena 1790.
13 "Über den Zwischenkiefer des Menschen und der Tiere", Stuttgart 1820.
14 "Philosophie Zoologique", Paris 1809.
15 "Der Teil und das Ganze", München 1969, S. 325 f.
16 "Idealistische Morphologie und Phylogenetik", in G. Heberer: "Die Evolution der Organismen", Jena 1943.
17 In der Biologie nennt man die Fähigkeit eines Lebewesens, sich im Lebenskampf durchzusetzen, seinen Selektionswert. Um die genauere Erfassung dieses der Konkurrenzfähigkeit in der Wirtschaft weitgehend entsprechenden Wertes geht es hier.
18 Siehe Literaturverzeichnis. - Die Werke der Betriebswirtschaftler Schnutenhaus und Kosiol fallen nicht wirklich unter "Allgemeine Organisationslehre", da sie sich fast ausschließlich mit betriebswirtschaftlicher Organisation befassen.
19Trotz dieser Differenz im Forschungsgegenstand kam K. Stefanic-Allmayer zu einer Reihe von Resultaten, die den in diesem Buch vorgetragenen entsprechen. Bogdanows umfangreiche Bemühungen scheiterten dagegen an der zu großen Verallgemeinerung. "Völlige Unorganisiertheit", schrieb er, "ist ein sinnloser Begriff, im Grunde genommen dasselbe wie völliges Nichtsein." Somit versuchte er, gemeinsame Kategorien für schlechthin alles zu finden ... ein Weg, der nur zur Aufdeckung höchst oberflächlicher Parallelen führen konnte.
20 In einer seiner letzten Arbeiten definiert Konrad Lorenz die Lebewesen als energie- und informationserwerbende Systeme, die sich durch einen doppelten Regelkreis auszeichnen: der eine führt zu Energieerwerb, der andere zum Informationserwerb. ("Innate Bases of Learning", in: K. H. Pribram, "On the Biology of Learning", New York 1969.) Lorenz kommt damit dem hier vertretenen Standpunkt nahe. Er sieht jedoch, wie auch in der Kybernetik üblich, im Informationserwerb das Primäre. Die Energontheorie vertritt den Standpunkt, daß dieser nur ein notwendiges Hilfsmittel, also etwas Sekundäres ist.